Erziehung - Wann beginnen - Sachen wütig umherwerfen

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von jr-the-cat 21.03.10 - 00:06 Uhr

Hallo zusammen,

bei mir gehts um die (leidige?) Frage, wann man am Besten mit der Erziehung anfangen soll.

Ich habe dazu folgendes "Problem": Mein Sohn ist nun 13 Monate und befindet sich natürlich schon seit längerem in der Phase, in der es super ist, Sachen runter zu werfen und Mama sie wieder aufheben zu lassen. Das wird von mir selbstverständlich unterstützt, indem ich freudig das Runterfallen kommentiere und seine Sachen wieder aufhebe (und mich insgeheim freue, wenn er sich der Schwerkraft endlich sicher ist und das runtergewerfe bleiben lässt).

Nun ist es aber so, dass er natürlich auch seinen eigenen Willen erkennt und dem ganztägig durch Einsatz der eingebauten Sirene Ausdruck verleiht. Auch nicht weiter schlimm.

Aaaaber: nun fängt es an, dass er eben auch Wut bekommt und hierdurch seine Handlungen bestimmt werden. So greift er mir in solchen Situationen grob in die Haare bzw. wirft seine Sachen weg.

Hierzu nun (lange Rede, kurzer Sinn - sorry) meine Frage: ist es sinnvoll und kann ein Kind das überhaupt verarbeiten, die fragliche Handlung nur dann mit einem strengen Nein und sonstigen Konsequenzen zu sanktionieren, wenn es einem Wutanfall entspringt?

Kann er das verstehen, dass es normalerweise nichts schlimmes ist, sondern geradezu ein Spiel, seinen Trinkbecher aus dem Hochstuhl zu werfen, aber er das in bestimmten Situationen eben doch nicht darf? Oder sollte man das Wegwerfen der Sachen auch in solchen Situationen dulden? Das würde mir auch nichts ausmachen, aber ich denke, irgendwann muss man ja damit anfangen, das Umherwerfen von Sachen zu unterbinden...

Sorry, für den langen und ausholenden Text. Ich hoffe, meine Frage ist verständlich formuliert und freue mich auf Antworten.

#danke und liebe Grüße
#katze

Beitrag von sternchen730 21.03.10 - 07:06 Uhr

Nun ja....Dein Kind ist fast noch ein Baby.;-)
Was darf er denn nicht??
Dir weh tun?
Sachen weg werfen??
Das wird er noch lange tun.:-p
Er lernt alles durch ausprobieren, laut sein, Reaktionen..Dich kennen. Ich denke, wenn Du eine Verhaltensweise nicht magst, funktioniert am ehesten, dass Du ihr keine besondere Aufmerksamkeit schenkst, ist aber auch noch fast zu früh dafür.:-)
Kinder funktionieren nicht nach dem Schema: Bin ich nett zu Dir, bist Du nett zu mir.
Und dein strenges Nein hört er zwar, versteht vielleicht auch, dass Mama das jetzt nicht so toll findet-und vergisst es erstmal wieder.
Hier gelten noch die Regeln: Räum weg, was er nicht haben soll.
Und: geniess die und mach Dir wenig Stress, bringt nix.
LG, sternchen #stern(mit 3 KIndern (2,6 und 7) die immer noch nicht "funktionieren und unerwünschte Verhaltensweisen zeigen):-p

Beitrag von jr-the-cat 21.03.10 - 11:54 Uhr

Hallo Sternchen,

vielen Dank für Deine Antwort.
Mir geht es ja nicht darum, dass solche Verhaltensweisen AKTUELL unerwünscht sind, sondern darum, dass es irgendwann (wenn er 2 ist?) so sein wird, dass man solche Verhaltensweisen (Spielzeug wütend umherwerfen) verbietet bzw. sanktioniert (Spielzeug weg). Solche Sanktionen würde mein Sohn ja jetzt noch gar nicht verstehen, das ist mir schon klar.

Aber beispielsweise bei den Haaren könnte er eine Sanktion schon verstehen, oder? Wenn ich sofort die Interaktion mit ihm abbreche, die Hand festhalte und nichts mache, bis er meine Haare wieder losgelassen hat. (Hier geht es in der Tat darum, dass diese Verhaltensweise schon aktuell unerwünscht ist, schließlich ist es doch sehr unangenehm, wenn sich so kleine Händchen in der Haarprache verheddern - vor allem in den Nackenhaaren, die regelmäßig besonders bevorzugtes Objekt des Angriffs sind :-)).
Wenn ich aber normal mit ihm spiele und er (eben nicht aus Wut oder Frustration) in meine Haare greift, lasse ich das zu, auch wenn es ein bißchen heftiger ist, weil ich denke, er kann es ja noch nicht steuern, wie stark er zieht.

Deswegen meine Überlegung, ist er überhaupt in der Lage diese Differenzierung zu erkennen?

Liebe Grüße
#katze

Beitrag von widowwadman 21.03.10 - 16:13 Uhr

Mit 13 Monaten kann ein Kind ein Nein schon verstehen, und auch die Konsequenz, das es z.B. vom Arm runterkommt, wenn es trotz des Neins weitermacht.

Ich finde es gar nicht verwunderlich, wenn deine Kinder imer noch unerwuenschte Verhaltensweisen zeigen, wenn du ihnen nie Grenzen setzt.

An den Haaren ziehen ignorieren ist mi6t Sicherheit der falsche Ansatz.

Beitrag von jazzbassist 21.03.10 - 12:57 Uhr

Also einfache Anweisungen (wie „Nein“) verstehen Kinder irgendwann zwischen dem 10. und 12. Lebensmonat. Wobei verstehen nicht heißt, dass sie dann wissen, was das Wort bedeutet. Genau diese Bedeutung von „Nein“ (also dieses „Das darfst du nicht“) müssen Sie ihm anerziehen. Stellen Sie sich einfach vor, Sie sind in Finnland und jemand ruft „kyllä". Sie werden ziemlich schnell in der Lage sein, dass Wort wieder erkennen zu können i.S.v.: „Da hat schon wieder jemand dieses Wort geschrien“. Sie wissen aber nicht, was das Wort bedeutet. Auf dem Stand ist ihr Sohn momentan entwicklungstechnisch.

Stellen Sie sich vor, sie sitzen am Tisch und schmeißen etwas um und sie hören das Wort „kyllä" wieder. Dann schmeißen Sie einen anderen Gegenstand um, und hören plötzlich das Wort „ei“. Sie könnten niemals im Leben die Bedeutung der beiden Wörter erkennen. Da ihr handeln keine weiteren Konsequenzen hätte außer „kyllä" oder „ei“ - also nichts, was ihn helfen könnte, jemals herauszufinden, dass kyllä „ja“ heißt und „ei“ nein heißt. Und - da sie das als Erwachsener nicht hinkriegen, wird das Ihr Sohn leider auch nicht hinbekommen.

Vielleicht sollte man ihm einfach jedesmal, wenn er etwas umschmeißen will, „Nein“ sagen und ihm den Gegenstand dann einfach wegnehmen. Dann geben Sie ihm die Möglichkeit, mit dem Wort „Nein“ etwas verbinden zu können. „Ziehe ich an Mamas Haaren, höre ich das Wort ‚nein‘ und sie setzt mich auf den Boden. Höre ich das Wort ‚nein‘ und versuche, etwas umzuschmeißen, nimmt Mama mir den Gegenstand weg. Greife ich nach meinem Spielzeug und höre das Wort ‚ja‘ darf ich damit spielen. Schlage ich damit andere Kinder, höre ich wieder ‚nein‘ und Mama nimmt mir das Spielzeug weg.“ Kinder assoziieren dann ziemlich schnell, was das Wort nein für Konsequenzen hat. Isaac Newton hat die Schwerkraft auch erst entdeckt, als er 42 war; ihr Sohn wird - wenn Sie nicht aufpassen - noch genügend Dinge umschmeißen. Von daher dürfen Sie Ihn ruhig daran hindern, wenn sie zufällig mal daneben stehen :-p

Einen eigenen Willen wird er hingegen noch nicht haben. Er ist sich nämlich noch nicht bewusst darüber, dass er ein eigenständiges Lebewesen mit einer eigenständigen Persönlichkeit ist. Das ist aber eine Grundvoraussetzung, um einen eigenen Willen haben zu können. Momentan ist sein Spiegelbild entweder sein bester Freund oder sein größter Feind - aber es ist halt nicht sein Spiegelbild. Weil er gar nicht weiß, dass er das selbst ist. Solange er das nicht weiß, wird er auch keinen eigenen Willen haben sondern sich nur von seinen Bedürfnissen treiben lassen. Bei Kleinkindern kann man mal in einem umbeobachteten Moment mit einem Lippenstift einen roten Punkt auf die Stirn malen und das Kind dann vor einem Spiegel stellen. Wenn das Kind versucht, den roten Punkt an seiner eigenen Stirn zu berühren, wissen sie, dass er in der Lage, zu erkennen, dass er selbst der Junge ist, den er da gerade im Spiegel sieht. Es ist die Grundvoraussetzung für die Trotzphase. Dann versuchen Kinder nämlich, diesen eigenen Willen durchzusetzen :-p

Von daher würde ich ihren Sohn, wenn er ihnen an den Haaren zieht und ihnen dabei wehtut, einfach „Nein“ sagen und ihn daran hindern. Ob er das nun tut, weil er Wütend ist oder mit ihnen spielt, ist da irrelevant. Er darf ihnen an den Haaren fassen - er darf ihnen dabei nur nicht weh tun. Und - dass können Kinder lernen, sobald sie die Bedeutung einfacher Anweisungen verstehen können. Sie haben Recht - er weiß nicht, wann er ihnen weh tut und wann er ihnen nicht weh tut. Er wird es aber auch nie erfahren, wenn Sie es ihm nicht beibringen.

PS: Erziehung beginnt in dem Moment, wo Sie ihr Kind das erste mal anlächeln, laute geben oder in die Arme nehmen.

Beitrag von marion2 21.03.10 - 14:17 Uhr

Hallo,

du bist ziemlich spät dran, wenn du jetzt erst mit der Erziehung anfangen willst.

Und: "JA" ein "NEIN" versteht ein Kind in dem Alter schon.

(Ich habe meine Töchter im Alter von 10 Monaten bei komplexer Kommunikation erwischt.)

Gruß Marion

Beitrag von jr-the-cat 21.03.10 - 16:25 Uhr

Hallo Marion,

Danke für Deine Antwort und nein, ich will ganz sicher nicht erst jetzt anfangen. Das NEIN gibt es bei uns auch schon seit geraumer Zeit und wird sogar - wenigstens hin und wieder - auch beachtet.
Nur bisher habe ich das Nein natürlich bei solchen Verhaltensweisen weggelassen, die ich zwar persönlich nicht so schön finde (wenn ich während einer Mahlzeit das geühlte 50. Mal nach den Trinkbecher aufheben muss), bei denen ich aber annehme, dass sie eben dem natürlichen Forscherdrang der Kleinen entsprechen. Und dass ein Kind nunmal gerne Sachen runterwirft, um zu gucken was passiert, soll es meiner Meinung auch tun dürfen - so oft es dies will.

Mir ging es eben nur darum, wie ich nun auf (für mich neue) Verhaltensweisen reagiere, die dem kindlichen Frust entspringen. Bisher habe ich es eben soweit möglich geduldet (bei Sachen wegwerfen; bei den Haaren wie gesagt nicht), habe mich aber gleichzeitig gefragt, wann man DAMIT anfängt, den Kindern solche Verhaltensweisen mit Konsequenzen zu quittieren.

Und deswegen eben meine Frage, ob und wann ein Kind überhaupt in der Lage ist, zu erkennen, dass diese Verhaltensweise deswegen nicht erwünscht ist, weil sie dem Frust entsprang.

Liebe Grüße
#katze