Wie unterbreche ich denn Machtkämpfe?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von sunnyside-up 16.03.10 - 10:03 Uhr

Hi,

es heißt ja gerade in der "Trotz"phase so oft, man soll ruhig und gelassen reagieren. Und aufpassen, das es nicht permanent zu Machtkämpfen,-spielen ausartet.

Wie soll denn dieses UNTERBRECHEN funktionieren?

Beispiel: Paul hat zur Zeit überhaupt keine Lust, Treppen hoch und runter zu laufen. Und wir wohnen im dritten Stock #schwitz
So, nun stehen wir beide an der Treppe. Ich habe auch oft was in der Hand, so daß ich ihn einfach nicht tragen kann! Mein Kleiner ist so stur (das muß ein Papa- Gen sein #schein), der bleibt zur Not ewig da stehen!!!
Ich kann ihm doch nicht ewig seinen Willen gewähren...
oder das als Phase abtun. Oder auch ständig alles auf lustig machen, ich bin kein Hampelmann.

Es sind halt die Situationen, wo Kinder gerne die Nerven und vor allem die Geduld testen, wo ich gerne Wissen würde, wir ihr solche Situationen entschärft, so daß es gar nicht erst zu Machtspielchen kommt.

Liebe Grüße Sunny +
(Paul im Feb.2 Jahre geworden)

Beitrag von nuschka7 16.03.10 - 10:41 Uhr

Hallo Sunny,

ooohhh, das kenn ich gut!!! Bei uns war das Wickeln kürzlich derart schlimm, dass ich schon davor richtig angenervt war. Julian meinte nämlich, nach mir stauchen zu müssen. Er wollte einfach keine Windel anziehen. Geschweige denn, sich anziehen lassen. Folgende Maßnahme hat dieses Machtspiel unterbrochen (bzw. zu meinen Gunsten entschieden :-p):
Wenn er gestaucht oder sonstige Faxen gemacht hat, bin ich einfach vom Wickeltisch weg mit den Worten: "So kann ich dich nicht wickeln, ich geh raus, ruf nach mir, wenn ich wieder kommen soll." Das war ihm dann doch zu blöd nach ner Weile. Das ging dann etliche Male so, irgendwann bin ich sogar nur wortlos weggegangen. Übrigens gefahrlos für Julian, weil wir einen rieeesigen selbstgebauten Wickeltisch haben, auf den er auch selber rauf und runter klettern kann.

Für deine Situation könnte das so aussehen:
"Ich kann dich nicht tragen, ich geh schonmal hoch" - vorausgesetzt, dass dein Junior schon sehr sicher auf der Treppe ist. Es ist dann seine Entscheidung, wann er dir folgt. Lass ihn ruhig ne Weile stehen, es wird ihm schon unheinlich oder langweilig werden.

Prinzipell: Versuchen, sich nicht auf den Machtkampf einzulassen. Gleich nach einem Kompromiss oder einer Alternative suchen. Manchmal hilft auch ein Lockmittel (wenn du dich jetzt schnell wickeln lässt, haben wir mehr Zeit im Schnee) oder eine kleine Entscheidung selber treffen lassen (wer wird zuerst gewickelt: du oder Saskia?)
Bei dir vielleicht: Wenn du schnell nach oben kommst, können wir gleich xy spielen (was er gern macht). Oder: Willst du vielleicht die kleine Tüte nach oben tragen?
Stufenzählen wär doch auch noch was Motivierendes, das macht meiner zumindest sehr gern. Eine Alternative fällt mir zum Treppensteigen nicht ein.

Ach ja. Und es den Kleinen spüren lassen, dass es dir ernst ist (also dass du ihn nicht trägst). Damit haben wir unser Mittagsschlafproblem gut in den Griff bekommen.

Huch, das ist viel. Bestimmt nicht alles pädagogisch korrekt, aber praxiserprobt und schont meine Nerven. Ich denke, davon hat der Kleine mehr, weil es nach der doofen Situation dann mit einer fröhlichen Mama weitergehen kann.

LG Nuschka mit Julian (2,5 Jahre) und Saskia (2 Monate)

Beitrag von jazzbassist 16.03.10 - 11:05 Uhr

Solange Sie Ihm in solchen Situationen dann doch irgendwann seinen Willen gewähren (weil Ihnen der Geduldsfaden reisst), wird er auch damit weitermachen. Wenn man hier von Machtkampf spricht - muss man ja sagen - dass er dann gewonnen hat :-p Er will aber gar nicht gewinnen, er will eigentlich nur wissen, wie weit er gehen kann, bis der Mami dann doch der Geduldsfaden reißt. Er will lernen, ob „Komm jetzt endlich die Treppe rauf“ wirklich „komm jetzt endlich die Treppe rauf“ heißt, oder - ob es hier vielleicht doch noch Verhandlungsspielraum gibt und die Mami ihn doch noch trägt. Erst wenn er sich fest darauf verlassen kann, dass die Mami ihn da nicht mehr hochträgt, wird er sich auf dieses Spiel nicht mehr einlassen.

Eigentlich ist die Lösung des Dilemmas erschreckend einfach. Entgegen dem, was sie schreiben, sind Kinder unvorstellbar ungeduldig. Das liegt daran, dass die Konzentrationsspanne eines 2-Jährigen keine 5 Minuten betragen wird. Der Trick ist also in so einer Situation, überhaupt nicht auf sein Verhalten einzugehen (nicht mahnend, nicht gut zureden, keine Belohnung, keinen Kompromiss aushandeln) - es ist nämlich selbstverständlich, dass er die Treppe hinaufgehen muss. Setzen Sie sich einfach auf die Treppe hin, schnappen Ihr Handy und telefonieren mal kurz 5 Minuten lang mit ihrer besten Freunden; Sie werden überrascht sein, wie kurz die Geduld eines 2-Jährigen wirklich ist. Wenn er Unfug anstellen will, schränken Sie einfach seinen Bewegungsradius ein. Fragen Sie in 2-3 Minuten Telefonat mal, ob er nicht schon mal vorlaufen möchte.

Somit wird die Situation für einen 2-Jährigen nämlich absolut uninteressant und folglich auch der Machtkampf. Solange Sie sich nicht auf einen Machtkampf einlassen, wird nie einer entstehen. Sie werden einem 2-Jährigen nämlich immer überlegen sein und stets mit fairen Mitteln „kämpfen“ können. In anderen Situationen können Sie ähnlich handeln. Spielt er beim Essen mit dem Trinkbecher, sagen Sie ihm, dass er ihn stehenlassen soll, sonst nehmen Sie ihn weg. Spielt er weiter damit rum, kommt er weg. Situation entschärft. Sie können davon ausgehen, dass er alles beim ersten mal versteht, was Sie zu ihm sagen. Es gibt also überhaupt keinen Grund, irgendwas noch einmal zu wiederholen und sich so auf einen Machtkampf einzulassen.

Er sollte nämlich rein entwicklungstechnisch bis zu seinem 30. Lebensmonat gelernt haben, dass die Mama seine Autoritätsperson ist. Das Wort klingt doof, es heißt aber eigentlich nicht mehr, als das es für das Kind bis dahin unumstößlich sein sollte, dass, wenn die Mama sagt, dass Sie ihn notfalls aufhalten wird, die Mama ihn auch wirklich aufhalten wird. An seinem momentanen Verhalten erkennen Sie, dass er sich dieser Erkenntnis noch nicht sicher ist. Je öfters Sie in solchen Situationen nachgeben, so schwerer machen Sie es ihm, diese Erkenntnis zu erlangen. Sie ist für seine Entwicklung aber leider unabdingbar. Weil sich sonst neurologisch festsetzen wird, dass die Mama bestenfalls ein gleichberechtigter Partner ist. Wenn er erwachsen wäre, wäre das nicht schlimm, da er ein Kind ist, machen Sie sich damit die Erziehung unheimlich schwierig, da er aller Wahrscheinlichkeit nach oftmals einfach nicht auf sie hören wird - da er es nie gelernt hat.

Beitrag von schnuffelschnute 16.03.10 - 11:48 Uhr

Hallo!

Solche Situationen kennen wir alle, denk ich mal.

Ich kann mich Jazzbassist nur anschließen - ich diskutiere nicht rum.
Wenn sich meine Tochter (wird im Mai 4) nicht Jacke und Schuhe ausziehen will, muss sie im Flur sitzen bleiben - ich gehe und mache meine Dinge.
Es wird ihr langweilig und du glaubst nicht, wie schnell sie ausgezogen ist.
Wenn sie das Bonbon nicht will sondern zwingend ein anderes, wird es auf den Tisch gelegt mit dem Kommentar: "Du kannst es essen oder lassen, wie du magst"
Wenn sie die Treppe nicht hochgehen will, gehe ich vor und mache oben meine Sachen. Sie kommt schon nach.

Mir hilft auch, mein Kind als "Außenstehender" zu betrachten und mich nicht involvieren zu lassen.
Dann fällt mir immer wieder auf, wie niedlich so ein Wutzwerg eigentlich ist und ich muss in mich hineinlächeln - das entspannt.

Ich wünsch dir starke Nerven

Ariane

Beitrag von sunnyside-up 16.03.10 - 12:33 Uhr

Okay, DANKE ihr Lieben, dann werde ich mich mal nach Paulchens Mittagsschlaf guten Mutes ans Werk gehen.

Ich "diskutiere" wahrscheinlich zuviel in solchen Situationen.

LG

Beitrag von brummel-baer 16.03.10 - 13:09 Uhr

Hallo sunny,

ich würde Paulchen brüllen lasse, bis er rot anläuft. Entweder er kommt von alleine hoch, oder ihr bekommt eine Räumungsklage, das ist das Risiko bei ;-)

Gruß aus dem westlichen Wald
BB

Beitrag von sunnyside-up 16.03.10 - 13:31 Uhr

Na Du bist lustisch #rofl

Warte mal ab, bis Deine Tochter soweit ist...;-)

Grüßle aus dem schwarzen Wald