1 Mann, 2 Männer? Trennung? Schuldgefühle und Ängste!!!

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Forum: Trennung

Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhaltszahlung ... ? Wenn sich ein Paar zu einer Trennung entschließt, ergeben sich für jedes Elternteil ganz neue Fragen an die eigene Lebensplanung.

Beitrag von joermungander 16.03.10 - 09:31 Uhr

ein liebes "Hallo" an alle,
erst einmal vorneweg: helfen kann mir direkt niemand, das ist mir schon klar. Aber ich hoffe, dass hier der/die ein oder andere liest und schreibt, die meine Situation vielleicht besser durchschauen als ich selbst zur Zeit. Oder jemand, der ähnliches erlebt hat. Ich freue mich auch über Antworten, die einfach nur trösten wollen *schnüff*

Vorweg: dies ist, soweit ich mich erinnern kann der schlimmste Moment in meinem bisherigen Leben.

Ich befinde mich seit über 4 Jahren in einer Beziehung mit vielen Höhen und Tiefen. Mein Freund und ich kamen damals recht flott zusammen und gegen alle Vernunft (Ratschläge von gemeinsamen Freunden, Enttäuschungen durch den Anderen, sehr gegenteilige Lebensauffassung) blieben wir zusammen. Bis ich 2007 einen jungen Mann kennen lernte, mich "verliebte" (naja, es war mehr ein kurzes Strohfeuer), aber dank ihm den Absprung schaffte, denn damals war mein Freund spielsüchtig (Computer). Als ich weg war wachte er ziemlich schnell auf und änderte fast sein ganzes Leben komplett (machte Führerschein, suchte sich eine Arbeit, die ihm Spaß macht, bemühte sich extrem um mich). Und ich bin zu ihm zurück gekehrt. Durch meine Arbeit hatte ich aber immer losen Kontakt zu dem jungen Mann, der dazwischen funkte.

Und da ich dämliche Kuh wenn es schwierig wird dazu neige weg zu laufen, lief ich bei den ersten größeren Auseinandersetzungen natürlich sofort wieder in die Arme eben jenes jungen Mannes. Ich habe meinen Freund mit ihm betrogen, es aber verheimlicht (ja, weglaufen eben #klatsch).
Kurzum: es wurde wieder besser und ich ließ die Geschichte ruhen und widmete mich wieder meinem Freund. Im Oktober 2008 wurde ich schwanger. Und diese Schwangerschaft war emotional gesehen die Hölle. Mein Freund entzog sich der Verantwortung für die Entscheidung ob ich mitten in der Ausbildungszeit (Ref.) ein ungeplantes Kind bekommen will. Also entschied ich mich sehr schnell für das Kind (ihr könnt euch denken, dass ich das nie nie nie bereut habe, egal was ist und war). Und ich brach den Kontakt zu dem verhängnisvollen jungen Mann ganz ab. Ich dachte in der Schwangerschaft so oft an Trennung. Denn irgendwie hatte ich das Gefühl, mein Freund freue sich gar nicht auf das Kind. Um mich herum waren plötzlich überall glückliche Paare mit Kindern, nur bei uns schien ich die einzige zu sein, die sich auf den Wurm freute. Getrennt habe ich mich nicht, weil ich ehrlich gesagt, eine scheiß Angst hatte, was passiert, wenn ich allein dastehe. So ohne Einkommen, ohne abgeschlossene Berufsausbildung und ohne die Unterstützung eines Partners.

Als das Kind da war entpuppte mein Freund sich als absolut zuverlässiger und toller Papa. Und die erste Zeit mit dem Kleinen Wurm war wundervoll. Irgendwann erzählte ich ihm doch von meinem Ausrutscher Anfang 2008. Und er hat mir verziehen, auch wenn es wirklich schwer für ihn war. Wir beschlossen in Zukunft offen und ehrlich zu sein und lieber miteinander zu reden, auch wenn das schwieriger wäre. Ab da dachte ich, wird alles gut. Aber weit gefehlt. Ich begegnete dem jungen Mann zufällig wieder. Wir wechselten ein paar Worte. Mehr nicht. Und trotzdem träumte ich an den darauf folgenden 3 Nächten von ihm. Keine erotischen, aber hoch emotionale Träume. Ich erzählte das meinem Freund. Und ich traf mich auf ein Gespräch mit dem Anderen in der Hoffnung, es würde die Traumillusion zerstören. Tat es aber nicht. Im Gegenteil.
Und weil ich ja jetzt tapfer sein wollte und nicht mehr weglaufe, sprach ich mit meinem Freund darüber.

Das Ergebnis bisher ist, dass ich plötzlich über Trennung nachdenke. Nicht weil ich mit dem Anderen zusammen sein will. Nein, Aber irgendwie gehört mein Herz nicht vollkommen meinem Freund. Und ich will nicht Gefahr laufen, ihm immer wieder weh zu tun.

Wenn ich an eine Trennung denke, dann fühle ich mich einerseits erleichtert, irgendwie auch frei. Aber andererseits erdrücken mich Schuldgefühle. Unser Sohn ist jetzt fast 8 Monate und er liebt seinen Papa abgöttisch. Ich fühle mich als Rabenmutter, die daran denkt die beiden zu entzweien (auch wenn ich immer darauf bestehen würde, dass im Falle einer Trennung beide reichlich Umgang miteinander haben). Und ich fühle mich als schlechte Frau, die jemanden, den sie gern hat, so verletzt. Ich sorge mich um meinen Freund, weil ich nicht weiß, ob er allein klar kommt (ich weiß, es hört sich doof an, aber ich organisiere vieles, trage Sorge für viele Dinge). Ich mache mir schon beim Gedanken an Trennung Vorwürfe, weil ich Angst habe, dass mein Freund danach wieder so abrutscht. #zitter Ich mache mir selbst Vorwürfe, weil ich Angst habe, mir selbst zu trauen. Denn ich fühle mich zu dem jungen Mann hingezogen. Er ist immer in meinen Gedanken. Ich habe sogar beim Sex schon an ihn denken müssen *schäm* Und ich fühle mich gut bei ihm. Wenn wir nur reden. Ich fühle mich frei und ich habe nicht ständig dieses Gefühl mich kümmern zu müssen, weil er selbst gut für sich sorgen kann. Weil er mich zwar liebt (wie er mir letztens mitteilte), aber mich trotzdem zu nichts drängt. Er hat mir signalisiert, dass es okay sei, wenn ich etwas anderes möchte als er. Er gibt mir das Gefühl, dass nicht wichtig ist, was er möchte, sondern, was ich will.
Im Gegensatz dazu steht mein Freund, der mich Sonntag so bedrängt hat, dass ich richtig Angst vor ihm hatte, weil er mir nicht mehr zuhörte, weil er nur noch seinen eigenen Film abspielte, in dem wir sowieso schon geschiedene Leute sind. Weil er nicht wahr nahm, was ich sagte. Weil er laut wurde, was er sonst NIE wird. Weil ich mich so schuldig fühle, dass ich ihn dazu bringe.
Und es steht meine kleine Familie im Gegensatz dazu. Mein Gefühl für meinen Sohn das bestmögliche Umfeld (kleine Familie) zu schaffen, in dem er ohne Sorgen groß werden kann. Meine Zukunftsängste, weil ich ziemlich sicher bin, dass ich als Alleinerziehende, kein Lehramtsreferendariat bestehen kann ohne die Hilfe eines Partners, der auf dasselbe Ziel hin arbeitet wie ich.

Es geht also nicht primär um meine Entscheidung ob ich mit dem jungen Mann anstelle meines Freundes zusammen sein will, sondern es geht eher um meine Entscheidung, ob ich überhaupt noch mit meinem Freund zusammen sein kann. Auch wenn er das nicht versteht und ich es ihm nicht wirklich klar machen kann.

#zitter

Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Am Donnerstag habe ich einen Termin bei Pro Familia, mein Freund hat seinen ersten psychosozialen Beratungstermin morgen. Trotzdem bleibt bis dahin so viel Angst, so viele Fragen, so viel Enttäuschung. Und auch danach bin ich nicht sicher, ob sich die Dinge überhaupt klären.
Am Liebsten würde ich einfach nur wieder weglaufen. Und gleichzeitig bin ich stolz es nicht zu tun.

Liebe Grüße und sorry für das #bla
eure Joeri

Beitrag von tadewi 16.03.10 - 21:31 Uhr

Wow, also da hast du momentan wirklich einiges zu verarbeiten.
Ich finde, wenn man bedenkt das du bisher immer vor allem weggelaufen bist ist es super das du das nun nicht tust.

Ich denke du solltest anfangen auf dein eigenes Gefühl zu vertrauen. Wenn du merkst das es mit deinem Freund keine wirklich glückliche Zukunft geben kann und wird dann schau das du davon loskommst.
Das ist leichter gesagt als getan, ich weiss.
Aber nur wenn du glücklich, zufrieden und ausgeglichen bist ist das auch dein Kind.
Natürlich ist es ideal in einer intakten Familie aufzuwachsen. Aber ich finde, besser er lebt mit dir allein und sieht seinen Papa ganz oft als wenn ihr beide euch irgendwann dauerstreiten würdet.

Und mal so nebenbei ist dein Freund für sein Leben selbst verantwortlich.
Du kannst deine Gefühle doch nicht abstellen. Das solltest du auch nicht denn das macht nur unglücklich. Klar ist das Mist...vor allem für den der verlassen wird. Aber wenn er labil ist muss ER sich um Hilfe bemühen, denn das wäre ja ein bischen leicht sich zu sagen das DU an allem Schuld bist.

Das ist ja nicht so, denn wäre eure Beziehung in jeglicher Hinsicht ausgeglichen würdest du an den andren gar nicht mehr denken.

So sehe ich das.

Schaffe zuerst einmal eine räumliche Distanz...damit du auch siehst wie das dann wirklich ist.

Ob der andere Mann, wenn du wirklich frei bist, noch immer so an dir hängt wirst du spätestens dann ja auch sehen.

In erster Linie solltest du das das Ganze für DICH und einen Sohn tun. Nicht für einen anderen Mann.
Denn du musst glücklich sein nicht die Männer um dich herum.

Ich wünsche dir sehr das du das schaffst.#liebdrueck

Beitrag von joermungander 17.03.10 - 09:11 Uhr

Danke :)

"Das ist ja nicht so, denn wäre eure Beziehung in jeglicher Hinsicht ausgeglichen würdest du an den andren gar nicht mehr denken."

Genauso denke ich manchmal auch schon.
Und dann gibt es Momente, in denen ich denke, dass das Leben ja eigentlich nicht immer nur Sonne und Schokokuchen bereit hält und man auch mal Erbsensuppe bei Regen essen können muss... Auch als Paar. Nur, ob es richtig ist, dass ich immer wieder einen anderen dazwischenfunken ließ, weiß ich nicht. Andererseits. Wir reden nur und ich habe das Gefühl das ist alles richtig so...

Sowieso. Gestern habe ich mit meiner Freundin lange geredet. Und wenn ich weg bin von meinem Freund und über eine mögliche Zukunft allein nachdenke und diskutiere, dann habe ich (klar) auch Angst. Aber vor allem fühlt es sich richtig an irgendwie. *seufz* Und dann war mein Freund abends wieder so sehr traurig, dass es mir fast das Herz zerissen hat!

Beitrag von ttr 17.03.10 - 12:15 Uhr

geh einfach und erlöse deinen freund von seinem leid.
sobald du dich getrennt hast, wirste eh wieder bei deinem anderen freund sein..100 pro....alles andere ist bullshit. auch wenn du hier tausendmal beteuerst, dass deine trennung nichts mit dem neuen zu tun hat...es wird dir keiner abkaufen.
klar willst du mit dem neuen jetzt ne beziehung...er drängt dich zu nichts, istauch sonst ganz anders..klar...noch hat er dich ja nicht in der beziehung und zeigt noch deine schokoladenseite.
aber du hast völlig recht: du würdest mit deinem hin- und her deinem jetzigen partner nur schaden. pack die koffer, das kind und geh.
ich würde mir an deiner stelle keine sorgen um deinen jetzigen freund machen. er wird wieder auf die beine kommen.hat er dir ja damals schon bewiesen mit führerschein ect.
wenn du dieses hin und her noch jahre weiterspielst, wird er wohl nicht mehr auf die beine kommen...somit mach jetzt nen schnitt und rauf auf die neue wiese... ich hoffe nur, dass dem neuen nicht dann das gleiche schicksal widerfährt, wie deinem alten

Beitrag von joermungander 17.03.10 - 13:20 Uhr

wenn ich es mir so leicht machen wollte, hätte ich mir meinen ellenlangen Text oben sparen können. Und wäre schon weg. leider ist das Leben nicht immer nur eindimensional...

In einer Sache hast du recht: ich bin egoistisch. Irgendwie.

Der Rest ist Unterstellung.

Beitrag von ttr 17.03.10 - 14:30 Uhr

uuupsss...nun hast du dich geoutet...

das mag sein, dass du das als unterstellung siehst...aber warte einfach mal ab, was passiert, wenn du dich trennst. so unterstellend ist der ablauf, den ich zeichne, nicht.
es sind schon viele diesen weg gegangen und die wahrscheinlichkeit, dass es so ausgeht, ist extrem groß.
ich will dir da nicht zu nahe treten. aber manchmal will man das auch einfach nicht wahrhaben. für deinen jetzigen partner ist es aber trotzdem besser, wenn du gehst. er hat dich eh schon lang verloren. erst wenn er dich gehen lässt, wirst du erkennen, ob es wirklich das ist, was du willst ;-).
viel glück

Beitrag von joermungander 17.03.10 - 19:04 Uhr

Jaaaa, Danke :)
so versteht Frau das schon viel besser. Ich befürchte, dass es so ist. Ich kenne mich ja auch ein wenig. Und früher wäre genau das passiert, was du beschrieben hast: Einer um den Absprung zu schaffen, der dann auch bald gehen kann. Aber ich habe ja auch viel nachgedacht und schon vor längerem beschlossen, es jetzt richtig zu machen und mich auseinander zu setzen.
An der erstmaligen Trennung führt, wie ich fürchte (und jetzt in einigen Gesprächen erlebt habe) scheinbar kein Weg vorbei.

Manchmal wünschte ich einfach nur, es wäre leichter.

Beitrag von ttr 18.03.10 - 08:36 Uhr

einfach? entschuldige bitte, aber das leben ist nie einfach. es erwartet von eimen in jeder sekunde irgendeine entscheidung, mal mit mehr, mal mit weniger weitreichenden konsequenzen....und doch...auch unbequeme wege sind dabei und müssen gegangen werden. nur hast du momentan nur einen weg und der ist steil steinig und krafraubend. aber wenn du erst einmal getrennt bist, wirst du vielleicht deinen jetzigen partner mit anderen augen sehen. du wirst ihn evtl. vermissen und wirst dann erst sehen, was du hattest. vielleicht blühst du aber auch völlig auf in einer neuen beziehung.
nur wie ich bereits schrieb, kehren neue besen am anfang immer gut. spätestens, wenn der alltag dann einkehrt, zeigt sich, ob es wirklich passt und du tatsächlich an einen verständnisvollen partner geraten bist, der dir alle freiheiten einräumt und dich nicht drängt.

bei fragen kannstmich gern ansprechen..auch über vk...evtl. kann ich da doch einige ratschläge geben.

alles liebe

Beitrag von joermungander 18.03.10 - 08:46 Uhr

noch einmal: Danke! :-)

Heute steht erst einmal der Beratungstermin bei Pro Familia an.
ich erhoffe mir nicht viel, aber es beruhigt mich irgendwie, denn es geht schrittweise immer weiter.
Ist einfach eine große Situation, die leicht überfordern kann.

Beitrag von ttr 18.03.10 - 09:20 Uhr

das ist durchaus richtig.

aber du schaffst es. lass dich gut beraten und versuche, das im gütlichen über die bühne zu bekommen, denn immerhin ist noch ein kind im spiel. klar wird es ohne verletzungen nicht gehen, denn ihr bedeutet euch ja noch etwas. aber versucht, diese dann so klein wie möglich zu halten.

lass dich von deinen freunden auffangen.