Verzweifelt, sauer, alles ... (sehr sehr lang)

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von mel.28 16.03.10 - 15:02 Uhr

Wie seht ihr die folgende Situation…

Kurze Vorgeschichte: Mein Sohnemann ist ein ADS-Kind. Wegen seiner Verhaltensstörung waren wir in Therapie und er war 5 Monate in stationärer Behandlung. (Die Dauer resultiert auch daraus, dass er körperlich von hinten bis vorne noch mal durchgecheckt wurde, die Berichte abgewartet werden mussten, damit er Medikamente bekommen kann.)

So, nun ist er seit Januar in einer neuen Schule. In der Klasse mit der neuen Lehrerin klappt das ganz gut. Er hat sich auch gut eingelebt. Sicherlich gibt es immer mal wieder was. Aber die Lehrerin meint, wir kriegen das schon hin. "Kleinigkeiten" bei denen sie meint, sie kommt alleine klar, schreibt sie nicht ein, das regelt sie mit ihm allein. Über größere Sachen informiert sie mich aber. Das klappt bis jetzt ganz gut. Sie fährt auch eine gerade Linie und ist sehr konsequent, das bekommt ihm ganz gut.

Ich hatte schon einmal darüber berichtet, dass Schule und Hort nicht sehr glücklich über die Situation waren, dass ein verhaltensauffälliges Kind, das so lange in Therapie war in die Schule kommt und dass die Unterbringung im Hort fast nicht gewährleistet wurde. Die Vorurteile und die Angst seitens der Erzieher und Lehrer waren sehr groß. Irgendwo ist die Angst ja auch für mich als Mutter verständlich. Es hat auch dummerweise kein Gespräch zwischen Klinik und neuer Schule / neuem Hort gegeben, da wir bis kurz vor seiner Entlassung davon ausgegangen sind, dass er in seine alte Klasse zurückgeht.

Die Horterzieherin hatte schon damals ausgedrückt, dass sie ziemliche Angst hat, weil es wohl schon einmal einen extremen Fall gegeben hat, ein Junge, der andere Kinder und sogar die Erzieherinnen gehauen und getreten hat und der so absolut gar nicht (also nie) gehört hat. Ich habe ihr damals gesagt, dass wenn wirklich eine Situation auftreten sollte, in der sie gar nicht mit ihm klar kommt, kann sie mich jederzeit anrufen und ich bin sofort da. (Mein Arbeitsplatz liegt 10 Minuten vom Hort entfernt.)

Nun lief wohl auch bis zu einem besagten Tag alles ganz gut, er ist zwar schnell mal gefrustet, wenn er ein Spiel verliert oder ähnliches, sie hat ihn in der Situation aber nicht weiter beachtet und er hatte sich ziemlich schnell wieder unter Kontrolle. Ihre Worte wenn ich gefragt habe: „Ja, bis auf Kleinigkeiten kann sie sich nicht beschweren.“

Nun kam der Tag an dem er wohl ziemlich heftig mit einem anderen Kind aneinander geraten ist und sich nicht so schnell wieder ein hatte. Folgende Situation (Schilderung der Erzieherin): Letztens hätten sie eine ganz extreme Situation gehabt, sie hätte richtig Angst gehabt, dass er auf ein anderes Kind losgeht und es verletzt. Das möchte sie nicht noch einmal erleben. In einem Nebensatz viel, dass das andere Kind ihn auch geärgert und ihn nicht in Ruhe gelassen hat. Es sei immer wieder um ihn herumschlawänzelt (so ungefähr: "Näh näh näh näh näääh, komm doch... etc.) Er hat deutlich gemacht, dass er seine Ruhe haben möchte. Das andere Kind hat weiter gemacht. Dann wollte er auf sie los (ist ihr hinterher gerannt). Da ist dann die Erzieherin dazwischen, hat sich das andere Kind geschnappt und es in den Gruppenraum gebracht (Tür zu) und mein Kind haben sie dann wohl festgehalten, damit er nicht hinterher kann. Er hat sich danach eine ganze Stunde lang nicht beruhigen können. Hat sich aber dann, als er sich beruhigt hat, bei der Erzieherin entschuldigt. Ärger bekommen hat mein Kind. Das andere Kind angeblich auch, aber nicht so, dass mein Sohn es mitbekommen hat, dass es auch für dieses Kind Strafe / Ärger gibt und nicht nur für ihn. Damit kann er gar nicht um, wenn er das Gefühl hat, alle haben Mist gemacht aber er wird dafür bestraft.

Ich persönlich hatte lediglich eine Nachricht im Hausaufgabenheft „R. hatte leider einen Wutanfall und die Hausaufgaben nicht erledigt. Bitte nachholen.“ Mein Sohnemann hat nur erzählt, dass er Mist gemacht hat, die Erzieherin aber dann seine Entschuldigung angenommen hat. Von dem Vorfall selbst hat mir zunächst seine Lehrerin erzählt. Daraufhin bin ich dann in den Hort und habe mich erkundigt. Sie hat mir die o.g. Situation geschildert und mir gesagt, dass sie es ihrem Vorgesetzten melden will und mir nahe legt, ihn doch nach der Schule woanders, in einer kleineren Gruppe unterzubringen. Sie denkt, dass ihm die vielen Kinder zu schaffen machen. Das er in größeren Gruppen nicht klar kommt. (Im alten Hort hat es auch geklappt.) Auf die Frage, ob denn nach dem Vorfall auch wieder irgendwas war, verneinte sie dies. Sie habe aber schon Angst, das wirklich mal was passiert, sie müsse sich dann ja auch schließlich vor den anderen Eltern rechtfertigen. Was ja auch richtig ist und was ich ja auch in gewisser Hinsicht nachvollziehen kann.

Versteht mich nicht falsch, ich verstehe, dass es sicher nicht einfach ist und auch die Vorurteile kann ich ein Stück weit nachvollziehen. Ich sage auch nicht, dass mein Kind ein Unschuldsengel ist, er ist stellenweise schwierig. Aber: Ich verstehe nicht, warum sie mich nicht gleich angerufen hat, warum ich nur so eine lapidare Nachricht im Hausaufgabenheft hatte. Sie meinte, sie hätte mich spätestens an dem Tag als ich da war (eine ganze Woche nach dem Vorfall) anrufen wollen. Sie sei vorher nicht dazu gekommen. Ich habe auch erst 4 Tage später durch seine Lehrerin von dem Vorfall erfahren (zumindest von dem Ausmaß) und bin gleich zum Hort. Den Tag war sie aber nicht da, den darauf folgenden Tag habe ich es zeitlich leider nicht geschafft, deshalb erst die Woche später. Und ich weiß nicht, ob sie in der Situation aus Angst nicht überreagiert hat (anderes Kind in den Hortraum, mein Kind festgehalten). Und wenn es wirklich so eine extreme Situation war, warum wurde ich nicht gleich am selben Tag telefonisch oder mit einem entsprechenden dringenden Vermerk (wie z.B. „Dringender Gesprächsbedarf.“ oder „Bitte unbedingt mal reinschauen“) darüber informiert.

Ich habe mich jetzt separat auch schon mal erkundigt, aber es gibt bei uns keine Tagesmuttis für Schulkinder oder andere, kleinere Gruppen. Ich möchte ihn da auch nicht unbedingt rausnehmen. Nun habe ich gedacht, bis 14:00 Uhr Hort und dann nach Hause. Dort wäre er aber 2 Stunden allein. Ich komme erst 16:00 Uhr nach Hause. Ich weiß, dass ich mich in der Hinsicht auf ihn verlassen kann, aber eigentlich möchte ich das nicht unbedingt.

Und weil man das als Mutti oder Elternteil ja immer nur aus seiner Sicht sieht. Wollte ich mal horchen, wie ihr handeln würdet, bzw. wie ihr darüber denkt.

Sorry fürs viele #bla , ich hoffe ich habe es einigermaßen verständlich geschrieben und danke auch demjenigen der bis hier unten gelesen hat. #herzlich (Geschichten die das Leben schreibt.)

Beitrag von thomma 16.03.10 - 15:47 Uhr

Hallo Mel,

ich kann deine Verzweiflung sehr gut verstehen, diese Situationen kenne ich auch zur Genüge. Es ist so ärgerlich, dass eine derart dumme Streitsituation wieder zu einem Wutanfall geführt hat. Wie du schreibst, hat er wirklich versucht, dem Streit aus dem Weg zu gehen, aber ist eben wieder oben rausgegangen.

Problematisch ist daran jetzt, dass sich die Krisenspirale wieder dreht. Die Erzieherin im Hort war ja von Anfang nicht begeistert, dass euer Sohn dort ist, sie hatte ja wohl regelrecht Angst vor so einer Situation. Jetzt sagt sie sich, ha, ich hab`s ja gewusst. Ich würde auf jeden Fall das Gespräch mit der Hortleitung suchen, darüber reden, wie ihr in Zukunft in solchen Situationen miteinander kommuniziert. Gibt es im Hort nur 1 Erzieherin? Könnte Dein Sohn vielleicht eine andere Bezugsperson bekommen?

Ich würde es mal versuchen, ihn früher nach Hause zu lassen, vielleicht genießt er seine ruhige Zeit, allerdings unter der strikten Vorgabe, dass Du ihm jederzeit vertrauen kannst. Vielleicht könntet ihr das mal 1x pro Woche ausprobieren. Wieviele Tage in der Woche arbeitest Du? Vielleicht könntest Du ja die Arbeitszeiten so verschieben, dass du 1 Tag schon um 15 Uhr zu hause bist, den anderen Tag dafür ein bisschen länger?

Viel Glück Euch #liebdrueck

lg Gudrun

Beitrag von zanadu 16.03.10 - 23:04 Uhr

Hallo, kann dich verstehen. Allerdings kenne ich die Situation mehr aus der anderen Perspektive. Mein Sohn ein sehr ruhiger Junge , leidet massive unter sehr lauten"kranken" Kinder in seiner Klasse.

Gib es bei euch den keine Kräft (Lehrer , Schulpädagogen die sich um deinen Sohn verstärkt kümmern?). Macht ihr noch Therapien
Gibt es Gespräche, Vereinbarungen über das Verhalten.

Ich habe darüber nachgedacht die Klasse , schule zuwechsel (Wenn ich gewußt hätte wohin, hätte ich es getan),
Meinen Sohn hat es geholfen das die Klasse ein Programm claro klasse 2000 gemacht hat. Der eine junge hat jetzt einen Einzelbetreuer , außerdem haben die Kinder eine besondere Pause mit einem Schulsoziapädagogen.

Beitrag von barbarelle 17.03.10 - 07:54 Uhr

Hallo Mel,

schade, dass ihr gerade wieder so einen Stress habt. Ich weiss nicht aus welcher Ecke Deutschlands du bist aber der ASB bietet z.b. Kinder-/Hausaufgabenbetreuung zu ganz fairen Preisen an.

Würde dein Sohn das wollen? Es muss ja furchtbar für ihn sein so ausgegrenzt zu werden.

Naja...die Erzieherin macht es sich aber auch leicht. Bei allem Verständnis, das du für ihre Situation hast - aber mich macht immer wütend, dass man nur noch mit handzahmen, pflegeleichten Kindern umgehen kann.

Anmaßen möchte ich mir allerdings auch nichts, da ich dein Kind nicht kenne.

Liebe Grüße
Barbarelle

Beitrag von alicemcfarrow 17.03.10 - 08:39 Uhr

Hallo Mel!

Meiner Meinung nach, hat die Erziehering 'Angst' davor Verantwortung zu übernehmen. Man kann von einer Gruppe Kindern nicht erwarten, dass alle rücksichtsvoll miteinander umgehen. Dafür sind sie ja im Hort/Schule, um ein gutes Sozialverhalten zu lernen. Natürlich mit der Basis die sie von zu Hause bekommen. Ich finde es richtig gut, dass Dein Sohn offenbar sehr wohl verstanden hat, dass seine Reaktion nicht unbedingt angemessen war und sich dementsprechend entschuldigte. Der andere Junge wurde nicht zum Gespräch gezogen??? Ein anderes Kind zu provozieren, um es zum 'ausrasten' zu bringen - aus welchem Grund auch immer - ist mit Sicherheit falsch und das gehört dem Kind auch gesagt bzw. erklärt. Wie soll es denn sonst lernen, dass sein Verhalten Konseqenzen hat - es sei denn es bekommt irgendwann mal wirklich auf die Nase. Was dann zwar verständlich wäre aber eine absolute Katastrophe in der Hortgruppe.
Ich hatte mal etwas ähnliches mit meiner Tochter. Junge aus einer anderen Klasse, auffällig schon immer etc. Ich bin also zur Lehrerin, die schlug Treffen mit dem Jungen und seiner Mutter vor. Haben wir gemacht. Die Mutter war schon völlig panisch von wegen 'was hat er jetzt wieder angestellt'. Ich hab mit ihm gesprochen, ob dieses und jenes so passiert ist, bzw. wie er das erlebt hat. Er gab zu, er hat Bockmist gebaut. Ich hab ihm erklärt, was sein Verhalten meiner Tochter "angetan" hat. Er hat das verstanden, und auch, dass er selbst auch nicht so behandelt werden wollen würde. Für mich ein Erfolgserlebnis. Meine Tochter sieht - Mutti macht, wenn ich nicht kann. Und der kleine Raufbold sieht, dass er sich mit einer fremden Autoritätsperson auseinandersetzen muss, die ihm erklärt dass er etwas falsch gemacht hat und warum. Und das will kein Kind, weil es einfach mal peinlich für die Krümel ist, von fremden Eltern 'zurechtgewiesen' zu werden.
Sei nicht zu zaghaft, Du kannst die Horterzieherin ruhig darauf hinweisen, dass es unter anderem zu ihrem Job gehört für Ordnung und Frieden in der Gruppe zu sorgen und dass Dein Sohn kein unberechenbarer Schläger ist, bei dem nie einer weiß, wann er das nächste mal ausrastet. Indem Beispiel das Du beschrieben hast, gab es eindeutig Ursache und Wirkung - es ist nie immer nur einer Schuld :-p