Sportleherer behandelt ein Kind ungerecht...

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von unipsycho 15.03.10 - 20:49 Uhr

Hallo!

Ist ne doof Überschrift... Ich komm mir grad vor, wie eine Petze.. #hicks

Naja. Also mein Zwerg geht seit 4 Wochen in einen Sportkurs. In dem Kurs sind 15 2-7 jährige Kinder.

In dem Kurs ist ein 5jähriges Mädchen, von dem die Erzieher dem Sportlehrer gesagt haben, es wäre schwierig. Er hat sie dann auch gleich vor versammelter Mannschaft darauf hingewiesen, dass sie sich ja ordentlich verhalten soll. #aerger

Mir kann objektiv an dem Kind nichts "schwieriges" auffallen. Ja, sie kämpft immer mal um Aufmerksamkeit. Spricht den Lehrer oft an. Macht manchmal Quatsch, gibt sich aber zeitweise auch sehr viel Mühe und das auch direkt vor dem Lehrer. - Letzteres erhält vom Lehrer keine Beachtung.

Weiter ist da ein Mädchen - was bei mir unter "klassisch verzogene Göre" läuft. Sorry #hicks...
Dieses Mädchen ist die "Freundin" des angeblich auffälligen Mädchens.
Sie kommandiert die "Auffällige" herum. Stiftet sie zu Unfug an und petzt.

Die beiden nehmen sich nicht viel im Verhalten. Stören beide immer mal wieder den Unterricht. Aber NUR die "Auffällige" wird gerügt.
Geht es darum Kinder für ein Spiel auszuwählen (Bsp. ein Fänger beim Haschen) ruft sie am lautesten "Ich möchte bitte!" bekommt aber immer die Antwort "Nein, DU nicht!".

Ja, sie stört öfters den Unterricht. Ja, sie wird ab und zu auch gegen die andere aggressiv - kein Wunder!
Aber ich kann an dem ganzen Verhalten nichts boshaftes erkennen. In meinen Augen ist sie nur ein Kind, was sich nicht mit sich selbst wohlfühlt und durch die ständigen Zurückweisungen gespannt und nervös ist.

Sie bittet immer wieder um Zuneigung (gibt sich Mühe bei Übungen, trägt besonders viele Bälle beim Aufräumen, möchte auch mal der Fänger sein) aber der Sportlehrer hebt nur negatives Verhalten und Misserfolge heraus. Während das andere Mädchen ungeschoren davon kommt.

Mir tut die "Auffällige" leid. :-( Besonders aus der Sicht des Bald-Psychologen. Ich weiß ja, dass das Mädchen mit der Zeit in eine "Erlernte Hilflosigkeit" gerät, weil all ihre Bemühungen, sich bei dem Lehrer gut zu stellen, ignoriert werden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Erlernte_Hilflosigkeit

Ich frag mich, ob ich da was tun kann #kratz
Ich weiß, ich kann jetzt nicht jedes Kind retten, bei dem ich sehe, dass es ungerecht behandelt wird.
Aber wenn ich was tun könnte - wär doch gemein, wen ich nichts täte...?

Zu dem Lehrer an sich will ich nicht gehen. Der ist an die 45 Jahre alt - hat sein Diplom bestimmt noch in der DDR gemacht und ist halt auch ganz von der alten Schule.
Meine pädagogische Erfahrung beschränkt sich auf meinen 3jährigen Sohn, seine auf eine bestimmt langjährige Praxis. Wenn ich dem verrate, ich sei Psychlogiestudent steh ich ganz oben auf der "Deppenliste". #gruebel
Ich hab überlegt, ob ich zur Chefin vom Kindergarten gehe - bloß wie formuliere ich mein Anliegen, ohne dass ich selbst wie eine 5jährige Petze klinge...????

Achja, ich bin die einzige Mutti, die bei dem Kurs anwesend ist. Der findet im Kindergarten statt und da ich gerade Ferien habe bringe ich Sohnemann nur für den Kurs hin und warte halt die Stunde.

Beitrag von pimpf1 15.03.10 - 21:14 Uhr

Hallo,

ich würde mit deiner Beobachtung ja doch direkt zum Sportlehrer gehen. Einfach mal versuchen, ganz locker ein Gespräch zu suchen, von Deinen Beobachtungen berichten - vielleicht kann man ja geschickt von "allgemeinen" Themen zu deinem besonderen Anliegen die Kurve kriegen, die wahrscheinlich nicht ganz einfach unter einen Hut zu bringende Altersspanne von 2 - 7 Jahre bietet ja vielleicht Anlass für ein paar Fragen/Anmerkungen, mit denen man ihn in ein Gespräch verwickeln kann. Ich würde dabei nicht das "andere" Mädchen ins Gespräch bringen sondern ihn auf die beobachteten Bemühungen des "schwierigen" Mädchens aufmerksam machen und ihn bitten, vielleicht mal den Versuch zu wagen, dass Mädchen für seine positiven Ansätze genauso deutlich zu loben, wie er in anderem Falle kritisiert. Als angehende Psychologin fällt dir dazu vielleicht eine geschickte Gesprächstaktik ein ;-)... so dass der Sportlehrer sich nicht "belehrt" fühlt sondern die Anregung das nächste Mal aufnimmt - wobei sich dann ja vielleicht wieder ein interessantes Gespräch mit ihm über die dann zu machenden Beobachtungen ergibt?

LG,
pimpf

Beitrag von fritzeline 15.03.10 - 21:17 Uhr

Yipp, das wäre tatsächlich einen Versuch wert.

Beitrag von unipsycho 15.03.10 - 21:24 Uhr

#danke für deine Antwort!

ich bin 2. Semester. Meine psychologischen Fähigkeiten beschränken sich momentan auf das Verschlingen von Büchern... ;-)

Aber du hast schon recht, dass man hier mit absoluten Fingerspitzengefühl rangehen sollte. Ich sollte das wirklich auf mehrere Tage verteilen...

Beitrag von fritzeline 15.03.10 - 21:21 Uhr

Hi,

>>> ein 5jähriges Mädchen, von dem die Erzieher dem Sportlehrer gesagt haben, es wäre schwierig. <<<

klassischer Fall von "selbsterfüllender Prophezeiung", was?
Traurig :-(

Der Knackpunkt liegt da ja bereits in den Einschätzungen/Äußerungen der Erzieherinnen.

Ich bekomme einen vergleichbaren Fall seit Jahren immer mal gelegentlich von meiner Schwester mit: In der Klasse ihres Sohnes ist nur ein einziger Junge der aus, sagen wir mal asozialen Verhältnissen stammt. Das Verhalten der Lehrer(!) diesem Jungen gegenüber grenzt schon an Mobbing. Was heißt "grenzt"... es IST Mobbing.

Das geht so seit der ersten Klasse und mittlerweile ist der Junge, wie soll es anders sein, aggressiv und unzugänglich. Nächstes Jahr wird er dann auf die Hauptschule gehen, wie die Klassenlehrerin bereits in der zweiten Klasse ganz richtig vorausgesehen hatte #aerger

Wie meine Vorschreiberin schon schrieb, vielleicht ist es doch den Versuch wert, mit dem Sportlehrer zu sprechen, eher beiläufig vielleicht. Wenn er sich von den Äußerungen der Erzieherinnen so stark hat beeinflussen lassen - wer weiß, vielleicht ja dann auch von deinen positiven Äußerungen über das Mädchen?

LG, f

Beitrag von unipsycho 15.03.10 - 21:33 Uhr

>>>klassischer Fall von "selbsterfüllender Prophezeiung", was?<<<

Ja genau! #aerger
Ich finde das von der Erzieherin absolut unverantwortlich, was sie da getan hat!!
Mein Sohn gilt auch als etwas schwierig. Aber seine Erzieherin hat sich eine derartige "Warnung " verkniffen. Sohnemann wird vom Sportlehrer auch extra gefördert - wohl auch wegen meiner Anwesenheit.

>>>Wenn er sich von den Äußerungen der Erzieherinnen so stark hat beeinflussen lassen - wer weiß, vielleicht ja dann auch von deinen positiven Äußerungen über das Mädchen? <<<

Meine Problem hier ist, dass zuerst Einfluss von einer "Kollegin" ausgeübt wurde. Ich bin ja nur ne "dusselige Mutter, die sich besserwisserisch einmischen will"... #kratz
Und, wie gesagt, ich kenne die Erzieherin ja. Vielleicht frage ich sie erst mal über das Mädchen aus... Der Sportlehrer ist noch 4 Wochen da. Bis zum Schuleingang sind es noch ein paar Monate.

Beitrag von fritzeline 15.03.10 - 21:44 Uhr

Naja mit der Erwartungshaltung
>>>Ich bin ja nur ne "dusselige Mutter, die sich besserwisserisch einmischen will"... <<<
darfst du da natürlich auch nicht hingehen ;-)

Einmischend solltest du das nicht versuchen, also nicht zu ihm gehen und sagen "so ist es falsch", eher vielleicht so in die Richtung mal neugierig nachzufragen, dass du gehört hast, dieses Mädchen sei "schwierig" und du diese Einschätzung eigentlich nicht so richtig nachvollziehen kannst, da sie sich doch teilweise viel Mühe gibt etc.

Lass dich von ihm belehren, warum dieses Mädchen denn so besonders schwierig sei. Vielleicht geht ihm schon in dem Moment wo er dir das beschreibt, ein Licht auf.

Beitrag von unipsycho 15.03.10 - 21:57 Uhr

"Lass dich von ihm belehren, warum dieses Mädchen denn so besonders schwierig sei. Vielleicht geht ihm schon in dem Moment wo er dir das beschreibt, ein Licht auf."

Das ne coole Idee! Das nennt sich dann Verfügbarkeitsheuristik... #aha Eigentlich total simpel! Danke, dass du mich drauf gebracht hast!

Beitrag von fritzeline 15.03.10 - 22:11 Uhr

Da gibt es ein Wort für? *lol*

Beitrag von unipsycho 15.03.10 - 22:16 Uhr

für fast jedes menschliches Verhalten gibts tolle Begriffe in der Psychologie ;-)
Daran merkt man dann auch, wie ähnlich wir uns alle sind... (und wie leicht manipulierbar)

Beitrag von braut2 16.03.10 - 12:56 Uhr

Und eine ganz einfache Gesprächsführung ;-)
Allerdings ist die nicht so ganz einfach durchzuführen, weil man sehr emphatisch vorgehen muss um dem Gegenüber sein Verhalten zu verdeutlichen.
Oder wie man auch gern in Managerkreisen sagt: Den Gegenüber so über den Tisch ziehen, daß er Reibungswärme als Nestwärme empfindet :-p

Beitrag von unipsycho 15.03.10 - 21:44 Uhr

"Bis zum Schuleingang sind es noch ein paar Monate. "
#klatsch
Das kind ist 5, also ist sie noch über ein jahr im kiga... Sorry #bla