Trauerfeier mit Kindern

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von leni2003 20.03.10 - 08:54 Uhr

Guten Morgen,
ich brauche mal Euren Rat oder Erfahrungen in Bezug auf Trauerfeiern mit Kindern. Wir gehen am Mittwoch zu einer Trauerfeier im Familienkreis. Unsere Töchter sind 5 und 6 Jahre und haben die Person sehr gemocht. Nun würden sie gerne ebenfalls Abschied nehmen und wir fragen uns nun, ob das evtl. zu früh ist. Habt ihr vorab erklärt wie eine Trauerfeier abläuft? Gibt es kindgerechte Bücher?
Lieben Dank und verregnete Grüße
Yvonne

Beitrag von 2mama 20.03.10 - 10:17 Uhr

Hallo Yvonne,

erstmal mein herzliches Beileid #liebdrueck.

Als letztes Jahr die Freundin meines Bruders starb wollte meine Tochter auch gerne mit auf Beerdigung. Wir haben lange überlegt und sie letzten Endes mitgenommen. Ob ich es nochmal machen würde, ich weiß es nicht.
Ich denke eher, dass ich es so machen würde, wie wir es mit unsere Sohn gemacht haben. Wir sind nachher mit ihm zum Grab gegangen.
Achso, meine tochter war zu der zeit 5,5 Jahre und ich habe mich vorher mit ihr zusammengesetzt und versucht ein bisschen zu erklären, was da auf sie zukommt.

Liebe Grüße Kathrin

Beitrag von leni2003 20.03.10 - 10:29 Uhr

Hallo Kathrin,

vielen Dank für Dein Posting. #liebdrueck
Die Trauerfeier findet in 250km Entfernung statt. Leider ist ein nachträglicher Besuch am Grab so nicht möglich. Entweder nehmen wir die Kinder mit oder lassen sie bei unseren Schwiegereltern. Es ist so schwierig die richtige Entscheidung zu treffen. :-(
Liebe Grüße
Yvonne

Beitrag von 2mama 20.03.10 - 10:37 Uhr

Oweia, dann gestaltet es sich wirklich sehr schwierig :-(.
Und dort habt ihr niemanden, der auf eure Mäuse aufpassen könnte?

Sonst wäre evtl. noch meine Idee, dass ihr zuhause bei euch Luftballons mit Helium besorgt. Und dann können eure Mäuse jeweils ein Bild malen oder etwas basteln und das dann an den Luftballon hängen und ihn dann in den Himmel schicken #liebdrueck.

Liebe Grüße Kathrin

Beitrag von leni2003 20.03.10 - 10:59 Uhr

Hallo Kathrin,

die Verabschiedung ist für die Schwiegermutter meines Bruders. Meine Schwägerin und Bruder haben auch eine 5,5 jährige Tochter die gerne mit möchte. Unsere Kinder könnten dann nur von den Nachbarn betreut werden, die sie kaum kennen. Unsere Große meinte heute früh, dass ihre Cousine doch noch jünger wäre wie sie und dann dürfte sie doch erst recht mit. Ich habe gerade in einem Buchladen angerufen und werde mir ein Buch zur Trauerbewältigung von Kindern holen. Vielleicht hilft es zur Entscheidungsfindung. :-(
Liebe Grüße und vielen Dank für den tollen Tip mit dem Luftballons. Ich werde mal mit meinem Bruder sprechen.
Yvonne

Beitrag von minizwerg2008 20.03.10 - 11:23 Uhr

Hallo,
ersteinmal mein Beileid.

Ich arbeite bei einem Bestatter und würde sagen: nimm sie mit! Das ist auch wichtig für die kleinen sich zu verabschieden. Kinder machen das meistens "ganz toll", man macht sich viel zu viele sorgen. Die gehen damit besser um als wir erwachsenen.

Noch eins was mir am Herzen liegt: Bitte sagt nie zu euren Kinder "die und die ist eingeschlafen"......

weil;
eure Kiddies müssen abends auch ins Bett!!!!

So entwickeln sich dann unnütze Ängste.


Sprecht mit euren Mädels, erklärt ihnen das alle traurig sind und auch weinen, und dann guckt wie sie damit umgehen....



LG,

minizwerg

Beitrag von leni2003 20.03.10 - 11:35 Uhr

Hallo minizwerg,
vielen Dank für Dein Posting. Es macht uns Mut, die beiden zur Trauerfeier doch mitzunehmen. Vielleicht hast Du noch einen Tip, wie ich den beiden die Erdbestattung erklären kann. Bislang haben wir den Friedhof immer als Garten zum Trauern erklärt. Wie können wir begreiflich machen, dass die Person im Sarg bestattet wird? Entstehen da nicht auch Ängste?
Vielen Dank für Deine Hilfe
Yvonne

Beitrag von lieke 20.03.10 - 20:40 Uhr

Hallo,

ich misch mich mal ein!
Als mein Sohn starb waren meine großen 4. Da jeder eine unterschiedliche Vorstellung von dem, was danach kommt, hat habe ich bei den Erklärungen für die Kinder irgendwann das Körperliche vom Seelischen getrennt.

Der Körper wird also begraben, weil er verwelkt wie eine Blume und nicht mehr schön ist. Er ist tot, braucht kein Essen und Trinken mehr, genau wie eine vertrocknete blume kein Wasser.

Den religiösen/seelischen Teil habe ich immer offen formuliert.
"manche Menschen glauben so..." "ich glaube, daß..." oder eben auch, auf die Frage, warum wir denn eine Kerze anzünden, die könne er ja nicht sehen unter der ganzen Erde, "ich finde es schön mir vorzustellen, dass...".

Zugegeben, anfangs wußte ich überhaupt nicht wie ich es machen sollte und da meine eigene Welt so erschüttert war, hatte ich manchmal montags eine andere Erklärung parat als dienstags. Dazu kommt, dass ja Oma und Opa auch noch ihren Teil beitragen. Mit diesem Erklärungsansatz bin ich immer gut gefahren und lasse ihnen gleichzeitig Raum für ihre eigenen Vorstellungen.
Es ist auch nicht schlimm, als Mutter mal keine Antwort zu haben. Besser das zugeben, als etwas zu erzählen, was nicht stimmt.
Fragen wie "wie kommt man denn in den Himmel? Mit dem Flugzeug?" Kannst du so prima offen beantworten, wie du es dir vorstellst. (falls du es dir vorstellst.)

Ich hoffe, du verstehst, wie ich es meine.

LG und alles Gute,
Lieke

Beitrag von maikemet 20.03.10 - 14:10 Uhr

Hallo Yvonne,
auch ich kann dir nur raten deine 2 Mädels mit zu der Bestattung zu nehmen. Es ist ganz wichtig für sie das sie sich verabschieden können und sehen was passiert.
Denn wenn die Person auf einmal WEG ist dann verstehen sie das viell. nicht so ganz.

Erkläre ihnen wie es ungefähr ablaufen wird,damit sie nicht ganz "doof" dastehen (soll nicht böse klingen).

Als mein Sohn starb kamen meine Geschwister natürlich auch mit auf die Beerdigung (sie sind damals 4,6 und 7 gewesen) und es war ganz wichtig das sie richtig Abschied nehmen konnten.

Auch als unsere Oma damals starb da war mein großer kleiner Bruder 3, haben wir ihn auch mitgenommen, weil er einfach nicht verstehen konnte wieso oma jetzt tot ist und im himmel ist, er hat ständig nach ihr gefragt. Als er dann mit zur Trauerfeier war und auch den Sarg sah konnte er es verstehen und hat nicht ein einziges Mal mehr nach der Oma im Himmel gefragt...

Ich denke es ist ganz wichtig für deine beiden.

Kinder verpacken so etwas immer besser als wir erwachsenen... wir machen uns viel mehr sorgen darum wie die kleinen damit umgehen, aber sie sind stärker als wir denken.

LG

Beitrag von leni2003 20.03.10 - 14:56 Uhr

Hallo Maike,
vielen lieben Dank für Dein Posting. #liebdrueck
Du hast soviel ertragen müssen mit dem Tod Deines geliebten Luca. Ich selber habe vor 5 Jahren meine Mutter ganz plötzlich verloren und ich bin bis heute nicht darüber hinweg. :-(
Wir haben die Mädchen immer mit einbezogen und wenn wir in der Heimat sind, bringen wir frische Blumen oder einen neuen Engel zum Grab.
Mein Mann und ich haben nun entschieden, dass wir die beiden mitnehmen. Wir haben zur Unterstützung und für evtl. Fragen noch das Buch "Tod und Sterben-Kindern erklärt" gekauft.
Ich wünsche Euch alles Gute für Euer 3. Kind und der Name Nevio Alexander gefällt mir richtig gut. Euer Luca wäre mächtig stolz auf Euch. #liebdrueck
Liebe Grüße
Yvonne

Beitrag von nonas 20.03.10 - 15:11 Uhr

Liebe Yvonne,

vor ziemlich genau 9 Monaten ist mein kleiner Sohn gestorben und beerdigt worden. Sein großer Bruder (zu der Zeit 6) hatte so sehr auf ihn gewartet und hat auf so viel verzichtet in den 37 Tagen wo sein Bruder auf der Welt war und er war natürlich an dem Tag auch dabei um ihn zu verabschieden und sich besser vorstellen zu können was passiert ist. Kinder verarbeiten Trauer anders und besser als mach Erwachsener, wenn wir sie nur lassen und das Thema Tod nicht tabuisieren!

LG nonas mit 2#stern und 2 ganz tollen Söhnen von den einer gestorben ist und allen 4 in meinem #herzlich

Beitrag von leni2003 20.03.10 - 15:21 Uhr

Liebe Nonas,
das tut mir sehr Leid mit Deinem Sohn. :-( Ich kann mir nicht vorstellen eins meiner Kinder zu verlieren, es ist wohl das schlimmste was passieren kann. Vielen Dank für Deine Ehrliche Meinung und es bestärkt uns noch mehr die beiden an der Trauerfeier teilhaben zu lassen.
Für evtl. Fragen haben wir heute noch ein Buch "Tod und Sterben-Kindern erklärt" gekauft, damit sie nicht ganz unwissend mitgehen. Schade finde ich nur, dass das Thema bei usn im KiGa so tabuisiert wird. Dort gibt es keine Bücher und auf meine Fragen konnte mir niemand Auskunft geben. Wir sind immer offen damit umgegangen, da ich meine Mutter vor 5 Jahren verloren habe. Damals waren Leonie und Joline zu klein um zu begreifen was passiert ist. Ich berichte in der nächsten Woche wie es uns ergangen ist.
Vielen lieben Dank und alles Gute für Euch und Eure Familie. Ihr seid wirklich stark!
Yvonne

Beitrag von rienchen77 20.03.10 - 16:48 Uhr

ich habe meine fünfjährige gestern nicht mit auf die Beerdigung genommen... weil ich / wir entschieden haben das wir extra mit ihr Abschied feiern werden

(ich war gerade mit ihr am Grab, haben ein Liedchen gesungen, ein Bild abgelegt, bischen Ordnung gemacht und danach sind wir ein Eis essen gegangen)

ihr hätte die Reife um eine Trauerfeier zu überstehen gefehlt...


jeder kennt sein Kind am besten...horch tief in dich hinein und entscheide aus dem Bauch heraus...

Beitrag von leni2003 20.03.10 - 17:32 Uhr

Hallo Rienchen,
vielen dank für Dein Posting. Wir haben uns entschieden und werden die Kinder zur Trauerfeier mitnehmen. Wir sprechen morgen das Thema Trauerfeier mit ´den beiden durch und zur Hilfe haben wir uns ein Buch gekauft. Mal schauen bis Mittwoch ist noch ein bisschen Zeit und notfalls kommt Plan B ins Spiel und die zwei bleiben bei meinen Schwiegereltern.
Herzlichen Dank und liebe Grüße
Yvonne

Beitrag von willow19 21.03.10 - 00:00 Uhr

Wenn sie es wollen, nimm sie mit. Vielleicht kann auch jemand auf sie währenddessen aufpassen, der nicht so sehr trauert, denn dann kommen die Kids wohl besser klar. Ich hab weiter oben geschrieben, dass ich mit nicht ganz 5 Jahren unbedingt Abschied von meinem Opa nehmen wollte. Erst waren meine Eltern nicht sehr begeistert, aber ich habe schon Abschied genommen, als er noch im Haus meiner Oma aufgebart wurde. Ich hab lange mit ihm gesprochen, meine Sorgen und Ängste berichtet und auch bei der Beerdigung war ich dabei, weil ich es so wollte. Und ich sag es immer wieder: Hätten meine Eltern mich nicht mit gelassen, hätte ich ihnen das niemals verziehen!

LG