Hat jemand Rat...mein Kind ist nur noch am Schwindeln 8J

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von phili7 15.03.10 - 20:27 Uhr

Hallo ihr lieben..
Lese hier sehr viel mit nun habe ich aber selber mal eine frage..
Also mein Sohn ist 8Jahre (hat noch 2kleiner Geschwister) seit einer geraumen zeit ist er nur noch am Schwindeln..
Bsp...Vorrige Woche hat er unser Auto mit den restlich Eis vor unsere Tür geputzt (was ja ne ganz so schlimm war bis auf die Kratzer;-) haben ihn dan darauf angesprochen..Er hat dann gesagt ich war das ne allein .....hat mit gemacht..
Wir 1Tag später mit den Eltern von ...in verbindunggesetzt...
Wegen Versicherung und so...Das ende vom lied war aber das er das allein war..Haben dann mit ihn darüber gesprochen das das ne richtig war was er da gemacht hatte..Musste sich auch bei den Eltern dafür Entschuldigen.Was er auch getan hat damit war es dann erledigt..
Heute kam meine mam zu mir und sagte das 5Mädels vor ihrer Tür standen weil mein Sohn eine davon mit einen Beutel Hunde....beworfen hat...
Ich ihn darauf angesprochen..Ich war das ne sondern der ....
habe dann zu meinen sohngesagt überlege dir geaun was du sagst..darauf hin hat er gesagt das er es war...
Jetzt hat er erstmal bis auf unbestimmte Zeit Playstation verbot u.s.w..
Wenn er es nochmal macht darf er dann auch ne mehr raus Spielen ...
Nun frage ich mich warum er das immer macht..
will er aufmerksam keit..........
Bin völlig sprachlos

Aber vieleicht hat ja jemand von Euch eine Antwort

Ach dann sagt er immer ich weiß ich bin blöd uns so.

Beitrag von jazzbassist 15.03.10 - 21:24 Uhr

Ich denke mal, dass Ihr Sohn in den Situationen einfach nur Angst vor einer Bestrafung hatte und es deshalb vorzog, nicht so ganz bei der Wahrheit zu bleiben. Das ist ja zunächst einmal eine ziemlich normale, kindliche Reaktion. Wir haben es als Kinder sicherlich auch vorgezogen, nicht bei allem erwischt zu werden. Und - wenn wir dann doch mal erwischt wurden - nun ja - wir kennen sicherlich selbst noch diese Situationen, sich dann vor den Eltern rechtfertigen und erklären zu müssen. Es lässt sich nur so schlecht erklären, warum jetzt die Nachbarskinder geärgert hat. Haben Sie es als Kind da nie vorgezogen, die Wahrheit etwas auszudehnen oder zu verfälschen oder einfach mal etwas zu leugnen?

Grundsätzlich schadet es aber nicht, trotzdem mal zu ergründen, warum ihr Sohn eventuell Angst haben könnte, in solchen Situationen bei der Wahrheit zu bleiben. Eine kann sein, dass ihr Sohn Sie als Elternteil noch nicht einschätzen kann und nicht weiß, was passiert, wenn er bei etwas erwischt wird. Das Eltern viel besser ein Problem lösen können, wenn die Kinder ehrlich und aufrichtig sind und sich auch mal von selbst entschuldigen, müssen Kinder auch erst erfahren. Es kann auch daran liegen, dass ihr Sohn festgestellt hat, dass die Wahrheit ihn nur in Schwierigkeiten bringt. Wir können die Kleinen leider nicht mit allem ungestraft davonkommen lassen, darum ist das immer eine gefährliche Gradwanderung.

Aber - man kann ein Kind zumindest schon mal dafür loben, wenn es bei der Wahrheit bleibt und das auch mal beim fällen des Strafmaßes berücksichtigen. Es wäre für ihn ja nicht vorteilhaft, wenn er für etwas eine Woche Playstationverbot bekommt, wenn er bei der Wahrheit bleibt und wenn lügt, im besten Fall davon kommt und im schlimmsten Fall ebenfalls bei einer Woche Playstationverbot landet. Da wäre er ja doof, bei der Wahrheit zu bleiben. Aber - auch das sind Erfahrungen, die Kinder erst sammeln müssen. Auch das kann man einem Kind in so einer Situation aber vermitteln, dass, wenn er gleich bei der Wahrheit geblieben wäre, sie hier vielleicht noch mal hätten ein Auge zudrücken können oder ähnlich. Denn das alles ist für ein Kind nicht selbstverständlich.

Ein weiterer Punkt kann sein, wenn die Strafen in keiner Relation (i.S.v. Verhältnis) zur Tat stehen. Das ist rein subjektives Empfinden aus den Augen eines Kindes. Jedes Kind hat eine individuelle Belastungsgrenze - auch beim „ertragen“ von Strafen. Diese sollte man nicht nur tunlichst vermeiden, zu überschreiten, man sollte sogar tunlichst vermeiden, sich dieser auch nur anzunähern. Kinder sind hier völlig unterschiedlich; meinem Spatz könnte ich die Xbox einen ganzen Monat verbieten, würde ihm nicht die Bohne stören. Wäre zwar dann manchmal schon doof, aber alles andere als ein Weltuntergang. Stubenarrest hingegen gleicht nach einem halben Tag bereits einer Folter für ihn. Hier ist die Belastungsgrenze also eigentlich bereits sofort erreicht.

Die Strafe soll einem Kind aber auch eigentlich nur zeigen: „Bis hier hin, junger Mann, und nicht weiter“. Sie muss also nicht sonderlich „intensiv“ sein, die Botschaft kommt bereits bei kleinen Strafen an. Eine Strafe wird ihren Sohn nämlich niemals daran hindern, ein „Vergehen“ nicht zu begehen. Er wird sich also niemals sagen: „Nein, dass mache ich jetzt doch nicht, denn, wenn ich erwischt werde, bekomme ich wieder Playstationverbot.“ Zur Definition von Spass gehört bei 8-Jährigen auch mal, eine ganze Menge Unfug anzustellen. Das meiste davon ist völlig harmlos und - da drückt man dann mal ein Auge zu oder versuchst mal mit einer kleinen Strafe. Bei den großen Brocken, die unsere Sprösslinge anstellen, werden die diese nur „unterlassen“, weil sie ihre Eltern nicht enttäuschen wollen aber nicht vor Angst einer Strafe.

Auch hier sollte man also mal Insichgehen, ob die Strafen in der Vergangenheit aus Sicht ihres Sohnes nicht doch zu ungerecht waren. Meistens sind wir Eltern ja doch schon ziemlich sauer, wenn unsere Sprösslinge was angestellt haben so dass wir da ziemlich schnell mal die Kontrolle verlieren können und auch Strafen aussprechen, die - bei objektiver Würdigung der Sachlage - völlig übertrieben und eigentlich nicht mehr gerechtfertigt waren. Hier kann man auch unbedingt mal mit einem Kind darüber sprechen, wie er eine Strafe jetzt empfand und ob er sie als gerechtfertigt ansah (er sie also einsieht) oder nicht. Je besser ein Kind weiß, wie gewisse Situationen entstanden sind, des so besser kann er sie beim nächsten mal einschätzen. Und sie auch ihn.

Grundsätzlich sollten Sie Ihren Sohn hier mal fragen, warum er sie in den beiden Situationen überhaupt angelogen hat. Am besten klappt das, wenn man die Sprösslinge Abends ins Bett bringt und noch mal ganz lange mit denen kuschelt und schmust. Sofern die sich sicher und geborgen fühlen, können Kinder ziemlich offen über solche Dinge reden. Wenn er sich nicht artikulieren kann, legen Sie ihm ein paar mögliche Ursachen fürs Lügen in den Mund. Sagen Sie ihm einfach nur, dass sie es verstehen wollen um zu gucken, wie man das eigentliche Problem (denn das Lügen ist nur das Symptom, nicht die Ursache) am fairsten (für alle Parteien) beheben kann.

Ein Grund kann hier auch sein, dass Eltern schon mal dazu neigen, auch mit den Missetaten ihrer Sprösslinge anzugeben (mir fällt gerade kein besseres Wort ein). Wenn Sie also schon mal der Oma erzählen, was er so angestellt hat oder bsw. Ihrer besten Freundin, kann ein Kind das unvorstellbar unangenehm sein, so das es immer bevorzugen wird, dass dieses Missgeschick gar nicht erst rauskommt. In einer Familiensituation mit mehreren Kindern sollte man die Geschwister da auch raushalten. Er ist schließlich der große Bruder und trägt somit die Vorbildfunktion. Natürlich möchte er nicht, dass seine kleineren Geschwister alles, was er so verbrochen hat, mitbekommen. Auch das kann ihm unangenehm bis peinlich sein.

Irgendwo in diesen Spähren müssen die Ursachen für sein Lügen liegen; die können aber nur sie ergründen. Um Aufmerksamkeit geht es bei dieser Form des Lügens aber nicht; das ist reiner Selbstschutz von ihrem Sohn. Wenn Kinder wegen Aufmerksamkeit schwinden, werden sie das daran erkennen, dass die dann nichts vertuschen wollen, sondern sich einfach besser/anders darstellen wollen und gerade durch das Lügen die Aufmerksamkeit erlangen wollen. Bei 8-Jährigen ist das aber ziemlich ungewöhnlich; zwar nicht ganz ausschließbar - aber in der Regel trifft das nur jüngere Kinder.

Beitrag von girland 16.03.10 - 14:30 Uhr

Hallo,

interessanter Beitrag.

.... Eine Strafe wird ihren Sohn nämlich niemals daran hindern, ein „Vergehen“ nicht zu begehen. Er wird sich also niemals sagen: „Nein, dass mache ich jetzt doch nicht, denn, wenn ich erwischt werde, bekomme ich wieder Playstationverbot.“ ....

Das stellt also das ganze Prinzip von Strafen bzw auch von den so modernen logischen Konsequenzen in Frage.

Somit ist die neue Frage: was bewegt dann ein Kind dazu, von Missetaten abzusehen (von den ganz normalen Unfugtaten, die Sie auch erwaehnen mal abgesehen)?

Uns als Eltern nicht enttaeuschen zu wollen? Aber das hiesse ja, dass wir jede Missetat persoenlich nehmen muessten ...

Oder einfach die groessere Vernunft, die mit groesserem Alter einsetzt? Das hiesse wiederum, dass wir alle Missetaten vor einem gewissen Alter (welchem?) ohne Konsequenz verzeihen muessten, denn wenn's sie's nicht besser wissen, koennen wir sie ja auch nicht dafuer verantwortlich machen / bestrafen ....

Hmmmm ....

:o)

Gina

Beitrag von jazzbassist 16.03.10 - 20:46 Uhr

Sie werfen hier die Worte Strafen und Konsequenzen durcheinander. Ich versuche mal, ihre Verwirrung etwas zu entwirren.

Eine Konsequenz ist für mich nichts anderes als das durchsetzen einer Grenze. Einfachstes Beispiel: Ich halte an einer gefährlichen Straße ein Kleinkind fest. Konsequenz also, dass Kleinkind kann nicht blind über die Straße rennen. Vom Erziehungsaspekt her hat das zwei Wirkungen. Zum einen schränken Sie damit den Bewegungsradius eines Kindes ein, den ein Kind selbstverständlich zurückerlangen möchte. Die Welt zu ergründen ist für jedes Kind viel interessanter, als bei Mama am Arm bleiben zu müssen. Das Kind ist also motiviert, seinen Bewegungsradius zurückzuerlangen. Zum anderen hat ein Kind hier einen schönen lern-effekt: Mama ist bereit, mir meinen gewohnten Bewegungsradius zurückzugeben, sobald ich in einer gefährlichen Situation (ausnahmsweise mal) bedingungslos auf sie höre und nicht blind über die Straße laufe. Darum nennen wir es logische Konsequenz - da ein Kind erkennt: „Ich kann hier nicht blind über die Straße rennen, da Mama mich festhält. Und solange ich mich hier nicht an Mamas Regeln halte, wird sie mich nicht loslassen. Von daher - auch wenn mir Mamas Regeln hier nicht gefallen, ist es immer noch lukrativer, mich daran zu halten, als ständig an Mamas Arm bleiben zu müssen“

Sicherlich ist bei einer Konsequenz immer ein unverkennbarer Hauch einer Strafe dabei. Aber eine Strafe zeichnet sich dadurch aus, dass das Kind eine Grenze bereits durchbrochen hat. Das passiert genau dann, wenn Kinder älter werden und mehr und mehr Freiräume gewinnen. Ein 2-Jähriges Kind wird nicht den Freiraum genießen, alleine am Straßenverkehr teilzunehmen. Ein 7-Jähriges Schulkind hingegen kann man unter Umständen den Freiraum gewähren, den Schulweg alleine zu meistern. Wir vertrauen ihm also an, dass er nicht zu Fremden ins Auto steigt, immer Aufmerksam ist, die Ampeln verwendet, am Zebrastreifen links und rechts guckt etc. Jetzt stellt sich eigentlich nur eine interessante Frage: Was machen wir, wenn das Kind plötzlich über eine rote Ampel läuft? Unser 2-Jähriger kriegt das nicht hin, da wir ihm gar nicht die Möglichkeit dazu geben (hier zieht also die logische Konsequenz).

Die logische Konsequenz für dieses fiktive Schulkind wäre, die nächsten Tage den Schulweg doch wieder in Begleitung von Mama meistern zu müssen. Das hindert das Kind zunächst mal daran, blind über die Straße zu rennen. Und da es ein Kind - je nach Alter - bereits mit 7 peinlich sein kann, von Mama Hand-in-Hand zur Schule gebracht zu werden, ist er sicherlich auch stark motiviert, nicht noch einmal über rot zu laufen. Problem eigentlich gelöst - wofür also noch eine Strafe? Ich hätte hier das Problem, dass wir diesem Kind schon eine ganze Menge Vertrauen entgegengebracht haben (nicht jeder 7-Jährige darf- selbst ungefährliche Schulwege - bereits alleine meistern). Er hat dieses Vertrauen folglich enttäuscht. Kinder tun das in ihrer Karriere als Kind eigentlich ziemlich häufig: „Jesse, spiel bitte nicht mit dem Glas rum …“ Klirr, Glas ist schon auf dem Boden zerdeppert. Wir haben dem Kind vertraut, alt genug zu sein, aus ein Glas zu trinken und - da es nun mal ein Kind ist - ging das schief. Konsequenz wäre - dass er das wieder aufräumt, Thema erledigt. Woher soll ein Kind jetzt aber wissen, dass es etwas völlig anderes ist, auf den Schulweg bei rot über die Ampel zu rennen als das Glas umzustoßen? Diese Wirkung soll m.E. die Strafe vermitteln. Ich würde mich hier mal Immanuel Kant und der absoluten Straftheorie anschließen: Strafe hat keinen zweck, der über ihren Begriff hinausgeht (Nennt man zugegebenerweise auch Vergeltungstheorie :-p).

Was ein Kind davon abhält, dann beim nächsten Mal - wenn die Eltern nicht da sind - wieder über die rote Ampel zu rennen, ist meines Erachtens (Maßstab meine eigene Kindheit und die bisherige meines Sohnes) dieser erniedrigende Moment, dann vor den Eltern geradestehen zu müssen und versuchen, zu erklären, warum man jetzt über rot gerannt ist und warum man das Vertrauen, das man mir (i.S. des Kindes) gegeben hat, deswegen auf’s Spiel gesetzt hat. Und auch die Erfahrung, dass man seine Eltern damit ein kleines bisschen Enttäuscht hat. Vielleicht auch mal den Eltern mit eigenen Worten erklären zu müssen, was hätte passieren kennen, wenn er dabei doch ein Auto übersehen hätte. Ich denke, nach so einer Situation war meinem Spatz die Strafe danach mehr oder minder egal. Sie war nur Anlass zu solch einer Erfahrung, da ich als Kind früh gelernt hatte (selbiges gilt für meinen Sohn), dass, wenn ich mich als Kind dabei gut schlage, die Strafe etwas milder ausfallen wird. Der Zweck der Strafe war hier also nur noch das - was das Wort sagt: Eine Strafe.

Bei einem älteren Kind können Missetaten eigentlich nur aus einem Grund erfolgen. Wir haben ein Kind einen Freiraum/Privileg gewährt, und dabei ist irgendetwas schief gegangen. Wir haben dem Kind erlaubt, alleine von der Schule nach Hause zu gehen und dabei hat ein gleichaltriges Mädchen ein Beutel Hundekot abbekommen. Würde ich als Vater schon persönlich nehmen, Sie nicht? Selbst wenn ich es bereits für selbstverständlich halten würde, dass 8-Jährigen so ein Freiraum zusteht, bleiben notfalls immer noch die Nachbarn, die hinter unserem Rücken über unser ungezogenes Kind tratschen. Vielleicht ruft mich auch wütend eine aufgebrachte Mutter an, die darin gerade einen Weltuntergang sah und nun eine neue Jacke haben möchte. Und - eigentlich wollen Kinder grundsätzlich mit ihren Eltern kooperieren, daher entstehen ebenfalls viele Situationen nicht mehr.

Ansonsten entstehen viele Missetaten natürlich nicht mehr, wenn die Kinder älter und reifer werden. Der Gesetzgeber sieht das ziemlich ähnlich, da er im Zivilrecht die beschränkte Deliktsfähigkeit für Kinder, die das 7. Lebensjahr vollendet haben (§ 828 III BGB), verankert hat. Der Gesetzgeber geht also davon aus, dass ein Kind, dass das 7. Lebensjahr vollendet hat, die Reife besitzen kann, einige (mit dem Alter immer weitere) Ursache-Wirkungszusammenhänge (die Entstehung von Schaden) erkennen kann. Bei Kindern unter 7 Jahren (§ 828 I BGB) funktioniert das nicht. Brennt ein 7-Jähriger ein Hochhaus ab, können zivilrechtliche Haftungsansprüche gegen ihn nicht geltend gemacht werden. Der Gesetzgeber sagt hier, dass ein 7-Jähriger die Tragweite seines Handeln nicht erkennen kann. Brennt ein 8-Jähriger ein Hochhaus ab, muss hier im Einzelfall entschieden werden, ob das Kind die Tragweite seines Handelns hätte erkennen können/müssen. Wenn man dies im Einzelfall bejahen kann, werden die Haftungsansprüche gegen das Kind geltend gemacht. Läuft ein 10-Jähriger über rot, ein Autofahrer weicht deswegen aus und setzt seinen Wagen gegen den Baum, kann das Kind in diesem Sonderfall (§ 828 II BGB) nicht für den zivilrechtlichen Schaden haftungsfähig sein. Hier hat der Gesetzgeber noch mal sichergestellt, dass die Gefahr und Komplexität eines Straßenverkehrs von einem Kind, dass das 10. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, grundsätzlich NICHT durchschaut werden kann.

Grundsätzlich sagt man, dass ein Kind zwischen dem 4. und 5. Lebensjahr die Fähigkeit entwickeln wird, aus liebe zu den Eltern etwas Tun oder Unterlassen zu können. Vorher tut ein Kind das nur, weil es weiß, dass Mami es notfalls doch noch verhindern würde. Dieses Erkennen der Autoritätsperson Mami sollte spätestens bis zum 30. Lebensmonat erfolgt sein. Letzteres erhalten Sie durch Konsequenzen, die ich keinster Wiese mit Strafen gleichsetzen würde. Denn eine Strafe (egal welche) wird ein Kleinkind nicht daran hindern, blind über die Straße zu rennen, dass kriegt nur die Konsequenz (festhalten) hin. Denn die Konsequenz ist für das Kind die Grenze, die er nicht überwinden kann. Da die Konseuqnz in der Regel das Kind mehr einschränkt, als sich an Mamas Regeln am Straßenverkehr zu halten, erziehen sich Kinder hier ziemlich gut selbst. Bei Strafen würde ich mit dem StGB §1 nullum crimen sine lege gleichziehen. Ich würde ein Kind also nicht für etwas bestrafen, von dem das Kind nicht wusste, dass es das gar nicht tun durfte. Also ich dem Kind etwas schon mal ausdrücklich oder konkludent verboten habe oder aber - wenn ich ruhigen Gewissens davon ausgehen kann - das das Kind das eigentlich hätte wissen müssen. Von daher: Selbst wenn ich meinem Sohn nie verboten hätte, die Nachbarskinder mit Hundekot zu bewerfen, würde ich ihn dafür trotzdem bestrafen ;-)

Ich würde Strafen also nicht überbewerten, ansonsten müsste ich ein Kind ja nur einmal dafür bestrafen, wenn es nicht auf seine Eltern gehört hat, und dann wird er die restlichen 18 Jahre lang (aus Angst vor der Strafe) mit den Eltern kooperieren. Irgendwie klappt das ja doch nicht. Aber auch denke ich irgendwie, dass Strafen in der Erziehung manchmal wirklich noch nötig sind - als Strafe - aber nicht als Generalprävention.

Beitrag von girland 16.03.10 - 21:26 Uhr

Klasse erklärt, vielen Dank!

Bei uns ist das Thema Schwindeln leider auch momentan aktuell ... den Tipp von wegen nicht vor dem kleineren Bruder zu schimpfen bzw. zu bestrafen werde ich ganz sicher in Zukunft berücksichtigen.

In diesem Sinne, nochmals danke für die beiden konstruktiven Beiträge!

Grüße aus Irland,

Gina

Beitrag von alicemcfarrow 17.03.10 - 17:17 Uhr

Meine Tochter ist, so bald sie laufen konnte grundsätzlich auf die Straße gerannt, da half kein Rufen und kein panisches Schreien - wenn sie schneller war als ich und ich sie also NICHT festhalten konnte.
Ich muss dazu sagen, dass sie seit sie auf der Welt ist einen ausgeprägten Sinn zum Entdecken und Erforschen hat - sprich, alles macht und tut auch wenn man sagt, sie solle das nicht tun weil...
Das Festhalten, hat zu einem immensen Wutausbruch geführt, der bis zu 20 min. anhielt. Schließlich habe ich, nachdem sie einem Auto mal wieder knapp entkommen war, sie angeschrien (war in völliger Panik und Angst vorm Fast-Unfall) und ihr in allen Einzelheiten erklärt was genau passiert wenn sie überfahren wird. Sie war so verdutzt, dass sie erstmal garnichts sagte. Dann fing sie bitterlich an zu weinen, weil ihr meine Erklärung, dass sie Mama, Papa etc. niemals, niemals wiedersehen würde, wenn sie tot sei, erhebliche Angst gemacht hat. Ich hab sie natürlich getröstet und ihr erklärt, warum ich sie angeschrien habe: aus Angst sie würde verletzt werden oder Schlimmeres.
Jedenfalls, war dies das letzte Mal, dass sie auf die Straße rannte.
Manchmal hilft alles reden nichts. Und man kann das Kind nicht JEDE Erfahrung selbst machen lassen, dazu sind einige einfach zu gefährlich.