Linas Geburt am 21.01.10

Archiv des urbia-Forums Geburtsberichte.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von mirisept 16.03.10 - 17:00 Uhr

Am 20.01. bin ich um 4.30 Uhr morgens von einer Wehe aufgewacht, 5 Tage nach dem errechneten Geburtstermin. Da wir am Abend zuvor erst gegen 0.30 Uhr ins Bett gekommen sind, habe ich also nur 4 Stunden Schlaf bekommen, denn nachdem ich von der Wehe aufgewacht war, war an Schlafen nicht mehr zu denken, da ich dann sehr aufgeregt war. Ich lag also im Bett und habe mehr oder minder auf weitere Wehen „gewartet“. Es kamen auch unregelmäßig welche, und ich konnte schon mal das Veratmen üben.

Um 14 Uhr bin ich dann in die Taxisklinik zum CTG. Ich hing knappe 45 Minuten am CTG und hatte in den ersten 10 Minuten eine heftige Wehe (der Wehenschreiber hat bis 120 ausgeschlagen), die mir wirklich Angst gemacht hat. Überhaupt war ich total unentspannt und ängstlich. Ergebnis der ärztlichen Untersuchung: Muttermund fingerkuppendurchlässig und auf 2cm verkürzt. Die Ärztin sagte, sie könne keine Prognose abgeben, wann es losgeht, vermutlich bald. Ich habe gesagt, ich denke, es geht bald los. Mein Mann hat mich dann abgeholt und auf dem Weg nach Hause mussten wir 4 Mal stehen bleiben, weil ich Wehen veratmen musste.

Zu Hause hat mir mein dann ziemlich schnell eine Badewanne eingelassen. Ich dachte zu dem Zeitpunkt immer noch – nee, nee, das dauert noch. In der Wanne ließen die Wehen aber nicht nach und kamen so alle 3-5 Minuten schon ziemlich schmerzhaft. Zum Veratmen hab ich mich immer auf die Seite gedreht. Ich wollte es eigentlich noch nicht (ich dachte, es wäre zu früh), aber mein hat dann schon mal im Kreißsaal angerufen. Wir sollten kommen. Im Kreißsaal wurde ich mal wieder ans CTG gehängt. Auf dem CTG waren in recht regelmäßigen Abständen starke Wehen zu sehen. Das Liegen war mir total unangenehm und ich hatte wieder Angst, da die Wehen schon sehr schmerzhaft waren. Als die Hebamme kam, durfte ich mich dann zum Glück hinsetzen. Im Sitzen kamen die Wehen regelmäßiger, waren aber dafür besser auszuhalten. Die Hebamme hat mich dann untersucht – Der Muttermund war 2-3cm eröffnet! Das war gut, denn noch vor wenigen Stunden war er ja nachmittags bei der Untersuchung verschlossen. Ich hab dann ein Buscopan-Zäpfchen bekommen.

Wir sind dann aufs Zimmer. Da stand eine Wickelkommode, das war total irreal irgendwie. Wir sollten dann noch spazieren gehen und spätestens um 23 Uhr wieder in den Kreißsaal kommen. Aus dem Spazieren gehen wurde dann aber nichts, denn ich konnte die Wehen stehend nur ganz schlecht ertragen, es ging eigentlich nur im Sitzen. Als wir durch die Flure oder das Treppenhaus sind war ich schon immer ganz nervös, ob wir schnell genug wieder zu einer Sitzgelegenheit kommen.

Um elf sind wir dann wieder hoch in den Kreisssaal. Dort wurde ich wieder ans CTG gehängt. Wir haben dann besprochen, dass ich eine Infusion gelegt bekomme, da ich kein Abendessen gehabt hatte und mich schon total erschöpft fühlte. Nach Absprache mit der Hebamme sollte ich dann in die Badewanne gehen. Ich hab mich gar nicht so sehr auf die Badewanne gefreut, weil ich ja von zu Hause noch wusste, dass das Wasser nicht gerade schmerzlindernd war. Als ich in die Wanne gestiegen war, war es kurz sehr angenehm, dann gings weiter mit den Wehen – allerdings habe ich selber gemerkt, dass die Abstände größer waren als am Anfang des Abends. Zwischendurch konnten wir uns nämlich immer recht lange mit der Hebamme unterhalten, was schön war, da es abgelenkt hat. Ich war wohl sehr lange in der Badewanne, hab das selber aber gar nicht so eingeschätzt. Alles in allem hab ich mich im Wasser nicht sooo wohl gefühlt. Mir war auch etwas flau und ich hatte unheimlich Angst, mich übergeben zu müssen, während ich in der Wanne liege.

Zurück im Kreißsaal hat war der Muttermund mittlerweile 5-6 cm eröffnet. Während die Hebamme mich untersucht hat, kam auch eine Wehe, und sie hat gesagt, dass das Köpfchen schön nach unten drückt.
Mittlerweile war ich schon sehr erschöpft. Wie wollte ich weitermachen? Ich konnte eigentlich nur Sitzen, nichts anderes. Also hab ich mich auf einen großen Stuhl mit Armlehnen in die hinterste Ecke im Kreißsaal gesetzt, mein Mann immer an meiner Seite. Langsam begannen die Schmerzen, mir richtig Angst zu machen. Sie waren derart überwältigend. Bei jeder Wehe hab ich mich an meinem Mann festgehalten. In den Pausen hatte ich das Gefühl, mich überhaupt nicht mehr entspannen zu können. Mein Rücken hat mir auch unheimlich weh getan. Einmal hab ich es mit ein bisschen Schreien versucht, aber davon hab ich selbst nur Panik bekommen. Ich hatte das ganz starke Gefühl, dass ich bald einfach zusammen breche. Die Hebamme hat mir hin und wieder gesagt, dass ich meine Sache gut mache, und dass ich lange ausatmen soll. Wir haben dann mit ihr über Schmerzmittel gesprochen. Ich erinnere mich vage, dass sie mir die Unterschiede von zwei Schmerzmitteln erläutert hat. Irgendwie stand dann recht schnell die PDA im Raum. Ich hab mich dann für die PDA entschieden und in dem Moment schon totale Erleichterung verspürt, dass ich diese Schmerzen nicht mehr so lange aushalten muss.

Das Legen der PDA war kaum schmerzhaft, der Anästhesist hat seine Sache gut gemacht. Der Arzt hat mich dann noch ziemlich beiläufig gefragt, ob ich meine Beine bewegen kann – ich konnte. (Später hat mir mein Mann gesagt, dass er total Angst hatte, dass bei der PDA etwas schief läuft und ich gelähmt werde).
Es folgten einige wenige Minuten, in denen ich zuversichtlich war, dass nun alles gut werden würde. Sehr deutlich erinnere ich mich an eine Wehe unter der PDA – sie war als starker Druck nach unten wahrnehmbar. Diesen Druck hatte ich unter den „normalen“ Wehen gar nicht gespürt, da er von dem schneidenden Schmerz völlig überdeckt wurde. Irgendwie war es eine totale Erkenntnis, dass es nach unten drückt (eigentlich sehr merkwürdig, denn als wehender Frau sollte das einem ja irgendwie klar sein – es soll ja schließlich auch unten raus, also drückt es logischerweise nach unten).

Die Zuversicht währte nur kurz. Auf einmal war ein Arzt da, der uns erklärte, dass die Herztöne von Lina nicht optimal seien und sie ihr deswegen Blut aus dem Köpfchen abnehmen wollten. Ich hab zwischendurch auch immer mal auf das CTG geschaut, und die Herztöne bewegten sich immer zwischen 120 und 130, waren aber recht konstant und ich wusste mittlerweile, dass das nicht so gut ist. Den Kontakt zu Lina hatte ich mittlerweile (eigentlich schon während der Wehen) irgendwie verloren. Ich hätte nicht sicher sagen können, wie es ihr geht und hatte schon sehr lange keine Bewegungen mehr von ihr gespürt. Der Arzt erklärte, dass anhand Linas Blut eine zuverlässigere Aussage darüber getroffen werden könnte, wie es ihr wirklich in meinem Bauch geht. Ich musste meine Beine aufstellen, und der Arzt hat mir die Fruchtblase geöffnet. Der Arzt war dann sehr behutsam und hat mithilfe irgendwelcher Geräte Blut aus ihrem Köpfchen entnommen. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon etwas belämmert und hab nicht mehr alles 100%ig wahrgenommen, wahrscheinlich auch wegen der PDA. Kurz darauf waren die Werte da und der Arzt kam mit einer Oberärztin wieder, die ohne viele Worte die Untersuchung wiederholt, ist dabei aber viel brutaler vorgegangen als der junge Arzt. Es hat mich richtig erschreckt, mit welcher Gefühllosigkeit sie die Instrumente regelrecht in mich rein gerammt hat. Ich hab richtig gespürt, wie ich mich verkrampft und irgendwie zu gemacht hab. Ich bin mir sicher, dass die Ärztin auch deshalb so schwer an Linas Köpfchen gekommen ist und mehrere Versuche gebraucht hat, bis sie Blut entnommen hatte. Nachdem das Ergebnis der zweiten Untersuchung da war, sagte die Oberärztin nur: „Wir machen einen Kaiserschnitt“.

Mittlerweile hatte ich schon damit gerechnet. Und ich weiß noch, dass ich in diesem Moment erleichtert war. Erleichtert, dass die Nacht nun ein absehbares Ende hatte und ich ohne weitere Schmerzen bald mein Baby im Arm halten könnte. Es war noch die bange Frage zu klären, ob Vollnarkose oder mit PDA. Ich weiß nicht, warum die Frage überhaupt anfänglich offen war. Ich weiß noch, dass ich gesagt habe, ich möchte keine Vollnarkose und bei dem Gedanken daran totale Verzweiflung verspürt habe. Dennoch bekam ich einen kleinen Becher mit einer Flüssigkeit, die ich trinken sollte, falls es dazu käme.

Meine Erinnerungen an den OP sind sehr verschwommen. Ich habe meinen Herzschlag als Piepsen gehört, was ich hasse. Mein Mann war dann bei mir am Kopf. Wir haben ein bisschen geredet, währenddessen wurde sehr stark an mir herum geruckelt, mein ganzer Körper hat gewackelt. Zwei- bis dreimal hab ich einen deutlichen Schmerz am Schambein gespürt (das hat mich ziemlich verunsichert, ich dachte, ich würde überhaupt keinen Schmerz spüren) Und dann, auf einmal, um 4.47 Uhr: Schreien! Laut und vernehmlich und kräftig! Kein einzelner Schrei, sondern anhaltend. Und mein Mann und ich, wir haben beide geweint. Es war, trotz aller Benommenheit, ein wahnsinniges Gefühl. Und dann kam die Hebamme, und hat uns unsere Maus gezeigt. Sie hatte ganz glatte, weiße Haut, überhaupt nicht blutverschmiert. Die Hebamme hat ihr Gesicht an meins gehalten und ich weiß noch, wie ich dachte: Mein Gott ist dieses Kind schön, Wahnsinn. Ich hab dann ein paar Worte zu ihr gesagt und ich meine, dass Lina daraufhin etwas ruhiger geworden ist. Leider ist die Hebamme dann gleich wieder mit ihr weg. Kurze Zeit später kam sie wieder, um meinen Mann zu holen, damit er mit zur U1 gehen konnte.

Die Zeit allein im OP nur mit den ganzen Ärzten war schlimm. Sie kam mir unendlich lang vor. Ich hatte meine Brille nicht auf und konnte kaum etwas erkennen. Gelegentlich hatte ich das Gefühl, ich bekomme gleich eine Panikattacke, konnte das aber immer noch unterdrücken. Und dann, endlich, war ich fertig zugenäht und kam wieder in den Nebenraum, und dort ging es dann los mit dem Zittern. Mir war nicht kalt, aber ich konnte nichts machen, meine Zähne haben geklappert und mein ganzer Körper hat gezittert. So wurde ich dann wieder zurück in den Kreißsaal gefahren. Recht bald darauf, hat mich die Hebamme gefragt, ob ich Lina anlegen will. Ich hab okay gesagt, obwohl es mir eigentlich zu viel war und ich nicht wollte, aber ich dachte mir, ich kann doch nicht mein eigenes Baby nicht anlegen wollen. Hat sie gesaugt? Ich glaube schon. Aber ich habe kaum mehr Erinnerung daran. Irgendjemand hat sie wohl schon bald wieder weg genommen. Im Nachhinein bin ich froh, dass sie mir angelegt wurde, da der Saugreflex ja in den ersten Stunden nach der Geburt am stärksten ausgeprägt ist.

Es war mir nicht möglich, wach zu bleiben. Ich bin immer wieder eingeschlafen und alle 5 Minuten wieder aufgewacht (so kam es mir zumindest vor). Und dieses Zittern war immer noch da und hat nicht aufgehört. Das Gefühl, meine Beine nicht zu spüren war auch sehr unangenehm. Immer, wenn ich wach war, hab ich wieder versucht, sie zu bewegen, aber es ging erst nach ein paar Stunden wieder. Gegen 12 Uhr ging es mir auf einmal besser, und ich konnte wach bleiben. Aber ich hatte die ersten sieben Stunden im Leben meiner Tochter einfach verpasst. Ich war immer noch sehr erschöpft aber auch sehr froh, dass es mir endlich wieder besser ging und ich bei Bewusstsein sein konnte und mich endlich über unser Kind freuen und es wahrnehmen konnte.

Ihr Lieben. Wenn ihr es bis hierher geschafft habt – Respekt! :-)
Die Geburt ist nun knapp 8 Wochen her und ich habe immer noch daran zu knabbern. Wie groß mein Wunsch war, spontan zu entbinden habe ich so richtig erst im Nachhinein bemerkt. Ein Kaiserschnitt kam als Option vor der Geburt für mich nie in Frage, wahrscheinlich ist es deshalb nun so schwierig für mich.
Allerdings hab ich eine unfassbar süße Tochter, die wahnsinnig lieb ist, kaum schreit, nachts gut schläft und schon so süß kommuniziert :-)


Beitrag von becca04 16.03.10 - 18:21 Uhr

Hallo mirisept,

ich gratuliere Dir von ganzem Herzen zu Deiner nicht ganz "planmäßig" verlaufenden Geburt. Ich konnte sehr gut mit Dir mitempfinden, als Du Deine Gefühle während der Geburt und unmittelbar nach dem KS beschrieben hast. Ich hatte zwar noch keinen KS, aber unmittelbar nach meiner 1. Geburt (1 1/2 Stunden, nachdem meine Tochter geschlüpft war, um genau zu sein), eine Ausschabung unter Vollnarkose, da die Plazenta wohl unvollständig war. Mir fehlen auch ca. 1-2 Stunden mit meiner Tochter - zwar hat mein Mann mir erzählt, was in der Zeit alles passiert ist (U1 etc.), aber ich habe doch auch lange dran geknabbert, dieses Erlebnis bzw. das "Loch" in meinen Erinnerungen zu überwinden.

ABER - und das ist meine gute Nachricht an Dich: Es ist lange vorbei und die vielen, vielen schönen gemeinsamen Erinnerungen haben diese Anfangszeit komplett überlagert. Geholfen hat mir auch die Geburt meines Sohnes zwei Jahre später. Vielleicht wird es Dir ja auch so gehen, wenn Du noch ein Kind bekommst (und Du dann hoffentlich eine spontane Geburt hast) - ich halte Dir dafür ganz fest die Daumen!!!

Ganz liebe Grüße,
Becca.

Beitrag von svala 16.03.10 - 20:06 Uhr

Hallo,

erstmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt Deiner kleinen Tochter #blume.

Ich kann verstehen, dass Du an dem Kaiserschnitt noch zu knabbern hast. Bei mir war es ähnlich wie Du es beschrieben hast. Für mich war ein KS auch gedanklich nie eine Option. Es war für mich irgendwie keine Frage, dass ich mein Kind spontan entbinden werde. Und dann hat wie bei Dir in der Austreibungsphase unter einer PDA eine Mikroblutentnahme vom Köpfchen stattgefunden und das Ergebnis war vernichtend. So wurde aus meiner erträumten Spontangeburt ein NotKS in Vollnarkose und mir fehlen die ersten drei Tage mit meinem Sohn, da er in eine andere Klinik verlegt werden musste auf die Kinderintensiv :-(.

Aber ich kann dich trösten, ich habe heute eine wunderbare Beziehung zu meinem Kleinen und er ist ein echtes "Mamakind" #verliebt. Man merkt also nicht, dass nicht ich diejenige war, die ihn die ersten drei Tage versorgt, gekuschelt und geliebt hat. Diese "fehlenden" Tage habe wir längst nachgeholt und tun das heute noch :-D.

Heute bin ich mit dem KS im Reinen, denn ihm habe ich zu verdanken, dass mein Kleiner gesund ist und ich ihn sei nunmehr 16,5 Monaten bei mir haben darf #huepf.

Viele liebe Grüße
Svala