betrifft Winterhoffs Thesen

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von manavgat 22.03.10 - 10:29 Uhr

Nachdem hier die Wellen wieder mal hochschlagen - ist ja der reinste Tsunami - hier ein Tipp:

anstatt zu fragen: was meint Winterhoff mit "Partnerschaftlichkeit, Symbiose und Projektion"


würde ich mal das aktuelle Buch

"Persönlichkeiten statt Tyrannen - oder wie junge Menschen in Leben und Beruf ankommen"


lesen!!!!!

und nicht nur diskutieren.


Alle 3 Begriffe sind im Anhang ausführlich erklärt. Sachlich und klar und man versteht es durchaus auch ohne Studium der Erziehungswissenschaften.

Ob man seinen Thesen dann folgt oder nicht, ist eine andere Frage.

Gruß

Manavgat

Beitrag von frauke131 22.03.10 - 10:40 Uhr

Hast Du es glesen? Und die anderen Bücher von ihm?

Beitrag von manavgat 22.03.10 - 10:49 Uhr

Ich lese gerade dieses:

http://www.amazon.de/Pers%C3%B6nlichkeiten-statt-Tyrannen-Menschen-ankommen/dp/3579068679/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1269251237&sr=8-1


Mich hat seine Aussage in Stern-TV dazu angeregt es zu kaufen, weil ich das, was er das sagte zum Thema Partnerschaftlichkeit komplett unterschreiben würde. Jetzt bin ich mal neugierig, was er mir so an Denkanstößen für meine Arbeit gibt.

Wie gesagt, allein schon die Erklärung der Begriffe im Anhang ist sehr gut. Ich bin jetzt ungefähr in der Mitte des Buches.

Gruß

Manavgat

Beitrag von frauke131 22.03.10 - 10:53 Uhr

Du bist Lehrerin, oder?

Ich habe bisher nur das "Warum Kinder Tyrannen werden" gelesen, ich fand vieles richtig! Dann werde ich mir die anderen auch mal reinziehen!

Gruß

Beitrag von manavgat 22.03.10 - 11:08 Uhr

Stimmt, ich unterrichte und habe außerdem in meinem Institut die pädagogische Leitung.

Auch das Problem (Stichwort "Projektion") von Erziehern und Lehrern, die - anstatt zu erziehen - von den Schülern geliebt werden wollen, ist mir als Gefahrenstelle wohl bekannt.

Vielleicht können wir uns ja mal austauschen, wenn wir beide mit dem Buch durch sind.

Gruß

Manavgat

Beitrag von frauke131 22.03.10 - 11:23 Uhr

Gern. Ich werde es mir demnächst zulegen!

In meiner Schulzeit war die strengste Lehrerin die beliebteste der Schule! Sie wurde liebevoll #drache genannt. Gelernt hat man bei ihr auch am meisten, weil man wusste, was sie erwartet.

Ich trage mich mit dem Gedanken, das Lehramt "nachzuholen", was aber durch die Bürokratie total kompliziert ist!

Beitrag von manavgat 22.03.10 - 12:12 Uhr

In Hessen ist es zwar auch bürokratisch, aber wegen des absoluten Lehrermangels nehmen die auch noch mit 55!!!!! Voraussetzung: man hat irgendein Studium irgendwann mal abgeschlossen.

Versuchs einfach.

Gruß

Manavgat

Beitrag von frauke131 22.03.10 - 12:21 Uhr

In Brandenburg und Berlin haben die auch bald Lehrermangel-aber nicht in Deutsch! Ich habe Deutsch (Germanistik) und Philosophie auf Magister studiert.

Es ist seeeehr kompliziert, v.a. durch die Umstrukturierung. An meine alte Uni kann ich nicht gehen, da der Zweig ganz weg ist#schmoll

Ich lass mich aber nicht abschrecken, sonst komme ich nach Hessen;-)

Beitrag von marion2 25.03.10 - 12:53 Uhr

Hallo,

dann bewirbst du dich auf Mathe.

Sachaufgaben sind was für Deutschkönner - und - weil sie so genial aufgebaut sind - auch was für Philosophen.

Gruß Marion

Beitrag von abenteuer 22.03.10 - 13:27 Uhr

Bei uns in Bremen sind die Jobaussichten ganz schlecht. Viele Kommilitonen sind jetzt fertig geworden und kaum einer davor hat einen Ref. Platz bekommen.

Mir sagt Winterhoff übrigens nicht so zu, da ich seine Erziehung (den Kindern gegenüber) sehr respektlos finde. Einige Ansätze finde ich richtig, doch andere kann ich nicht vertreten.

Ich empfehle dir von Tim Jordan: Krisenmanagement zwischen Kind und Job. Tipps für berufstätige Eltern.

Anders als Winterhoff rät Jordan z.B. dazu, das Kind die Kleidung, die es tragen möchte selber auszusuchen, da er der Meinung ist, das Kind werde stärker versuchen seinen Willen überall durchzusetzen, wenn man ihm zu selten die Möglichkeit gäbe, eigene Entscheidungen zu treffen.
Jordan ist allerdings auch der Meinung, dass Grenzen klar eingehalten werden müssen und das man liebevoll und konsequent erziehen sollte.

lg abenteuer

lg abenteuer

Beitrag von marenchen23 24.03.10 - 18:08 Uhr

Also ich hab 2 Lehrer gut in Erinnerung. Die eine, weil sie Positives gut bewertete und nicht immer auf den schlechten Dingen rumritt und der 2te weil er keine Lieblingskinder hatte :-)

Maren

Beitrag von perserkater 22.03.10 - 10:46 Uhr

So lange er einen Tyrann mit einem Kind vergleicht kann er noch tausend Bücher schreiben, besser werden sie nie!

Beitrag von rosali25 22.03.10 - 12:02 Uhr

Du hackst also nur auf dem Begriff Tyrann rum? Die Bücher hast du nicht gelesen, stimmt's?

Beitrag von perserkater 22.03.10 - 12:12 Uhr

Schon, aber der Titel reicht meiner Meinung nach völlig aus um eine treffende Inhaltsangabe wieder zu spiegeln.

Es gibt wirklich bessere Literatur als über einen Doktor der verhaltensaufällige Kinder und Jugendliche therapiert. Für den Selbstzweck bei seinem eigenen Kind daheim ist es nicht brauchbar. Oder hat du eines von den 90% der Kindern die alle im Verhalten gestört sind?

Beitrag von bessi 22.03.10 - 13:10 Uhr

Als Untertitel hat Winterhoff die Zeile "Oder die Abschaffung der Kindheit" stehen und die sagt weitaus mehr aus, als der Begriff Tyrann.

Ich habe seine ersten beiden Bücher beide gelesen und sie sind höchst interessant. Wenn man sich an einem Begriff stößt, den man total aus dem Zusammenhang herauslöst, kann man meiner Meinung nach nicht mitreden und auch nicht darüber urteilen. Die Überschrift mag provokativ sein, aber wenn man den Inhalt seines Buches mit Verstand nachvollzieht, wirst auch Du ihm vermutlich recht geben, denn er beschreibt recht eindrucksvoll und mit vielen eigenen AHA-Erlebnissen, dass im Grunde genommen kein Kind ein Tyrann ist, sondern von vielen Menschen als ein solcher empfunden wird, weil Eltern und Umwelt nicht den richtigen Weg im Umgang mit dem Kind finden.

Jeder Erziehungsratgeber hat seine Tücken und Schwachstellen. Letztendlich sollte sich jede Mutter ihr eigenes Bild machen, aber Anregungen aufzunehmen, egal wie kontrovers sie auch sein mögen, erweitert nur den Horizont und sonst nichts.

LG Bessi

Beitrag von deoris 22.03.10 - 19:17 Uhr

Och Mann ,wie kann man so beschränkt denken???#augen
Es ist natürlich schöner ein Buch in der hand zu halten mit dem Begrif " Jedes Kind kann Regel/Schlafen und Essen lernen" und dabei ein Kind zu terrorisieren aber bloss nicht ein Buch mit einem blöden Titel ,der wirklich wert ist es zu lesen.
Ich finde ,der jenige der das Buch nicht gelesen hat sollte dazu auch keine Kommentare abgeben.

Beitrag von ayshe 22.03.10 - 10:49 Uhr

es diskutieren aber viele gern, die es auch gelesen haben.

ansonsten kann auch jeder grn diskutieren und seine vorstellungen und meinungen äußern, der es NICHT gelesen hat.


Beitrag von manavgat 22.03.10 - 11:05 Uhr

Deine Antworten auf meine Beiträge sind von meiner Seite aus unerwünscht.

Das habe ich Dir mehrfach mitgeteilt.

Wer andere belästigt und dies trotz Aufforderung nicht unterlässt ist was?


ein Stalker!


Ayshe, Ayshe, écoute-moi...

Beitrag von ayshe 22.03.10 - 11:14 Uhr

dies ist ein öffentliches forum.

wenn du einen club aufmachst, kannst du dir die teilnehmer aussuchen und nur die reinlassen, denen du antworten erlaubst.
ansonsten hast du mir hier gar nichts zu sagen.



stalker?
schwachsinn! #klatsch


wenn du hier schreibst, kann dir jeder angemeldete user antworten.
wenn es dir nicht paßt, geh ins séparée, da wärst du dann allein.

Beitrag von perserkater 22.03.10 - 11:44 Uhr

#rofl

Beitrag von rosali25 22.03.10 - 12:04 Uhr

Ich habe mich an der letzten Diskussion ausführlich beteiligt. Ich habe die ersten beiden Bücher gelesen, das dritte noch nicht. Momentan lese ich (erneut) das erste. Dass in dem letzten Buch diese Begriffe ausführlich beschrieben werden wusste ich nicht, aber vielen Dank für den Tipp! Ich werde mir das Buch nachher kaufen.

Gruß Lena

Beitrag von jazzbassist 22.03.10 - 13:38 Uhr

Ich finde, wenn ein Autor im Einleitungssatz von "Partnerschaftlichkeit, Symbiose und Projektion" spricht und es spätesten bis zum Ende des Buches noch immer nicht geschafft hat, diese Begriffe unmissverständlich geklärt zu haben, genau das eignetlich der Grund sein sollte, dieses Buch einmal ganz kritisch zu hinterfragen.

Warum sind diese Begriffe (scheinbar) für den durchschnittlichen Leser so schwammig?

Hat der Autor ...

... seine Zielgruppe verfehlt?
... seine Zielgruppe überschätzt?
... nicht die Fertigkeit, dieses Thema Alltagstauglich darzulegen?
... es bloß für Unwichtig erachtet?
... es absichtlich gemacht, um Buch 2 und 3 Verkaufen zu können?

Zumindest letzteres fände ich nicht verwerflich. Kinderzeitschriften machen dass häufig, ein großes Spielzeug in kleinen Puzzlestücken zu verteilen, damit die Kinder halt auch die nächste Zeitschrift kaufen. Meinem Sohn zumindest habe ich das mal erklärt, dass die Zeitschriften so teuer sind, dass man sich - bis das Spielzeug dann einmal komplett zuendegesammelt ist - man so viel Geld ausgegeben hat, dass man sich direkt ein ordentliches Spielzeug hätte kaufen können. Das habe ich ihm ganz partnerschaftlich erklärt - war schließlich sein Taschengeld :-p

Beitrag von dani.m. 22.03.10 - 13:46 Uhr

DAS Buch hab ich zwar (noch) nicht gelesen, nur das Erste. Ich muss aber sagen, dass es auch darin schon recht gut erklärt wurde. Für mich zumindest vollkommen logisch.
Was mich allerdings etwas verwirrt hat: ich bekam es von einer Lehrerin empfohlen, in deren Schule genau so unterrichtet wird, wie es der Autor ablehnt #kratz Es scheinen also Leute, die es ganz offensichtlich nicht gelesen haben, nicht nur darüber zu diskutieren, sondern es sogar zu empfehlen #schock

Beitrag von gismomo 22.03.10 - 14:09 Uhr

Ich habs gelesen. Mal abgesehen davon, dass mich reißerische Titel immer misstrauisch machen und ich dem Buch deshalb eher voreingenommen begegnet bin, kann ich einige Argumente des Autors nachvollziehen.

Ich erlebe definitiv in der Schule Kinder, die die beschriebenen Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Die es nötig machen, dass man einen Großteil des Unterrichts damit beschäftigt ist, sich mit diesen Kindern auseinanderzusetzen und sie - auf welche Art und Weise auch immer - zu disziplinieren.

Wenn ich nur dieses eine Kind hätte, wäre das gar kein Problem. "Ohne Potential" sind diese Kinder nämlich nicht, es sind oft recht intelligente Kinder, die durchaus das Potential zu guten oder sehr guten Noten mitbringen. Leistungsmäßig unterfordert sind sie aber nicht. Von der Leistungsfähigkeit wären sie eigentlich bei uns genau richtig. Wenn sie denn gelernt hätten, dass der eine Erwachsene, der sich im Raum befindet, gleichzeitig für 25 Kinder (und das ist noch der Optimalzustand, meistens sinds ja noch mehr) zuständig ist und ich ergo nicht erwarten kann, dass ich eine ganze Unterrichtsstunde lang eine Zweierkommunikation mit ihm aufrechterhalten kann.

Auf gut Deutsch: Diese Kinder zwingen mich quasi dazu, meine Aufmerksamkeit ständig auf sie zu richten. Sei es, weil sie schwätzen, sich ablenken lassen oder weil sie keine Lust haben, die Aufgaben zu erledigen, oder weil sie der Meinung sind jetzt dringend aufs Klos zu müssen, etc....

Diese Kinder haben es nicht gelernt, dass sie nicht eine ganze Stunde lang in irgendeiner Art und Weise verbal oder nonverbal mit dem Lehrer oder Mitschülern kommunizieren können. Sich in eine Sache vertiefen - das klappt nicht. Sie sehen gar nicht ein, wozu sie das können sollen.
Lernen kann einfach nicht immer Spaß machen. Dennoch muss ich mich dazu überwinden und meine momentanen Bedürfnisse hintenanstellen können. Das können ganz viele Kinder nicht mehr. Und dadurch erzwingen sie die Aufmerksamkeit des Lehrers, der sie irgendwie regulieren muss, und nehmen dadurch den Mitschülern ganz klar etwas weg - die Zeit und Aufmerksamkeit des Unterrichtenden, der für 25 Schüler da sein sollte und nicht nur für 4.

Meiner Meinung nach ist das von Winterhoff beschriebene Probleme mindestens mitverantwortlich für dieses Verhalten (ob es allein dafür verantwortlich ist weiß ich nicht, denke es aber nicht).
Gerade diese auffälligen Kinder sind sich oft nicht der Unangemessenheit ihres Verhaltens bewusst. Sie gehen mit einem Erwachsenen so um, als ob es ein Gleichaltriger wäre. Wir Lehrer müssen diese Kinder oft darauf hinweisen, dass dies kein angemesser Tonfall bzw. keine angemessene Wortwahl ist.
Und ich bin sicher, die Eltern wären entsetzt, wüssten sie, wie ihre Kinder sich gegenüber den Lehrern verhalten. Denn es sind keine Eltern, denen ihre Kinder gleichgültig sind. Aber oftmals Eltern, die relativ schnell der Meinung sind, dass sie ihre Kinder überfordern, wenn sie von ihnen etwas (egal was) verlangen.

Wenn ich an mich und meine eigenen Kinder denke, dann finde ich schon, dass Kinder durchaus eigene Entscheidungen treffen können und dürfen. Ob mein Sohn eine Jacke anzieht oder nicht ist nicht meine Sache. Das ist mir wirklich egal. Er ist derjenige, der die Konsequenzen davon trägt, also entscheidet er allein. Darf dann aber auch nicht meckern, wenn er sich falsch entschieden hat - weil er dann durch sein Verhalten andere nervt.

Was die Schule und Pflichten (im Haushalt etc.) angeht, erwarte ich von ihm ein gewisses Verhalten. Und das fordere ich ein, ohne Kompromisse. Ich erwarte einfach, dass er sein Bestes gibt. Und ich traue es ihm zu, dass er so vernünftig ist, das als etwas sehr Wichtiges zu erkennen und umzusetzen. Das ist selbstverständlich, da wird kein großes Gerede drum gemacht.
Das scheint aber nicht selbstverständlich zu sein. Meine Schwiegereltern meinen, ihn immer besonders loben zu müssen oder ihn mit blöden Motivationsmethoden ("Da wird die Mami aber stolz sein, wenn du so schön schreibst") dazu bringen zu müssen, dass er etwas ordentlich erledigt. Das ist Blödsinn. Er soll für etwas Selbstverständliches nicht über den grünen Klee gelobt werden - als hätte er die Wahl. Die hat er aber nicht.
Ich erwarte das von ihm und das ist es. Da gibt es keine eigene Wahl.

Und das ist meiner MEinung nach oft das Problem. Dass Eltern von Kindern gar nicht mehr erwarten, dass sie ihre Pflichten ordnungsgemäß erledigen. Tun sie es doch, wird ein Riesentamtam drum gemacht, mit Belohnung für jeden Pippifax. Ich setze auch Belohnungssysteme ein, aber doch nicht wegen jedem Quatsch.

Kinder werden verhätschelt, haben keine echten Pflichten mehr oder wenn doch, hat es keine Konsequenzen, wenn sie diese nicht regelmäßig erledigen. DAS ist für mich falsch verstandene Partnerschaft, die Kinder lebensuntüchtig macht. Das ist schlicht und einfach "Beliebigkeit" im Verhalten - es ist dann eigentlich wurscht, was das Kind macht, jedes Verhalten wird akzeptiert und nicht korrigiert. Und die Beispiele, die Winterhoff nennt, kann ich durchaus nachvollziehen.

lg
K.

Beitrag von frauke131 22.03.10 - 14:17 Uhr

#pro

Du hast so recht!

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