Aus der Kirche austreten - Nachteile?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von anis2008 22.03.10 - 20:51 Uhr

Hallo ihr Lieben,

kurz vorweg: Mein Mann, unsere Tochter und ich sind katholisch.
Aufgrund der aktuellen Diskussion um die extrem vielen Mißbrauchsfälle seitens der katholischen Kirche, möchte ich nun aus der Kirche austreten.
Ich weiß bereits, dass unser katholischer Kindergarten alle Kinder aufnimmt und das "Problem" bei der eigenen Beerdigung bereitet mir auch keine Sorgen. Kirchlich geheiratet haben wir schon, also ist das auch kein Thema mehr ;-) Nun möchte ich aber gerne wissen wie es ist wenn wir nun ein zweites Kind bekommen und es taufen lassen wollen. Ist das problemlos möglich? Ich denke eigentlich schon, da mein Mann ja katholisch ist und die Kirche ja kaum ein neues Mitglied ausschlagen wird, oder?! #kratz
Wäre super wenn ihr mal eure schlauen Kommentare abgebt :-p

Vielen Dank!

P.S. Bitte keine Bekehrungen, das fällt auf unfruchtbaren Boden ;-)

Beitrag von hinterwaeldlerin09 22.03.10 - 20:58 Uhr

Hallo,

bin zwar selbst evangelisch, kann mir aber nicht vorstellen, dass einer Taufe etwas im Wege stände, dein Mann ist ja noch in der Kirche...was mich aber mal interessieren würde:

Du trittst wegen der Mißstände aus - verstehe ich total - aber ein Kind würdest du mit der Taufe doch zum Mitglied der katholischen Kirche machen, es würde gewissermaßen "eintreten"...das würdest du machen?

Das verstehe ich nicht.

lg die hinterwäldlerin

Beitrag von syldine 23.03.10 - 08:26 Uhr

mein erster Gedanke -- entweder man mach komplett einen Schnitt oder gar nicht, aber so ein WischiWaschi kommt mir eher ein wenig vor, als ob nach einer Erklärung für den Austritt gesucht wurde und "praktischerweise" die jetzigen Vorfälle gefunden wurden. Nichts für Ungut ;) kann mich ja auch irren

Beitrag von xyz74 22.03.10 - 21:10 Uhr

So ganz kann ich die Inkonsequenz nicht nachvollziehen.
Du willst austreten aber ein weiteres Kind willst Du taufen lassen...

Nachteile:
Solltest Du wieder eintreten wollen, ist das ein ziemlicher Kraftakt.
Das Austreten ist einfacher. Hab das bei einer Bekannten erlebt.

Weiterer Nachteil, Du kannst für andere Kinder keine Taufpatin sein.
Kann auch sein, dass Du bei kirchlichen Hochzeiten nicht mehr als Trauzeugin in Frage kommst, das kann ich allerdings nicht beschwören. Könnte es mir allerdings vorstellen.

Beitrag von manavgat 22.03.10 - 21:12 Uhr

Jeder der im pädagogischen/sozialen Bereich arbeitet, bekommt kaum eine Stelle ohne Kirchenzugehörigkeit!

Probleme gibt es auch bei konfessionellen Privatschulen/Internaten da sie wenn sie trotzdem aufnehmen u. U. ein Vielfaches an Schul-/Internatsgebühren nehmen!

Wenn einem beides egal ist, dann wüßte ich auch nicht, wieso man bei dem Verein bleiben soll.

Gruß

Manavgat

Beitrag von why-is-me-so-dumb 22.03.10 - 22:38 Uhr

Das stimmt so nicht.
Caritas und Diakonie sind zwar mit ca. 50 % der Stellen die größten Arbeitgeber im sozialen Bereich, jedoch legt meist nur die Caritas Wert auf die Zugehörigkeit zum christlichen Glauben.
Wenn man also im pädagogischen oder sozialen Bereich arbeitet, verschließt man sich zwar die Türen zu diesem einen (größten) Arbeitgeber, aber wenn man eh nicht hinter dessen Werten steht, so hat man noch genügend Auswahl bei allen anderen Arbeitgebern...
Aus der Kirche austreten musst Du übrigens beim Standesamt, nicht bei der Kirche selbst. Das kostet je nach Bundesland relativ hohe Bearbeitungsgebüren...

Beitrag von cinderella2008 23.03.10 - 08:39 Uhr

<Jeder der im pädagogischen/sozialen Bereich arbeitet, bekommt kaum eine Stelle ohne Kirchenzugehörigkeit! <

Das ist ja mal kompletter Blödsinn. Meine Tochter arbeitet im sozialen Bereich. Sie hat auch viele Freunde und Bekannte in der Branche. Davon ist kein einziger in der Kirche.

Es gibt schließlich nicht nur konfessionelle Einrichtungen und sogar dort hat sich meine Tochter mit Erfolg beworben. Allerdings hat sie aufgrund der schlechten Bezahlung den Job dann nicht angenommen.

Beitrag von laue_sommernacht 23.03.10 - 08:56 Uhr

Ich kann Manavgat nur Recht geben. Bin Sozialpädagogin und hab so was von keine Chance auf eine Einstellung ohne Zugehörigkeit zu einer christlichen Religion. Klar kann´s nicht Bedingung sein, aber es gibt ja oft nicht nur einen Bewerber. Somit bin ich froh über die Entscheidung meiner Eltern, mich als "Ostkind" zu DDR-Zeiten taufen und konfirmieren zu lassen. Heute hab ich meinen persönlichen Traumjob - Gott sei Dank :-)

Beitrag von clazwi 23.03.10 - 11:56 Uhr

Hallo Manavgat,

es gibt auch etliche überkonfessionelle Träger in der Sozialarbeit.
Ich fange im Mai bei einem Träger an, in dem Religionszugehörigkeit keine Rolle spielt.

Ich habe auch in den letzten knapp 3 Jahren als "Nicht-Christ" ehrenamtlich bei der "Caritas" in der Flüchtlingsberatung gearbeitet (und das, obwohl ich -wie ich schon schrieb- aus der kath. Kirche ausgetreten bin).
Es stand schon im Raum, dass ich bei der "Caritas" einen Teilzeitjob bekomme (in der Flüchtlingsberatung).

Als dies zur Sprache kam, ging es bei der "Glaubensfrage" hauptsächlich darum, dass ich mit den christlichen Werten konform gehe.

In meinem Bekenntnis gibt es etliche Parallelen zu den christlichen Werten, für mich sind das gemeinsame ethische Werte ---- und das hätte auf jeden Fall gepasst.


Persönlich wäre es ja gegen die Religionsfreiheit, die hier im Grundgesetz verankert ist, wenn bestimmte Berufe an eine Konfession gebunden wären.

Gerade, wenn man im sozialen Bereich tätig ist, kommt man ja viel mit Menschen in Berührung, die völlig andere religiöse/kulturelle Hintergründe haben.

Ein Flüchtling, den ich über die Caritas begleitet habe, war z.B. Moslem.

LG
Claudia

Beitrag von clazwi 23.03.10 - 11:59 Uhr

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Persönlich wäre es ja gegen die Religionsfreiheit, die hier im Grundgesetz verankert ist, wenn bestimmte Berufe an eine Konfession gebunden wären.
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Ausnahme natürlich: Priester, Pastor, Theologe.... ;-)

Beitrag von manavgat 23.03.10 - 12:24 Uhr

Persönlich wäre es ja gegen die Religionsfreiheit, die hier im Grundgesetz verankert ist, wenn bestimmte Berufe an eine Konfession gebunden wären.


Leider weißt Du nicht Bescheid. Das Diskriminierungsverbot gilt nicht bei konfessionell gebundenen Arbeitgebern.

Die dürfen wegen einer Scheidung! sogar kündigen...

Gruß

Manavgat

Beitrag von clazwi 23.03.10 - 13:28 Uhr

Hallo Manavgat,

Du beziehst Dich auf das Kirchenrecht, richtig?

Ich beziehe mich darauf, dass beispielsweise der Beruf des SozPäd nicht an eine Konfession gebunden ist, denn man muss keiner Kirche oder sonstigen Glaubensrichtung angehören, um den Beruf des SozPäd ausüben zu können.

Du musst das differenziert sehen.

So wie ich Dich verstehe, beziehst Du Dich auf das Kirchenrecht.
Und da stimmt es auch, was Du schreibst.

Aber es ist definitiv nicht richtig, dass soziale Berufe nur dann ausgeübt werden können, wenn man eine bestimmte Konfessionszugehörigkeit hat.

In dem Fall dürfte ich dann nicht in der KJH tätig werden ;-).

LG
Claudia

Beitrag von manavgat 23.03.10 - 19:10 Uhr

Ich habe nicht gesagt: dürfen nicht ausgeübt werden.


Aber der Sektor der Arbeitsplätze ist dann erheblich kleiner.


Gruß

manavgat

Beitrag von clazwi 23.03.10 - 19:49 Uhr

Und ich habe nicht geschrieben: "...dürfen nicht ausgeübt werden", sondern:

"Aber es ist definitiv nicht richtig, dass soziale Berufe nur dann ausgeübt werden können, wenn man eine bestimmte Konfessionszugehörigkeit hat. "

"Nicht dürfen" hat eine andere Bedeutung, als ...."können nicht ausgeübt werden".

Dass der Sektor dieser Arbeitsplätze erheblich kleiner ist, stelle ich in keinster Weise in Frage.

Aber es gilt eben nicht pauschal. Und wie gesagt: bei der "Caritas" (gehört zur katholischen Kirche) hätte ich sogar als Nicht-Christ eine Teilzeitstelle bekommen.

Auch wenn da das Kirchenrecht gilt.

Claudia

Beitrag von manavgat 23.03.10 - 20:11 Uhr

Das ist Wortklauberei.

Wer in einem sozialen Beruf arbeitet und aus der Kirche austritt schränkt damit die Auswahl an Arbeitsplätzen ein.

Mehr habe ich nicht gesagt.

Gruß

Manavgat

Beitrag von clazwi 23.03.10 - 20:28 Uhr

Nein, Manavgat - Du musst schon gucken, was Du schreibst.

Etwas präziser kann einiges an Missverständnissen und Endlos-Diskussionen ersparen.

LG
Claudia

Beitrag von manavgat 24.03.10 - 09:06 Uhr

Von einer allegemeinen Lesekompetenz bin ich jetzt ausgegangen.

Kommt sonst auch nicht vor, dass sich jemand beschwert, ich würde nicht eindeutig kommunizieren.

Trotzdem schönen Tag

Gruß

Manavgat

Beitrag von clazwi 24.03.10 - 09:23 Uhr

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Kommt sonst auch nicht vor, dass sich jemand beschwert, ich würde nicht eindeutig kommunizieren.
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Ja, das dachte ich mir schon, aber so wie ich hier Deine Beiträge wahrnehme, wirst Du das schon mal verkraften können #pro.


Auch Dir einen schönen Tag,
Claudia

Beitrag von manavgat 24.03.10 - 10:58 Uhr

schmunzel.


You made my day.

LG

Manavgat

Beitrag von clazwi 24.03.10 - 11:20 Uhr

....das beruht wohl auf Gegenseitigkeit.

Ich freu' mich schon auf Deine nächste Antwort :-).

Beitrag von sonnenstern75 22.03.10 - 21:12 Uhr

Hallo,
ich bin schon vor 5 Jahren aus der kath. Kirche ausgetreten.
Mein Sohn wurde nicht getauft.

Wenn ich beten will, kann ich das auch zuhause und nicht in diesen scheinheiligen "Vereinen".

Warum willst Du denn ein 2 .Kind taufen lassen?

Man hat keine Nachteile , wenn man nicht getauft ist.

LG Sonnenstern#stern

Beitrag von glu 22.03.10 - 21:28 Uhr

Ich versteh die Logik nicht #kratz

Wenn Du nicht in der Kirche bist aber Dein Kind taufen lassen willst, dann wirst Du Dir wohl die Frage gefallen lassen müssen was das soll!

Und wenn Du wegen der Missbrauchsfälle austrittst warum willst Du Dein Kind dann katholisch taufen lassen?

Ich glaub nicht das man einen Nachteil hat, auch im Gesundheitsbereich gibt es mittlerweile genug Stellen die keinen kirchlichen Träger haben und zur Not kann man ja die evangelische Konfession wählen!

lg glu

Beitrag von schwarzesetwas 22.03.10 - 21:33 Uhr

Tritt aus und hab Spaß dabei! ;-)

Nee, ich versteh Deine Logik auch nicht.

Ein Kind, was nicht entscheiden kann ob schwarz oder weiß, willst Du konfessionieren, selbst kannst Du den Glauben nicht unterstützen?

Was bringt Dir dann eine Taufe? Geldgeschenke für das 2. Kind?

Hm.

Beitrag von clazwi 22.03.10 - 22:20 Uhr

Hallo Anis,

ich bin vor einigen Jahren aus der kath. ausgetreten. Allerdings nicht, weil mir das System nicht gepasst hat, sondern aus Glaubensgründen.

Ich bin in den 80er Jahren mit einer anderen Weltreligion in Berührung gekommen, von der ich mich so "ergriffen" gefühlt habe, dass ich wusste: ich bin kein Christ (ich habe auch nie "christlich" geglaubt).

Sehr lange habe ich mit der Entscheidung gebraucht, habe immer wieder überlegt.....bis ich dann gemerkt habe: wenn ich katholisch bleibe, lebe ich mit einer Glaubenslüge....mein Leben lang. Das wollte ich nicht.

Ich bin ausgetreten.
Das Ganze verlieft schnell, schmerzlos...amtlich. Auf dem Standesamt.

Meine Tochter, die wir damals noch kath. taufen haben lassen, ist nur wenige Jahre nach meinem Austritt auch aus der Kirche getreten (wir haben das damals unterschreiben müssen).
Wir hatten es seinerzeit für richtig gehalten, dass sie kath. aufwächst - sie besuchte drei Jahre einen Klosterkindergarten und fast vier Jahre eine Klosterschule - und konnte auch nicht den Glauben annehmen.

Heute sehe ich es als "nicht richtig" an, dass wir unsere Tochter damals in einen Glauben taufen haben lassen, den wir selbst nicht praktizieren.

Sie interessiert sich für den Glauben, zu dem ich konvertiert habe (nach fast 20 Jahren des Überlegens uns sich-damit-auseinandersetzens), aber sie will momentan einfach nur "glaubensfrei" sein und irgendwann selbst entscheiden, ob und zu welcher Religion sie sich bekennen möchte.

Nachteile haben wir nicht erlebt. Ich erlebe für mich nur den Vorteil, dass ich nicht mehr mit einer "Glaubenslüge auf dem Papier" lebe.

Würde ich christlich glauben: ich wäre trotzdem in der kath. Kirche geblieben, auch wenn ich schonungslose Aufklärung der Mißbrauchsfälle und schonungslose Konsequenzen für die Täter fordern würde.

Ich habe die kath. Gemeinschaft, zu der ich gehört habe, als eine sehr starke und auch menschliche Gemeinschaft erlebt, die absolut nichts für das kann, was andere "verzapfen".

Aber die "schönste" Gemeinschaft hat mir nichts gebracht, wenn ich dabei an etwas glauben soll, an das ich eben nicht glaube ;-).
Mein Glaube ist atheistisch - und da trennt es sich eben ganz gravierend.

LG
Claudia

Beitrag von gh1954 23.03.10 - 00:08 Uhr

Die kirchliche Trauung hast du "mitgenommen", hast jetzt keinen Bock mehr, Kirchensteuer zu zahlen, willst angeblich wegen der Missbrauchsfälle aus der Kirche austreten, aber dein Kind taufen lassen?
Verlogener geht es kaum noch.

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