Unsere Tochter (fast 8) dreht durch..

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von bleckie 19.03.10 - 12:09 Uhr

Hallo, ich bin total frustriert und ratlos. Es gibt mit unser ältesten Tochter nur noch Ärger. Sie flippt total aus, wenn sie ihr Zimmer, das sie gemeinsam mit ihrem Bruder (6 Jahre) bewohnt, aufräumen soll.( Die beiden können nicht zusammen aufräumen, sonst gibt es nur Streit) Es wird hysterisch geschrien, sie schlägt die Türen, Gegenstände werden mutwillig beschädigt. Aber am schlimmsten ist, das sie mich nur noch beschimpft. Bei jeder Kleinigkeit schreit sie mich an, doofe Ziege und blöde Kuh ist noch die mildeste Form ihrer verbalen Entgleisungen. Heute z.B. hieß es plötzlich, ach leck mich doch. Ich dachte ich hör nicht richtig..
Zu allem Überfluß positionierte sie sich vor mir in Kampfstellung ( sie betreibt eine Kampfsportart) und fragte, ob ich jetzt von ihr "eine" von ihr wolle.
Ist das nicht unglaublich? Ich habe überhaupt keinen Zugang mehr zu diesem Kind, weil sie nur noch fordert und sie trägt überhaupt nichts zum Familienleben bei, nicht mal Ordnung im Kinderzimmer. Und wenn ich dann abblocke gibt es wieder eine Reihe von Beschimpfungen.
Ich habe schon versucht mit beiden/ einzeln/ ich alleine ein wenig Ordnung in dieses Chaos zu bringen, es hilft nichts. Der Versuch mit den Müllsäcken endete in hysterischen Schreiattacken. Wenn sie keine Süßigkeiten bekommt, nach dem spielen rein und ihre Fahrzeuge in den Schuppen stellen soll, sie nicht ungefragt telefonieren oder den Computer benutzen soll, egal was ist es gibt NUR THEATER. Im Moment weiß ich einfach nicht mehr weiter..

Beitrag von hanni123 19.03.10 - 13:31 Uhr

Huhu,

das hat jetzt nur am Rande mit Deinem Problem zu tun, aber gibt es denn die Möglichkeit, dass sie ein eigenes Zimmer bekommt?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich auch etwa bis zu diesem Alter ein Zimmer mit meinem ein Jahr jüngeren Bruder geteilt hatte, aber irgendwann gehen Jungs und Mädchen einfach nicht mehr so gut zusammen.

Vielleicht fühlt sie sich dann auch zuständiger für's Aufräumen, wenn es "ihr Reich" ist. Mit so einem Zugeständnis (weil sie "die Grosse" ist), könnte man dann ja auf der anderen Seite auch einige Pflichten verknüpfen...

Aber sowas kann man natürlich nur machen, wenn ein extra Zimmer verfügbar ist. Meine Eltern sind damals ins Bügelzimmer gezogen... ;-)

LG

Hanna

Beitrag von jazzbassist 19.03.10 - 17:37 Uhr

Wenn es immer wieder Ärger gibt mit dem Zimmeraufräumen, warum greifen Sie das Thema dann auch immer wieder auf? Selbstverständlich ist das dann auf Dauer frustrierend - für Sie ebenso wie für ihre Tochter; natürlich verliert dann ein Kind auch mal die Nerven, wenn es feststellt, dass man sich hier seit Wochen/Monaten im Kreise dreht.

Ich würde hier mit einem Kind, dass (fast) 8 Jahre alt ist, dass Thema genau ein einziges mal absprechen und eine Lösung für das Problem suchen, mit der ich mit diesem Kind nicht mehr in diesen Konflikt gerate. Zunächst einmal lieben es Kinder eigentlich, wenn irgendetwas nicht mehr "willkürlich" entschieden wird, sondern es einen festen Plan für etwas gibt; dass schafft Sicherheit. Wenn Sie beispielsweise bestimmen, dass das Kinderzimmer jeden Tag um 18 Uhr aufgeräumt wird, kann sich ein Kind darauf sehr gut einstellen. Das entschärft ziemlich viele Situationen, da Kinder natürlich gereizt reagieren können, wenn sie gerade mit irgendetwas beschäftigt sind und dann die Mama aus heiterem Himmel kommt und "aufräumen" befiehlt.

Wenn es diese tägliche, feste Zeit zum aufräumen gibt, brauchen Sie da auch nicht mehr täglich hinterherzurennen, folglich gibt es da auch keine Konflikte mehr. Wählen Sie für das Aufräumen einfach einen Zeitpunkt, den Sie gut mit einer Bedingung verknüpfen können. Wenn die Lieblingssendung ihrer Tochter z.B. um 18:15 anfängt, würde ich hier einfach die Bedingung daran knüpfen, dass sie diese nur noch gucken darf, wenn das Zimmer aufgeräumt ist. Natürlich artet das auch in einem Machtkampf aus. Aber diese Form des Machtkampfes hat den Vorteil, dass ein Kind nach 2-3 Begriffen hat, dass es diese Sendung nur wird gucken können, wenn das Zimmer aufgeräumt ist und dann tut ein Kind das auch. Danach wird es diesen Machtkampf einfach nicht mehr geben - das ist doch viel sinnvoller - als da immer und immer wieder hinterherzurennen...

Sie dürfen hier natürlich nicht inkonsequent handeln. Natürlich räumt ein Kind nicht sein Zimmer auf, wenn es nur lange genug hysterische Schreiattacken auffahren muss, um dann doch wieder die Lieblingssendung gucken zu können. Mit solchen Situationen untergraben Sie lediglich ihre eigene Autorität, und dann kann es in der Tat sein, dass Kinder auf diese selbst untergrabene Autorität reagieren. Wenn Sie also eine Konsequenz androhen, sollten Sie diese auch durchziehen; von daher empfiehlt es sich, vorher zu überlegen, was man einem Kind androht oder eben nicht. Eine Konsequenz könnte auch sein: "Ich werde jeden Morgen, wenn du in der Schule bist, durch dein Zimmer gehen und alles einsammeln, dass nicht an seinem ordungsgemäßen Platz liegt. Von daher empfehle ich dir, darauf zu achten, dass das Zimmer abends vor dem schlafen gehen immer aufgeräumt ist." Auch hier wird ein Kind selbstverständlich 2-3 mal einen Machtkampf anzetteln, um diese Spielsachen wiederzubekommen. Aber auch so ein Machtkampf geht wieder ganz schnell vorbei und dann räumen Kinder plötzlich auf, ohne ständig hinterherrennen zu müssen. Ich denke, eine 8-Jährige kann ruhig mal eine Wohce lang auf Spielzeug verzichten, dass sie achtlos rumliegen lässt. Das passiert dann halt mal 2-3 Tage und danach sollte da wieder Ruhe eingekehrt sein.

Wenn man diese täglich widerkehrenden Konflikte (Zimmeraufräumen, Computer etc.) einmal so gelöst hat, dass man da nicht täglich hinterherrennen muss, verhalten sich Kinder in der Regel auch wieder ganz anders. Wenn Sie sich dann immer noch wie eine 4-Jährige benimmt, würde ich auch dieses Problem einmal gezielt angehen; aber - normalerweise kommt so etwas nicht mehr vor. Für mich aus außenstehender Dritter ließt sich das eher so, als ob das Reaktionen auf von Eltern provozierte Konflikte sind.

Also das mit den "keine Süßigkeiten bekommt" finde ich eine ziemlich fragwürdige Regel für ein 8-Jähriges Mädchen. Sie darf sich doch sicherlich auch selbstständig ein Glas Wasser oder Obst nehmen - ich wüsste nicht - warum man diese Altersgruppe dann noch mit Süßigkeiten füttern müsste; sie ist ja kein Hund. Auch ein Fahrzeuge in die Schuppen stellen - wenn es ein wiederkehrendes Problem ist, würde ich einmal die Abmachung treffen, dass diese Fahrzeuge bis spätestens 19 Uhr im Schuppen sein müssen, oder die Mama macht das; nur - dann laden die Fahrzeuge für eine Woche in den Keller. So eine Abmachung hat den Vorteil, dass sie ein Kind dann ganz freundlich und zwanglos darauf mal ansprechen können. "Es ist gleich 19 Uhr, denk daran, noch die Fahrzeuge in den Schuppen zu stellen." Wenn sie es nicht tut, ist es auch nicht schlimm - dann macht die Mama das halt und sie müssen da nicht hinterherrennen. Ähnlich wie mit den Süßigkeiten verstehe ich nicht, warum eine 8-Jährige fragen sollte, wenn sie telefonieren will; vielleicht sollte man sie hier einfach altersgerechter behandeln? Sie geht in die Schule, wird dort Freundinnen haben mit denen sie plaudern oder sich verabreden möchte; ich wüsste nicht, warum ein Schulkind hier dafür seine Eltern fragen sollte.

Das mit dem Computer lässt sich ähnlich regeln. Es gibt einfach einzureichtende Software für Eltern, damit diese die Computernutzen der Kleinen reglementieren können. Sie können dort einstellen, um welche Uhrzeiten sie den Computer benutzen darf, wie lange, was sie da machen darf etc... Sie können ihr über eine solche Software auch ein Kontingent von z.B. 3 Stunden die Woche geben, die sie sich über die ganze Woche frei einteilen kann (ich finde das für ein 8-Jähriges Kind wesentlich sinnvoller). Sie können dabei dann immer noch bestimmen, dass sie aber trotzdem nur maximal 1 Stunde am Tag von diesem Kontingent aufbrauchen darf. Der Gag bei solch einer Software ist folgender: Das Kind lernt hier einen völlig natürlichen Umgang mit diesen Medien und muss nicht mehr die Mama fragen, um ein (für ein Schulkind) absolut selbstverständlichen Alltagsgegenstand verwenden zu können und - es ist plötzlich nicht mehr die Mama, die hintereinem steht und verlangt, den Computer auszuschalten. Das macht der Computer ganz von alleine und - so gibt es im Regelfall kaum noch mehr Konflikte mehr mit den Eltern (Zumindest versprechen das die Hersteller solcher Software).