Wo Hilfe holen/ Familientherapie?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von genova 23.03.10 - 09:32 Uhr

Hallo ihr Lieben,

Irgendwie ist alles nicht so wie es sein sollte und ich weiß, daß unser Familienleben den Kindern nicht gut tut. Ich möchte das gerne ändern, nur aus eigener Kraft ist es mir bisher nicht gelungen. Nur für kurze Intervalle, maximal Wochen. Mein Mann und ich sind vielleicht zu jung Eltern geworden. Ich wollte nie etwas anderes, aber das was man will ist leider nicht immer das, was man auch braucht/ bewältigen kann.

Wir brauchen eine Art Anleitung. Unser Großer(3) ist sprachlich entwicklungsverzögert und ich bin mir sicher, ihm würde es besser gehen, wenn er nicht das Ventil für mich und meinen Mann spielen würde. Man kann sehr deutlich an seinem Verhalten sehen, wenn es stressig zu Hause ist. Er ist sehr wild, aber auch sensibel. Heute gibt es die erste Logopädie, aber ich will mehr tun. Mein Mann und ich müssen auch an uns arbeiten. Nur wo fangen wir an? Hausarzt? Psychologe? Psychiater? Beratungsstelle? Wird das wieder so ein Marathon, wie eine Therapie für unseren Großen zu bekommen?

Ich bin so müde von allem. Ich kann bald nicht mehr. Eigentlich habe ich das Gefühl ich habe die Grenze schon lange überschritten, komischerweise funktioniere ich noch, aber innerlich wird alles leer. ... Irgendwie verständlich? Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich schon jahrelang Depressionen habe, wollte das nur nie wahrhaben. Nur für unsere Kinder muss sich was ändern, sonst werden sie noch so wie ich. Könnt ihr ein paar Tipps geben?

Danke.#blume
LG J.

Beitrag von heikeundleon 23.03.10 - 11:02 Uhr

Hallo,

es ist erst einmal schön, dass ihr etwas ändern wollt.

Das Jugendamt in Dresden bietet da z. B. solche Hilfen an (das wird sicher überall ähnlich sein):

"für Kinder, Jugendliche und deren Freunde, Väter, Mütter, Großeltern und Familienangehörige sowie alle erzieherisch Tätigen.
Beratung ist möglich, wenn

sich Konflikte anbahnen,
Erziehung schwierig ist,
Trennung und Scheidung belastet,
Situationen ausweglos erscheinen,
sich körperliche Auffälligkeiten zeigen,
Probleme im Kindergarten, in der Schule oder in der Ausbildung auftreten,
Entwicklungs- und Verhaltensbesonderheiten der Familie Sorgen bereiten,
bei sexuellem Missbrauch oder Gewalt Hilfe notwendig ist,
ein Geschehnis nachträglich besprochen werden soll.

Die Beratungen sind kostenlos und vertraulich. Neben der sozialpädagogischen und psychologischen Beratung werden auch therapeutische Angebote unterbreitet."

Das wäre mein erster Schritt. Unabhägig davon würde ich meinen Tag fest strukturieren. Geht ihr arbeiten und/oder euer Kind in den Kindergarten? Wenn ja, hättet ihr ja eine gewisse Grundordnung, wenn nicht, dann eben komplett neu anfangen.

So könnte euer Tag vielleicht aussehen.

- Aufstehen nicht zu spät (Kinder sind meistens sowieso zeitig wach#schwitz)
- Gemeinsames Frühstück.
- Körperpflege, anziehen.
- Den "kleinen Haushalt" (abwaschen, staubwischen und -saugen), Kind könnte helfen oder allein spielen
- Rausgehen, z.B. Besorgungen erledigen, Einkaufen, Spaziergang
- Mittagessen kochen, vielleicht zusammen mit dem Kind
- Kind Mittagsschlaf, in der Zwischenzeit den "großen Haushalt"
- Nachmittags wieder Zeit für das Kind (auch viel rausgehen).
- Abendessen zusammen vorbereiten, gemeinsam essen.
- Duschen/waschen, Zähne putzen
- Gute-Nacht-Geschichte vorlesen, vielleicht noch eine Kassette/CD.

Redet viel mit eurem Kind, stellt ihm Fragen, lasst euch Sachen erklären.
Euer Kind muss sich auspowern können, deshalb viel rausgehen.
Die feste Tagesstruktur gibt euch allen Halt. Die meisten Tätigkeiten werden zu festen Zeiten erledigt. So weiß euer Kind, welche Tageszeit (ungefähr) ist und wie der Tag weiter verläuft.
Wenn das Kind in ein Spiel versunken ist, rechtzeitig daran erinnern, dass z.B. gleich Mittag gegessen wird und dem Kind ausreichend Zeit geben, sein Spiel zu beenden.
Trotz und Geschrei bleibt deswegen dennoch nicht aus. Wenn das Kind so wütend ist, dass es nicht ansprechbar ist, die Situation verlassen: "Ich komme wieder, wenn du dich beruhigt hast." Gelassen bleiben (ist oft schwer, gerade in dem Alter). Und dann diese viel diskutierten Grenzen aufzeigen, das ist wirklich wichtig.
Für Tage, an denen alles gut gelaufen ist, auch kleine Belohnungen (muss gar nicht materiell sein). Bei uns war/ist sehr beliebt: Nachtwanderung und Abendbrot zwischendurch als Picknick. Jetzt, wenn es abends allerdings wieder länger hell ist, könnte es recht spät werden. Na ja, Du wirst schon wissen, was ich meine:-p.

So, ich hoffe, Du hast bis zum Schluss durchgehalten.

Ich wünsche euch viel Glück.

Heike

Beitrag von genova 23.03.10 - 13:34 Uhr

Hallo Heike,

Danke für deine Antwort.
Jugendamt also auch dafür zuständig. Ich muss ja sagen, daß ich dieser Einrichtung generell etwas mißtraue, denn meine Oma hat da gearbeitet und außgerechnet sie hat meine Mutter schwer körperlich und seelisch mißhandelt. Aber ich werde auf jeden Fall mal anfragen, wenn die bei uns mit umziehen fertig sind.

Zu deiner Frage: Ja, wir gehen arbeiten. Mein Mann hat eine 30-Stunden-Woche, ich ebenso auf 2 Jobs verteilt. Der Große geht erst seit 1 Monat in den Kindergarten. Den Kleinen mussten wir aus seiner Betreuung rausnehmen, weil wir aus verschiedenen Gründen nicht zufrieden damit waren, jetzt passen mein Mann oder seine Mama auf ihn auf, wenn ich arbeite.
Trotzdem ist es ein großes Problem für uns, den Tag richtig zu strukturieren ohne daß Stress entsteht. Meine Mann hat ca. 1 Mal pro Woche Zeit für sich. Ich .... glaube so alle 3-4 Monate. Muss neben der Arbeit noch lernen und beginne ab August eine Vollzeitausbildung.

Die Situation verlassen ist kaum möglich. Meine Kinder rennen mir hinterher, ich kann mich doch nicht einschließen? Und erklären kann ich dem Großen auch fast nichts. Ich versuche es immer und immer wieder, aber ich denke er versteht das meiste Mangels Sprache noch nicht.:-(
Wenn die beiden alleine sind, sind sie inzwischen meist wahre Engel, nur zusammen funktioniert es nicht. Bisher war der Tag gut. Der Große ist im Kiga und mein Kleiner super lieb. Die Belohnungen muss ich mir merken. Hört sich echt toll an. Das würde meine Mäuse auch freuen.

Dankeschön!

LG, J.

Beitrag von heikeundleon 23.03.10 - 13:56 Uhr

Hm, da habe ich ja viel zu viel geschrieben#hicks

Dass es im Moment schwieriger mit dem Großen ist, könnte durchaus am Kindergarten liegen. Er geht erst seit einem Monat und kann sich nicht gänzlich wie andere Kinder verständigen, das frustriert sicher. Und der wiederum muss abgelassen werden.
Was mir nun spontan einfällt, wäre eine Mutter-Kind-Kur. Nur Du und Dein Großer. Ich weiß nur nicht, ob es welche mit speziellen Logopädieangeboten gibt #gruebel. Das könnte noch ein Ansatz sein.

Und die beiden anderen Männer gründen eine Männerwirtschaft#cool.

Gruß

Heike

Beitrag von genova 23.03.10 - 20:26 Uhr

Schwierig ist der Große seit 2 Jahren, begonnen hat das "Trotzen" als mein Babybauch merklich gewachsen ist. Dazu kam Nachtschreck, irgendwie ist ihm da schon alles zuviel geworden, mein armes Mäuschen. Auch in letzter Zeit war alles ganz schön viel, Umzug, sauber werden, Mama geht mehr arbeiten, Betreuung eingewöhnen und nun neu in den Kiga.#schwitz
Ich würde nur ungern ein Kur machen, ich organisiere doch alles, dann wochenlang weg sein, oje. Der Männerwirtschaft würde ich allerdings sonst vertrauen, das kriegt mein Mann hin mit dem Kleinen, aber besser wäre doch regelmäßig hier in der Nähe.
Hab mir jetzt alles rausgeschrieben und nehme das nächste Woche in Angriff.

LG, J.

Beitrag von heikeundleon 24.03.10 - 07:52 Uhr

Ich wünsche euch alles Gute, dass sich euer Leben einspielt und Du Deine Depressionen in den Griff bekommst.

#klee#cool#blume

Gruß

Heike

Beitrag von genova 24.03.10 - 17:23 Uhr

Danke für die lieben Wünsche.:-)

LG, J.

Beitrag von heikeundleon 23.03.10 - 11:06 Uhr

Ich habe noch etwas vergessen: Am Tag den Fernseher aus lassen, auch für die Erwachsenen tabu. Wenn es unbedingt sein muss, dann abends den Sandmann, aber mehr Fernsehen würde ich nicht (ihr könnt schon, aber erst, wenn euer Kind im Bett ist).

Und "Nur-Papa-Tage" oder "Nur-Mama-Tage" finde ich gut. Zeit, die ein Partner ganz für sich hat, ist auch wichtig.

Heike

Beitrag von genova 23.03.10 - 13:36 Uhr

Sandmann muss sein bei uns... und das was danach kommt, dann geht es ins Bettchen. Da haben wir ein schönes Ritual in das auch der Papa mit eingebunden ist.:-D

LG, J.

Beitrag von lisasimpson 23.03.10 - 11:25 Uhr

Hallo!

Also erst mal würde ich dir gerne rückmelden, daß du dich anhörst, als wärst du schon mitten in einer Depression. Es ist also merh als an der Zeit etwas zu verändern.
Eine familientherapie zu machen ist ein tolle Idee.
Es gibt viele familientherapeuten /systemsiceh Therapeuten, die dies in freier praxis anbieten, was allerdigns im moment noch nicht vo nder kranknekasse übernommen wird.
viele psychologische Psychotherapeuten haben jedoch eine systemische weiterbildung und können dir da sicher weiterhelfen- ruf eifnach das telefonbuch raus und runter durch und frag nach terminen.
ansonsten gibt es psychosoziale beratungssteleln in jeder stadt von städtischen und kirchlichen trägern, die dies ebenso anbieten. allerdigns sind da die wartezeiten teilweise lang.
versuchen könnt ihrs aber trotzdem.
für dich wäre aber evtl. eine eigene psychiatrische abklärung notwendig, die schneller von statten ehen wird, damit du vielleicht erst mal abklärst, was du für dich tun kannst!

Ansonstne kann ich für deinen kleinen eine frühförderung empfehlen- nicht "nur" eine logopädie. im rahmen eine frühförderung könnten dan neben auch ander themen angegangen werden, die euch und das kind betreffen.

Alles Liebe
lisasimpson

Beitrag von genova 23.03.10 - 13:48 Uhr

Hallo,

Auch dir Danke für deine Antwort.

Ja, ich fürchte ich bin schon mein halbes Leben depressiv. Habe auch einen Suizidversuch hinter mir. Das werde ich aber nie wieder machen, das ist keine Option mehr für mich.

Eine Therapie für mich würde aber von der Krankenkasse übernommen werden, oder? Wir können das leider nicht selbst bezahlen.

Wegen unserem Großen sind wir in Kontakt mir einer Frühförderstelle und er ist in einem integrativen Kindergarten. Je nachdem wie er sich macht, kann eine Zusatzkraft für ihn eingestellt werden, bzw. eine vorhandene ihre Stunden erhöhen. Er macht auch langsam Fortschritte. Vor kurzem war ich so stolz auf ihn als er "Mama, darf ich bitte?" gesagt hat. Sein längster Satz.#verliebt

Jetzt muss ich meinen Süßen mal abholen gehen und das Chaos bricht wieder aus.
Ich melde mich auf jeden Fall heute Abend wieder.

Danke!
LG, J.

Beitrag von lisasimpson 23.03.10 - 14:07 Uhr

hallo!

na klar- alle Psychotherapeuten mit Kassenzulassung werden über diese abrechnene.
such dir einen/eine, die auch familientherapie bzw. systemische therapie anbietet, dann kann man da meist was machen.
und die andere option ist eben ne psychosoziale Beratungsstelle. das sind in vielen fällen ebenfalls Familientherapeuten, die dort arbeiten und das ist meist kostenlos oder gegen einen sehr geringen unkostenbeitrag.

ja und gegen deine Depressionen mußt du dringend was machen- sowas "wächst sich leider nicht aus"!

Alles liebe
lisasimpson

Beitrag von genova 23.03.10 - 20:31 Uhr

Hallo,

Ich hatte gehofft man könnte das selbst in den Griff kriegen. Ich kenne allerdings viele depressive Menschen und keiner hat es bis jetzt allein geschafft. Schade.

Nun ja genug gegrübelt, solang ich so drauf bin muss ich handeln. Ich weiß ja jetzt auch wo ich anfragen kann.:-D

Danke, LG, J.