Geburtsbericht: Einfach Wahnsinn!!!

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von dengchen 26.03.10 - 21:55 Uhr

Hallo Zusammen,

sehr verspätet aber es war auch späktakulär und so brauche ich etwas zeit um es zu schreiben.

Also.
Es war 1 Woche vor Geburtstermin und ich hatte bereits seit ewiger Zeit Symphysenschmerzen. Ihr Köpfchen war nicht fest sondern lag auf der Symphyse. Als es dann soweit war, dass ich nicht mehr laufen konnte ohne schmerzen, geschweige denn meine Beine alleine aufs Bett heben konnte, entschieden sich mein Mann und ich für einen Kaiserschnitt. Also ab in die Klinik (Dritter Orden, München) gefahren und alle Formulare und Unterlagen ausgefüllt, mit den Ärzten und Anestesisten gesprochen und Termin gemacht. Es war Dienstag und der Termin wurde für Donnerstag festgelegt. Weil wir etwas durcheinander waren in der großen Klinik haben wir uns ein paar mal verlaufen und so musste ich mit riesen Kugel und schmerzen nen Dauerlauf hinlegen. Als wir daheim waren war ich total erledigt und wir sind ins Bett gefallen. Hab dann noch lange nachgedacht ob das die richtige Entscheidung war. Bin eigentlich total für Spontangeburten wenn es möglich ist.

Um punkt 6 Uhr am nächsten morgen habe ich gefühlt wie etwas Flüssiges unten rausläuft. War aber nur wenig und deshalb bin ich liegengeblieben. Dachte es wäre Ausfluss den ich in der Schwangerschaft vermehrt hatte. Als dann noch mehr floss bin ich auf die Toilette gegangen und wusste nicht genau ob das jetzt nur Pipi war was da rauskam oder vielleicht Fruchtwasser. Als ich dann in die Toilette sah hab ich gesehen, dass die Flüssigkeit milchig war. Kurz vorher hatte ich gelesen, dass das Fruchtwasser so milchig ist wegen der Käseschmiere die das Kind verliert.
Also bin ich schnell ins Schlafzimmer und hab zu meinem Mann gesagt "Jetzt ist mir die Fruchtblase geplatzt". Er natürlich sofort aufgespruchen und ich derweil ins Bad. Hab mir schnell die Beine abgeduscht und dann, weil nix anderes gehalten hätte (war viel Wasser), eine Pampers in die Unterhose getan. Hab mich auf die Couch gelegt und bin liegengeblieben wärend mein mann zusammengepackt hat. Mein Frauenarzt hatte mir erst am Montag gesagt, wenn ich nen Blasensprung habe soll ich unbedingt liegenbleiben und liegend ins Krankhaus mit nem Krankenwagen fahren.

Mein Mann fragte dann ob er jetzt nen Krankenwagen rufen sollte, da sagte ich nur "Ja sicher Mensch, ich hab Wehen". Also in der Klinik und beim Notdienst angerufen und einen bestellt. Kamen dann auch sehr schnell und haben mich per Tragetuch aus dem 2. Stock runtergetragen. (Die Männer taten mir echt leid). Im Krankenwagen habe ich mich dann super mit dem Sanitäter unterhalten. Als wir ankamen haben die Hebammen mir direkt Stützstrümpfe und ein Nachthemd angezogen und wollten mich zur OP vorbereiten. Ich hab dann gesagt, dass ich ja den KS nur wollte weil ich so Schmerzen hatte und wenn es jetzt los geht ich sie so bekommen will. Also alles auf Anfang. Haben mich dann an den Wehenschreiben angeschlossen. Hatte auch alle 5 Minuten Wehen aber keine schmerzhaften.

Dann ging es los mit dem Wehenanregen. Erst gaben sie mir eine Tinktur für den Bauch die sollte ich alle paar Minuten drauf tun. Dann diesen ekligen Tee. Dann hatte ich eine Tablette bekommen die die Wehen anregen soll. Dann noch homöopathische Kügelchen (glaub ich gar nicht dran, aber gut). Dann noch einen Einlauf.
Als dann noch keine muttermundwirksamen Wehen da waren (war mittlerweise 14 Uhr) sollte ich etwas rumlaufen. Und dann gings los. Die Wehen kamen schon recht heftig. Und so hab ich mich dann den gesamten Nachmittag mit veratmen beschäftigt. Ab und an hab ich mich dann auch noch übergeben bei einer Wehe. Um 20 Uhr bin ich dann in die Badewanne, wow das war so eine Entspannung, jedenfalls für die ersten 5 Minuten. Dann ging es erst richtig los. Die Wehen kamen so regelmäßig und waren so schmerzhaft das ich es nicht mehr aushielt. War mittlerweile sechs Stunden am "leiden" und der Mumu war erst 4 cm geöffnet. Ich hab dann die Hebi angebettelt mir bitte eine PDA zu beschaffen. Muss dazu sagen, dass ich bei der Anmeldung angegeben habe, dass ich gerne ohne PDA entbinden würde und so wollen die Hebis nicht so schnell damit rauskommen. Sie hat aber dann doch erbarmen gehabt und mir einen Arzt kommen lassen der sie gelegt hat. Ich bin normal ein totaler Schisser bei Spritzen aber da hab ich mir nur gedacht "Hau mir bitte das Ding in den Rücken".

Und dann kam es. Es war so geil. Schon nach fünf Minuten waren die Schmerzen erträglich und nach 15 hab ich fast nix mehr gespürt. Ich konnte wieder ein bisschen lächeln, hab mich mit meinem Mann unterhalten (hatte solche Schmerzen zum Schluss, dass ich nicht mehr reden konnte) und was getrunken. Mittlerweile war es 21 Uhr.

Ich wurde dann an den Wehentropf angeschlossen und hatte immer mehr Wehen. Der Mumu war mittlerweile, 3 Uhr morgens, auch komplett geöffnet. Nur leider war der Kopf immernoch nicht fest. Bei jeder Wehe rutschte die Kleine runter und direkt danach wieder komplett rauf. Dann durfte ich mitdrücken, was auch die erste halbe Stunde ne totale Erleichterung war. Das ging dann bis 6 uhr morgens. Dann hat meine Hebi nen Frauenarzt geholt (der sah verdammt gut aus) und der hat dann mit auf meinem Bauch gedrückt. Dann kam sie endlich raus. Das tat höllisch weh. Ich bin eine total zurückhaltende Person was meine Gefühle angeht und nie hätte ich mir vorstellen können zu schreien oder zu stöhnen bei der Geburt, aber ich habe beides viel und laut getan. Als der Kopf austrat habe ich geschrien wie am Spieß. Der Körper war dann nicht mehr so schlimm.

Die Hebi und der Arzt haben dann die Kleine gerubbelt und ich fragte ob alles ok sei. Sie sagte "Ja ja, das ist normal". Dann haben sie sie rüber auf den Tisch genommen und beatmet und ich fragte wieder ob alles ok sei "Wir holen nur schnell einen Kinderarzt" war die Antwort. Dann standen sie zu dritt bei meinem Mädchen das ich bis dahin noch gar nicht gesehen hatte, nur einen Fuß ganz kurz. Dann haben Sie mir gesagt, dass sie sie jetzt mitnehmen in den Raum nebenan weil da mehr Geräte und Licht ist, sie wäre in 5 Minuten wieder da. Mein Mann ist mitgegangen und hat ein Foto gemacht. In der Zeit kam der FA wieder und hat geguckt ob ich gerissen bin. Und, klar, war ich auch und zwar total. Es waren 4 oder 5 Risse und ein Dammriss 3. Grades. Also rein mit den Spritzen (total unnachvollziehbar wie man sich da piercen lassen kann, tut scheiß weh) und dann wurde genäht. Dann kam mein Mann wieder und sagte, dass sie die Kleine mit auf Station nehmen werden weil noch Fruchtwasser in den Lungen ist und sie Sauerstoffunterstützung braucht. Sie wäre in ca. 1 Stunde wieder da. Also wurde ich genäht und mein Mann ging runter zur Kleinen. Ich wurde ich mein Zimmer geschoben und dann kam mein Mann zurück. Er erzählte dann das Sie erst mal unten bleiben würde weil sie auch Antibiotika bekommen würde weil meine Entzündungswerte während der Geburt erhöht waren und sie womöglich auch was hat und weil der Blasensprung mittlerweile 24 h her war.

Dann durfte ich endlich runter zu ihr. An dieser Stelle möchte ich nochmal sagen, dass ich meine Tochter bis dahin noch gar nicht gesehen hatte bis auf 1 Foto.
Mich hat eine Hebi runtergefahren im Rollstuhl. Als wir dann unten waren hab ich schon total geheult weil ich mich so gefreut habe. Wir sollten dort noch warten weil grad Visite war. Und dann hieß es, dass es doch noch nicht geht. Ich musste also wieder rauf. Ich wurde dann in mein endgültiges Zimmer gebracht zu einer jungen Frau die ihre frühgeborenen Zwillinge auch nicht bei sich hatte.
Nach endloser Zeit durfte ich dann doch runter zu ihr. Ich hab sie einfach nur angesehen und ihr den Rücken gestreichelt (lag auf dem Bauch). Sie hatte bereits einen Schnuller bekommen (wir waren eigentlich dagegen) der in den kleinen Gesicht riesig wirkte. Und sie war wunderschön.
Die Ärzte sagten uns dann, dass Sie für ca. 4-5 Tage unten bleiben muss um eine Infektion auszuschließen. Das war so schlimm. Ich wollte sie nur nehmen und lieben und durfte sie nicht mal auf den Arm nehmen.
Eine Schwester sagte ich sollte später nochmal kommen und dann stillen. Darauf hab ich mich dann riesig gefreut. Als wir dann wieder da waren hieß es, dass ich sie nicht stillen darf, weil ein normal gewachsenes Kind das Atemschwierigkeiten nach der Geburt hat gar keinem Stress ausgesetzt werden darf. Also auch nicht gestillt werden darf. So bekam sie das Fläschchen von den Schwestern. Also nochmal Tiefschlag.
Ich habe sie so oft besucht wie es ging. Da ich aber von der Geburt, den Rissen, der Symphyse (die nun viel schlimmer weh tat) und den Megahämorriden nicht lange sitzten konnte, konnte ich sie jedesmal nur kurz halten und musste sie dann meinem Mann geben.
Am nächsten Tag durfte ich dann stillen, das war wunderschön und sie hat getrunken wie ein Weltmeister. Ich hatte die Nacht zuvor abgepumpt und das wurde ihr dann in die Milch mit reingetan die sie bekommen hat.
Tags drauf durfte sie schon zu mir ins Zimmer weil sie keine Infektion hatte. Auch konnte sie bereits nach 7 Stunden ohne Unterstützung atmen. Es war so unbeschreiblich endlich mein Kind bei mir zu haben. Wir haben nur gekuschelt und geschmust.
Leider konnte ich mich kaum bewegen wegen der Symphyse. Ich konnte nur im Rollstuhl fahren. Laufen ging gar nicht. Mein Mann hat mir die Beine aufs Bett gehoben und das noch 5 Tage nach der Geburt (wirklich ohne Schmerzen länger laufen konnte ich erst nach 4 Monaten wieder). Als wir dann am letzten Tag nach Hause wollten hatten wir noch die U2. Da sagte man uns dann noch das Sie ein Spreizhöschen braucht und auch der Schädelultraschall auffällig war. Oh Mann, das war wieder ein Schlag ins Gesicht. Also musste ich mit Ihr einen Tag nachdem wir daheim waren, mit Schmerzen und noch total unsicher im Umgang mit ihr, im Auto zur Kinderärztin fahren und ein Spreizhöschen holen. Als sie das dann hatte bin ich beim Arzt in Tränen ausgebrochen. Ich war so traurig, dass meine Kleine so ein Ding tragen muss. Und durch den ganzen Stress hatte ich am dritten Tag daheim auch noch nen heftigen Babyblues.

Aber jetzt ist alles überstanden. Sie ist gesund. Das Spreizhöschen brauchte sie nur 6 Wochen, der Kopfultraschall nach 8 Wochen hat sich als unauffällig erwiesen und wir sind überglücklich.

Ich war sehr zufrieden mit dem Dritten Orden in München und würde es jedem zu 100 % empfehelen.

So, das wars soweit. Wahnsinn was da alles passiert ist. Aber so ist das im Leben, man weiß nie was man bekommt.

Danke euch
Sarah

Beitrag von haferfloeckchen 27.03.10 - 11:56 Uhr

Hi,

danke für den ausführlichen Bericht.
Trotz der ganzen Hindernisse durftet du wenigstens spontan entbinden!:-) Schön, dass es euch jetzt gut geht!
Mit der Symphyse habe ich auch Probleme, hoffe, dass wird nach der Geburt nicht so schlimm sein#zitter

lg

Beitrag von sumamaso 30.03.10 - 10:40 Uhr

Hallo Sarah,

hast du sehr schön geschrieben und #herzlich Glückwunsch zu eurer Maus.

Mir sind die Tränen in die Augen geschossen ab da wo deine Maus gleich runter mußte zu den Ärzten wegen FW in der Lunge, dies hat mich an meine Entbindung erinnert mit meinem Sohn. Sebastian hatte auch zuviel FW in der Lunge gehabt und brauchte auch Sauerstoff. Er mußte abends sogar verlegt werden in eine andere Stadt und auf die ITS. Wo er 3 Tage war. Sebastian hatte auch Antibiotikum bekommen weil seine Entzündungswerte etwas erhöht waren. Nach ca. 6 Wochen kam er in die Uni Klinik und mußte am Leistenbruch rechts operiert werden, zwei Wochen später verdacht auf Leistenbruch links und Bauchnabelbruch. Hatte sich aber GOTT SEI DANK nicht bestätigt.

Jetzt ist mein Sohnemann schon 14 Monate alt und ein kleiner Rabaucke.

Ich wünsche Euch alles Gute.

LG Susi