Großes Tabu?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von espirino 16.03.10 - 15:25 Uhr

Hallo,

was mich immer mal so von Zeit zu Zeit beschäftigt ist die Frage, ob man sich heutzutage innerhalb der Familie gar nicht mehr getrauen darf zu sagen: Hey so wie dein Kind drauf ist, daß könnte auch an dir liegen.

Spricht man sowas auch nur ansatzweise an, wird entweder gleich auf stur geschalten oder der Satz: Das geht dich gar nichts an, das ist meine Erziehung. in den Raum geworfen.

Bsp. Eine Familienangehörige schimpft auf ihr Kind (12) sie würde im Haushalt nicht helfen, räumt ihr Zimmer nicht auf, vergißt für die Schule dauernd Sachen, kann mit ihren Geschwistern nicht umgehen. Jetzt traue ich mich echt nicht zu sagen, wie soll sies denn lernen, wenn sie
a) die meiste Zeit sich selbst überlassen ist
b) verhängte "Strafen" nicht eingehalten werden
c) die Mutter selbst lieber mal was liegen läßt, als aufzuräumen
d) den Kindern keine Konfliktlösungswege an die Hand gibt

Nur ein Beispiel. Kennt ihr sowas? Wirds bei euch auch peinlich still, wenn solche Themen aufkommen? Habt ihr auch das Gefühl, jemand wöllte eigentlich was dazu sagen, läßt es aber um des Lieben Friedens Willen?

Ich frag mich nur, ob das früher unter den Schwestern, Brüdern, Neffen, Nichten, Cousins und Cousinen auch so war oder ob man sich da von Natur aus weniger drum geschert hat.
Was aber, wenn die eigenen Kinder von älteren Kindern aus der Familie haufenweise Blödsinn beigebracht kriegen? Traut ihr euch dann dieses Kind zu schimpfen? Ich mein, daß ist sehr abhängig von der Situation, aber so grundsätzlich?

LG Jana

Beitrag von blacknickinblue 16.03.10 - 15:58 Uhr

Fragst Du jetzt, weil Du mit der Kritik, die Deine Schwester Dir gegenüber geäußert hat (siehe Familienleben), nicht klarkommst oder möchtest Du Deiner Schwester im Gegenzug eins auswischen?

Gruß, B.

Beitrag von petra1982 16.03.10 - 19:07 Uhr

Wie schon gesagt wurde, du meinst hier jeder nimmt es einem übel wenn man was sagt, aber selbst bist eingeschnappt #rofl#rofl

Wenn man selbst nicht einstecken kann sollte man bei andern am besten nicht anfangen rumzunörgeln oder?

Beitrag von espirino 17.03.10 - 10:13 Uhr

Hallo,

ich bin mir nicht sicher, ob du meinen Beitrag richtig gelesen hast?
Ich bin nicht eingeschnappt, ich bin enttäuscht und weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Man meint die einen können einem alles an den Kopf knallen, ob berechtigt oder nicht und die anderen müssen jedes Wort auf die Goldwaage legen, um keinen Familiendisput zu riskieren. Weißte wie ich das mein?

LG Jana

Beitrag von liesschen_1980 17.03.10 - 10:57 Uhr

Hallo,
es liest sich tatsächlich so, als wärst Du eingeschnappt und willst jetzt erstmal zum Gegenschlag ausholen.
In Deinem anderen Beitrag hiess es -wenn ich das jetzt recht in Erinnerung habe- dass Du das dass erst Mal zu hören bekommen hast.
Und ich muss Dir auch ehrlich sagen, dass ich deswegen nicht die Kinder 'bestrafen' würde, also den Kontakt wegen dem, was Deine Schwester gesagt hat zu minimieren. Du schriebst, Deine beiden leiden darunter, fragen immer, ob Du anrufen kannst (Korrigiere mich, wenn ich falsch liege).
Klar schmerzt es, wenn man so unverblümt so etwas ins Gesicht gesagt bekommt, aber nutze das doch, um Dich und Deine Erziehung (vielleicht auch Deine Kinder) selbst zu reflektieren.
Ich denke, wer sollte denn sonst so ehrlich sein und einem so etwas ins Gesicht sagen, wenn nicht die eigene Familie.
Dann such doch das Gespräch mit Deiner Schwester und frage nochmal nach, was sie genau meint damit und ob sie Dir denn sagen kann, wie sie an Deiner Stelle reagieren/erziehen würde (wenn es Dich überhaupt interessiert) - das wäre wahrscheinlich mein Weg.
Klar kannst Du ihr auch sagen, dass du immer den Mund gehalten hast, was ihre Erziehung angeht.
Ihr könnt Euch doch einfach mal austauschen, ihr seid doch Geschwister... Da kann man bestimmt mal offen reden.
Vielleicht hat sie es ja gar nicht so dramatisch gemeint (man bekommt in Sachen eigener Erziehung ja auch gern mal was in den falschen hals, bzw. ist das manchmla ein empfindliches Thema) und diese ganze Kettenreaktion ist völlig übertrieben.
Wenn Du nun bei ihr 'die Fehler' suchst und ihr präsentierst, kommt das so rüber, wie es hier wahrscheinlich ein Grossteil auch wahrgenommen hat (s. die ersten Antworten), der Deine beiden Postings gelesen hat.
LG Anne

Beitrag von espirino 17.03.10 - 13:20 Uhr

Das mit dem Anrufen hab ich deshalb eingeschränkt, weil meine Nichte meinte, sie sei nur deshalb gekommen, weils Mama ihr erlaubt hatte, eigentlich wollte sie nicht...
Da ich niemanden zwingen kann, hab ich ihr erklärt, daß sie das nächste Mal bitte Bescheid sagen soll, wenn sie nicht will. Das kann ich den Jungs dann besser erklären, daß die Große auch mal was anderes machen will. Wie soll ichs denn den beiden erklären, daß wir nicht jeden Tag nachfragen können, ob jemand zum spielen kommt und uns im Gegenzug niemand anruft, ob wir mal kommen wollen? Müßte sich das nicht irgendwie mal ausgleichen?

Ich will niemanden aufdringlich werden, ich denke das Interesse sollte schon von beiden Seiten kommen, oder?

LG Jana

Beitrag von jazzbassist 16.03.10 - 21:56 Uhr

Ich denke, es kommt auf die jeweiligen Familien an und wie offen dort mit dem Thema grundsätzlich umgegangen wird.

Für meinen Bruder und mich war es ziemlich normal, öfters mal die eigenen Eltern anzurufen, wenn die Kids nicht ganz so wollten, wie man selbst oder wenn man sich einfach über irgendetwas unsicher war. Mein Bruder hatte mich früher öfters um Rat gefragt, da ich beruflich mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeite, ich hatte später meinen Bruder öfters gefragt, da seine Kids 7 respektive 9 Jahre älter sind als mein Spatz und er viele Situationen (bei eigentlich ziemlich ähnlicher Erziehung) bereits erlebt hatte. Es war also die beste Stelle, sich Rat zu holen.

Und selbst, wenn wir eines schönen Sommernachmittags mal vergleicht haben, wessen Kind der Haftpflichtversicherung am meisten Geld gekostet hat (mein Spatz hat gewonnen #ole), haben wir unsere Kinder eigentlich nie dazu missbraucht, uns mit diesen gegenseitig zu profilieren. Neid in negativer Auslegung oder vergleichbares kam also nie so wirklich auf. Das war/ist also eine ziemlich angenehme Atmosphäre, wo man dann natürlich auch mal ungefragt seinen Senf dabei gegeben hat.

Ich denke, wir beide haben uns viele unsägliche Situationen mit unseren Kindern erspart, da man als Elternteil manchmal wirklich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und die Meinung eines (teilweise) objektiven Dritten [der aber doch etwas drin steckt] zumindest uns persönlich sehr oft weitergeholfen hat. So etwas war also nie böse gemeint und wurde von allen beteiligten immer ganz liebevoll aufgenommen. Ich habe also kein Problem damit, die Obhut, Pflege, Sorge und Erziehung meines Sohnes in den Händen der Familie meines Bruders zu legen; da hier einfach gegenseitiges, blindes Vertrauen da ist. Aus eigener Erfahrung kenne ich also genau das Gegenteil ihrer bisherigen Situation; ich kann sie aber dennoch gut nachvollziehen. Die Ursache dafür, warum die Luft in ihrer Situation so „giftig“ ist, kann ich ihnen leider nicht nennen. Dafür ist die Palette möglicher Ursachen viel so groß und oftmals über Jahre hinweg entstanden.

Zu dem Problem des nachaffens - nun ja - dazu gehören immer zwei Affen. Der Affe, der etwas vormacht und der, der es nachmacht. Bei Kleinkindern kann das nachmachende Äffchen dafür ziemlich wenig, hier würde ich dann notfalls raten, das Thema mit den Eltern des großen Äffchens anzusprechen und wenn es da zu keiner Lösung kommt, eventuell mit dem Gedanken spielen, den Umgang hier etwas einzuschränken. Wenn das kleine Äffchen ein doch nicht mehr so kleines Äffchen ist (ich würde die Grenze hier beim Schulkind ziehen) würde ich meine Erziehungsaufgabe eher darin sehen, diesem kleinen Äffchen beizubringen, eben nicht mehr alles nachzuäffen. Denn - dieses kleine Äffchen wird in seinem Leben noch sehr sehr vielen großen Äffchen begegnen :-p

Beitrag von wemauchimmer 17.03.10 - 11:44 Uhr

Tja, wenn Du mal ein bisschen rumkommst in der Welt, dann merkst Du, daß es typisch für uns Deutsche ist, daß wir andere belehren wollen. Und meistens kommt es nicht gut an. Und meistens ist es auch daneben, weil Du gar nicht genug Einblick in die Gesamtsituation der anderen Familie hast.
Laß sie machen. Wenn sie Deinen Rat suchen, weil Du leuchtendes Vorbild es ja 100x besser hinbekommst bei Deinen Kindern als sie, dann, ja dann kannst Du gerne Tipps geben. Aber ansonsten ist diese Besserwisserei ein gutes Mittel, sich die Verwandtschaft komplett zu vergraulen.
LG

Beitrag von espirino 17.03.10 - 13:11 Uhr

... weil Du leuchtendes Vorbild es ja 100x besser hinbekommst bei Deinen Kindern als sie, dann, ja dann kannst Du gerne Tipps geben

Was soll das nu wieder? Ich hab niemanden belehrt. Sie bemängelt diverse Verhaltensweisen, nicht ich. Liest hier noch einer den gesamten Beitrag #kratz ?

LG Jana

Beitrag von wemauchimmer 17.03.10 - 13:28 Uhr

Also ich habe Deinen Beitrag so verstanden, daß Du eigentlich findest, daß Deine Verwandten von Dir etwas Nachhilfe in Sachen Erziehung gebrauchen könnten, weil sie viele Fehler machen, und daß Du Dir aber unsicher bist, ob Du das ansprechen kannst oder nicht.
Und mein Rat ist gewesen, es nicht anzusprechen, außer Du wirst von denen von selber um Rat gebeten.
Hast Du es nun verstanden?

Beitrag von espirino 17.03.10 - 13:31 Uhr

Kein Grund ausfällig zu werden. Ich wiederhole mich gerne. Ich hab niemanden belehrt.

Beitrag von wort75 17.03.10 - 13:16 Uhr

"Hey so wie dein Kind drauf ist, daß könnte auch an dir liegen. "


Wenn du das so sagst, wird natürlich keiner darauf ansprechen. :-) auch in der familie nicht.
ich finde, in der familie muss man mindestens so höflich und diplomatisch sein wie mit freunden...

wenns dir zu mühsam ist, dann hör einfach weg. wenn du helfen willst, dann sei doch geschickter.

sag etwa: "mensch, bin ich froh, sind meine noch nicht in dem alter.du machst sicher ganz schön was mit... obwohl, ich muss ja sagen, dass ich xy ein ganz tolles mädel finde... sag mal, wie reagiert sie denn, wenn du konsequent bist - hält sie sich an die abmachung? kontrollierst du, ob sie sich dran hält? wie reagierst du wenn sie..... was könnte man machen wenn sie...."

so bist du nicht der oberschlaumeier der tipps zur erziehung anderer kinder abgibt (obowhl du gar nicth aus erfahrung reden kannst, da du noch keinen tenager hast...) sondern du bist zugewandt, interessiert und kannst mit den fragen doch die punkte aufbringen, die du richtig findest...

diplomatie ist dann geglückt und raffiniert, wenn sie alle glücklich macht, das ziel erreicht und alle ihr gesicht dabei waren können. und wenn keiner merkt, dass man diplomatisch auf eine lösung hingewiesen wird.
besserwiesserei hingegen tötet jedes interesse an zusammenarbeit.

Beitrag von espirino 17.03.10 - 13:22 Uhr

Das klingt einleuchtend. Wie gesagt, im Normalfall sag ich gar nichts weiter dazu. Mal hier und da ein: Du könntest ja auch das versuchen... aber sehr selten.

LG Jana

Beitrag von heike011279 17.03.10 - 16:13 Uhr

Hallo,
ich vermute, dass es daran liegt, dass seit geraumer Zeit ein erhebliches Bohei um die Erziehung von Kindern gemacht wird.
Das muss ja im Grunde gar nicht verkehrt sein, aber was einem eben immer wieder impliziert wird, ist, dass Fehlverhalten von Kindern IMMER auf die Eltern zurückzuführen ist. Davon distanziere ich mich zwar, aber ein wahrer Kern ist darin doch zu finden.
Man kann tausende von Erziehungsratgebern, Psychologen, Pädagogen und sonstwas um Rat fragen, wenn man in seiner Rolle als Eltern nicht eine Vorbildfunktion pflegt, dann helfen auch tausend Worte und Konsequenzen nichts.
Ein simples Beispiel: Mein Sohn ist ein absoluter Chaot, unordentlich und vergesslich. Ich rege mich darüber auf, schimpfe ab und an mit ihm und versuche ihm zu helfen, etwas mehr Struktur in alles reinzubringen, aber 100% werde ich das niemals schaffen, weil ich eben selbst nicht gerade die Ordentlichste und Disziplinierteste diesbezüglich bin.
Und wenn dann eben das Kind aufgrund seiner "Unordnung" von anderen kritisiert wird mir gegenüber, dann fühle ICH MICH kritisiert, weil ich insgeheim weiß, dass es vielleicht doch ein Stück an mir liegen könnte. ;-)
Wie gesagt, ich behaupte, dass nicht jedes Problem bei den Eltern zu finden ist, aber einige eben schon.
Daher fühlen sich eben auch viele auf den Schlips getreten. Der Druck der Gesellschaft im Hinblick auf die Erziehung des Nachwuchses ist immens hoch und man fühlt sich mitunter ständig "beobachtet" und reagiert empfindlicher auf Kritik, als man es vielleicht vor 30 Jahren getan hätte.
Damals waren die Kinder nämlich die Übeltäter, ;-) an den Eltern lags fast nie.
Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine. #hicks

LG
Heike

Beitrag von espirino 18.03.10 - 10:48 Uhr

Ja ich verstehe sehr gut was du meinst und wollte auch darauf hinaus. Am Ende wirds heut tatsächlich fast immer an den Eltern festgemacht, wenn ein Kind mal nicht nach Schema F läuft.

Ich meine halt man sollte vielleicht vermeiden, daß EIGENE Kind vor anderen zu kritisieren, wenn dessen "Fehlverhalten" von einem selbst gelebt wird.

Dazu gibt es ein schönes Zitat:

Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am wenigsten, die sie ihnen selbst anerzogen haben.

Beitrag von marion2 18.03.10 - 13:19 Uhr

Hallo,

es gibt Kinder, die so sind, wie sie sind.

Wenn ein Kind Mist macht und ich merke das, dann mache ich es zumindest darauf aufmerksam.

Auch bei FREMDEN Kindern, die mich eigentlich so gar nichts angehen dürften, aber...

wenn sie auf dem tauenden See schlittern, dann frage ich doch, ob sie sich das mit dem Eisbaden gut überlegt haben ;-)

LG Marion