Mutter-Tochter-Beziehung und emotionale Erpressung

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von eule0879 22.03.10 - 12:44 Uhr

Hallo ihr Lieben,

ich weis gar nicht wo ich anfangen soll. Wird sicher ein langer Text, also jetzt schonmal ein Dank an alle, die bis zum Ende durchhalten...

Die Beziehung zu meiner Mutter war schon immer sehr schwierig. Nicht nur für mich, sondern auch für meine vier Geschwister, von denen inzwischen übrigens keiner mehr Kontakt zu ihr hat. Aus mir völlig verständlichen und nachvollziehbaren Gründen!

Meine Mutter hatte ganz sicher kein einfaches Leben. Sie ist jetzt fast 72, war 3x verheiratet und hat sehr viel mitmachen müssen. Was im Einzelenen möchte ich hier gar nicht schreiben. Ich denke es reicht zu erwähnen, dass es schlimm genug war, dass meine Mutter psychisch einige Wunden zurückbehalten hat. Panikattacken, egozentrisches Verhalten, Verlustängste und meiner Meinung nach ein recht realitätsfremdes Weltbild, immer im Mittelpunkt stehen wollen, Aufmerksamkeit auf sich ziehen egal wie etc...

Schon als junges Mädchen hat sie mir gezeigt, wie sehr emotional abhängig sie von mir ist und hat mich damit emotional erpresst. Ich war 13 und im Ferienlager, als sie mir einen Brief schrieb in dem stand, dass sie sich wie amputiert von mir fühle weil ich so weit weg sei (war das erste mal alleine längere Zeit von zu Hause fort) und das es ganz schrecklich für sie sei, dass ich mich noch gar nicht bei ihr gemeldet hätte etc... Da schrieb sie mir auch von den schlimmen Erlebnissen ihrer zweiten Ehe. Hallo? Ich war 13 und musste Dinge lesen, die man heute in schlechten Krimis zu sehen bekommt. Vielen Dank Mama! Ich wusste nicht wohin mit mir, meinen Gefühlen, meinen Schuldgefühlen weil ich jetzt soweit weg von ihr war... Zum Glück hatte ich eine nette Gruppenleiterin, die sich stundenlang mit mir darüber unterhielt und bei der ich meine Ängste und Sorgen loswerden konnte.

So zog es sich durch mein ganzes Leben. Wie oft wollte sie sich umbringen wenn sie im Streit mit meinem Vater nicht weiter wusste mit Argumenten. Sie schloss sich im Gäste-WC ein wo der Medizinschrank war und es war ihr egal, dass ihre kleine Tochter (ich) schreiend und gegen die Tür hämmernd draussen stand und Angst hatte, ihre Mutter würde sich etwas antun. Wie oft ist sie einfach im Streit weggelaufen und mein Vater ist los um sie zu suchen. Ich saß oft weinend auf der Treppe und hoffte, Papa würde meine Mama ganz schnell finden.

Später als mein Vater starb erpresse sie meine Aufmerksamkeit auch häuffiger damit, dass sie Suizid androhte. Ich war nach dem Tot meines Vaters ständig für sie da. Ich war damals gerade 20. Irgendwann übermannte mich der ganze Stress (hab meine eigene Trauer verdrängt um für Mutter da zu sein) und es kam bei mir zur ersten Panikattacke. Hatte das dann eine ganze Weile sehr sehr schlimm, dass ich nichtmal mehr alleine einkaufen gehen konnte, geschweigedenn alleine eine Nacht in meiner Wohnung verbringen etc.. In dieser Phase hatte meine Mutter einen neuen Partner und sie hat mich hängen lassen. Ich seih doch nocht totkrank hat sie gesagt! Sie bereut das inzwischen, vergessen kann ich es dennoch nicht.

Irgendwann hatte ich dann auch ein halbes Jahr keinen Kontakt mehr zu ihr, weil ich nicht mehr konnte. Sie bombadierte mich mit Briefen, in denen sie mir immer wieder durch's Hintertürchen vorwarf, dass ich zu wenig Zeit für sie hätte.

Sie ist seit dem Tot meines Vaters sehr einsam. Meiner Meinung nach.. selber SChuld! Sorry.. sie hat nie gelernt sich einen Freundeskreis aufzubauen, da sie immer einen Partner hatte. Ich habe ihr schon so oft Möglichkeiten aufgezeigt, die sie in Angriff nehmen könnte. Von der Gemeinde im Ort gibt es viele Aktivitäten. Aber sie meint, da geht eh niemand hin und das will eh keiner. Das ist nur ein Beispiel von ganz ganz vielen. Meiner Meinung nach ist sie die Einzige, die das nicht will! Sie schafft es selbst nicht, sich einen Freundeskreis aufzubauen (bis auf einige Brieffreundinnen und eine Freundin zu der sie ab und zu zum Kaffee geht) und jammert mir ständig die Ohren voll, wie einsam sie doch wäre und das sie oft betet am nächsten morgen nicht mehr aufzuwachen, damit sie endlich Ruhe und Frieden hat.

Seit 3 Monaten habe ich einen neuen Partner. Vorher bin ich ab und zu am Wochenende mal zum Essen zu ihr gefahren. Das habe ich jetzt die letzten 3 Monate nicht mehr gemacht, da ich meinen Partner nur am Wochenende sehe. Bin dafür dann halt mal unter der Woche hin. Aber natürlich weniger. Denn.. als ich ihr erzählte, dass ich einen neuen Partner habe (hab auch grad ne ziemliche Sch...... hinter mir, lebe in Scheidung etc...) war ihr erster Kommentar: "Na toll, dann habe ich ja jetzt gar nichts mehr von dir!" (in weinerlicher Stimme)

Statt sich mal zu freuen für mich, geht es wieder einmal nur um sie und ihre Bedürfnisse. Da war ich schon wieder so wütend (Stichwort emotionale Erpressung), dass ich schon kaum mehr Lust hatte zu ihr zu fahren. Seitdem bombadiert sie mich ständig mit Briefen in denen sie mir vorhält, dass andere Töchter und Söhne ihre Mütter auch öfter mal abholen und sich um sie kümmern, obwohl sie berufstätig sind etc.. Und sie wäre ja auch immer Arbeiten gewesen und hätte trotzdem Zeit gehabt für ihre Eltert und ihre Kinder und und und ... Was das mit anderen Worten heissen soll, muss ich hier glaube ich nicht schreiben. Aber wenn ich sie drauf anspreche verstehe ich das natürlich alles total falsch und das sind keine Vorwürfe. Ich sei nur einafch nicht so belastbar und sie wüsste ja gar nicht woher ich das habe, sie hätte schliesslich auch gelernt zu kämpfen und wenn das nicht so gewesen wäre, wäre sie heute nicht mehr am Leben. Grrrrrrrrrrr

Gestern schrieb sie mir, dass ich für andere Leute viel mehr Zeit hätte als für sie und wieder der indirekte Vorwurf, dass andere Töchter und Söhne sich mehr kümmern. Sie müsse sogar schon draussen lügen wenn sie gefragt würde, wo sie über die Feiertage (Weihnachten, Ostern) gewesen sei, damit sie sich nicht schlecht fühlen müsse den anderen gegenüber. Denn die würden ja schliesslich öfter als nur einen Tag (wie ich das immer mache) geholt oder besucht.

Heute schreibt sie mir dann, dass sie seit Monaten nicht geduscht oder gebadet habe, weil sie nicht mehr aus der Wanne kommt. Aber weil ich ja soo im Stress sei, würde sie mich damit nicht belasten wollen.

Ja ne is klar... Was tut sie denn damit bitte? Sie wirft mir indirekt vor, dass ich mich nicht um sie kümmere. Aber sorry, selbst wenn ich die Zeit hätte, ich würde sie dennoch nicht pflegen. Könnte ich gar nicht. Da muss sie sich bitte einen Pflegedienst suchen.

Und klar, ich bin viel unterwegs, arbeite lange und muss nach der Arbeit immer erstmal Heim, weil ich meinen Hund versorgen muss etc... Da bleibt wenig Zeit, aber ich könnte es nat. öfter einrichten zu ihr zu fahren. Aber ich will nicht. Weil sie mich wütend macht, mir ständig ein schlechtes Gewissen einredet und ich doch zu ihr fahren möchte, weil ich es WILL und nicht weil ich ein schlechtes Gewissen habe. Hab schon wieder Ohrensausen und häufiger Panikattacken, weil mich das alles ziemlich unter Druck setzt. Am liebsten würde ich den Kontakt abbrechen, weil es mir einfach überhaupt nicht gut tut. Aber ich kann nicht.. Ich bin die letzte ihrer Kinder die noch Kontakt zu ihr hat und kann sie doch nicht im Stich lassen? Andererseits macht sie mich krank. Ernsthaft! Das was ich hier geschrieben habe ist nur ein klitzekleiner Ausschnitt aus einem großen Ganzen, ich könnte ewig so weiter machen. Ich kann langsam nicht mehr.. Kennt das einer von euch? Was würdet ihr tun?

Ihr zu sagen, dass ich nur noch zu den Feiertagen komme und wir z. B. einmal die Woche telefonieren und ansonsten nichts.. funktioniert nicht. Habe ich auch schon versucht. Sie hält sich nicht dran. Dann werde ich wöchentlich mit Jammerbriefen bombadiert.....

LG eule

Beitrag von dore1977 22.03.10 - 13:00 Uhr

Hallo,

Du schreibst das Du die einzige bist die noch Kontakt hat ? Weiso ist das wohl so ?

Was ich tun würde ? Ihr all ihre Briefe ungeöffnet zurück schicken und mir eine andre Telefonnr zulegen. Sie kann Dich nur so lange "Erpressen" wie Du es zu lässt. Es ist Zeit erwachsen zu werden !
Nur weil Deine Mutter über 70 Jahre alt ist, ist das kein Freibrief für schlechtes Benehmen.

Du merkst doch selbst das es so nicht weitergehen kann und Du merkst ebenfalls das Deine Mutter sich nicht an Abmachungen hällt zB nur einmal die Woche besuchen usw....

Du solltest mal an Dich denken. Schick ihr die Briefe einfach zurück, bzw sag dem Briefträger Du nimmst sie nicht mehr an.

LG dore

Beitrag von jeannylie 22.03.10 - 13:03 Uhr

Hallo Eule,
ich kenne das selber nicht, nur in abgeschwächter Form, aber ich denke Du hast das verhaltensmuster schon sehr gut erkannt.
Bevor ich irgendetwas sage, bitte ich Dich Dir das Buch "Emotionale Erpressung" von Susan Forward zu besorgen. Ich habe es selber gelesen und es ist m.E. Gold wert. Kostet 10 € die sind bestens angelegt!

Zu Deiner Mutter.
Ich glaube instinktiv hast Du gut erkannt wie das "echte" Leben so läuft. Deine Geschwister haben sicher auch nachvollziehbare Gründe warum sie nicht mehr mit Deiner Mutter sprechen.
Eins sollte Dir aber bewusst werden; zu einer Erpressung gehören immer zwei. Der, der erpresst und der sich erpressen läßt!
Du bist in diesem Kreis gefangen und läßt Dir Schuldgefühle machen. Irgendwie leuchtet Dir ein dass es anders laufen müßte, trotzdem fühlst Du Dich "angegriffen".
Deine Mutter hat wahrscheinlich nur eine Chance wenn Sie eine Therapie macht. Offensichtlich ist in Ihrem Leben ja von Anfang an einiges falsch gelaufen.
Ob Sie die macht?
Nur Du kannst den Kreislauf durchbrechen, indem Du sie vor vollendete Tatsachen stellst wie Du Dein Leben zu führen gedenkst. Sie MUSS damit leben.
Entweder lernst Du das die Vorwürfe an Dir abprallen, oder Du tanzt weiter nach Ihrer Pfeife. Viele andere Möglichkeiten hast Du nicht. Außer natürlich den Kontakt auch abzubrechen. Man könnte es DIr nicht übel nehmen. Für Deine Mutter wird es allerdings wohl nichts bewirken, denn wenn Sie schon nicht abgeshrekct hat dass Deine restlichen Geschwister nicht mehr mit Ihr reden, dann wird es bei Dir kaum anders sein.
Du mußt dich fragen ob Du das willst.

Ich kann Dir nur raten befreie Dich von den Machtspielchen. DIeses Thema ist recht umfangreich, ich empfehle Dir wirklich das o.g. Buch, das hilft verstehen und beim loslegen.

LG
Jeannylie

Beitrag von eule0879 22.03.10 - 14:54 Uhr

Hey Jeannylie,

das Buch kenne und habe ich, danke für den Tipp. :-) Leider hat's mir nicht soweit geholfen, dass ich mich da ganz draus befreien konnte. Es hat mir aber die Augen geöffnet und dem Problem mit meiner Mutter einen Namen gegeben, nämlich "Emotionale Erpressung". Das allein hat mir schon viel gegeben.

Ich glaube um mich da ganz von zu lösen muss ich den Kontakt abbrechen. Ich denke ich werde wohl nie ein Stadium erreichen, in dem ich zwar den Kontakt halten kann, mir die Vorwürfe aber egal sein werden und mich nicht berühren werden.

LG/ Eule

Beitrag von voldemorts-witwe 22.03.10 - 13:11 Uhr

Hallo Eule,

lass dich#liebdrueck.

Als erstes mach dir klar:

"Du bist definitiv NICHT für deine Mutter und deren Leben verantwortlich!!!!"

Sie erpresst dich mit ihrem Verhalten und es zerreisst dich. Du bist ein eigenständiger Mensch ebenso wie deine Mutter einer ist.

Sie missbraucht dich und hat dir seelische Schmerzen und Schäden zugefügt.

Suche dir eine/n gute/n Therapeutin/en und löse dich von deiner Mutter.

Es ist DEIN Leben und du schuldest in keinster Art und Weise deiner Mutter irgendetwas.

Sie ist ja auch nicht für dich da sondern verfügt nur über "Nehmerqualitäten."

Ich wünsche dir alles erdenklich LIebe und ganz viel Kraft!!!!!

LG

Beitrag von eule0879 22.03.10 - 14:57 Uhr

Huhu,

eine Therapie habe ich damals nach dem Tod meines Vaters gemacht über 2 Jahre. Ich bin dorthin wegen meinen Panikattacken und es kristalisierte sich immer mehr heraus, dass diese schon weit in meine Kindheit zurückgehen und das meine Mutter der Stein des Anstosses war... Ich bin zwar durch die Therapie in der Lage jetzt besser mit den Ängsten umzugehen, meine Mutter verfolgt mich aber nach wie vor. Immer mal wieder. Eine Zeit lang hat es gut funktioniert, dann wieder gar nicht. Das ist immer wie bei einer Achterbahn. Mal rauf, mal runter...
Ich habe das nötige Werkzeug an der Hand (sprich das Wissen).. ich muss nur schaffen es umzusetzen. Ach das schreibt sich alles soooo leicht.......

LG/ Eule

Beitrag von indochine 22.03.10 - 13:15 Uhr

Hallo Eule,

ich kann Deine Situation sehr gut nachvollziehen. Ich versuche seit nunmehr fast 20 Jahren mich von meiner Mutter zu distanzieren. Seit einem Jahr ziehe ich es rigoroser durch. Nichts ist schlimmer als seelische Erpressung, permanent wird einem ein schlechtes Gewissen gemacht und wenn es darauf ankommt sind andere doch besser.
Löse Dich, vor allem emotional. Du bist nicht für das Leben Deiner Mutter verantwortlich. Nur sie kann an der Situation etwas ändern. Rede mit ihr, aber das wird sie nicht zulassen. Denn - sie fühlt sich wohl in der Opferrolle, denn jammern ist so einfach, denn dann muß man nichts ändern, dann sind die Anderen Schuld. Für sie ist dies einfach und bis jetzt ist sie damit ja auch immer durchgekommen.
Führe Regeln ein, z.B. für das Telefonieren, wenn sie sich nicht daran hält, dann tue dies für Dich. Setze ganz klare Grenzen! Und wenn Sie schmollt, ziehe Dir den Schuh nicht an. Sage Dir, es ist ihr Leben! Wenn Sie unglücklich sein will, bitte, dann soll sie es sein.
Wenn Du die Briefe nicht willst, schicke sie zurück oder wenn Du das nicht willst, weil zu hart, suche Dir einen Ort wo Du sie ungeöffnet aufbewahrst. Ich rate Dir jedoch dazu, sie ungeöffnet zurück zu senden, sonst holen Dich diese Sache in ein paar Jahren wieder ein, wenn Deine Mutter nicht mehr ist. Belaste Dein Leben nicht mit den Problemen Deiner Mutter. Du hast das Recht auf ein eigenes Leben.
Ich wünsche Dir viel Kraft und Du schaffst das, wenn Du es willst.
LG
Indochine

Beitrag von eule0879 22.03.10 - 15:00 Uhr

Hallo Indochine,

ich finde es gut, dass du das durchziehst. Ich weis, dass es besser ist und das es auch für mich besser wäre. Ich weis nicht warum ich mich so arg verpflichtet fühle. Warscheinlich weil es A) meine Mutter ist und B) ich das einzige Familienmitglied bin, dass noch Kontakt hat. Andererseits hat das ja auch einen Grund und warum soll ich mich jetzt aufopfern, nur weil die anderen sich bereits aus der Affaire gezogen haben (mit gutem Grund)???

Die Briefe sende ich dann wohl wirklich besser zurück, sonst öffne ich sie doch eines Tages und damit tu ich mir gar nicht gut. Ich wünschte ich könnte das miese Gewissen einfach abstreifen und ihr sagen, dass sie mich in Ruhe lassen soll. Ein für alle mal. Ich bin nicht dafür zuständig ihr Leben in den Griff zu bekommen und angenehmer zu machen. Sie ist meine Mutter. Sollte es nicht eher andersherum sein, dass Mütter für ihre Kinder da sind???

LG/ Eule

Beitrag von ************ 22.03.10 - 17:08 Uhr

Hallo,

was du über deine Kindheit und Jugend schreibst - genauso hab ich es auch erlebt, bis ins Detail.

Die Selbstmordandrohung, das nächtliche Wegfahren meiner Mutter und ich, die ich unendlich erleichtert war, sobald sie wieder da war (weil ich nie wusste, ob sie sich nicht in dem Moment was antut).
Nächtelange Gespräche mit meiner Mutter, als ich so 12,13 Jahre alt war - und sie niemanden hatte - also musste ich herhalten als Trösterin. Es ging um Probleme mit meiner Oma (die im Haus gewohnt hat und mit der sie sich jeden Tag gestritten hat) und mit meinem Vater.
Ich saß stundenlang mit ihr im Badezimmer und hab versucht, ihr durch Gespräche zu helfen - weil ich mal gehört hatte, dass es hilft, wenn sich jemand mal so richtig "ausheulen" kann.

Meine Mutter hatte keine Freundin, sie hatte eigentlich niemanden, außer mir. Deshalb hat sie mich wohl auch missbraucht - seelisch. Denn für mich ist das ein ganz klarer seelischer Mißbrauch, was sie damals mit mir gemacht hat.

Es hat dazu geführt, dass ich selbst mit 18, 19 dann Selbstmordgedanken hatte und das Gefühl hatte, ich ertrage es nicht mehr. Ich habe dann meinen Mann kennen gelernt und er und mein christlicher Glaube haben mir geholfen, dass ich aus meinem Leben etwas machen konnte. Aber es war oft genug kurz davor, dass ich mir was angetan hätte.

Heute kann ich - nach vielen langen wirklich harten Jahren - einigermaßen gut damit umgehen. Der erste Schritt war, zu erkennen und anzunehmen: Das war Missbrauch, und es war NICHT in Ordnung was sie mit mir gemacht hat. Eltern müssen in dieser Phase für ihre Kinder da sein und nicht umgekehrt. Ich hatte eine schwere Pubertät und hätte meine Eltern sehr gebraucht. Weder mein Vater noch meine Mutter waren für mich da, stattdessen musste ich für meine Mutter da sein.

Ein Stück weit hat mich diese Erkenntnis befreit. Dass ich nicht schuld bin, nichts falsch gemacht habe. Dass ich damals gar nicht anders konnte als ihr zuzuhören und zu versuchen, ihr zu helfen. Dass ich mich damals gar nicht abgrenzen KONNTE (ich hab mir das später oft vorgeworfen, dass ich nicht "Nein" gesagt habe, als sie mit mir so geredet hat - wie sie sich am liebsten umbringen würde etc.). Aber das darf man von einem Kind nicht erwarten.

Heute grenze ich mich so gut es geht ab. Sie hat sich zum Glück auch geändert, ist also nicht mehr ganz so heftig wie damals. Trotzdem geraten wir noch häufig aneinander und unsere Beziehung ist nicht unbelastet.

Ich kann dir nur raten, dich so gut es geht abzugrenzen - mit sämtlichen Hilfen die du kriegen kannst, am besten mithilfe einer Therapie. Du glaubst nicht, wie unheimlich gut es dir auf einmal geht, wenn du es geschafft hast. Das ist wie ein neues Leben.

lg
K.

Beitrag von eule0879 22.03.10 - 17:22 Uhr

Hallo liebe K.,

eine Therapie habe ich ja schon gemacht. Leider hat es mir nicht geholfe mich von ihr zu lösen. Wohl aber habe ich dadurch erkannt, dass meine Mutter mein allergrößtes Problem bezüglich der Panikattacken ist und das auch sie mich emotional Misbraucht und erpresst hat und es heute noch tut. Eine Zeit lang konnte ich mich da gut abgrenzen. Das ging aber nur durch totalen Kontaktabbruch. Die letzten Jahre habe ich das nicht mehr geschafft, weil ich eben das einzige ihrer 4 Kinder bin das noch Kontakt zu ihr hat und weil sie ja nun auch älter geworden ist und mein Vater seit 10 Jahren tot ist. Sie sagt ja immer: "Kind, du bist das einzige was mir noch geblieben ist!" Unterbewusst prägt sowas ungemein musste ich feststellen.

Ich denke eine weitere Therapie wird mich nicht wirklich weiterbringen in meinen Erkenntnissen. Ich weis, dass ich mich davon lösen muss und ich weis, dass einzig und allein ein Kontaktabbruch dazu führen wird, dass es mir wieder besser geht. Doch ich weis auch wie penetrant meine Mutter sein kann und das sie mir auch nach Jahren noch Briefe schreiben wird. Erst viell. einen lieben und wenn ich darauf nicht reagiere einen bitterbösen, sehr verletzenden. Ich hoffe ich werde dann die Kraft haben die Briefe nicht zu öffnen und sie zu zerreissen, oder ihr zurückzuschicken. Alles andere macht mich nur wieder fertig. Hab auch schon Depressionen hinter mir und neige nunmal dazu. Du kennst das ja dann selbst nur gut genug.... :-(

Ich denke auch es wäre sehr befreiend für mich, wenn ich mich endlich darauf lösen könnte. Als ich noch in Trennung lebte von meinem Mann (insgesamt gut 1.5 Jahre) war alles gut mit meiner Mutter. Ich habe funktioniert und war am Wochenende ab und zu mal bei ihr. Da war sie friedlich. Jetzt bin ich 3 Monate mit meinem Partner zusammen und schon flippt sie wieder aus und hat es jetzt in den 3 Monaten schon geschafft, mich wieder an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Ich muss da ganz schnell einen Riegel vorschieben, denn es wird nicht besser werden, eher noch schlimmer. Und ich bin es, die dabei wieder mal auf der Strecke bleiben wird.....

LG / auch K. :-)

Beitrag von kleine_blume 22.03.10 - 21:42 Uhr

Hey liebe Eule,

es tut mir sehr leid, dass du schon so lange unter deiner Mutter leiden musst und ich finde, du hast ein unglaublich großes Herz und Loyalitätsgefühl ihr gegenüber, dass du noch zu ihr hälst und nicht wie deine Geschwister den Kontakt abgebrochen hast.

Trotzdem denke ich, geht es deinen Geschwistern wahrscheinlich besser damit, weil sie ansonsten nur noch mehr gelitten hätten.

Was mir bei eurem Verhältnis auffällt... Machtspiele deiner Mutter, sie zieht dich in die Verantwortung für sich und weist dir fast schon die Rolle einer "kümmernden Mutter" zu... Du hast sehr viele Symptome, welche auch sie hatte als Reaktion auf ihre Lebensgeschichte (Panikattacke)...
Vieles, was du bei deiner Mutter beschrieben hast, passt zu den Diagnosekriterien einer "Borderline-Störung" - ich nehme an, sie ist/war nie in psychologischer Behandlung?
Das problematische daran ist, dass diese Störung vor allem für die Angehörigen, sowie du es erlebst, zerstörerisch ist, weil Betroffene ihnen Schuldgefühle einreden, sie schwarz/weiß wahrnehmen und mit Suiziddrohungen spielen, wie es ihnen recht ist.

Ich denke, du kannst nur eins tun - denn deine Mutter wirst du nicht ändern können: Setze an deinen Möglichkeiten an!
1) Begib dich in Therapie, denn mittlerweile hast du 20-30 Jahre furchtbare Erlebnisse mit deiner Mutter aufzuarbeiten
2) Falls du dich nicht ganz von ihr lösen willst, setze ihr die Grenzen (Feiertage/wöchentlicher telefonischer Kontakt)
3) Öffne KEINE Briefe, geschlossen zurückschicken
4) Sage ihr, dass du sofort auflegst (Tel) oder das Zimmer verlässt, wenn sie dich emotional erpresst - und tue das auch, sobald sie anfängt... und zwar konsequent, egal wie sehr sie heult/droht etc.... es gibt unterschiedliche Suizidabsichten... und einer davon ist appellativ und demonstrativ..... und du BIST NICHT dafür verantwortlich, ob sie sich hilfe sucht oder nicht

Ich wünsche dir ganz ganz viel Kraft.

alles liebe
#blume

Beitrag von eule0879 22.03.10 - 22:22 Uhr

Hallo kleine Blume,

meine Mutter hat div. Therapien gemacht. Allerdings hat sie diese immer "gegen mich" verwendet. Sie hat leider nie die Familie mit in die Therapie einbezogen. Ich weis nicht, ob sie das nicht wollte, oder ob die Therapeuten das nie vorgeschlagen haben.. Jedenfalls kam sie oft Heim und hielt uns allen vor, wie wir uns laut ihres Therapeuten gefälligst zu verhalten haben ihr gegenüber. *grmpf*
Ich hab ihr so oft gesagt, dass ich mal mitkommen möchte zur Therapie, um dort mal meine Sicht der Dinge darlegen zu können. Schliesslich würde ihr das sicher auch helfen. Daraus entstanden dann die üblichen Streits in dem einer von uns (meistens ich) vor Verzweiflung nur noch rumgeschrien hat und dann vom Mittagstisch weggerann ist. Meist hab ich dann stundenlang in meinem Zimmer gesessen und geheult, bis mein Vater zwischen uns "vermittelt" hat. Er konnte die ewigen Streitereien auch nicht ertragen. Wenn ich dann wieder runterkam, tat Mutter so als wäre nichts gewesen und die Probleme wurden unter den Teppich gekehrt.
Borderline.. ja darüber habe ich auch schon nachgedacht. Hab auch mal mit ihrem Arzt gesprochen, aber der hat mich glaube ich nicht wirklich ernst genommen.. :-(

Ich selbst habe schon zweimal eine Therapie gemacht. Ich habe dort zwar erkannt, dass meine Mutter ein Problem für mich ist, aber so richtig davon lösen konnte ich mich bisher dennoch nicht. Ich dachte auch in der letzten Zeit, dass ich einen Weg gefunden hätte mit ihr klar zu kommen. Das war die Zeit wo ich allein ohne Partner war und brav ab und zu am Wochenende zu ihr fuhr. Jetzt habe ich wieder einen Partner und weniger Zeit (sehe meinen Partner halt überwiegend nur am Wochenende und bin ja nun auch noch ganz frisch verliebt) und das geht für sie gar nicht. Sie kann einfach nicht akzeptieren, dass ich mal glücklich bin und sie nicht. Seitdem geht alles wieder von vorne los und sie hat es in 3 Monaten geschafft, dass alles wieder da ist. Der Hass, die Wut, die Schuldgefühle...

Ich glaube für mich kommt wirklich nur ein Kontaktabbruch in Frage. Briefe ungeöffnet zurücksenden werde ich auf alle Fälle machen müssen! Denn ich weis, dass erstmal viell. ein netter Brief kommt. Reagiere ich darauf nicht, werde ich mal wieder einen ganz fiesen, verletzenden und richtig bitterbösen Brief um die Ohren gehauen bekommen. Da könnte ich eine Million drauf verwetten!

Ich hoffe nur ich halte es diesmal durch und breche nicht an Geburtstagen oder Feiertagen wieder ein, weil ich mir vorstelle wie sie einsam zu Hause hockt und traurig ist... Ach man.. was das angeht wäre ich gern einmal im Leben ein wenig kaltschnäuziger...

LG/ Eule

Beitrag von kleine_blume 22.03.10 - 22:55 Uhr

Weshalb genau kannst du dir nicht vorstellen, den Kontakt komplett abzubrechen?

Dass deine Mutter ihre Therapien benutzt hat, um sie euch vorzuhalten (der Therapeut sagt, ihr müsst so und so mit mir umgehen!) ist wirklich traurig. Eines kann ich dir bestätigen: Ein Therapeut, ein guter Therapeut (das sind dann leider nicht alle) würde ihr sowas nie sagen; erst recht nicht einer Borderlinerin (sollte diese Diagnose stimmen). Borderliner sind sogar gefürchtete Patienten, weil sie so manipulativ sind. Aber das ist eine andere Sache.
Deine Mutter hat natürlich durch ihr Krankheitsbild (egal welches - Depression, Angstzustände, Psychose) ein verzerrtes Wahrnehmungsbild von sich und ihrer Umwelt - sie ist eben krank. Aber das entschuldigt nicht, dass Du schon soviele Jahre darunter leidest.
Du sagst, zwei Therapien hast du versucht? Darf ich fragen, in welchem Alter, wie lange und mit welchen direkten "Erfolg"? Wie lange ist die letzte her?

Alles liebe #blume

Beitrag von eule0879 23.03.10 - 11:36 Uhr

Na ich habe die Befürchtung, dass ich an ihrem Geburtstag und an Feiertagen ganz schrecklich traurig sein werde, weil sie mir dann besonders leid tut und ich mir vorstelle, wie sie da jetzt einsam zu Hause hockt, an Hl. Abend, Ostern, Geburtstag... Weil sie ausser mir dann wirklich gar keine Familie mehr hat. Ich weis es ist völlig bescheuert, aber der Gedanke zerreisst mich fast. Ich muss mich davon lösen, ich weis....

Ich weis ja nicht, was die Therapeuten meiner Mutter erzählt haben. Ich weis nur, wie sie es zu Hause ausgelegt hat. Ich kann mir ehrlich kaum vorstellen, dass ein Therapeut der uns als Familie gar nicht kennt solche Aussagen trifft.

Ich habe kurz nach dem Tod meines Vaters eine Gesrpächstherapie über 2 Jahre gemacht. Hat mir schon sehr geholfen bezüglich meiner Angstzustände. Wir haben allerdings die meiste Zeit über meine Mutter gesprochen. Habe dann 2008 nochmal eine Therapie angefangen, hab aber nur ein halbes Jahr durchgehalten. War mir mit neuem Job etc.. alles zuviel und ich hab abgebrochen. Bei der ersten Therapie war ich 20, bei der zweiten 28.