Ist das schon Mobbing? (sehr lang)

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Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von valada 16.03.10 - 11:11 Uhr

Hallo ihr,

seit einigen Monaten haben wir massive Probleme mit unserer Tochter (2. Klasse). Sie hat manchmal mehrmals täglich massive Gefühlsausbrüche (entweder total wütend/aggressiv oder tieftraurig und weint viel).

Nach dem Elterngespräch in der Schule kam raus, dass sie in der Schule die Mitarbeit verweigert und auch in der Schule häufig anfängt zu weinen.

Wir hatten darauf einen Termin bei der Kinderärztin und die hat den Verdacht einer Deppresion gestellt. Nächsten Montag haben wir den Termin in der Psychatrie um das Ganze noch weiter abklären zu lassen.

Wir versuchen, ihr jetzt schon soweit wie Möglich zu helfen, versuchen mit ihr zu reden (allerdings schweigt meine Tochter immer wenn es ihr schlecht geht) und andere Möglichkeiten zu finden, wie sie sich ausdrücken kann. Manchmal bin ich aber einfach auch selber mit meinen Nerven am Ende, wenn zum 5. oder 6. mal am Tag von ihr ein riesen-Theater wegen "nichts" gemacht wird. Ich liebe sie über alles, aber dieses permanente Gejammere und/oder Gebocke nervt! (es tut mir wahnsinnig leid, dass ich so fühle, aber es ist so) und ich reagiere dann auch ab und zu über.

Es gibt aber auch Tage dazwischen, an denen es recht gut läuft!!!

So, jetzt war gestern Elternabend und ich habe dass zum Anlass genommen nochmal nachzuhorchen, wie es in der Schule so läuft. Da ist es wieder geworden, sie arbeitet wieder mit und hat schon lange nicht mehr geweint!!!! ABER es kommt immer mehr raus, dass sie Probleme in ihrer Klasse hat. Ich weiß nicht ob man das schon als Mobbing bezeichnen kann:

Sie ist mit Abstand die Kleinste in der Klasse. Generell sind nur 9 Mädchen in der Klasse. Meine ist oftmals mit 2 anderen Mädchen zusammen in der Pause, die sie aber immer häufiger ausschließen. Wenn eine der beiden krank ist, läuft es gut, aber sobald beide Mädels da sind ist meine immer außen vor.
Sie verbringt dann die Pause entweder alleine oder mit Kindern aus der 1. Klasse. Wenn ich sage, dass sie dann vielleicht doch einfach mal mit den anderen Mädchen spielen soll, kommt immer: "die wollen nicht, dass ich mitspiele...."

Sie wird (wie ich inzwischen rausgefunden habe) auch von 2-3 Jungs aus ihrer Klasse ständig geärgert. Das beginnt mit Schulranzen aufmachen und ausräumen an der Bushalte-Stelle, sie am Ranzen nach hinten ziehen, so dass sie hinfällt, schubsen, auf den Kopf schlagen, mit Stöcken in den Rücken stechen, Telefonstreiche, Androhen, dass sie verprügelt wird, verfolgen....

Das Ganze passiert nicht nur in der Schule, anscheinend auch sehr oft im Schulbus (was mir meine Tochter aber fast nie erzählt hat. Es kam raus, weil an unserer Bushaltestelle auch eine Lehrerin mitfährt und die es dann der Klassenlehrerin erzählt hat) und auch nachmittags hier bei uns, wenn meine Maus draußen spielt (der eine Junge wohnt 2 Straßen weiter).

Inzwischen ist es so, dass die Lehrerin morgens vor dem Unterricht einen Stuhlkreis macht und das auch zur Sprache kommt und sie inzwischen jeden Morgen nachfragt ob es Theater im Bus gab. Wenn es Probleme gab müssen die entsprechenden Übeltäter die Pause vor dem Lehrerzimmer verbringen.

Als ich gestern mit der Klassenlehrerin gesprochen habe, waren auch noch 3 weitere Mütter da. Eine war die Mutter von einem Jungen, der sie häufiger drangsaliert. Sie hat toll reagiert und gesagt, dass ich sie bitte direkt anrufen soll, wenn ich wieder was mitbekomme oder auch nur den Verdacht habe. Sie würde dann mit ihrem Sohn sprechen, auch schon um den Grund rauszufinden!

Ich habe das Gefühl, als ob meine Tochter inzwischen in der Klasse total ausgeschlossen ist. Allerdings weiß ich nicht ob sie ausgeschlossen wird, wegen ihrer momentanen Art, die sie durch die evtl Depression hat oder ob sie die Depression evtl durch das ausgeschlossen sein hat!?!

Das Interessante ist: während der Stunden quasselt sie häufiger mal (aber nicht so, dass sie stark den Unterricht stört), sie sitzt inzwischen auch alleine (wegen dem nicht-mitarbeiten) und das scheint ihr auch gut zu tun, seitdem kann sie sich wieder etwas besser konzentrieren.
In den Pausen erzählt sie oft, dass sie alleine ist, in dem Klassentagebuch (da schreibt jeden Tag ein Kind rein, was denn so an dem Tag gemacht wurde) wird sie auch nie von anderen Kindern erwähnt (es steht sonst häufiger drin: in der Pause habe ich mit dem und der das gemacht) und zuhause redet sie an manchen Tagen fast garnicht mehr und verfällt an ganz schlimmen Tagen in das Sprechverhalten einer ca 2-Jährigen zurück...

Zum Stärken des Selbstbewusstseins geht sie seit 3/4 in Kampfsport, was ihr auch unheimlich Spaß macht. Soziale Kontakte hat sie unterschiedlich. Manchmal spielt sie die ganze Woche nachmittags mit niemanden, machmal hat sie jeden Tag etwas vor. Aber meistens nur mit den 1.-Klässerlern. Wir haben sie auch schon gefragt, ob sie lieber in die 1. Klasse möchte, aber dass will sie auf garkeinen Fall!!!

Ich weiß nicht, wie ich ihr noch weiter helfen kann. Was ich jetzt schon machen kann oder ob ich einfach abwarten muss, bis die Termine in der Psychatrie waren und dann evtl eine Psycho-Therapie gestartet wird. Es macht mich fertig, zu sehen, wie meine Tochter so unglücklich ist und sich immer wieder in sich zurückzieht....

Hier sind ja auch schon andere Eltern, deren Kinder gemobbt wurde (wobei ich nicht weiß, ob das schon Mobbing ist), was habt ihr gemacht, dass es besser wurde? Das eure Kinder wieder in die Klasse integriert wurden?

LG
Valada

Beitrag von h-m 16.03.10 - 11:48 Uhr

Vorweg: ich habe keine persönlichen Erfahrungen mit so etwas, aber möchte trotzdem mal antworten.

Dass die anderen Kinder (Mädchen) aus der Klasse nicht mit ihr spielen wollen, ist zwar schade, aber an sich kein Mobbing.

Was diese Jungs abziehen (v.a. an der Haltestelle und im Bus), kann man dagegen schon so bezeichnen! Und dagegen muss auch vorgegangen werden. Die eine Mutter hat ja schon klasse reagiert, versuch, mit ihr in Kontakt zu bleiben und evtl. über sie auch an die anderen Freunde des Jungen, bzw. deren Eltern ranzukommen. Auch mit der Klassenlehrerin in Verbindung bleiben, vielleicht auch mit der anderen Lehrerin, die das beobachtet hat. Wenn Deine Tochter wirlklich Verletzungen davon trägt, diese auf jeden Fall dokumentieren und beim Schulleiter vorsprechen.

Alles Gute

Beitrag von valada 17.03.10 - 09:43 Uhr

Die andere Mutter hat mich gestern mittag nochmal angerufen. Sie hat direkt mit ihrem Sohn geredet.
Er war ernsthaft erschrocken, weil er nicht wollte, dass es ihr schlecht geht.

Sie hat auch gesagt, dass es gut war, dass ich offen darüber geredet habe, weil es nach außen hin halt doch anders aussieht als wie es wirklich ist. Sie hat mir dazu auch noch Hilfe angeboten, grad wenn es darum geht auch mit den anderen Müttern zu reden.

Ernsthafte Verletzungen hat meine Maus jetzt noch nicht direkt welche gehabt. Sie hat zwar häufiger blaue Flecke, aber das ist in dem Alter ja auch nicht immer ungewöhlich.

Also alles in allem bin ich sehr positiv überrascht wie toll es aufgenommen wurden ist :-D


Beitrag von susanne85 16.03.10 - 12:09 Uhr

hallo,

ja das ist mobbing! und ausschluss. sie scheint sehr hilflos und traurig zu sein.

ich glaube eher das das ganze durch! das mobbing ausgelöst wurde.

leider habe ich das ganze am eigenen rücken erfahren und weiss aus erfahrung, was sowas für eine kinderseele bedeutet. meine mutter hat das einzig richtige gemacht, mich umgeschult.

vielleicht ist es besser deinem kind einen " neustart" auf einer anderen schule zu gönnen... es bringt nichts, wenn dein kind mit einem komischen gefühl zur schule geht

lg susanne

Beitrag von valada 17.03.10 - 09:49 Uhr

Hallo Susanne,

ich bin noch relativ skeptisch ob ein Neustart an einer anderen Schule etwas verbessern oder verschlechtern würde.

Durch unseren Umzug musste meine Tochter mit 4 Jahren schon mal den Kindergarten wechseln und hatte in dem schon nicht mehr so richtig den Anschluss gefunden.

Generell ist es hier in der Gegend, dass man meistens "die Neue" bleibt, wenn man später dazu kommmt. Dass kenne ich von mir selber. Ich bin in diese Schule, in der jetzt meine Tochter ist, im 2. Schuljahr dazugekommen (durch Umzug) und irgendwie hatte ich zwar Freunde, aber so richtig dazugehörig habe ich mich nie gefühlt....

Wenn sich nichts ändert und meine Tochter weiterhin traurig ist, werden wir natürlich etwas unternehmen. Ich spiele immer noch mit dem Gedanken, sie die 2. Klasse evtl wiederholen zu lassen. Denn in der jetzigen 1. Klasse ist ihre eigentlich beste Freundin und auch mit den anderen 1.-Klässlern kommt sie super klar. Das Problem ist, dass sie sich dann wahrscheinlich massiv langweilen wird....

LG
Valada

Beitrag von shalom 16.03.10 - 13:38 Uhr

Hallo,

das ist für mich auch eindeutig Mobbing, ich habe dies in meiner Kindheit erlebt, keiner hat mir geholfen. Ich leide jetzt 20 Jahre später noch darunter, da ich sehr schwer Freundschaft schließen kann und jedem misstraue gegen mich zu sein.

VG shalom

Beitrag von valada 17.03.10 - 09:52 Uhr

Was hättest du dir denn, so im nachhinein betrachtet, für Reaktionen von den Erwachsenen gewünscht?

Grad als Mobbing-Opfer, was meinst du, wie man da helfen kann?

LG
Valada

Beitrag von 3wichtel 16.03.10 - 13:45 Uhr

Das Ausschließen durch die Mädchen würde ich nicht als Mobbing bezeichnen.
Die Vorfälle an der Bushaltestelle finde ich da schon gravierender, da es doch den Anschein hat, dass Deine Tochter so ein wenig den "Opfertyp" darstellt und ausstrahlt.

Ich würde folgendermaßen vorgehen:
- Genaue psychiatrische Untersuchung. Depression wird manchmal fälschlich auch bei ADS-Kindern vermutet. Wenn sie ein gesundheitliches Problem hat (Depression, AD(H)S, etc.), dann wird Euer Arzt ihr schon ein Stück weiterhelfen können.
- Die Vorfälle rund ums Busfahren genauestens im Auge behalten. Ggf. ältere Kinder beauftragen, ein wenig auf sie achtzugeben. Busfahrer einweihen. Kontrollbesuche an der Bushaltestelle, etc.

Beitrag von valada 17.03.10 - 09:57 Uhr

Die psychatrische Untersuchung haben wir kommenden Montag. Für ADS hat sie eigentlich nicht genügend "Symptome", aber dafür gibt es ja die Ärzte, die das abklären können, was jetzt wirklich das Problem ist.

Ich habe zuerst gedacht, dass sie evtl auch Schilddrüsen-Probleme haben könnte, weil die fast jeder aus meiner Familie hat, aber die Blut-Werte sind alle normal.

Ältere Kinder gibt es an der Bushalte-Stelle nicht. Meistens ist Billie mit dem Jungen, der am meisten ärgert alleine am Bus. Der Junge, mit dessen Mutter ich schon geredet habe, steigt eine Haltestelle früher ein.

An manchen Tagen fährt ja noch eine Lehrerin von unserer Haltestelle aus mit, mit ihr werde ich auch nochmal reden und ich werde meine Tochter auch wieder eine Zeitlang zum Bus begleiten. Die Fahrt selber ist nicht lange, wir sind die letzte Haltestelle vor der Schule.

Beitrag von tigerente2004 17.03.10 - 05:34 Uhr

Hallo,
mich macht sowas auch sehr traurig und ich kann Deine Verzweiflung gut verstehen. Wir haben das so nicht. aber bez. der 2 Mädchen - es war und ist doch schon immer so gewesen, 3 ist IMMER einer zu viel. Sie sollte sich andere Freundinnen aus der Klasse, sind ja noch 6 da, nähern. Vielleicht kannst Du ja mal hin und wieder eine einladen. Das ist natürlich keine Garantie, daß es in Zukunft läuft aber ein Anfang, dass ein Kind merkt, dass jedes Kind eine Chance auf Freundschaft hat. Ich finde es gut, dass die Lehrerin deswegen auch Stuhlkreise etc. macht, das wäre eine gute Parrarelle. Stärke Dein Kind so gut es geht, sag ihr, dass Du sie über alles liebst. Sie muss wissen, daß Du voll und ganz hinter ihr stehst und Du sie bedingungslos lieb hast. Das sichert das Kind !!! Und falls dies überhaupt kein Ende nimmt, sprech nochmal mit der Lehrerin und evtl. über einen Wechsel nachdenken.
Gruß
Tigerente2004

Beitrag von valada 17.03.10 - 10:06 Uhr

Hallo,

ja das Problem, dass 3 immer eine zuviel ist, wird wahrscheinlich immer so sein...

Die Lehrerin hat gestern direkt die Kinder umgesetzt und jetzt sitzt meine Tochter neben einem anderen Mädchen :-D Vielleicht hilft dass auch schon etwas, dass meine Tochter von den anderen 2 etwas wegkommt. Von ihrer "3er-Clique" zieht ein Mädchen im Sommer weg, also kann es sein, dass sich die Situation auch dann noch mehr entspannt, aber trotzdem sind bis dahin noch ein paar Monate...

Ich habe gestern abend nochmal ein bisschen mit meiner Maus reden können, sie hat anscheinend massive Probleme damit, dass sie kleiner als die anderen ist. Darüber will ich nochmal mit ihrem Trainer vom Kampfsport reden, vielleicht schafft er es, sie da etwas mehr aufzubauen (er ist nämlich auch nicht der Größte).

Aber genrell finde ich es toll, dass alle das so ernst nehmen, damit hätte ich nicht gerechnet....

Beitrag von tigerente2004 17.03.10 - 14:00 Uhr

Hallo,
meine Tochter wird im Septemer 9 Jahre und ist jetzt knapp 1,20 m gross und sie wiegt 18 kg.
Sie ist auch sehr klein, dennoch nicht die Kleinste, es sind insgesamt 4 Kinder in der ähnlichen Größe.
Meine hatte selbst damit auch Probleme, aber ich stärke sie nun so, dass auch ich und ihr Papa als Kind auch immer die Kleinsten waren und auch wir gewachsen sind und dass die Klassenkameraden von uns nun auch nicht oder nur ein bisschen grösser sind als ich. Ich bin auch 1,60 m und das ist vollkommen in Ordnung. Unser Kinderarzt meinte damals auch, wo wollen die Kinder hinwachsen, wenn die Eltern nicht gross sind und ich gebe ihm Recht. Vielleicht macht sich Dein Kind selbst ein wenig "schlecht", weil sie so klein ist, wenn, DAnn würde ich genau da anpacken und sie stärken.
Gruß
Tigerente2004

Beitrag von manavgat 17.03.10 - 12:28 Uhr

Zum einen würde ich eine Kinderpsychologin um Rat fragen.


Zum anderen ist das, was Du beschreibst, kein Mobbing sondern Körperverletzung und ich würde massiv dagegen vorgehen.

Jedes einzelne Mal würde ich das der Schule melden, notfalls wenn nicht reagiert wird, Anzeige bei der Polizei, die dann das Jugendamt einschaltet.

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist in unserem Grundgesetz verankert. Dies schließt wehrlose Grundschulkinder mit ein!

Deine Tochter braucht die Erfahrung, dass diese Täter bestraft werden. Schuldisziplinarisch. Fordere dies ein.

Gruß

Manavgat