Ich bin so verzweifelt - wie gehts weiter?

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Forum: Trennung

Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhaltszahlung ... ? Wenn sich ein Paar zu einer Trennung entschließt, ergeben sich für jedes Elternteil ganz neue Fragen an die eigene Lebensplanung.

Beitrag von babylona 22.03.10 - 12:27 Uhr

Ihr Lieben,
ich hätte nie geglaubt, eines Tages in diesem Forum posten zu müssen. Aber so ging es sicher euch allen.
Mein Mann hat mir letzte Woche eröffnet, sich in eine andere Frau verliebt zu haben. Er hat seit einem halben Jahr ein Verhältnis mit ihr. Wir müssen uns trennen. Wir haben eine elf Monate alte Tochter.
Ich bin so völlig erschüttert, so am Boden zerstört. Mein Mann war bisher für mich ein unschätzbar wertvoller Partner, der beste Papa für mein Kind. Wir waren 8 Jahre zusammen, 5 davon verheiratet aus Liebe. Nun plötzlich bricht mein ganzes Leben zusammen und ich verliere nicht nur den Mann, den ich liebe, sondern auch meinen besten Freund und Gesprächspartner. Er ist auch plötzlich so kühl und distanziert. Als ob ich ihm kein Fünkchen mehr wert wäre. Ich liege jetzt abends im Bett und fühle mich so unendlich einsam und allein. Der Gedanke, wie er sich ins warme Nest kuschelt, bricht mir das Herz. All meine Freunde leben in Beziehungen, sie bieten mir zwar Hilfe an und wollen für mich da sein, aber so richtig können sie ja doch nicht verstehen, wie es mir geht.

Wie habt ihr diesen Schockzustand überwunden? Was hat euch geholfen?

Zudem kommen jetzt die ganzen formellen Fragen auf mich zu. Wie geht es jetzt weiter, wie läuft eine offizielle Trennung bzw. Scheidung ab? Ich würde am liebsten gleich selbst die Scheidung einreichen, damit mir wenigstens diese Pein erspart bleibt. Oder würdet ihr aus irgendwelchen Gründen davon abraten?
Ich habe im Moment nur Elterngeld und dann erstmal kein Einkommen mehr. Werde erstmal von Erspartem leben. Auf einen Finanzkrieg habe ich keine Lust, werde mich wohl aber damit beschäftigen müssen.

Ich wäre für eure Ratschläge und Tipps sehr dankbar!
Am Boden zerstörte Grüße,
babylona

Beitrag von mirabelle 22.03.10 - 13:35 Uhr

Ich habe Dir unter Alleinerziehend schon geantwortet:

Du hast mein vollstes Mitgefühl - ich kenne die Situation.

Und so profan es klingt:
Zeit heilt alle Wunden.

Ich wünsche Dir viel Kraft, Klugheit und Besonnenheit

M.

Beitrag von muggles 22.03.10 - 13:57 Uhr

Hallo,

Du erlebst gerade eine wirklich schlimme Geschichte.

Allerdings hast Du in einer Hinsicht Glueck: Dein Mann hat die Flucht nach vorn angetreten und Dich mit der (schmerzhaften) Wahrheit konfrontiert. Ohne Herumzueiern, ohne Heimlichkeiten. Das musst Du ihm zugute halten.

Du solltest jetzt aber keine blinden Schnellschuesse starten, sondern eine nuechterne Bilanz ziehen:

- will ich in der Wohnung bleiben
- kann ich mir diese leisten
- Unterhalt fuer Dich und fuers Kind ausrechnen lassen
- anhand dessen die weiteren Schritte planen

Du solltest auf nichts verzichten, aber bei fairen und angemessenen Forderungen hart bleiben. Such Dir bitte sofort einen auf Familienrecht spezialisierten Anwalt (bzw. Anwaeltin).

Das tut alles bestimmt sehr weh. Vielleicht solltest Du mit dem Scheidungsantrag noch ein bisschen warten.

Zum Schluss moechte ich Dir noch sagen, dass Du nicht schuld bist, dass sich Dein Mann in die andere Frau verliebt hat. Wenn es fuer ihn die ganz grosse Liebe ist, kannst Du nichts machen.

Alles Gute,

Claudia

Beitrag von babylona 22.03.10 - 14:44 Uhr

Danke für eure Antworten.
Ich war für ihn die ganz große Liebe, sonst hätten wir nicht geheiratet. Wir sind beide Scheidungskinder und haben uns auch immer geschworen, alles zu tun, um dies für unsere Tochter zu vermeiden... Umso fassungsloser bin ich natürlich.
Dass ich mit seiner plötzlichen Offenheit Glück habe, kann ich nicht ganz so sehen. Ja, er hat es mir gesagt. Weil ich ihn darauf angesprochen habe, ob etwas nicht stimmt. Bis zu dem Punkt hat er mich aber schon fast ein halbes Jahr mit der Frau betrogen, während ich unser Baby schuckelte. Er hat mit ihr getrunken, gelacht, geplaudert, geflüstert, gevögelt. Danach kam er nach Hause und hat sich neben mich ins Bett gelegt. Das sind für mich ganz schön viele Heimlichkeiten und Lügen. Meines Erachtens hätte er schon in dem Moment, als er merkte, es wird gefährlich, die Notbremse ziehen müssen und wenigstens mit mir darüber sprechen. Wir waren 8 Jahre so eng zusammen. Das hätte es ihm wert sein müssen. War es aber nicht. Schon allein deswegen möchte ich ihn auch gar nicht zurück.
Was die Sache mit dem Anwalt angeht: Ich glaube eigentlich, dass wir uns sowohl finanziell, als auch bezogen auf das Umgangsrecht einigen werden. Wir wollen keine unnützen Streitereien, da sie in erster Linie unserer Kleinen schaden würden. Unterhalt für sie werden wir laut Tabelle vereinbaren. Für mich möchte ich gar nichts von ihm, das ertrage ich nicht. Daher versuche ich, so schnell es geht wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Ich promoviere derzeit und veruche, das auch irgendwie abzuschließen.
Also: Braucht man denn unbedingt einen Anwalt, wenn man sich im Grundsatz einig werden will? Davon abgesehen könnte ich mir im Moment auch gar keinen leisten.
Danke nochmals und lg

Beitrag von muggles 22.03.10 - 15:14 Uhr

Hallo,

den ganzen Hintergrund kannte ich natuerlich nicht. Ich dachte, er waere von sich aus auf Dich zugekommen und haette Dir alles erzaehlt.

Theoretisch koenntet Ihr Euch einen Anwalt teilen. Allerdings koennte dieser immer nur die Interessen fuer Einen von Euch vertreten. Beauftragst Du ihn, musst Du ihn auch bezahlen. Beauftragt er ihn, kannst Du Dir nicht sicher sein, dass Deine Interessen (und die Deines Kindes) ordentlich vertreten werden.

Warum willst Du selbst auf Unterhalt verzichten? Ich finde, das ist falscher Stolz. Er will die Lebensumstaende veraendern, da sollte er Dich auch (voruebergehend) finanziell unterstuetzen. Keiner sagt, dass Du ihn finanziell total "nackig" machen sollst, aber den Dir zustehenden Anteil solltest Du schon einfordern. Du sagst ja selbst, dass Du kaum eigenes Geld hast.

Alles Gute,

Claudia