Bei Oma alle Medikamente abgesetzt

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Forum: Gesundheit & Medizin

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Beitrag von mimaja 18.03.10 - 14:54 Uhr

Hallo Ihr Lieben,
meine Oma ist 86 Jahre alt und hat seit Jahren Demenz.

Nun ist auch noch ein Tremor hinzugekommen (Schütteln des Armes) und sie hat zusätzlich zu den Demenzmedikamenten nun auch noch Parkinson-Medis bekommen. Davon ist sie umgekippt und macht unter sich.

Nun hat der HA gesagt, daß wir der Wahrheit ins Auge blicken müssen... sie hat gut gelebt und durch die vielen Medis geht es ihr eigentlich nur schlechter.

D.h. alles ist abgesetzt (Herz-, Blutdruck-, Demenz- und Parkinson Medis). Sie bekommt nur noch Medis zur Beruhigung (Aricept und Simvastatin).

Oma ist apathisch und schwindelig.

Wir wissen, daß es irgendwann vorbeigeht, aber was passiert denn, wenn wir jetzt alles weglassen???? Sie kriegt doch einen Schlaganfall bei hohem Blutdruck... da geht es ihr doch nicht besser !!!!

Könnt ihr mir sagen, was eintreten könnte, wenn nun alles abgesetzt wird?

Danke für ein paar Antworten #blume

LG
Mimaja

Beitrag von mansojo 18.03.10 - 15:54 Uhr

Hallo,

mmmh schwerig

hat sie eine patientenverfügung?
ist sie mündig?

ein hohes alter rechtfertigt nicht das absetzen von medikamenten
auch keine demenz

ihr solltet nochmal das gespräch mit dem arzt suchen was genau er sich dabei gedacht hat

lg manja

Beitrag von fascia 18.03.10 - 16:21 Uhr

Hallo Mimaja,


Du hast natürlich damit recht, dass diverse Medikamente, die ihr zuvor verabreicht wurden, noch immer Sinn hätten. Für den Körper eines sehr alten Menschen bedeuten sie aber auch eine Belastung. Sie sind schwer zu dosieren, denn die Organe verarbeiten alle Stoffe nur mit Mühe. Dadurch sind die Wechselwirkungen bei mehreren Medikamenten praktisch nicht abschätzbar. Sie machen ihn häufig sogar krank.
Daher ist es sicher klug, sie zu reduzieren.

Der Arzt hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Es ist sehr schwer (wie so oft im Leben) die richtige Grenze zwischen "zu viel" und "zu wenig" zu finden. Der Arzt erkennt, dass er der alten Dame im Grunde überhaupt nicht wirklich hilft, indem er weiter in ihre Körperfunktionen eingreift.
Es ist nicht abzuschätzen, welcher Umstand eines Tages zu unserem Tod führt - oder zu dem Deiner Oma. Wenn sie jetzt ohne Medikamente lebt, so wird sie immerhin nicht an ihnen sterben. Sie lebt ihretwegen auch nicht länger - das ist ebenso sicher. Sie lebt dann so lang, wie es der Natur gefällt. Das ist nicht schlecht, nicht falsch - sondern für viele (klare) Menschen dieses Alters sehr willkommen, beruhigend.


Der Arzt hat eine rigorose Entscheidung getroffen. Er entlastet damit die Angehörigen von einer Entscheidung, die sie (meist) mangels Erfahrung und weil sie ja mit dem Menschen verbunden sind - kaum zu treffen in der Lage sind.

Wenn die Bedenken sehr groß sind, such doch nochmal ein Gespräch mit dem Arzt. Oder vertrau ihm einfach und lass Dich darauf ein.

Eintreten könnte Vieles.
Eintreten könnte: die Natur.


Alles Gute,
fascia.

Beitrag von mimaja 18.03.10 - 17:00 Uhr

Hallo Fascia,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort und gute Erklärung.

Es ist genauso wie du sagst. Wir wären nie in der Lage so ein Entscheidung zu treffen.

Es ist auch so, daß durch diese Krankheit die gesamte Familie belastet wird. Man möchte dem Menschen die Umwelt erklären (immer wieder aufs Neue), aber gerade mit der Demenz, ist es manchmal wirklich schwierig, die Nerven zu behalten und selber nicht dabei drauf zu gehen.

Wir sind 4 Generationen (inkl. Urenkel) im Haus und der komplette Tagesablauf dreht sich um die Oma, da wir uns mit der Betreuung abwechseln. Zudem arbeite ich morgens und habe noch 2 Kids. Wir machen das auch sicher gerne, aber manchmal brechen wir einfach auch zusammen.... Meine Mutter hat bereits 3 Reanimationen (nach 3 maligem Herzstillstand innerhalb von 6 Monaten) sowie 2 Bypässe hinter sich und für sie ist diese Belastung auch "lebensbedrohlich". Ich könnte mir vorstellen, daß auch mit diesem Hintergedanken der Arzt so gehandelt hat.

Danke nochmal für deine Worte. Es ist vielleicht wirklich richtig, jetzt einfach der Natur den Weg frei zu machen.

LG
Mimaja

Beitrag von fascia 18.03.10 - 17:35 Uhr

Tjä, Mimaja,

es ist nicht an mir, Einfluss auf Entscheidungen auszuüben - so darfst Du bitte, bitte nicht verstehen, was ich schrieb.

Es war eher der Versuch, eine mögliche Erklärung zu finden für - wie Du schreibst - den "Hintergedanken" des HA.

Er begibt sich damit in ein Fahrwasser, das nicht ganz ungefährlich ist. Grauzone.

(Hausärzte sind echt arm dran, manchmal. Ihr auch.)

Ihr macht schon alles richtig, so oder so.

Glück auf, f.

Beitrag von arkti 19.03.10 - 00:32 Uhr

Hallo!
Ich wäre froh wenn viele Ärzte so handeln würden.
Leider Gottes sehen viele Ärzte nur das Geld was sie an alten Menschen verdienen können.
Sehe es bei meiner Oma, sie wird bald 92.
In den letzten Jahren kamen immer neue Medikamente hinzu, sie wohnt in einem Pflegeheim.
Geistig noch ganz fit.
Nach einem Sturz vor 2 jahren ging es körperlich stark bergab.
Letztes Jahr kam dann noch ein Schlaganfall.
Inzwischen kommt die Hausärztin gar nicht immer, teilweise regelt sie das nur telefonisch wenn nichts akutes anliegt.
Kann natürlich schön abkassieren.
Seit Jahren muss meine Oma schon immer häufig auf die Toilette.
Irgendwann hatte sie dann Wasser in den Beinen, dann kamen Entwässerungstabletten.
Inzwischen rennt sie noch öfter auf Toilette, aber schon lange.
Die Entwässerungstabletten werden aber immer weiter gegeben.
Oma verläßt das Heim inzwischen nicht mehr mit der Aussage, nee ich bleibe lieber hier ich muss ja so oft auf die Toilette.
Die ganze Familie ist der Meinung das sie schon seit Jahren einige überflüssige Medikamente nimmt, aber sie ist halt noch klar im Kopf und achtet akribisch auf ihre Tabletten, ob sie auch ja täglich alle bekommt.
Solange die Ärztin weiter alles aufschreibt ändert sich nichts und sie wird wohl auch nichts ändern denn es bringt ja Geld.
Aber wie alte Menschen so sind, was die Ärzte sagen ist Gold.
Ich bin der Meinung ihr Leben wäre besser ohne die super häufigen Toilettenbesuche, auch wenn das Leben dadurch vielleicht früher beendet wäre.
92 ist schon ein stolzes Alter.

Gruß
Arkti





Beitrag von mimaja 19.03.10 - 13:27 Uhr

Hallo Arkti,

ja du hast recht, 92 ist ein super Alter und ich bin auch der Meinung *wir werden sicher nicht so alt* !

Durch die Absetzung der Medis ist meine Oma nun in einem Zustand, der finde ich besser ist wie vorher. Sie hat zwar heute nacht wieder in ihr Bett gemacht, aber sie ist wesentlich ruhiger und der ARM WACKELT NICHT MEHR !!!! (was sie besonders irritiert hat).

Sie schaut etwas apathisch, aber sie nimmt uns wahr und quatscht mit uns.

Ich bin mal über den weiteren Verlauf gespannt.

Ein nice weekend,

Mimaja