Mein Vater

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von marmeg 15.03.10 - 21:53 Uhr

Hallo Ihr Lieben. Ich möchte mir einfach mal meinen Kummer von der Seele schreiben und hoffe ich schrecke euch mit dem langen Text nicht ab...also mein Papa ist 57 J. alt und hat COPD (eine Lungenkrankheit) und Osteoporose. Er darf nicht schwer arbeiten und muss sich sozusagen schonen...das sieht er aber ganz anders...er raucht wirklich seehr viel, also er war auch schon immer ein starker Raucher. Das ihm das schadet sieht er leider gar nicht ein, sondern macht immer nur Scherze und versucht sich rauszureden wenn es um das Thema geht aufzuhören. Er ist arbeitslos, aber auf der Suche nach einer Arbeit. Nebenbei arbeitet er oft schwarz und das sehr hart auf dem Bau, also er macht das was er eigentlich gar nicht dürfte. Er arbeitet so hart, dass er immerzu sehr erschöpft ist aber wie verbissen versucht, sich das nicht anmerken zu lassen wenn man darüber reden will. Meinem Mann hat er einmal gesagt, dass wenn er Zuhause ist, ihm die Decke auf den Kopft fällt und ihm seine ganzen Knochen schmerzen. Wenn er arbeitet, kann er sich ablenken und hat keine Schmerzen. Wenn wir zu besuch sind, sehe ich ihm manchmal an, dass es ihm nicht gut geht..er stöhnt ab und an und fasst sich an den Rücken, abgesehen von dem starken Husten den er hat..aber wenn ich ihn darauf anspreche und sage er soll wegen der Arbeit kürzertreten oder weniger rauchen, sagt er: irgendwoher muss ja das Geld kommen, ich brauche Geld oder er redet sich irgendwie anders raus. Ich glaube er versteht nicht dass ich mir wirklich sehr große Sorgen mache und dass es mir weh tut wenn ich ihn so sehe und so uneinsichtig reden höre. Ich habe in mir komischerweise ein sehr ungutes Gefühl und denke sehr oft daran was alles passieren könnte. Ich habe Angst dass er noch kränker wird und verstehe nicht dass er es nicht versteht dass ich mir Sorgen mache. Letzte Nacht hatte ich einen ganz schlimmen Traum und wurde weinend wach..ich konnte mich gar nicht mehr einkriegen und habe lange geweint. Mich würde einfach mal interessieren was ihr so dazu schreibt und ob Ihr vielleicht einen Rat für mich habt wie ich besser mit all dem umgehen kann.

Liebe Grüße und euch allen einen schönen Abend!

Beitrag von snail20 15.03.10 - 22:48 Uhr

hallo du,

das ist leider ein sehr schwieriges Thema.

Bei mir war es auch so, aber das war nicht der Papa sondern mein Opa und er war schon 75.

Leider hätte er so viel beachten sollen das es ihn besser geht, hat aber immer das Gegenteil gemacht.

Ich glaube so hart es auch ist, das man die Menschen so gehen lassen sollte. Ich weiß das ist jetzt kein guter Rat für dich aber leider müssen sie es von selber wollen. Sonst hat man schlechte Karten.

Ich hatte auch ÖFTERS Albträume, aber das kam davon das ich am Tag so viel nachgedacht habe. Aber leider war es so das dies eingetroffen ist.

Ich konnte dir leider nicht viel helfen aber du bist auch nicht allein!

LG Kathrin

Beitrag von fibi84 16.03.10 - 13:21 Uhr

Hallo!

Ich kann dich wirklich sehr, sehr gut verstehen. Leider.
Mein Vater hat auch eine schwere Lungenkrankheit (Lungenemphysem). Er hat über 30 Jahre geraucht und das sehr viel. Als die Diagnose kam hat ihn das auch nicht vom Rauchen abgehalten. Er hat weiter geraucht. Man konnte sehen wie es ihm mit den Monaten schlechter ging. Irgendwann hat er aufgehört, angeblich!
Als ich schwanger wurde, wurden meine Sorgen um meinen Vater irgendwie noch größer. Ich wollte, dass er sein 5. Enkelkind und mein erstes Kind mit erlebt und sich nicht selbst kaputt macht. Er hat malocht, weiter gelebt als wäre nichts, dabei konnte er kaum mehr spazieren, ohne Lunftnot zu bekommen. Ich habe ihm dann irgendwann mal beim Rauchen erwischt. Ich war echt verzweifelt, hab ihn angeschrien und konnte und kann es bis heute nicht verstehen. Wir haben den gleichen Hausarzt, irgendwann war ich beim Doc, dabei bin ich auch auf meinen Vater zu sprechen gekommen. Ich bin in Tränen ausgebrochen, habe gesagt, dass er noch raucht, das er nichts einsieht und das ich unheimlich angst um meinen Vater habe. Unser Doc konnte das gut verstehen, aber er hat auch gesagt, dass er sowas oft erlebt und das man sich als Angehöriger einfach immer wieder sagen muss, dass die Person erwachsen ist und selbst entscheidet wie sie lebt und wenn eine Person für sich entscheidet, schwer krank weiter zu rauchen, dann muss man das schweren herzens akzeptieren. Ich konnte es auch danach nicht wirklich akzeptieren, aber ich habe mich immer wieder an den Satz des Arztes erinnert und damit ging es mir ein bisschen besser.
Mittlerweile raucht mein Vater wirklich nicht mehr. Jedenfalls macht nichts den Anschein danach. Aber es geht ihm auch schlechter und ich denke er hat mittlerweile selbst mal Angst um sich!
Diese Krankheiten sind nicht heilbar, dass wissen wir, aber man kann ein bissl was am Verlauf bestimmen, wenn man den mitmacht. Ich habe immer noch Angst um meinen Vater und das wird auch nieee enden. Aber ich versuche damit umzugehen, ich weiß das er irgendwann sterben wird, aber ich bete und hoffe das das Ganze noch vieeeele Jahrzehnte dauern wird. Wenn das Telefon klingelt, werde ich jedes Mal nervös, wenn ich einen Krankenwagen vorbei fahren höre, denke ich an meine Eltern usw. Es ist furchtbar, aber ich muss damit umgehen
Er ist zur Zeit in Kur, ihm geht es dort etwas besser, er wird gut betreut, hat viele Anwendungen die ihm wohl ganz gut tun, die Seeluft ist super.
Nun hoffe ich, dass er, wenn er wieder hier zu Hause ist, sich an das hält was man ihm in der Kur beigebracht hat (best. Atemtechniken, Ernährung, Bewegung usw) und das es ihm wenigstens etwas besser geht.
Denn ich habe gemerkt, dass es mit besser geht, wenn ich wenigsten äußerlich den Eindruck habe, dass es meinen Vater für seine Verhältnisse gut geht.

Ich konnte dir nun sicher auch nicht weiter helfen, aber ich wollte nur, dass du weißt, dass solche Ängste und Sorgen normal sind und das du nicht alleine damit bist.

Sorry, dass es so lang geworden ist, aber irgendwie musste ich das auch mal los werden!

Liebe Grüße und alles Gute für deinen Vater!!

Beitrag von marmeg 16.03.10 - 13:52 Uhr

Vielen Dank für Deine Antwort...ja leider ist es wirklich so dass wir nichts ändern können, so traurig es auch ist. Mein Vater war übrigens auch schon in der Kur. Als er wiederkam hatte er fast 10 Kg abgenommen durch die gute Ernährung, er war dort täglich Schwimmen was ihm auch sehr gut tat. Nun ist das alles 7 Monate her und es ist nun wieder alles wie vor der Kur. Ich hoffe für Deinen Vater dass er etwas mitnimmt aus der KUr und wünsche euch auch alles alles Gute!