Kann Kinderwunsch den Menschen wirklich so verändern...?

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Beitrag von sumsifast 22.03.10 - 14:51 Uhr

Hallo ihr Lieben!

Ich bin gerade so enttäuscht von mir und der Situation in der wir uns befinden. Jetzt sitzte ich da an meinem Schreibtisch total verheult und heule und schluchze noch immer vor mir her. Während unseres Kinderwunsches in den letzten 7Jahren haben wir so viel erlebt und irgendwie scheint es mir als säßen wir in einer Spirale fest. Mal geht es uns gut, dann kommt wieder etwas daher und meine Lebenslust ist mit einem Schlag davon.

Es sind oft nur Kleinigkeiten, aber ich fühle mich von meiner Umwelt so unter Druck gesetzt, dass diese Kleinigkeiten genügen um voll aus der Haut zu fahren. Ich frage mich, kann der Kinderwunsch einen Menschen wirklich so sehr verändern? Ich war immer lebenslustig und fröhich, ständig gut gelaunt. Jetzt, bin ich meist traurig, weine oft am Abend und verkrieche mich in meinem Büro.

Das Dilemma in dem ich mich zurzeit befinde hat am Samstagabend begonnen. Mit jeder Stunde hat sich alles aufgeschauckelt und mit heute seinen Höhepunkt erreicht. Es ist sogar so schlimm, dass ich den Termin am Do im Kiwi-Zentrum abgesagt habe - auf diesen Termin habe ich jetzt drei Monate gewartet und jeden Tag darauf hingefibert. Es sollte ein Gentest gemacht werden und die Vorbesprechung für die 3. ICSI sein.
Irgendwie finde ich alles so schlimm, was wir uns an den Kopf geworfen haben und er meinte es käme ihm vor, ich wäre in letzter Zeit schon gerne traurig. Das fand ich so schlimm und wenn ich daran denke kommen mir schon wieder die Tränen. Ich bin doch nicht gerne traurig und gäbe es eine Tablette gegen Kinderwunsch, hätte ich sie schon genommen. Denn der KIWU bringt mich ziemlich stark an meine Grenzen und langsam aber sicher will ich einfach kein Kind mehr wollen. Aber der Wunsch ist soooo tief verankert und meine innere Uhr tickt so wahnsinnig laut, dass ich fast durchdrehe.
Vor gut 10Tagen bin ich zufällig zu einem Telefongespräch von meinem Mann hinzugekommen als er seiner Schwester am anderen Ende alle Einzelheiten über unsere 2 ICSI Versuche erzählt hat. Ich fand das wirklich schrecklich, weil ich finde es geht niemandem etwas an.

Ich fühle mich gerade als hätte ich einen Dolch im Herzen und der wird hin und her bewegt und zerschneidet meine Seele. Keine Ahnung warum ich heute schon wieder so ein Tiefpunkt erreicht habe. Ich würde gerne versuchen mich damit abzufinden. Es gibt genügend Paare, die keine Kinder haben. Aber ich schaffe es einfach nicht. Ich will es nicht wahrhaben, warum es bei uns nicht klappen sollte. Wir hätten noch zwei geförderte Versuche, eigentlich wollte ich die zwei noch machen - jetzt bin ich mir gerade gar nicht mehr so sicher. Ich bin richtig verzweifelt und schon wieder rollen die Krokodilstränen....schluchz....

Wie kann ich es anstellen, dass wir den Termin am Do doch noch wahrnehmen? Irgendetwas sträubt sich in mir einfach zu sagen, okay ich hab es mir anders überlegt. Ich fühle mich total unverstanden - oh Mann ist die Welt grausam....

Habt ihr vielleicht Tipps damit umzugehen? Im Grunde weiß ich ja, dass mein Mann zu mir steht. Aber ich hätte mir halt erwartet, dass er unseren Kinderwunsch über alles andere stellt. Wahrscheinlich ist das total egoistisch - aber was soll ich tun, ich kann nicht über meinen Schatten springen.....heul....

Danke für euer zuhören - ich hab einfach Angst davor, was noch auf uns zukommt.

Alles Liebe für euch,
Sumsi #stern#stern

Beitrag von almond 22.03.10 - 15:00 Uhr

Hola Sumsi,

das hat nix mit Egoismus zu tun;-). Und selbst wenn-man muß auch mal egoistisch sein.
Mir ging es ähnlich.
Ich schreib Dir eine PN.

almond

Beitrag von chayenne1973 22.03.10 - 15:02 Uhr

hach menno, ich kenn dich zwar nicht aber fühl dich mal mega gedrückt.

und sei deinem Menne nicht böse das er mit seiner Schwester gesprochen hat, Männer verarbeiten so Situationen halt anders als wir, und vielleicht brauchte er in grad diesem Moment jemanden zum Reden.

Ich denke schon das uns das verändert, dieser Wunsch nach einem Kind, bei einem ist es halt das erste, bei anderen ein weiteres Kind was auf sich warten lässt, das macht glaub ich keinen großen Unterschied, jeden Monat wenn die Mens eintrudelt dieses Gefühl als würde es einem den Hals zuschnüren und man ist den Tränen nahe wieso und weshalb es nicht funktioniert und man nicht schwanger wird. Einige stehen noch am Anfang der Behandlungen und andere haben schon so viele Niederlagen hinter sich, aber geb nicht auf.

Aber weißt du was, dein Wunsch ist so stark, nimm den Termin wahr wenn du schon so lange drauf gewartet hast, wer nicht wagt der nicht gewinnt, und du wirst sehen es kommen auch wieder bessere Zeiten, jeder hat mal ein Tief, aber verkriech dich nicht, schnapp dir deinen Mann und rede, rede, rede, denn dein Verkriechen macht es vielleicht nur schlimmer, hast du nicht ne gute Freundin oder so, eine die einfach nur mal zuhört und keine dummen Kommentare los lässt?!

Hach ich wünsch dir alles Liebe, lass bitte den Kopf nicht hängen

GGGGGLG Christiane

Beitrag von wort75 22.03.10 - 15:21 Uhr

Tut mir leid für dich. meine freundin ist in derselben situation. ich fühle mit ihr.

nur in einem punkt möchte ich dir was sagen - ansonsten bin ich sicher nicht die richtige, um zu helfen oder zu trösten.

also. männer gehen mit situationen ganz anders um. wenn es geht, dann am liebsten technisch. dass dein mann also seiner schwester (also immerhin einer nahen vertrauten) euren 2. icsi versuch so detailiert beschrieben hat ist verständlich. er geht es technisch an, verarbeitet es so besser. für ihn geht es nicht um deinen körper, wenn er etwas so genau beschreibt, sondern um die technisch, die hight-tech und das ganze dahinter. das ist ein sehr männliches verhalten. das musst du nicht mit unseren sehr weiblichen, weichen gedanken vermischen.
schau, ich glaube, während er etwas beschreibt, hast du das gefühl, es würde über deine oder eure "unzulänglichkeit" gesprochen. aber das ist unsinn. er sieht das bestimmt nicht so. aber glaub mir, während mein opa im sterben lag und wir alle so ums bett sassen redeten alle männlichen verwandten darüber, ob die steckdose eigentlich all den technischen geräten gewachsen ist... und wir frauen fanden das furchtbar... aber die männer haben einfach auf ihre art versucht, mit der situation fertig zu werden...
unsere rückblicke auf opas leben, unsere gebete und erinnerungen hat dafür sie gequält. männer sind anders. und das ist auch gut so...

und ein ganz letzter punkt: ruf an und mach den do-termin wieder fix. sag einfach: meine nerven haben verrückt gespielt, seit wochen lebe ich für diesen termin - bitte nehmen sie michwieder auf. du bist nicht die erste, die so was macht, glaub mir.

Beitrag von kieselchen77 22.03.10 - 16:22 Uhr

Hallo Sumsi,

Deine Worte haben mich sehr bewegt - sie drücken genau meine Gefühle aus, nach 8 erfolglosen Versuchen.

Ich finde es durchaus o.k. wenn Dein Mann mit seiner Schwester darüber gesprochen hat. Wir Frauen suchen uns doch auch Menschen, ob bei Urbia oder im Freundeskreis, mit denen wir das besprechen.
Laß ihm ein wenig Luft, die Sache zu verarbeiten.

Und nimm den Termin wahr. Dein KiWu ist noch viel zu stark, Du willst noch nicht aufgeben.
Ich weiß, irgendwann werden wir spüren, wann wir aufgeben müssen. Dieser Zeitpunkt ist noch nicht gekommen.

Fühl Dich umarmt, hole tief Luft und dann geht´s weiter.

Alles Gute,
kieselchen

Beitrag von kra-li 22.03.10 - 16:41 Uhr

Dein Mann hat das seiner Schwester nicht erzählt um euch zu verpetzen sondern weil er auch mal mit jemandem außenstehenden reden muss, für ihn ist das auch schwer...
Ich war am Do mit mein Mann im KIWUZE 1.Termin, seit Mai 2006 werden wir nicht schwanger, da hat er der Ärztin lang und breit erklärt, das es nicht klappt und wir wissen wollen warum und das er ja so krank ist und bald an die dialyse muss und eigentlich kein kind mehr will und er nur meinetwegen hier ist...da habe ich auch fast geheult, klar will er nicht sosehr wie ich, aber das muss er der ärztin doch nicht sagen...
jedenfalls musst du dich um deinen mann kümmern, für ihn ist das schwer das das mit dem kind nicht klappt und das er dich so leiden sieht, und dann will er vielleicht kein kind mehr weil er sieht wie du an der ganzen situation jetzt kaputt gehst, du darfst auch nicht dein ganzes leben dafür opfern, du muss auch andere sachen machen-Hobbys, Ausgehen, Urlaub...

Beitrag von daisydonnerkeil 22.03.10 - 17:54 Uhr

Hallo,
zum einen finde ich es einen klugen Reflex, den Termin abzusagen. In der aktuellen Situation scheint es angebrachter zu sein, Euch um Eure Beziehung zu kümmern. Es macht keinen Sinn, den Kinderwunsch voranzutreiben, wenn die Beziehung eine Schieflage hat.

Zum anderen bin ich große Verfechterin davon, dass man mit der KiWu-Behandlung offen umgehen sollte. Dass du es deinem Mann übel nimmst, dass er sein Herz bei seiner Schwester ausschüttet, kann ich daher nur schwer nachvollziehen. Ich glaube, dass sich der Kummer, den man durch den unerfüllten Kinderwunsch mit sich herumschleppt, besser ertragen lässt, wenn man ihn nicht in der Beziehung einschließt. Ich glaube nicht, dass mein Partner meine Ängste, Bedenken und meine Trauer (wir hatten eine FG nach der ICSI) alleine hätte auffangen können.

Rückschläge sind nichts schlechtes, es kommt nur darauf an, dass man sie zum wachsen nützt. Ich denke, ihr müsst Euch dringend mal zusammen setzen und den anderen auf den neuesten Stand bringen, was die eigene Gefühlslage betrifft. Du kannst nicht erwarten, dass dein Mann genauso tickt wie du. Klärt, ob Ihr noch das Gleiche wollt, auf gleichen Wegen, zum gleichen Zeitpunkt und wenn nicht, wo und wie man sich trifft.

Am Ende hilft immer nur: reden, reden, reden.

Alles Gute,
Da.



Beitrag von sonnen_schein 22.03.10 - 20:58 Uhr

Hallo Sumsi,

erstmal #liebdrueck. Leider kann ich dir keinen Rat geben, sondern wollte dir nur schreiben, dass du nicht alleine bist. Habe mir gestern meine ganzen alten Beiträge hier bei urbia durch gelesen und hab gedacht, was war ich doch damals für eine lebensbejahender, fast immer positiv denkender, lustiger Typ. Was heute aus mir geworden ist, kann ich gar nicht beschreiben. Mir kommen schon wieder die Tränen, wenn ich nur daran denke, wie kaputt ich innerlich bin, welche Belastung ich für meinen Mann bin, der immer alles abkriegt an Frust, schlechter Laune, Wut, Zorn, Neid........
Wie gesagt, ich hätte selbst gern einen Tipp um mein Leben wieder etwas in den Griff zu kriegen.
Früher hab ich immer voller Überzeugung den Satz "Alles wird gut" sagen können, der kommt mir schon seit langer Zeit nicht mehr über die Lippen.

Traurige :-( Grüße von Anke

Beitrag von freyjasmami 22.03.10 - 20:59 Uhr

Oh ja, das tut er!

Jeder geht damit anders um und dementsprechend verändert sich jeder anders dadurch.

Viele Frauen fühlen sich von ihren Männern unverstanden in dieser Situation.
Umgekehrt geht es den Männern genauso.
Oft sind die Männer nicht ganz so vehement in dem Wunsch nach einem Kind.
Irgendwann fragen sie sich:
Reiche ICH denn meiner Frau nicht aus? Kann sie "nur" mit MIR nicht glücklich werden?

Ich denke darüber solltest Du einmal nachdenken. Vllt. auch mal überlegen wie Du Dich fühlen würdest.

Ja, ich weiß der Spruch ist doof und abgelatscht, aber noch hast Du Zeit. Deine Uhr tickt sicher für Dich schon laut, andere fangen aber erst viel später an überhaupt erst für ein Baby zu üben.
Rein biologisch ist also alles noch im grünen Bereich bei Dir.

Bei uns ließ damals das zweite Muckelchen auf sich warten.
Mein Mann war doch recht "entspannt", weil wir ja eben schon eine Tochter hatten.
Allerdings wuchs er in einer kompletten Familie mit einer Schwester auf.
Ich war Einzelkind und meine Mutter war alleinerziehend. Irgendwann lernte sie meinen Stiefvater kennen, ich hab ihn aber bis heute noch nie als Vater gesehen. Mit 14 wurde ich Schwester, mit 17 zog ich aus. Geschwisterverhältnis gibt es so gesehen nicht.
Das war für mich ein ganz wichtiger Punkt, warum ich UNBEDINGT zwei Kinder haben wollte.
Und ganz wichtig war und ist es für mich, das meine Kinder mit beiden Elternteilen aufwachsen.

Gott sei Dank hat es nach 3 Jahren doch noch geklappt. Ich weiß nicht was aus mir geworden wäre.
Mich hat es damals total zermürbt. Ich fühlte mich auch von allen unverstanden und allein gelassen.
Die typischen Sprüche die wir alle zur Genüge kennen, hörte ich dauernd.

Ich möchte Dir aber ganz dringend ans Herz legen Dich wieder mit Deinem Mann zusammen zu raffen!
Du willst doch mit IHM ein Kind, oder? Oder bist du mittlerweile an einem Punkt, an dem Du Dir einfach nur noch ein Kind wünschst, von wem ist eigentlich egal?
DANN ist es definitiv für eine Zwangspause um an Eurer Beziehung zu arbeiten.
Wenn es so ist, wie Du beschreibst, dann ist es kein Wunder das Dein Mann sich jemanden gesucht hat, dem er alles erzählen konnte. Ich hätte mich ehrlich gesagt darüber gefreut. Das hätte mir doch mal gezeigt, das er sich auch selbst damit beschäftigt, er auch den Wunsch hat darüber zu reden.
Was soll er denn auch machen, wenn Du nur für Job und Weiterbildung lebst, Dich um die Tiere kümmerst und Dich ansonsten nur im Büro verkrümelst?

Sei ihm nicht böse! Er ist der Mann den Du liebst, mit dem Du den Rest Deines Lebens verbringen willst und der der Vater Deiner Kinder werden soll.

LG und alles Gute,

Linda

Beitrag von ciju 22.03.10 - 21:43 Uhr

Hallo!

Ja!- Der Kinderwunsch kann einen verändern, und die Beziehung dazu. Auch bei mir drehte sich ALLES um den Kinderwunsch- mit einsamen Heulattacken bei jeder neuen Menstruation. Dazu #sex nach Plan- jedenfalls von mir aus, wenn mein Partner nicht wollte, war ich am Boden zerstört. Nebenbei wurden alle Freundinnen schwanger, nur wir nicht. Auch ich hatte 2 Fehlgeburten, die letzte vor 4 Jahren, seither tut sich nichts mehr. Ich bin 5 Jahre älter als du- na ich denke schon, noch ein paar Jahre zum Kinderkriegen zu haben. So, das reicht jetzt aber...

Mir geht es jetzt besser weil ich - neben dem Kinderwunsch- andere Themen in mein Leben geholt habe. Neue Hobbys, berufliche Herausforderungen, Sport. Dazu Yoga, die Bücher von Birgit Zart und so langsam, ganz sachte, schlich sich mehr Gelassenheit in Sachen Kinderwunsch ein. Klar- noch immer brennt der Wunsch, aber ich habe nun auch andere Dinge im Kopf und so zähle ich z.B. nicht mehr die Zyklustage, messe auch keine Temperatur mehr und versuche, meinem Körper die Freiheit zu geben, die er braucht...und nicht meine Kontrollwut, die ich auch in anderen Lebensbereichen so gerne habe;-).

Ich für mich kann sagen, dass Loslassen wichtig ist, um wieder Freude und eine gewisse Leichtigkeit ins Leben zu holen und um aus der absolut fatalen Angst-Kontroll-Spirale zu entkommen!
Es ist nicht alles gut, aber es ist vieles besser geworden.

Ich wünsche dir viel Kraft!
ciju

Beitrag von sumsifast 23.03.10 - 09:14 Uhr

Hallo ihr Lieben!
Ich danke euch allen für eure Antworten. Es tut so gut zu wissen, dass man nicht alleine ist. Das macht zwar die Situation nicht besser, lindert aber etwas den Schmerz.
Viele die in der selben Situation sind verstehen mich ohne weitere Worte. Allen anderen wünsche ich von ganzem, reinen Herzen, dass ihnen diese Gefühlsduschen erspart bleiben. Das Leben ist auch ohne zermürbenden Kinderwunsch anstrengend genug.

Euch allen, alles Liebe - bis bald, hoffentlich mit besseren Nachrichten
Sumsi #stern#stern