Welche Sprache wählen?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von indigia 18.03.10 - 00:45 Uhr

Hallo an alle,

mein "Problem" ist nicht sooo dringend aber mich würde trotzdem interessieren wie ihr euch entscheiden würdet (entschieden habt).

Also ich komme aus Bosnien und mein Freund ist Italiener. Doch wir verständigen uns auf Deutsch. Heute hat uns sein Bruder besucht und fragte uns in welche Schule, Kindergarten wir unsere Tochter einschreiben werden... Da war ich sprachlos. Ich habe gar nicht an das gedacht. Es ist ja noch zu früh, aber er hat mich trotzdem zum nachdenken gebracht. Also wenn wir uns für eine deutschprachige Schule entscheiden, dann kann unsere Tochter sich nicht mit der Familie von meinen Freund verständigen (außer mit seiner Mutter, da sie deutsch redet). Wenn wir sie in eine italienischsprachige Schule/Kindergarten einschreiben, dann kann sie sich nicht mit der Mutter meines Freundes und noch ein paar Verwandte verständigen (aber deutlich weniger als wenn sie deutsch sprechen würde) und dann müssten wir auch miteinander italienisch reden.

Ich möchte sie auch nicht überfordern, weil ich schon möchte das sie auch bosnisch kann (meine ganze Familie redet bosnisch).

Aber 3 Sprachen? Ist das nicht zuviel? #gruebel
Habt ihr auch "Sprachprobleme" in den Familien?

Sry für das #bla

Beitrag von jazzbassist 18.03.10 - 01:52 Uhr

Sprachprobleme nicht direkt - ich habe den größten Teil meiner Kindheit im englischsprachigen Ausland verbracht und nach meinem Studium in Deutschland direkt für einen englischen Konzern gearbeitet. Meine Frau und ich haben damals noch in Deutschland gelebt, wussten aber auch nicht so recht, ob das ein Dauerzustand ist oder wir doch ins Ausland ziehen, daher hatten wir unseren Sohn 2-sprachig erzogen. Was ziemlich einfach war - ich spreche mit ihm fast ausschließlich englisch, meine Frau mit ihm fast ausschließlich deutsch. Wenn ein Kind beide Sprachen im Alltag hört und verwendet, ist das erlernen dieser zwei Sprachen für dieses genau so einfach wie nur das erlernen nur einer Sprache. Die Schule/Kindergarten ist eigentlich schon zu spät, um eine Sprache richtig zu erlernen, da sich Sprache nur über Laute und Wortklängen bilden lässt - die sind aber von Sprache zu Sprache gänzlich unterschiedlich. Um diese Feinheiten richtig zu erlernen, sollte ein Kind von erstem Tag an mit einer Sprache aufwachsen.

3-sprachig stelle ich mir rein organisatorisch (ohne Hilfe eines Dritten) extrem schwer vor. Da ein Kind die „Sprachen“ eigentlich vom ersten Tag an hören muss (und später natürlich auch sprechen muss); außerdem muss ein Kind irgendwie abstrahieren können, welche Sprache es gerade spricht. In unserem Beispiel war das erschreckend einfach, da es einmal die „Papa-Sprache“ war und einmal die „Mama-Sprache“. Daraus dann Englisch und Deutsch abstrahieren zu können, ist für ein Kind später kein Problem. Auch wenn's bei uns im Kleinkindesalter immer mal lustige (für meinen Sohn weniger lustige) Erlebnisse gab. Er hat z.b. im Kindergarten plötzlich angefangen, englisch zu sprechen und die anderen kids haben das weniger gut aufgenommen; der war danach so aufgebracht, dass wir ihn abholen mussten, da er sich nicht mehr beruhigen ließ. Andererseits hat's natürlich schulisch widerrum viele Vorteile gebracht.

Wenn Sie vorhaben, in absehbarer Zukunft Deutschland nicht mehr zu verlassen und auch ihre Tochter dann hier aufwachsen lassen wollen, würde ich das Problem ganz pragmatisch lösen. Derjenige von Ihnen beiden, der Deutsch besser beherrscht (Was Grammatik und auch die Aussprache angeht), spricht mit dem Kind deutsch mit der Folge einer deutschen Schule/Kindergarten. Der andere Partner spricht mit dem Kind in seiner eigenen Landessprache. Und für die dritte Sprache würde ich dann den Verwandten (Oma/Opa Tante/Onkel) missbrauchen, den das Kind am häufigsten sehen wird und der dann auch die 3. Sprache perfekt beherrscht. Klar wird ihre Tochter diese 3. Sprache dann nie so gut beherrschen können, wie die beiden anderen - es wird aber immer noch reichen können, um sich zumindest gut und mit einem sicheren Wortschatz verständigen zu können. Ansonsten würde ich als 3. Sprache die wählen, wo man sich am sichersten ist, dass ihre Tochter dieser im Alltag (z.b. berufsleben) später nicht wird sprechen müssen.

Beitrag von connie36 18.03.10 - 03:14 Uhr

freunde von uns sind auch italiener. ihrer beiden töchter sind im normalen kindergarten gewesen, haben aber von zuhause aus italienisch gesprochen.
und sie sind mit schulbegin auf die normale schule parallel noch auf die italienische schule, die zweimal oder dreimal nachmittags war.
damit sie auch die schrift usw. beherrschen.
lg conny

Beitrag von visilo 18.03.10 - 06:19 Uhr

Mein Mann redet nur ungarisch mit unserem Sohn nund ich halt deutsch, ich sehe da kein Problem. Im Kiga meines Sohnes idt ein Junge der spricht mit der Mutter polnisch, mit dem Vater französisch und im Kiga deutsch, ihm scheint das keine größeren Probleme zu machen. Ich denke man muß nur von Anfang an festlegen wer welche Sprache mit dem Kind spricht, dann klappt das schon.
Meine Cousinen sind in Indien geboren und aufgewachsen, zu Hause sprach man deutsch, mit dem Personal Englisch und im Kiga Hindi, war auch kein Problem. Ich denke die Kinder sind da flexibler wie wir Erwachsenen.

LG
visilo

Beitrag von barbarelle 18.03.10 - 07:40 Uhr

Unser Kind ist auch 2sprachig erzogen. Deutsch-griechisch. Ich sprach griechisch, der Papa deutsch mit ihr.

Sie hat dadurch ein gutes Sprachgefühl entwickelt allerdings merke ich oft aufgrund der zweisprachigkeit gewisse "holperer" in der Ausdrucksweise.

Sie wird demnächst 8 Jahre alt. Deutsch versteht und spricht sie wesentlich besser als griechisch aber das ist von uns auch so gewollt, da sie ja hier leben wird und zur Schule geht.

3 Sprachen fände ich auch etwas viel aber wenn ihr das konsequent so handhabt wie es Jazzbassist vorschlägt, könnte es klappen.

LG
Barbarelle

Beitrag von widowwadman 18.03.10 - 07:41 Uhr

Ich wuerde versuchen das Kind dreisprachig zu erziehen, sprich, du sprichst Bosnisch mit ihr, dein Freund Italienisch und untereinander und im KiGa ist es halt Deutsch.

Wenn ihr konsequent mit den Sprachen seit, dann sollte es mit 3 Sprachen genauso gut klappen wie mit 2.

Es gibt hier auch einen Club zur mehrsprachigen Erziehung.

http://mein.urbia.de/club/zwei+bzw+mehrsprachige+Erziehung

Beitrag von ballroomy 18.03.10 - 08:34 Uhr

Kann mich nur anschließen.


Grüße
ballroomy

Beitrag von indigia 19.03.10 - 10:09 Uhr

Leider kann ich mich nicht anmelden da ich mich erst kürzlich hier registriert habe. Aber in ein paar Tagen bestimmt! #huepf


Danke! #blume

Beitrag von ballroomy 18.03.10 - 08:06 Uhr

Hallo,

der Club hier bei urbia wurde Dir ja schon genannt. Ich kann den auch nur empfehlen. Es gibt dort mehrere, die ihre Kinder 3sprachig erziehen. Und das klappt!
Mein Sohn wächst bilingual auf (spanisch/deutsch). Bisher kann er beide Sprachen gleich gut. (er ist aber erst 19 Monate alt)

Viele Grüße
ballroomy

Beitrag von ballroomy 18.03.10 - 08:13 Uhr

Wollte ich noch ergänzen:
Jeder sollte seine Muttersprache mit den Kindern sprechen!
Dann hättet Ihr in Eurem Fall eine Mamasprache, eine Papasprache und eine Umgebungssprache.
Ihr müsst aber wirklich konsequent sein.


Viele Grüße
ballroomy

Beitrag von lexa8102 18.03.10 - 08:24 Uhr

Hallo,

wir stehen zwar nicht vor so einer Entscheidung, da wir alle Deutsch sprechen, aber ich würde mein Kind in eine deutschsprachige Schule schicken. Italienisch usw. könnt ihr ihr ja auch so nebenbei beibringen (mehrsprachige Erziehung z. B.)

VG,
Lexa

Beitrag von hippychick 18.03.10 - 10:33 Uhr

Hallo.

ich wuerde es so machen:

sprich du mit dem kind bosnisch
dein Partner italienisch

draussen und du mit deinem partner deutsch, und in den deutschen kindergarten.

es koennte zwar erst etwas durcheinander gebracht werden, aber kinder lernen sowas doch viel einfacher...

meine kinder sprechen zuhause deutsch, draussen englisch und der grosse "lernt" in der schule noch arabisch/franzoesisch

hippy

Beitrag von camosima 18.03.10 - 13:19 Uhr

Hallo,

probier es mit den drei Sprachen!!!! ;-)

Wir haben das bei unserem Sohn auch gemacht, obwohl uns von allen Seiten abgeraten wurde.:-[

Er hat mit 12 Monaten angefangen zu sprechen. Von anfang an hab ich nur deutsch, sein Vater nur griechisch und meine Eltern (wo er 2-3x die Woche war) nur portugiesisch mit ihm gesprochen. Mein Mann und ich sprechen deutsch miteinander.

Er hat sich alle drei Sprachen sehr gut angeeignet. Konnte sie alle perfekt auseinander halten und wusste genau wer wie anzusprechen war. Er hatte keinerlei Defizite in der Sprachentwicklung im Gegenteil, er war so manchem Gleichaltrigen voraus :-p

Aber.... Seit September 09 geht er in den Kindergarten und spricht seid dem fast nur noch deutsch. So langsam gewöhnt ihm mein Mann wieder das griechisch an, aber er weigert sich auch nur ein Wort portugiesisch zu sprechen. #schmoll Verstehen tut er aber weiterhin alles, da er auch weiterhin konsequent nur in der jeweiligen Sprache angesprochen wird.

Wir hoffen, das das nur eine PHase ist und er bald wieder anfängt alle Sprachen zu sprechen...

#pro Traut Euch, es ist auf jeden Fall eine Chance für Euer Kind. Und falls Ihr bemerkt, dass er vielleicht Probleme bekommt, könnt ihr es ja immer noch ändern #liebdrueck

LG

Moni & Zinon

Beitrag von manavgat 18.03.10 - 16:10 Uhr

Fein.

Wir reden darüber erneut, wenn Dein Kind versucht ein deutsches Abitur zu machen.

Gruß

Manavgat

Beitrag von ida85 18.03.10 - 16:18 Uhr

...meine beste Freundin ist 4 sprachig (!) aufgewachsen und hat ohne Probleme das Abitur gemacht.
Zwei "Kinder" die ich kenne, die 3 sprachig aufgewachsen sind, haben es auch geschafft... und ich denke nicht, dass dies Einzelfälle sind.

Gruss Ida

Beitrag von manavgat 19.03.10 - 08:41 Uhr

Ein Abitur schaffen und ein gutes bis sehr gutes Abitur sind zwei Paar Schuhe.

Hinzu kommt, dass es einen Unterschied macht, ob man

1 Person kennt, wo es so oder so war (schlechte Statistik übrigens, da wir von verschiedenen Kohorten sprechen!)

oder

ob man es empirisch/statistisch betrachtet!

In Deutschland ist Deutsch! zwingend Prüfungsfach. Hinzu kommt, dass (leider!) Mehrsprachigkeit in der deutschen Schule nicht gefördert/belohnt wird und dass bei Mehrsprachigkeit die Tiefe der einzelnen Sprache zu kurz kommt. Es gibt auch Sprachen, die werden in der Schule auch zum Nachteil durch Diskriminierung: Türkisch, Arabisch, alles aus dem Osten (z. B. Russisch), die Sprache der Sinti und Roma sowieso, etc. Was dann dazu führt, dass diese Kinder in der Öffentlichkeit ihre ethnische Zugehörigkeit verleugnen. Die lernen schnell!

Früher war es einfacher. Da waren wir mehr multikulti, auch die Lehrer und man konnte auch Englisch oder Fanzösisch als Abiturfach wählen (anstelle von Deutsch). Vielleicht kommt es daher, dass heute Migrantenkinder und auch Cosmopoliten (Kinder von Berufsnomaden über Landesgrenzen hinweg) es in unseren Schulen eindeutig schwerer haben.

Wenn man also etwas rät, sollte man wirklich Bescheid wissen oder sich darüber im Klaren sein, dass es

"gefühlte Wahrheiten"

sind.

Noch ein Hinweis zu Italien: ich könnte mir - aufgrund meines bescheidenen politischen Wissens (ich beherrsche u. a. Italienisch in Wort und Schrift und lese auch bisweilen italienische Presse) - vorstellen, dass die Situation an italienischen Schulen - was Diskriminierung anbelangt - ähnlich ist. Was sich aber eventuell regional unterscheidet.

Gruß

Manavgat

Beitrag von indigia 19.03.10 - 10:06 Uhr

Wir wohnen gerade in Südtirol und deswegen bin ich mir wegen dem Kindergarten/Schule nicht sicher.

Die Kinder lernen zwar die andere Sprache (Italienisch oder Deutsch), aber eben nur sehr oberflächlich. Nach der Schule können sie die "andere" Sprache sehr schlecht.

Wir könnten sie ja nur zweisprachig erziehen, denn später kommt ja noch Englisch dazu...

Aber dann könnte sie sich nicht mit meinen Verwandten unterhalten.

Beitrag von kloos 18.03.10 - 13:30 Uhr

Meine Couisine kommt aus Russland, ihr Mann aus Jugoslawien. Sie spricht mit den Kindern russisch, ihr Mann jugoslawisch. Die Kinder gehen auf eine deutsche Schule/Kiga.


Gruß

kloos

Beitrag von manavgat 18.03.10 - 14:47 Uhr

Ich arbeite in der Nachhilfe. Mehrsprachige Kinder haben in der Schule oft Schwierigkeiten.

Da ihr in Italien lebt, kommt m. M. nach nur ein italienischer Kindergarten infrage.

Gruß

Manavgat

Beitrag von monstercreature 18.03.10 - 21:33 Uhr

Hallo,

Dreisprachig geht.

Unser Sohn Max (jetzt 31/2) wächst auch mit drei Sprachen auf.

Er hat eine Mama, eine Daddy und eine Kindergartensprache (Deutsch/Englisch/Französisch).

Ich kann mich den schon gesagten Dingen hier nur anschliessen:

Ihr müsst konsequent sein, wer welche Sprache mit dem Kind spricht, damit die Differenzierung zwischen den Sprachen klar ist. Wenn das so ist, sind drei Sprachen keine Uberforderung.

Es sollte von Anfgang an passieren. Max ist mit 10 Monaten in eine französische sprachige Krippe gekommen, um ihm mit der Sprache zu helfen. Nach längeren Ferien, in denen er kein Französisch gesprochen hatte, hat die Eingewöhnung oft mehrere Wochen gedauert bis das versunkene Französisch wieder hoch kam.

Die Sprachentwicklung kann etwas langsamer sein. So ist es zu mindest bei Max. Das ist aber normal und nur ein vorrübergehendes Problem.

Es ist wohl wichtig, dass ihr gute offizielle Beratung habt (Kinderarzt, Kindergarten etc.) die sich mit Mehrsprachigkeit auskennen, damit ihr von offizieller Seite nicht verunsichert werdet. Wir wohnen in Genf, wo um die 50 % aller Familien einen Zweit- oder Drittsprache zu Hause sprechen. Bei Standarduntersuchungen ist die erste Frage daher immer, wie viele und welche Sprachen ein Kind spricht. Je nach dem, wir eine andere 'Messtabelle' angelegt, für das was 'Normal' ist. Das ist sehr hilfreich. 'Entwicklungsexperten' die keine Erfahrung mit Mehrsprachigkeit haben, können Eltern leicht verunsichern, wenn sie bestimmte Dinge aus Unwissenheit als Problem darstellen.

Viel Glück

Christina

Beitrag von widowwadman 19.03.10 - 07:30 Uhr

Du bist also der Meinung, dass Kindern, die das Glueck haben in einer Situation aufzuwachsen in der sie mehrere Sprachen erwerben koennen, diese Moeglichkeit genommen werden sollte?

Fuer mich waere es bequemer meine Tochter nur auf Englisch grosszuziehen. Ich faends ihr gegenueber aber mehr als unfair.

Beitrag von manavgat 19.03.10 - 09:39 Uhr

2 sprachig geht, wenn die Eltern ein gewisses Bildungsniveau haben! - und ist dann auch eine Bereicherung. Wenn, es für beide Sprachen einen Muttersprachler gibt und eine der beiden Sprachen die Umgebungssprache ist.

3-sprachig (oder gar mehr) endet oft in einer Mischsprache. Das kann man bei unseren Migrantenkindern gut beobachten:

Tu mich ma das Kuli, caya.

Ich geh Aldi, Alder. Mach cabuk...

Das Problem daran ist, dass wer verbal unterlegen ist, auch öfter schlägt. Ohne (treffende) Worte diskutiert es sich schlecht.

Ich selbst bin mehrsprachig (Deutsch, Französisch, Italienisch + Englisch verhandlungssicher bis perfekt, Spanisch, Norwegisch kann ich zumindest lesen und auf Türkisch radebrechen).

Mein Lehrerteam ist international und ich habe auch früher in international ausgerichteten Unternehmen gearbeitet und daher auch viele Berufsnomanden und ihre Kinder samt Schul/Lebensschwierigkeiten kennengelernt. Die anderen, Migrantenkinder, kenne ich aufgrund mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlichen, Jugendarbeit usw.

Ich würde es begrüßen, wenn Leute wie Du, genau! lesen, worum es eigentlich geht.

Hier, d. h. bei der Ausgangsposterein, ging es um 3-Sprachigkeit!

und nicht meinen, aufgrund einer Laienerfahrung die große Ahnung zu haben.

Gruß

Manavgat

Beitrag von luka22 19.03.10 - 09:43 Uhr

Wir haben da leider total versagt.
Von Anfang an redete ich mit meinem Sohn in meiner Muttersprache. Allerdings stellte sich für mich bald das Problem: Ich beherrsche meine Muttersprache (kroatisch ;-)) lange nicht so gut wie meine Umgangssprache. Außerdem reden mein Mann und ich auch nur deutsch miteinander.
Trotzdem habe ich es irgendwie durchgezogen. Leider sprach mein Sohn gar keine Sprache. Bis 3 konnte er nur wenige Wortfetzen. Also gab ich das Projekt Zweisprachigkeit auf und er redet jetzt eben "nur" deutsch. Leid tun, tut es mir schon. Wenn wir in Kroatien bei Verwandten sind, muss ich mir allerlei Vorwürfe anhören. Das nervt, eine Lösung habe ich allerdings auch nicht. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen - deutsch ist nunmal meine "natürliche" Umgangssprache und für mich ist es komisch, mir aufgesetzt einen abzubrechen.

Ich hoffe, ihr habt mehr Glück!

Liebe Grüße
Luka

Beitrag von muggles 19.03.10 - 10:30 Uhr

Hallo,

ich bin Deutsche, mein Mann Englaender, wir leben in Italien.

Unsere Tochter besucht im Anschluss an 3 Jahre italienischen Kindergarten seit September die 1. Klasse einer staatlichen italienischen Grundschule.

Ich glaube, wir haben das Experiment "3 Sprachen" gut hinbekommen. Mit ihr spreche ich ausschliesslich Deutsch, in der Familie Englisch und ausserhalb Italienisch.

In der Schule kommt sie gut mit, sie ist in Italienisch im oberen Mittelfeld (d. h. sie ist nicht die Beste, aber besser als die Mehrheit der italienischen Kinder in ihrer Klasse). Uns ist wichtig, dass sie die italienische Sprache richtig beherrscht - allerdings merken wir schon, dass sie besonders beim Schreiben haerter arbeiten muss als rein muttersprachliche Kinder. Auch beim Wortschatz gibt es noch leichte Defizite. Aber sie hat ja einen Mund zum Fragen, wenn sie ein Wort nicht kennt - was auch sehr von der Lehrerin begruesst wird.

Man muss bei der Fremdsprachenerziehung sehr konsequent sein, sonst wird das nichts. Fuer mich waere es ein Leichtes, mit meiner Tochter auf Englisch zu kommunizieren, aber warum? Sie ist in Hamburg geboren, fuehlt sich als Deutsche und wird frueher oder spaeter mal einen Riesenvorteil (auch beim Erlernen weiterer Sprachen) haben.

Viel Glueck,

Claudia