Rollentausch, wie lange machen Kinder das ?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von aliner 26.03.10 - 19:15 Uhr

Es ist immer wieder zu schön, den Spiegel vorgehalten zu bekommen. :-)

Unser Sohn, 3, fordert mich immer wieder auf "du bist das Kind" und dann können wir spielerisch die aktuellen Reibungspunkte mal aus der anderen Perspektive betrachten.
Da werden einem die eigenen Standardsprüche nur so um die Ohren geklatscht.

Er flippt oft zuhause aus und haut, kratzt, beißt, aber kann sich halt überhaupt nicht entschuldigen. Dann hat er plötzlich ein Aua und Mama muss auf ihn zugehen. Ich dachte, vielleicht ist das Wort noch zu kompliziert, aber offensichtlich nicht. Es scheint der Stolz zu sein, er ist so unversöhnlich. Oder nicht reif dazu ?
Aber die Initiative das Problem über ein Rollenspiel zur Sprache zu bringen, kommt immer von ihm.

Als ich dann heute so kreischend und tobend auf dem Bett lag und er mich mindestens 20 Mal mit energischer, lauter Stimme aufgefordert hat "sag Entsuldidung !", da dachte ich mir, ob ich das in Zukunft nicht vielleicht etwas lockerer sehen sollte... Auch ein jämmerliches "Maaamaa, ich hab Aua im Bauch" hat ihn überhaupt nicht erweichen können. Ist schon interessant, wie man wahrgenommen wird, bin ich echt so oder übertreibt er genauso wie ich ein bisschen ?
Es ist so nett, damit haben wir schon viele Sachen nochmal aufarbeiten können und ich muss sagen als Mama ist er in der Regel viel geduldiger, als ich. Und es gibt sogar Nachtisch ohne Mittagessen, wenn man nur lange genug darauf beharrt :-)

Machen das Eure Kinder auch ? Und bis zu welchem Alter ?
Mir wäre die Idee so nicht gekommen, hätte ich als zu plump angesehen, aber es macht echt Spaß auch mal das Rumpelstielzchen heraushängen zu lassen. Wäre doch schön, wenn man das so lange wie möglich "spielen" könnte. Auch bei älteren Kindern fruchtet sowas sicher ganz gut und keiner fühlt sich angegriffen, ist ja nur ein "Spiel".

Gruß, Aline

Beitrag von jazzbassist 27.03.10 - 17:07 Uhr

Also das spielen von Rollen sieht man bei Kindern relativ häufig. Darum ist auch viel Kinderspielzeug der Erwachsenenwelt angelehnt - sei es die Spielzeug-Küche oder der Spielzeug-Supermarkt. Kinder schlüpfen sehr gerne in Rollen um die Welt zu entdecken oder um jemand/etwas anderes zu sein. Oder auch mal um etwas zu tun, was man eigentlich nicht tun darf; z.B. mit der Mama schimpfen :-p Sehr vieles, was die Phantasie von Kindern anregt, wird dann in einer Rolle weitergespielt. Da werden Kinder plötzlich zu Power-Rangers oder Darth Vaters; oder krabbeln mal auf allen vielen und sind plötzlich ein Hund.

Kinder spielen diese Rollen so, wie sie selbst sie sich diese vorstellen. Ein Kind muss also nicht Starwars gesehen haben, um im Kindergarten mit Laserschwertern kämpfen zu können. Ich denke also nicht, dass er Sie persönlich hier imitiert, sondern seine Vorstellung der Elternrolle. So gesehen imitiert er sie also doch - da Sie natürlich seine Vorstellung dieser „Elternrolle“ sind :-p Er hat halt noch wenige Vergleichsmöglichkeiten.

Das mit dem Entschuldigung würde ich in Zukunft wirklich etwas lockerer sehen. Es soll schließlich vom Herzen kommen und nicht, weil es im Imperativ eingefordert wird. Ihm fehlt hier einfach noch die nötige Reife, da er neurologisch gar nicht in der Lage ist, ihnen zu Liebe etwas zu tun oder zu unterlassen. Diese Fähigkeit entwickeln Kinder erst zwischen dem 4. und 5. Lebensjahr. Außerdem weiß er noch gar nicht, was eine Entschuldigung ist. Man bräuchte dafür nämlich ein Schuldbewusstsein; das hat er noch gar nicht. So gesehen ist das bei Ihnen ein reiner Machtkampf. In dem er Sie imitiert und das mit „sag Entschuldigung!“ im imperativ befielt, können sie sich ziemlich sicher sein, dass er diesen Machtkampf auch genau so wahrnimmt. Ich setze hier meinen Willen durch und Mama kann nichts dagegen machen. Das ist absolut in Ordnung - das darf er :-p

Kinder sind in dem Alter am besten geneigt, sich auf gesellschaftliche Normen (wie eine Entschuldigung) einzulassen, wenn es einen Nutzen bringt. Das mag banal klingen, aber, ein Kind bei einer Entschuldigung hier zu drücken und zu knuddeln und ihm zu zeigen, wie stolz man auf diesen „großen Jungen“ ist reicht vollkommen aus, damit ein Kind sich unheimlich schnell darauf einlassen wird. Kinder sind da rein egostische Menschen und handeln nur aus Eigennutz. Irgendwann zwischen dem 4. und 5. Lebensjahr wird dieser Eigennutz dann oftmals sein, die eigenen Eltern „stolz“ respektive „glücklich“ zu machen. Sie können ihm in einem Rollenspiel aber auch mal zeigen, wie er sich verhalten „könnte“. Also auch mal positives Verhalten reflektieren.

Das mit dem Nachtisch finde ich besonders nett - das ist das, was sich Kinder am meisten wünschen. Das man nur lange genug Theater machen muss bis man das, was man haben will, auch wirklich bekommt. Das sollten Sie als Mutter natürlich nicht so machen; sonst macht ein Kind hier nur dauerhaft (und dann auch noch in anderen Situationen) Theater :-p

Also in die Elternrolle ist mein Spatz (11) - zumindest meines Wissens nach; habe aber auch keine Ahnung, was der so mit seinem besten Freund/Freundin den ganzen Tag treibt - nicht geschlüpft. Im Kindergarten war er mal einige Zeit "Jack Sparrow" aus Fluch der Karibik. Er kannte zwar nur 2 "lustige" Stellen im Film; diese Piratenrolle hat ihm aber so sehr gefallen, dass er seinen Hund sogar "Jack" genannt hat :-p Momentan ist er eher „kleiner Bruder“, der von morgens bis abends seiner „großen Schwester“ (Cousine) auf den Keks geht; wobei es da eher um Eifersucht als Motiv geht :-p

Bis „zu welchem Alter“ ist also schwierig zu beantworten. Solange, bis er das nicht mehr möchte. Spätestens in der Pubertät könnte das einem Kind dann schon unangenehm sein, plötzlich das eigene Verhalten reflektiert zu bekommen :-p

Beitrag von sora76 28.03.10 - 12:07 Uhr

Hallo!


Meine ist 6 Jahre und macht das noch immer sehr gern. Sie spielt auch sehr gerne Hörspiele nach.
Rollenspiele sind ihr Ding. Sie hat auch sehr viel Phantasie.
Ich komme mir zwar auch immer etwas blöd vor, aber es macht auch Spaß. :-)
Ich denke sie wird das noch lange machen.

LG Sonja

Beitrag von hanni123 29.03.10 - 07:57 Uhr

Huhu,

mein Sohn / wir spielen das auch öfter. Ist wirklich interessant. Gerade, wenn er Papa spielt, da kommen dann so Sprüche wie "Weil ich das sage!" #rofl Mein Mann ist daraufhin nochmal in sich gegangen, ob das wirklich immer so das richtige Argument ist. ;-)

LG

Hanna