Orientierungshilfe Umgangsrecht mit Baby/Kleinkind

Archiv des urbia-Forums Allein erziehend.

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von babylona 22.03.10 - 12:44 Uhr

Ihr Lieben,
leider muss ich ab jetzt auch in diesem Forum posten (siehe unter "Trennung").
Mein Mann betrügt mich seit einem halben Jahr mit einer anderen Frau und hat sich in sie verliebt (unser Baby war da erst 6 Monat alt #schmoll). Ich bin völlig am Ende. Gleichzeitig kreisen mir jetzt natürlich schon tausend Fragen im Kopf herum. Wir haben das gemeinsame Sorgerecht für unsere 11 Monate alte Tochter. Gestern haben wir uns kurz darüber unterhalten und mein Mann hat sich offenbar vorgestellt, dass sie wochenweise bei mir und bei ihm ist. Ich hab die ganze Nacht geheult bei der Vorstellung, aber ich möchte auf jeden Fall das beste für meine Kleine und sie soll natürlich auch ihren Papa haben. Da ich aber in absehbarer Zeit in eine andere Stadt ziehen werde, ist so eine Wochenregelung sicher ohnehin nicht denkbar, oder? Sie kann ja nicht wochenweise in eine andere Kita.
Habt ihr Tipps, welche Umgangsregelungen bei so kleinen Kindern zu empfehlen sind bzw. wo man dazu nachlesen kann? Wo kann man sich beraten lassen?

Mein Mann wird sicher bald bei seiner neuen Freundin einziehen - die Vorstellung, dass meine Kleine dann dort mit am Tisch sitzt, ist momentan noch die Hölle für mich. Aber so wird es wohl kommen.
Wie habt ihr diese Zeit erlebt?

Danke für Ohr und Rat!
babylona #heul

Beitrag von mirabelle 22.03.10 - 13:30 Uhr

Eigentlich finde ich den Vorschlag Deines Mannes recht gut - aufs Kindeswohl bezogen. So bleibt deinem Kind eine enge Bindung zu Vater und Mutter erhalten.

Du weißt sicher auch, das Du den Kontakt zur Next nicht unterbinden kannst. Normalerweise hat man bei einem so kleinen Kind einen sehr engen Umgangsplan. D.h. der Vater sieht / besucht das Kind 2 - 3 mal in der Woche und noch an einem Tag am Wochende. Je öfter, desto besser.

Was mir Bauchweh bereitet sind deine Umzugspläne. Ist der (sorgeberechtigte Partner ) damit nicht einverstanden kannst Du zwar umziehen - aber er kann (erfolgreich) das Aufenthaltbestimmungsrecht einklagen. das heißt das Kind kann denn komplett bei ihm bleiben.
Gerichtlich anerkannte Umzugsgründe sind da sehr eng: Ausschließlich Arbeitsaufnahme in einer anderen Stadt , wobei der Nachweis geführt werden muß, das diese Arbeit am bisherigen Wohnort nicht zu bekommen gewesen wäre.

Zuzug zur Herkunftsfamilie , sowie eine neue Partnerschaft sind keine angemessene Gründe um das Kind aus der gewohnten Umgebung herauszureißen und dem anderen Elternteil zu entfremden. denn all das schadet dem Kindeswohl - und einzig darum geht es. Und nicht um das , was für Dich angenehmer wäre.

Menschlich kan ich deine Verletztheit gut nachvollziehen. Ich muß aber dringend an Dich appellieren dies aus der Elternebene herauszuhalten.

Die Gerichte urteilen in letzter Zeit restrigtiv Vaterfreundlich, d.h. Dein Exmann könnte per Einstweiliger Verfügung selbst einen bereits erfogten Umzug innerhalb von wenigen Tagen rückabwickeln, da er ja offensichtlich bereit ist das Kind bei sich aufzunehmen.

Such Dir einen fähigen Anwalt und agiere kompromisbereit. Du hast zuviel zu verlieren.

M.

Beitrag von babylona 22.03.10 - 14:33 Uhr

Hallo, danke für deine Antwort. Im Moment halte ich es für ausgeschlossen, dass mein Mann irgend etwas einklagen wird. Wir sind uns einig, das Beste für die Kleine zu wollen. Mein Mann kann sie auch nicht Vollzeit bei sich aufnehmen, da er in Schichten arbeitet.
Ein Umzug von mir würde aus Berufsgründen stattfinden, da ich hier schlechte Aussichten auf einen angemessenen Job habe und ich nicht mit meiner Tochter am Existenzminimum leben möchte. Wie ich nachweisen sollte, dass etwas ähnliches hier nicht zu haben gewesen wäre, weiß ich allerdings nicht.
Die Entfernung wäre aber so, dass trotzdem ein regelmäßiger Umgang, also auch mal für einen Tag oder mehrmals pro Woche, noch machbar wäre. Ich sehe ein, dass es für das Kindeswohl natürlich wesentlich besser und einfacher ist, wenn beide Eltern in der gleichen Stadt leben. Nur ist es für meine Tochter doch sicher auch leichter, wenn ich als Mutter versuche, ein neues, selbstbestimmtes Leben aufzubauen mit entsprechend moralischer Stärke. Dazu gehört für mich eine ausbildungsnahe Tätigkeit mit angemessenem Verdienst. Denn ich möchte ganz sicher nicht ständig bei ihrem Vater anklopfen müssen, wenn wir etwas "außer der Reihe" machen möchten. Wie du sagst wäre Zuzug zur Herkunftsfamilie auch kein Argument. Allerdings ist es doch sicher von Belang, dass dort ein häufigerer Umgang mit den Großeltern möglich wäre. Diese haben ja im Prinzip auch ein Umgangsrecht. Zudem wäre der soziale Rückhalt für mich dort weitaus besser, und dies kommt schließlich auch der Kleinen zu gute. Das alles heißt auch nicht, dass sie ihren Papa nicht mehr sehen würde.
Eigentlich widerstrebt es mir, einen eigenen Anwalt zu nehmen. Ich möchte mich mit meinem Mann auf die beste Lösung für uns und die Kleine möglichst einvernehmlich einigen und das möchte er auch. Indem ich gleich mit einem Anwalt um die Ecke komme, riskiere ich doch dieses Vorhaben von vorn herein.
Viele Grüße,
babylona

Beitrag von mirabelle 22.03.10 - 17:17 Uhr

Da der Umzug bei Dir beruflich begründet ist, brauchst Du doch keine Sorge zu haben. Im Radius von +/+ 50 km kannst Du auch ohne Zustimmung des KV umziehen. Der Umgang von den Großeltern ist kein gutes Argument, weil der Umgang mit dem Vater als bei weitem wichtiger angesehen wird. Aber deswegen brauchst Du Dir doch keinen Kopf zu machen. Da passt ja bei Dir alles zusammen.

Wie Janamausi schon schrieb, kopiere alle Unterlagen und nimm Dir einen Anwalt. Wenn Du ihn nicht zahlen kannst hast Du Anspruch auf PKH - diese dann vielleicht nur Darlehensweise - aber das muß Dich im Augenblick nicht stören. Die Raten werden erst erhoben, wenn Du wieder über Einkommen verfügst und sind dann auch moderat.

Kopf hoch, Du schaffst das schon

M.

Beitrag von janamausi 22.03.10 - 14:34 Uhr

Hallo!

Tut mir schrecklich Leid für dich, was passiert ist. Aber schau einfach nach Vorne und versuche deine Wut/Trauer nicht über das Kind auszutragen.

Ich bin aber ganz anderer Meinung als Mirabelle und halte nichts von der hältigen Regelung. Ich finde, ein Kind sollte ein festes Familienumfeld (auch eine Mutter mit Kind ist eine Familie) haben und nicht zwischen zwei Familien wechseln müssen.

Meine Tochter (6 Jahre) ist regelmäßig (jedes zweite Wochenende und jeden Dienstag Nachmittag) bei ihrem Papa. Die zwei haben enen sehr guten Bezug und meine Tochter weiß, dass ihr Papa für sie da ist, aber dennoch ist ihr "zu Hause" hier bei mir. Hier hat sie ihren Alltag, ihr Leben etc. Und ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Tochter mit einer hälftigen Regelung klar kommen würde (obwohl sie ihren Papa heiß und innig liebt).

Wie weit willst Du denn weg ziehen? In einem bestimmten Radius (ich weiß die Kilometer nicht, vielleicht kriegst Du noch eine aussagekräftigere Antwort hier) kannst Du ohne Einwilligung von deinem Noch-Mann mit Kind umziehen. Bei weiteren Entfernungen muss er zustimmen.

Ich würde dir raten, geh so bald wie möglich zu einem Anwalt und lass dich beraten, auch wegen Unterhalt fürs Kind und für dich. Du brauchst nicht dein sämtliches erspartes Geld aufbrauchen, sondern dein Mann ist dir und dem Kind zu Unterhalt verpflichtet. Da gibt es gesetzlche Regelungen, so dass keiner zu wenig oder zu viel hat.

Ich würde versuchen, die Trennung so fair wie möglich durchzuziehen, aber dennoch dich ein bißchen abzusichern (z.B. wichtige Dokumente bei Seite zu legen oder zu kopieren). Auch wenn beide die Absicht haben, die Trennung "im Guten" durchzuziehen, kann es doch anders kommen als man denkt und dann kannst Du dir so ein Haufen Ärger ersparen.

LG janamausi

Beitrag von babylona 22.03.10 - 14:50 Uhr

Danke dir, deine Antwort hat mir sehr geholfen. Kannst du mir noch einen Tipp geben, welche Dokumente denn wichtig wären? Ich habe auch schon darüber nachgedacht, zur Sicherheit ein paar Kopien zu machen.
Danke und lg

Beitrag von janamausi 22.03.10 - 15:19 Uhr

Mmhh, je nachdem was ihr so habt...

Auto...wehm gehört das Auto wer steht im Brief drinnen...

Gehaltsabrechnungen (einschl. Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld)

Original-Geburtsurkunde vom Kind

Oder auch Kopien vom Mietvertrag/Darlehen/Sparbüchern etc.

Kopien von Versicherungspolicen

Was auch wichtig ist, dass man wirklich mal die ganzen Finanzen durchschaut und evtl. ändern lässt, z.B. auf welches Konto das Kindergeld geht, wer bei einer Lebensversicherung im Todesfall als Vermächtnisnehmer (heißt das so?) drinnen steht.

Oder z.B. auch Fotos, persönliche Sachen

Wenn die Sachen mal weg sind, ist es schwer da ran zu kommen. Daher würde ich das erst mal "in Sicherheit" schaffen um dann gemeinsam es aufzuteilen.

LG janamausi

Beitrag von janamausi 22.03.10 - 15:23 Uhr

P.S. Ich würde mir schon einen Anwalt nehmen und mich einfach mal beraten lassen. Du musst es ja deinem Noch-Mann nicht erzählen oder gleich anwaltlich etwas unternehmen. Aber lass ich einfach mal beraten auf was Du achten musst, was auf dich zukommt bzw. zukommen könnte etc. So bist Du zumindest vorbereitet, wenn irgendetwas "passiert".

LG janamausi

Beitrag von babylona 22.03.10 - 20:12 Uhr

Danke dir ganz lieb! Ich werde die Tage mal unsere Dokumente durchsehen. Ich habe einen Termin bei einer Anwältin bei Pro Familia gemacht, um mich erstmal grob beraten zu lassen. LG babylona

Beitrag von manavgat 22.03.10 - 17:50 Uhr

Ich rate dir von diesem Wechselmodellquatsch dringend ab. Es führt in der Regel dazu, dass Kinder sich nirgendwo zuhause fühlen.

Du kriegst auch ein Problem, weil bei hälftiger Betreuung kein Anspruch auf Unterhalt besteht. Die Kosten für das Kinder müssen aber irgendwie aufgebracht werden.

Üblich ist, dass Kinder den Elternteil, bei dem sie nicht leben mindestens alle 2 Wochen am WE auch über Nacht sehen. Allerdings wird das bei so kleinen Kindern noch nicht gemacht, schon gar nicht wenn noch gestillt wird. Sind die Kinder klein, ist ein zusätzlicher Nachmittag/abend je Woche sinnvoll.

Ich würde Dir - da Du völlig neben der Spur bist - 2 Dinge anraten:

1. Geh sofort zu einer Anwältin und lass Dich beraten!

2. Such Dir eine gute Psychotherapeutin, die Dir hilft das alles zu verkraften.

Alles Gute

Manavgat

Beitrag von karna.dalilah 22.03.10 - 18:16 Uhr

Von einem Wechselmodell kann ich nur abraten.
Ein Bekannter von mir praktiziert dies seit Jahren uns sagt aus heutiger Sicht, dass er dies nie wieder so tun würde.
Spätestens wenn die Elternteile neue Partner und ggf Kinder dabei sind ist es für das Kind immer wieder blöd.
Es ist 1 Woche weg und in der Woche geht das Familienleben weiter und es verändern sich Dinge, es gibt Ereignisse, Erlebnisse, Entscheidungen, die das Kind nicht miterlebt, aber mit dessen Auswirkungen es konfrontiert wird- ob das leicht und gut ist?
Das Kind kommt immer wieder in ein tagtäglich funktionierendes Familiengefüge rein und muss sich neu einleben- andere Regeln - andere Sitten als die Woche davor...

Beitrag von mausi1086 22.03.10 - 23:20 Uhr

Hallo,
erstmal möchte ich dir Mut machen. Der Vater meines Sohnes hat uns auch wg. einer anderen verlassen und hatte nicht mal den Mut, es mir selbst zu sagen. Aber man lernt mit allen negativen Gedanken umzugehen und mit der Zeit wird es besser werden. Ich habe auch am Anfang absolute Angst vor dem Tag gehabt, an dem mein Sohn das erste Mal auf die Neue trifft. Zum Glück haben wir es so geregelt, dass unser Sohn ein halbes Jahr keinen Kontakt zur Neuen haben darf. Hat auch gut funktioniert, aber das halbe Jahr ist in einem Monat rum. Donnerstag haben wir ein Gespräch zu dritt und bei dem Gedanken daran wird mir ganz anders. Aber denke immer positiv! Die Wunden werden vielleicht nicht heilen, aber du lernst mit dem Schmerz umzugehen!
Von der 50:50-Betreuung würde ich auch abraten. Ich denke nicht, dass es zum Wohle des Kindes ist. Für ein Kind ist es wichtig eine primäre Bezugsperson und EIN Zuhause zu haben. Den Vater kann es ja trotzdem so oft sehen, wie es nur geht. Irgendwann wird das Kind nicht mehr wirklich wissen, wo es nun daheim ist.

LG
mausi1086

Beitrag von babylona 23.03.10 - 11:30 Uhr

Liebe Mausi1086,
vielen Dank für die Aufmunterung. Es hilft wirklich zu wissen, dass man nicht allein ist mit einem solchen Schicksal.
Ich hatte heute noch ein Gespräch mit meinem noch-Mann und mittlerweile sagt er selbst, dass die 50:50-Lösung wahrscheinlich doch nicht die Geeignetste ist.
Wir werden uns irgendwie einigen, da bin ich sicher. Derweil ist meine Kleine so ein Sonnenschein. Ich bin so froh, dass sie da ist. Gleichzeitig tut es so unendlich weh, sie anzusehen und zu wissen, was gerade mit unserem Leben passiert. Ich weiß nicht, wie ich das je verwinden soll. Es ist wirklich der Albtraum meines Lebens. Und ich habe keinerlei Möglichkeiten, heile aus ihm aufzuwachen. Wirklich eine schlimme Zeit.
Also, danke nochmal. Ich hoffe auch, dass die Zeit die Wunden etwas heilen kann.
Liebe Grüße,
babylona