Wie werde ich abgebrühter was sozial-schwache Familienschicksale angeh

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Beitrag von amicelli09 23.03.10 - 17:20 Uhr

t?

Aufgrund meines Jobs bekomme ich sehr viel mit was die "Abgründe" mancher Menschen aufzeigt.
Ich bekomme medizinische Berichte in die Hände,besonders alles das was die Psyche angeht ist manchmal wirklich nicht mehr lustig und ich bekomme hautnah mit wie Drogen- oder Alkoholtests etc. gemacht werden. Manchmal berühren mich die Schicksale gerade von jungen Müttern sehr. Vielleicht weil ich selbst eine bin. ZB. gerade mal 20 Jahre alt, sozial sehr schwach, ein Kind (das schon aus der Familie genommen wurde oder noch wird), keine Ausbildung, keine familiäre Unterstützung, stehen kurz davor die Wohnung zu verlieren, jahrelange Drogenproblematik, Depressionen, Borderline, Suizidversuche, zahlreiche abgebrochene Entwöhnungsbehandlungen, von der Umwelt eigentlich schon abgeschrieben, usw.

Eigentlich sollte ich damit professionell umgehen können. Aber mich machen solche Geschichten immer wieder auf´s Neue traurig. Diese Frauen verbauen sich ihr Leben so komplett, erschweren ihren Kindern den Start ins Leben enorm. Ich möchte mir eigentlich nicht vorstellen was die Kinder daheim mitmachen müssen oder mussten, auch diese tun mir unheimlich Leid.

Wie bekomme ich mein Mitleid und meine traurigen Gedanken in den Griff?

Beitrag von clazwi 23.03.10 - 17:41 Uhr

Hallo Amicelli,

wie bist Du denn zu diesem Job gekommen?
Ich war einige Jahre in der Flüchtlingsberatung ehrenamtlich tätig und habe einige "heftige" Schicksale mit erlebt und die Menschen mit begleitet.

Ich bin seit Jahren mit Menschen in Berührung, die psychisch krank sind, die Gewaltopfer (teilweise massiver Gewalt) sind/waren, die schwer geschädigt wurden, traumatisiert sind usw.

Demnächst werde ich in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung anfangen und weiter mit ähnlichen Schicksalen in Berührung kommen.

Was mir hilft ist, dass ich -wenn ich mit den Menschen zusammenarbeite- mich in dem Moment 100% auf mein Gegenüber einlasse. Wenn ich gehe, mache ich aber die Türe hinter mir zu.

Es gab einen Fall, der mich auch zuhause erschüttert hat. Da gab es eine junge Frau, die als Kindersoldatin versklavt worden war und so misshandelt, dass sie an den Folgen hätte sterben können.
Als ich den Bericht las, hat es mir fast die Luft genommen.

Ich musste dann bewusst aus der Situation "aussteigen" (nicht aus der Begleitung, aber ich musste meinen Kopf wieder frei bekommen).

Hast Du irgendwelche Techniken, die Dich unterstützen, dass Du wieder "zu Dir" kommst?

Ich meditiere und fahre viel mit dem Fahrrad.

Allgemein kann ich auch sagen: ich versuche, meinen Kopf frei zu bekommen, versuche bewusst, Entspannung herbeizuführen bzw. "powere" ich mich aus.

Was mir wirklich sehr hilft, ist, dass ich trainiere, mich nur "auf den Augenblick" einzulassen.
Wenn ich wieder zuhause bin, bin ich zuhause (dann habe ich meine Kiddies um mich herum, bewege mich in der Natur, mache meinen Haushalt usw...).

Bekommst Du manchmal Supervision oder Coaching?
Dieses Angebot habe ich durch eine erfahrene Psychologin und nehme es auch dankbar an, wenn wirklich mal Gedanken und Gefühle "mit mir durchgehen".

Wichtig ist, dass man nicht abstumpft - man muss natürlich innerlich trotzdem "lebendig" bleiben.

Ich wünsche Dir sehr, dass Du einen guten Weg findest.

LG
Claudia

Beitrag von amicelli09 23.03.10 - 17:45 Uhr

Hallo Claudia,

danke für deine ausführliche Schilderung. Dein Job hört sich unheimlich spannend und auch sehr emotional anstrengend an. Meinen Respekt hast du!

So "schlimm" ist es bei mir bei Weitem nicht, ich begleite keine Schicksale, ich habe mit den Leuten nur indirekt zu tun. Bei mir besteht der Kontakt eher aus "Lesen" und Gutachten über sie tippen. Aber gerade durch die Arztberichte bzw. auch durch das was die Menschen erzählen (ich tippe das dann) bekommt man schon ein sehr genaues Bild über die jetzige und frühere Lebenssituation der Menschen.

Vermutlich ist das "danach abschalten" der einzigst mögliche Weg!

Beitrag von clazwi 23.03.10 - 17:50 Uhr

Ich denke auch, dass das "Abschalten" sehr wichtig ist.

Anfangs ist es natürlich eine Herausforderung, die passenden Techniken für sich zu entdecken/zu entwickelt und das geht auch nicht von "jetzt auf gleich".

Da braucht man auch viel Geduld mit sich selbst ;-).

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Du durch Deinen Job emotional sehr in das involviert bist, das Du tippst.

Gerade durch das "Tippen" verinnerlicht man ja auch sehr viel, weil man das im Prinzip "doppelt bewusst macht": vom Auge in die Hand und von der Hand in die Tastatur.

LG
Claudia

Beitrag von king.with.deckchair 23.03.10 - 20:46 Uhr

Meine Mum hatte einen ähnlichen Job - und im Grunde war sie zu intelligent, um nur vor sich hin zutippen, denn sie hat auch viel über die Inhalte nachgedacht. Wie bei der TE waren es manchmal auch Gutachten des ärztlichen Dienstes und ich weiß noch, dass sie oft zuhause einfach erzählen MUSSTE, was sie heute wieder für ein Schicksal niederschreiben musste.

Sie hat den Fehler gemacht, sich keine Auszeiten zu nehmen und nie einen Versuch unternommen, dass ganze mal von sich fern zu halten, so dass dies meiner Ansicht auch eine Ursachen ihrer psychischen Erkrankung bzw. ein Puzzleteil in ihrer Riesensuppe an Belastungen und Überforderungen war...

Ich hoffe, die TE bekommt das besser hin...

LG
Ch.

Beitrag von king.with.deckchair 23.03.10 - 20:40 Uhr

"So "schlimm" ist es bei mir bei Weitem nicht, ich begleite keine Schicksale, ich habe mit den Leuten nur indirekt zu tun"

Ich glaube, genau das ist eins der Probleme. Wann immer mich mein Job "mitnimmt", dann führe ich mir vor Augen, dass ich ja immerhin im Rahmen meiner Möglichkeiten aktiv unterstützend tätig bin, während du eher die Rolle der passiven Zuseherin hast. Vielleicht hilft dir der Gedanke, dass diese Menschen in dem Moment, in dem sie bei dir als "Gutachten" landen ja immerhin schon in einem Hilfesystem sind und nicht völlig sich selbst überlassen weiter in Katastrophen schliddern.

Wobei - als ich mal eine junge Frau bzgl. Berufswünschen beriet, meinte sie, sie wolle "was Soziales" machen, denn sie wolle "was bewegen". Meine Antwort war, dass eins der ersten und wichtigsten Dinge im "Sozialen" sei, dass man ganz schnell lernt es auszuhalten, dass man allzu oft eben mal rein gar nichts "bewegt". Dass es weiter Not und Leid und Elend geben wird, dass selbst die Menschen, die man direkt betreut, manchmal trotz aller Beratung und Hilfe weiter sehenden Auges in ihre höchstpersönliche Scheiße rennen und Kinder mireißen. Das gehört einfach zu diesem Job dazu.

Ich mache es übrigens ähnlich wie die Vorschreiberinnen. In den Momenten, in denen die Klienten vor mir sitzen, lasse ich mich ein. Wohl wissend, dass ich aber nicht dazu da bin, Mitleid zu haben = mit zu leiden im wahrsten Sinn, sondern allenfalls um Mitgefühl oder Nachempfinden zu haben. Und dass es meinen Kunden nicht hilft, wenn ich emotional vernebelt mitheule um es mal krass auszudrücken, sondern dass nun mein wacher Geist und klarer, sachlicher Verstand gefragt ist, damit es vorwärts geht. Vielleicht hilft dir ja auch das: Du bist ein Teil des Hilfesystems dieser Menschen und dein klarer Kopf ist gefragt, damit die Gutachten zeitnah und korrekt erstell werden, so dass weitere Hilfe starten kann. Du bist nicht untätig, in gewisser Weise bewegst du mit, soweit sich in den Fällen etwas bewegen lässt.

Wie die Vorschreiberinnen auch, suche ich mir Auszeiten. Spiele zum Beispiel im Moment ganz gerne in mich versunken einen Unfug wie Farmville (Playmobil für Große #augen) und gruppiere da ewig meine Viecher und Häuser und Bäume um... #hicks Ich gehe aber auch gern raus in die Natur, brauche ganz oft Stille.

Vielleicht sprichst du auch mal mit Kollegen?

LG
Ch.

Beitrag von amicelli09 23.03.10 - 21:43 Uhr

Hallo!

Kann es sein dass du ziemlich genau weißt was genau ich arbeite? ;-)
Der Job deiner Mutter kommt mir schon sehr nahe, nur dass ich täglich zum gleichen Arbeitgeber gehe wie auch du. Ich tippe nicht nur ab und zu mal GA für den ÄD.

Deine Sichtweise hat mich ein bisschen zum Nachdenken angeregt. "...dass diese Menschen in dem Moment, in dem sie bei dir als "Gutachten" landen ja immerhin schon in einem Hilfesystem sind..."
Das stimmt. Obwohl es natürlich auch hier immer wieder Grenzfälle gibt in denen trotz Fallmanagement, intensiver Beratungen bezüglich Suchtberatungsstellen, etc. Hopfen und Malz verloren ist.
Ich denke sowas lernt man mit der Zeit wohl wirklich auszuhalten.

Aber das Komische ist: Schicksale gehen mir im Allgemeinen nicht sonderlich nahe. Manchmal wundere ich mich über das Verhalten der Menschen, sie tun mir ansatzweise Leid. Ich denke aber über die einzelnen Fälle nicht mehr großartig nach.
Aber sobald Kinder im Spiel (oder Verletzungen / Misshandlungen, etc. aus dem Kindesalter herrührend) sind setzt mein "Löwenmuttergedanken" ein und ich denke immer daran "was wäre wenn ich diese Mutter von diesen Kindern wäre, was wenn ich die Abhängige, "Verlorene" wäre, was wenn das MEIN Kind wäre?". Ich denke DAS ist mein größtes Problem. Ich projeziere fremde Schicksale auf mein Kind / mich.

Ich weiß nicht was da hilft. Abschalten... ? Vielleicht kommt die Routine wirklich mit den Jahren? Bin erst ein knappes Jahr dabei und eigentlich macht mir der Job sehr viel Spaß. Diese "Härtefälle" hat man ja auch nicht jeden Tag..

Beitrag von king.with.deckchair 24.03.10 - 18:27 Uhr

:-) Als meine Mutter diesen Job hatte, hatten wir die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts #schock - da wurde noch alles mögliche von den Schreibkräften getippt: Widerspruchsberscheide, Gutachten etc. pp.

Ich kenne dieses porjezieren auf die eigene Person/Familie durchaus auch. Ich habe eben auch keine "Fachausbildung" im sozialen Bereich gehabt; nur entsprechende Fortbildungen bzgl. Rollenverständnis, Abgrenzung und so etwas in der Art eben. Dazu Hilfestellung von in Supervision erfahrenen Kollegen und eben das Training "on the job", um mich über Wasser zu halten.

Mir ging es auch schon mehrfach richtig elend - besonders bei Kunden, die mir vom Alter her nahe sind. Ein besonders schlimmer Fall war ein Mann meines Jahrgangs, der im Krieg in seinem Heimatland als Jugendlicher (im Alter, das mein Sohn zu diesem Zeitpunkt hatte...sic!) eine Kriegsverletzung erlitt und nun ein psychisch krankes Häuflein Elend war. Da musste ich auch abends plötzlich weinen, weil ich daran dachte, dass er zu einem Zeitpunkt, zu dem ich in Discos rannte und das Ozoloch durch exzessiven Haarspraygebrauch vergrößerte, seinen - sorry - Arsch für sein Land hinhalten musste und für einen unsinnigen Krieg. Oder der Mann meines Alters, dessen Eltern ihm schon als Kind Alkohol gaben, damit er schöief und Ruhe gab (die Familie war älteren Kollegen schon ewig bekannt) und der bei seinen Selbstmordversuchen immer wieder zu betrunken war...

Weißt du, was mir gerade auffällt? So wie einige andere Antworterinnen komme ich ins Erzählen über Fälle, die mich doch immer noch ab und an umtreiben. #kratz Das sollte uns zu denken geben.

Man kann in diesem Job glaube ich nicht wirklich alles immer an der Stechuhr abgeben. An mir fällt mir besonders auf, dass ich Filme oder Berichte über schlimme Gräuel nur noch sehr schlecht aushalte. Die Haut wird in der Hinsicht einfach ein bisschen dünner und vielleicht erträgt man Leid und Not in "Unterhaltungs"filmen umso weniger, je mehr man weiß, dass es solche Dinge viel zu oft "in Echt" gibt.

Aber man lernt mit den Jahren wirklich, ein bisschen routinierter zu werden. Was man nicht machen sollte, ist Abstumpfen. Ich kenne eine Menge Kollegen, deren schnoddrige bis patzige, kalte Art mit Kunden umzugehen und deren fieses Gelästere über Fälle ich als schieren Selbstschutz erkenne. Mir scheint es, als wissen sie sich nicht anders zu helfen. Das ist das Schwere im direkten Kundenkontakt - die Empathie bewahren und doch nicht mit runterziehen lassen. Klaren Kopf behalten eben. Das, was einem hier von manchen Damen manchmal vorgeworfen wird, wenn man selbst bei Kindstötungen rational die Umstände (Krankheit der Mutter?, Finanzielle Nöte? Vergewaltigung?) hinterfragt.

LG
nachdenklich
Ch.

Beitrag von flogginmolly 23.03.10 - 18:14 Uhr

Hallo,

ich glaube das bringt die Zeit, oder bist du schon sehr lang in dem Beruf?
In den meisten fällen lernt man mit der Zeit nicht alle Probleme mit nach Hause zu nehmen, sondern zu verpacken. Bei schlimmen Fällen kann man vielleicht mit dem Partner darüber reden aber wenn dich alles so mit nimmst wirst du irgendwann selber daran zerbrechen wenn du dir kein dickeres Fell zulegst.
Aber wie gesgat, ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit der Zeit lernt damit umzugehen und sich nicht alles so zu Herzen zu nehmen. Das kann man bei den vielen Schicksalen auch gar nicht.
Vielleicht suchst du für den Anfang selber erstmal Professionelle Hilfe bei einem Seelsorger, bis du selber lernst damit umzugehen. Meist können die einem gute Ratschläge geben.

LG und alles Gute

Beitrag von amicelli09 23.03.10 - 21:46 Uhr

Hallo,

also solche schlimmen Gedanken mache ich mir nicht, dass ich alles mit nach Hause schleppe. Solche extremen Fälle die mir so nahe gehen habe ich zum Glück nicht täglich, manchmal nicht mal wöchentlich. Muss dann eben beim Bearbeiten schon mal schlucken, ab und zu denke ich dann auch noch hinterher darüber nach, aber alles in allem kann ich damit schon leben.
Ich hoffe dass sich das mit der Zeit noch etwas bessert, bin wirklich erst noch relativ "neu" dabei. :-)

Beitrag von gunillina 23.03.10 - 19:06 Uhr

Wir können ja eine Gruppe aufmachen, mit all denen, die so belastende Berufe haben wie du, clazwi und ich...:-)

Ich bin im Wohnungswesen als Sozialarbeiterin unterwegs, ich gehe in die Familien, allerdings haben meine Mieter selten Kinder.
Auch mich scheint es manchmal auf zu fressen, was ich da alles sehe.

Man braucht unbedingt einen Ausgleich, wie clazwi schon sagt: Sport, Gespräche mit Experten (gut, du wirst sicher keine Supervision bekommen, wenn du "nur" die berichte liest), Methoden/Techniken, um abschalten zu können.

Ich versuche, meine Arbeit so gut wie möglich zu machen, aber mir danach darüber im Klaren zu sein, dass ich niemals alle Randgruppen auf dieser Welt "retten" kann. Ich muss so viel geschehen lassen, das macht mich manchmal fertig.

Aber wenn es Lichtblicke gibt, Fälle, die gelöst werden konnten, dann muss man an diesen Fällen festhalten, bis zum nächsten guten Fall. Weisst du, was ich meine?

Ich schreibe übrigens viel auf. Da kann ich viel auf dem Papier lassen, damit es mir nicht den Schlaf raubt.

Und sich einfach mal ausheulen tut auch gut...#liebdrueck

Beitrag von clazwi 23.03.10 - 19:52 Uhr

Solltest Du so eine Gruppe aufmachen: ich wäre mit dabei!

Beitrag von gunillina 23.03.10 - 20:03 Uhr

Das wäre schön, aber ich bin so gar nicht der Typ, der Gruppen einrichtet. Aber man kann sich ja ausserhalb urbia austauschen. OHNE Gruppe/Clubgetue? Wobei, irgendwie wäre es ja auch gut, so einen Club nutzen zu können, wenn es dort andere mit denselben Problemen gibt...
Aber ich wäre nciht die richtige, die so etwas einrichten würde.
Du vielleicht?:-)

Beitrag von clazwi 23.03.10 - 20:23 Uhr

Ich nicht - einfach aus dem Grund, weil ich schon zwei Gruppen verwalte (ausserhalb v. Urbia). #schwitz und ich mich...jetzt kommt so ein schönes pädagogisches Wort....abgrenzen #schein muss.....#schein


Ich schreibe Dir mal eine pn....

LG
Claudia

Beitrag von amicelli09 23.03.10 - 21:48 Uhr

Ohje, ich fühle mich gerade total als "Hochstaplerin". Ihr habt alle wirklich belastende, soziale Berufe bei denen ihr Schicksale von Menschen hautnah mitbekommt.
Das ist bei mir nicht wirklich der Fall. Ich denke, dass so ein Club evtl. wirklich etwas bringen könnte, aber ich denke da wäre ich nicht ganz richtig aufgehoben. Komme mir gerade richtig lächerlich vor mit meinen Gedanken.. #gruebel

Beitrag von babyball2007 23.03.10 - 19:34 Uhr

Ich denke, die Berufserfahrung spielt da eine Rolle.

Mit zunehmenden Alter wird man erfahrener und professioneller.

Ich bekomme als Diplom-Spzialpädagogin auch schlimmste Schicksale mit und muss damit umgehen. Mit tun die Kinder auch leid die in schmutzigen Wohnungen mit unfreundlichen Eltern leben müssen...

Es ist nun mal mein Job und ich bin froh, dass ich abends abschalten kann.

Habt ihr keine Supervision oder Teambesprechungen?

LG

Beitrag von amicelli09 23.03.10 - 21:50 Uhr

Teambesprechungen schon und wir sprechen da auch dann über die "härtesten, schlimmsten" Fälle. Aber diese Fälle über die ich mir Gedanken mache sind oft nicht unbedingt die Schlimmsten. Ich mache mir meine Gedanken sobald (kleine) Kinder im Spiel sind oder ein Mensch (psychische) Probleme aufgrund der Kindheit hat. Hatte das an anderer Stelle schon ausführlicher beschrieben.
Sowas möchte ich in einer solchen Besprechung nicht anbringen, das sind teilweise nur "Kinkerlitzchen" im Joballtag! ;-)
Ich denke auch dass die Zeit so Einiges mit sich bringt!

Beitrag von emeri 24.03.10 - 07:03 Uhr

hey,

ich weiß was du meinst, habe vor der karenz als sozialarbeiterin beim jugendamt gearbeitet.

ich denke es ist wichtig, dass du dir vor augen hältst, dass es nicht deine aufgabe ist (nicht war und nie sein wird) sämtliche gescheiterte existenzen zu retten. es ist traurig ja, man kann mitfühlen - mit leiden sollte man jedoch nicht. ist leicht gesagt und schwer getan.

mir sind auch einige schicksale ganz tief hängen geblieben. habe versucht diese in form von supervision (einzel und in gruppe) zu bearbeiten. ganz abdrehen wird man solche gedanken nie können. es wird ja einen grund gehabt haben, warum wir einen sozialen beruf angestrebt haben.

lg emeri

Beitrag von manavgat 24.03.10 - 10:12 Uhr

Was Du brauchst ist Supervision.

Bietet Dein AG sowas nicht an?


Alternativ: gute Psychotherapeutin suchen, da Du ansonsten ausbrennst.

Gruß

manavgat

Beitrag von king.with.deckchair 24.03.10 - 18:11 Uhr

Das Problem ist, dass dieser Arbeitgeber (wenn es der ist, den ich vermute) selbst für die, die in der Beratung tätig sind, keine Supervision anbietet. Und sie ist "nur" die Schreibkraft.

LG
Ch.