mein sohn lügt, klaut und betrügt...

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von schinoba 19.03.10 - 10:10 Uhr

be schon im jugendlichen forum gepostet und jetzt mit bekommen, dass es hier diesen bereich gibt.
mein posting...



morgen,

ich muss jetzt einfach mal dampf ablassen. bin derzeit von meinem großen (10) schwer entäucht. am montag stellten wir fest, dass er unsere unterschriften fälscht und das bei wirklich guten noten (1/2) was ich absolut nicht nachvollziehen kann, selbstverständlich haben wir versucht ihm klar zu machen, dass man das nicht macht.

dann gestern stand ich an der kasse im supermarkt und meine geldbörse war leer. dachte gut mein mann hat sich was rausgenommen (er geht arbeiten bevor ich aufstehe).

dann kam mein großer aus der schule, zwei stunden zu spät und meinte er habe ausfall gehabt (dann zwei stunden zu spät???) dann ging ich in seinen zimmer um mit ihm zu reden und fand ihn mit 40 neuen pokemonkarten vor, ich sage euch ich bin fast geplatzt vor wut.

habe ihm jetzt erstmal seine ganzen elektrogeräte weg genommen und hausarest (wovon ich aber persönlich nicht wirklich was halte) gegeben. natürlich haben wir miteinander geredet und er meinte sein kumpel macht das auch bei seiner mama immer, mir ist alles aus dem gesicht gefallen.

dann kam sein papa nach hause und wir haben uns nochmal mit ihm hingesetzt und ihm versucht zu erklären, dass das straftaten sind. ich hoffe er hat es verstanden, aber ich glaube so wirklich verstanden hat er seine taten nicht.


ich weiß nicht mehr weiter...

habt ihr sowas mit euren auch schon durch???

schinoba

Beitrag von jazzbassist 19.03.10 - 14:09 Uhr

Mit 10 wissen die bereits ziemlich genau, was die tun dürfen und was die nicht tun dürfen. Die können nur ihre Taten noch ziemlich schlecht ein- und auch abschätzen. Sie wissen also, dass es falsch ist, aber nicht, wie falsch es ist in Relation z.B. von Abends heimlich mal unter der Bettdecke noch mit dem Handy zu spielen anstatt zu schlafen. Sie wissen nur, dass sie bei beidem wahrscheinlich von der Mama Ärger bekommen, wenn sie dabei erwischt werden; beim einem mehr, beim anderen weniger. Aber ein Strafbewusstsein haben die in diesem Alter oftmals noch nicht.

So kam es auch, dass der Gesetzgeber im StGB (§ 19) die Schuldunfähigkeit von Kindern, die bei einer Tat noch nicht vierzehn Jahre alt sind, bedingungslos verankert hat. Anders als im Zivilrecht gibt es hier also nicht die Möglichkeit, hier bereits bei einem 10-Jährigem im Einzelfall eine Schuldfähigkeit anrechnen oder fingieren zu können. Zumal sich Kinder noch - teils aus Unwissenheit, Unerfahrung, Naivität, Autorität - noch ziemlich leicht beeinflussen lassen. Ob von Erwachsenen oder wirklich von gleichaltrigen Kindern. Es würde also keinen Sinn mache, ihnen dafür in irgendeiner Weise Schuld anzurechnen zu versuchen.

Mein Spatz ist jetzt 11 und er hat uns sowas glücklicherweise erspart. Er wüsste aber zumindest, dass, wenn wir von ihm erwarten, dass er zu einer bestimmten Uhrzeit zuhause sein soll, wir es nicht dulden würden, wenn er dann - ohne sich zu melden - später kommen würde. Haben Sie mit ihm denn mal ausgemacht, dass er nach der Schule auf direkten Wege nach Hause kommen soll? Ich finde das für einen 10-Jährigen nämlich schon eine ziemlich extreme Einschränkung in seinen Freiräumen, so dass ich schon nachvollziehen kann, dass ein Kind dann diese Grenze mal ziemlich lautstark überschreitet, um hier ein klares Statement zu setzen. Eventuell sollte man hier mal mit ihm darüber reden, dass man sich hier eine andere Lösung einfallen lässt.

Das mit dem stehlen aus Mamas Geldbörse - ich denke - bei einem Ersttäter wäre ich hier noch etwas gnädiger gewesen und hätte versucht, dass auf einen friedlicheren Wege zu klären. Da ich finde, dass man sich in der Familie schon untereinander vertrauen sollte und Wertgegenstände nicht vor seinen Kindern verstecken muss - auch Kinder sehen das eigentlich ein, wenn man da ein ernstes Wort mit ihnen drüber spricht, so dass das in der Regel kein zweites mal mehr vorkommt. Ich hätte ihn hier eher gefragt, ob er das Wort Zinsen schon einmal gehört hat. Denn - ihr Sohn schuldet Ihnen hier Geld. Das hätte ich mir verzinst von sienem Taschengeld zurückzahlen lassen. Wenn er diese Summe nicht besitzt, würde ich mit ihm mal gemeinsam überlegen, wie viel Geld man von seinem monatlichen Taschengeld einbehalten könnte, bis diese Summe zurückgezahlt wurde. Mein Spatz hat in dem Alter 15 Euro bekommen, so das man das sicherlich um 7.5 Euro kürzen kann, bis er diesen Schaden samt Zinsen beglichen hat. Ich würde ihm aber die Möglichkeit geben, einen Teil dieses monatlichen Geldes, dass ihm dann beim Taschengeld fehlt, durch kleine Arbeiten im Haushalt zurückverdienen zu können. Dann würde ich einfach mal ganz naiv darauf vertrauen, dass so etwas kein zweites mal mehr vorkommt.

Das mit dem Fäschen der Unterschrift - haben Sie ihn hier einfach mal gefragt, warum er das getan hat? Ich denke, gerade, wenn es eh gute Noten waren, wird er sich dabei sicherlich so rein überhaupt nichts schlimmes dabei gedacht haben. Auch hier denke ich, dass, wenn man hier mal ein ernstes Wort mit ihm spricht, dass dann kein zweites Mal mehr vorkommt. Mein Spatz ist jetzt 11 und ich bin mir ziemlich sicher, dass er kaum artikulieren kann, welche Bedeutung eine Unterschrift beispielsweise im Rechtsverkehr hat. Ich denke, abends mit dem Handy unter der Bettdecke zu spielen würde ein Kind als schlimmeres Verbrechen einschätzen als mal kurz selbstständig eine Mathearbeit mit der Note 1 selbstständig zu unterschreiben.

Wenn wir gemerkt haben, dass unser Spatz mal in einer Phase steckte, wo er etwas "pflegebedürftiger" war, hatten wir ihm einfach gesagt, dass er dann bei der nächsten Kleinigkeit (egal was kommen mag) dafür dann Stubenarrest bekommen wird. Denn - wie gesagt - eigentlich wissen die bereits ganz genau, was die dürfen und was die nicht dürfen. Das hat eigentlich bei meinem immer ganz gut funktioniert ... meistens. :-p

Beitrag von schinoba 19.03.10 - 15:09 Uhr

wow...danke, erstmal für diese superlange antwort.

ich kenne sowas von meinem großen nicht, er ist eigendlich sehr aufrichtig, pünktlich, zuverlässig und vertraut uns, aber seit einer woche läuft was schief mit ihm.
geredet haben wir schon und dann bekamen wir zu hören "na der... darf das doch auch" und dass ist das was mich wütend macht. mein sohn wird durch andere total verkorkst und ich muss es erziehungstechnisch wieder ausbaden.

ich hoffe, dass er verstanden hat was wir von ihn verlangen. denn ich bin keine strenge aber sehr konsequente mama. mein druckmittel ist seine playstation und Fernseher die sind jetzt und bleiben auch erstmal weg, er kurz vorm verzweifel und es fängt schon nach einem tag an zu ziehen.
stubenarest hat er auch aber ich finde, lieber sollen die kinder bei schönem wetter draußen sein, als wie in der wohnung rum zu sitzten.

gruß
schinoba

Beitrag von jazzbassist 19.03.10 - 16:08 Uhr

Wenn das jetzt erst seit einer Woche so läuft und sie keine Anhaltspunkte haben, dass ihn irgendwas grundsätzliches bedrücken könnte, würde ich einfach mal die Leine die nächsten 1-2 Wochen etwas kürzer halten und mal warten, wie sich das entwickelt. Die können mit 10 wirklich schon in die Pubertät kommen und dann benehmen die sich plötzlich ganz ... seltsam (auch völlig grundlos) :-p

Aber, wenn mir ein 10-Jähriger hier allen ernstes erzählen möchte, dass der xyz Geld aus Mamas Geldbörse stehlen darf oder Mamas Unterschrift fälschen darf, würde ich ihm einfach mal diese Mutter anrufen und da mal nachfragen lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er da selbst dran glaubt ;-) Ich denke, das war eher so eine klitze-winzig-kleine Notlüge, um noch irgendwie die Playstation retten zu können :-p Es ist ja für ein Kind auch schwierig, den Eltern erklären zu müssen, warum man etwas "dummes" getan hat. Manchmal gibt es dafür aber einfach keine Erklärung - es sind halt Kinder.

Wenn er mir hier erzählen würde, dass sein Freund von der Schule auch nicht direkt nach Hause musste, würde ich das hingegen (unter Berücksichtigung des Alters) akzeptieren. Ich denke, ein 10-Jähriger kann hier vor einer ziemlich blöden Situation stehen, seinen Freunden dann sagen zu müssen, warum er jetzt nach der Schule nicht mit den kids mitziehen kann. Das wäre einem Kind in dem Alter sicherlich unangenehm bis peinlich, von daher würde ich das einfach als Hinweis sehen, dass er nun alt genug ist, um hier eine weniger restriktive Regelung zu finden. Auch wenn es sicherlich schöner gewesen wäre, wenn ein Kind hier vorher einfach mal von sich aus auf die Eltern zugekommen wäre. Aber viele Situationen ergeben sich halt aus der Situation heraus - und - das ändert ja nichts daran, dass wir die Kleinen nicht doch mal leicht dafür bestrafen können und ihnen danach diese Freiräume dann doch gewähren können :-p Wir haben das Gitter am Kinderbett ja auch abgenommen, als die Alt genug waren, da drüber zu klettern.

Sie haben schon Recht - wir dummen Eltern dürfen das alles wieder erziehungstechnisch ausbaden. Aber - war das bei den Schimpfwörtern, die er aus dem Kindergarten mitgebracht hat, nicht auch so? Wobei ich es interessant finde, wie einfach manche Eltern ihre kids bestrafen können :-p Also Fernsehverbot/Xbox-Verbot zieht bei meinem überhaupt nicht, Stubenarrest gleicht für unseren eher einer Folter. Das einzige, was einigermaßen funktioniert hat, war, ihn Abends früher ins Bett zu stecken. Hatte dann aber den Nachteil, dass er dann am nächsten morgen ziemlich energiegeladen drauf war und man sich damit auch irgendwie sein eigenes Grab geschaufelt hat.