Familie erhalten, aber mein Herz mag noch nicht

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von ichMuss 27.03.10 - 22:01 Uhr

Es ist die gleiche Geschichte wie bei so vielen und doch meint man immer, dass es einem selbst am meisten weh tut und es nie vorbeigeht ... Mit diesem Post möchte ich es mir einfach "von der Seele" schreiben. Ihr dürft gern Eure Meinung dazu sagen, dass das Alles von mir nicht richtig ist weiß ich selbst.

Ich habe mich jetzt nach endlosen 3 Monaten für meine Familie entschieden, ich bleibe bei meinem Mann. Die Vorgesschichte? Seit über 10 Jahren verheiratet, Kinder, Haus ... alles soweit ok. Die letzten 2 Jahre waren beruflich sehr angespannt, wir hatten kaum noch Zeit füreinander. Unternehmunge hatten wir einige letzten Sommer, aber ab Herbst haben wir manche Woche nur noch zusammen zu Abend gegessen.

Es gab keinen Streit, wir haben einfach nebeneinander hergelebt. Ich geh alleine weg, unternehme alleine was mit den Kindern, kümmere mich natürlich auch um alles allein (denn mein Mann ist beruflich noch mehr eingespannt wie ich mit meiner Vollzeitstelle). Irgendwie habe ich gelernt, plötzlich alle Entscheidungen allein zu treffen und mein eigenes Ding zu machen und das zu genießen. Mein Mann hat mich mehr oder weniger gewähren lassen, denn warum sollte ich allein dasitzen?

Tja, und dann gibt es diesen "anderen Mann", kenne ihn seit über 1 Jahr, ebenfalls verheiratet, Haus, Kinder ... Wir verbringen beruflich manchmal Zeit zusammen, über die Monate haben wir uns sehr gut kennengelernt, im letzten Herbst wurden die Gespräche plötzlich sehr vertraut. Doch alle Gedanken wurden weggeschoben, denn es darf ja nicht sein. Irgendwann begannen wir uns zu mailen, zu simsen, zu telefonieren. Heimlich ... und wussten beide, darf nicht sein.

Wir wissen von unseren Gefühlen zueinander, haben irgendwann offen miteinander gesprochen. Wir sind NICHT miteinander ins Bett gegangen. Manchmal haben wir uns umarmt, einander festgehalten und auch geküsst. Beide mit dem schlechten Gewissen und vor allem der Gewissheit, es geht gar nicht was wir unseren Partnern antun. Versichern uns, es darf nicht sein, gehen auf Abstand zueinander, nur um eine Woche später wieder zusammenzubrechen.

Das geht jetzt seit 3 Monaten so, ich kann nicht mehr schlafen, kaum noch essen, das alles darunter leidet kann sich jeder vorstellen. Ich habe meinem Mann gesagt, dass ich nicht weiß, ob ich ihn noch liebe vor einigen Wochen. Er fragt nicht nach, ahnt was los ist, hat aber Angst vor der Antwort. Mein Mann ist so lieb, aber ich kann ihn seit Monaten nicht mehr an mich heranlassen. Selbst Umarmungen fallen mir schwer, denn er will (verständlicherweise) sofort mehr und ich blocke völlig ab.

Das Problem ist nicht nur "der Andere", mein Mann und ich haben uns schon länger auseinandergelebt. Ich war immer die Starke, die alles zusammengehalten hat, die den Alltag organisiert, wenn er unter der Arbeit mal wieder zusammenbricht. Mein Mann wirkt immer so stark, doch zu Hause gehen ihm die Nerven durch und er ist nur noch am jammern, wie ungerecht die ganze Welt es mit ihm meint.

Und jetzt ist da jemand, der mich einfach mal festhält, der soviel Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt, mit dem ich einfach mal wieder lachen kann, auch wenn was schief geht. Der nicht bei jeder Kleinigkeit aus der Haut fährt, auch wenn ich mal gereizt bin, mir aber trotzdem sagt, wenns nicht ok ist. Jemand, mit dem ich über alles reden kann. Es ist so unfair meinem Mann gegenüber, schließlich sind wir 14 Jahre zusammen. Aber es ist ein Gefühl, als ob ich meinen ruhigen Gegenpol gefunden habe, während mit meinem Mann immer ein hitziges Auf und Ab war, bis ich irgendwann alles allein gemacht hab ...

Wir können beide nicht aus unseren Leben heraus, das können wir unseren Familien nicht antun. Er hat auch von Anfang an gesagt, da darf nie was "Richtiges" werden, er trennt sich nicht von seiner Familie. Und so sehenwir uns an, sind beide unglücklich, brechen manchmal in Tränen aus, waren doch bisher irgendwie auch glücklich in unseren Ehen. Und bleiben doch bei unseren Partnern. ... jetzt bin ich "gegangen". Ich muss versuchen, den Weg zu meinem Mann zurück zu finden. Ich weiß, dass es so sein muss und doch, es fühlt sich so falsch an ... Und das schlimme ist, auch wenn ich den Anderen nicht haben kann, ich fühle, dass ich auch nicht "zurück" zu meinem Mann kann. Als ob ich keine Zuhause mehr habe. Ich weiß, dass ich mich wieder einkriegen muss, und weiß einfach nicht wie.

Und alles tut weh als ob ich ein Teenager mit Liebeskummer wäre und ich fühl mich, als ob ich gerade den größten Fehler meines Lebens begehe. Aber ich kann doch nicht meine Famlie zerstören!

Wer bis hierhin gelesen hat, DANKE. Ich musste es mir einfach mal "wegschreiben".

Beitrag von mamantje 27.03.10 - 22:23 Uhr

Hey,
lass dich mal #liebdrueck

Keiner sagt dir, dass es mit dem Anderen eine Zukunft gegeben hätte. Häufig ist es der Reiz, raus aus dem Alltag ... Nun ja... Punkt. In meinen Augen hast du dich richtig entschieden.

Ich hasse lesen, habe aber ein Buch in meinem Leben verschlungen ... habs wohl mittlerweile 5 Mal gelesen. Das möchte ich dir wärmstens empfehlen, da du zu deinem Mann zurück finden möchtest.

Es heißt: "Liebe dich selbst und es ist egal wen du heiratest" von Eva-Maria Zurhorst... Das Nachfolgebuch (Praktische Umsetzung) gibt es mittlerweile auch "Liebe dich selbst und freu dich auf die nächste Krise".

Tu etwas, beginne bei diesem Buch. Ich glaube, das ist der richtige Weg. Kannst du auch googeln.

Liebe Grüße und viel #klee
Antje

Beitrag von ichMuss 29.03.10 - 18:30 Uhr

hab schon davon gehört ... im Moment weiß ich selbst noch nicht ... Vielen dank für Deine Antwort.

Beitrag von carla_columna 28.03.10 - 08:19 Uhr

Puh, das kenn ich doch...

Mir ging es vor einigen Jahren wie dir. Der große Vorteil war, dass wir beide keine Kinder hatten.

Ich habe mich von meinem Ex-Mann getrennt, ohne zu wissen, ob es mit dem Neuen eine Zukunft gibt.
Ich habe mich getrennt, weil mir klar war, dass es mit meinem Ex-Mann so oder so keine Zukunft gibt.

Nun bin ich seit 9 Jahren mit dem "Neuen" zusammen und wir haben eine Familie gegründet.


Mit Kinder ist das Ganze natürlich noch mal ganz was anderes.
Erstmal war es sicher eine gute Entscheidung, auf Abstand zu dm Neuen zu gehen.
Werde dir klar, was du für DICH willst.

Viel Glück dabei.

LG Carla

Beitrag von ichMuss 29.03.10 - 18:32 Uhr

Tja, so geht es mir auch ... aber aus egoistischen Gründen allein sein und den Kindern den Vater nehmen, das bekomme ich nicht hin. Aber mein Gefühl sagt mir, dass die Zeit zeigen wird, ob ich zurück finde oder nicht. Das mit dem anderen nichts werden kann weiß ich, dafür würden wir zu viele "Altlasten" mitnehmen.

Die Frage ist eher, gehe ich trotzdem, um meinetwillen?

LG und Danke.

Beitrag von mir geht es ähnlich 29.03.10 - 11:39 Uhr

Hallo liebe IchMuss,

irgendwie war ich gerade froh Deinen Beitrag gelesen zu haben. Froh nicht allein mit solchen Gedanken zu sein, in einer Welt wo immer alles in Bester Ordnung zu sein hat. Ich bin seit 10 Jahren mit meinem Mann zusammen, seit 6 Jahren verheiratet. Wir haben zwei kleine Kinder. Mein Mann ist beruflich stark eingespannt, kommt nur am Wochenende nach Hause. Ich lebe seit 4 Jahren eigentlich mein eigenes Leben mit den Kindern. Wir haben ein Haus und keine finanziellen Sorgen, eigentlich ein schönes Leben. Doch immer öfter stelle ich mir die Frage, ob ich mir das für mich als Mensch für den Rest meines Lebens vorstellen kann. Mir fehlt ein Partner zum Lachen, zum Weinen. Mein Mann kann/will meine Probleme und Sorgen nicht nachvollziehen. Gemeinsame Gespräche die über die Kinder oder seinen Beruf hinausgehen, gibt es kaum. Geborgenheit und Wärme gibt es irgendwie nicht mehr. Ich kann mich ihm auch nicht mehr öffnen. Deine Aussage "als ob ich kein Zuhause mehr habe" trifft es auf den Punkt. Ich kann Dir leider keinen Rat geben, vermutlich wolltest Du auch keinen. Freunde sagen mir, ich soll mich trennen. Aber das kann und will ich meinen Kindern und meinem Mann nicht antun.

Ich wünsch Dir alles Gute#herzlich

Beitrag von ichMuss 29.03.10 - 18:45 Uhr

Hallo mir geht es ähnlich, #liebdrueck

mir sagt niemand dass ich mich trennen soll. Im Gegenteil, meine Freundin ist entsetzt über mich und will dass ich alles versuche ... Du hast also auch Recht, ich habe gar keinen Rat gesucht. :-)

Es tut gut zu wissen, dass man mit solchen Problemen nicht allein ist. Leider kann ich wegen der Kinder nicht einfach gehen und es ist ja nicht so, dass wir uns nicht verstehen. Ich mag meinen Mann sehr sehr gern und dass nach so vielen Jahren die Schmetterlinge nicht mehr so fliegen weiß ich.
Das ist nicht mein Problem, sondern ich hab mich verändert. Ich hab festgestellt, dass ich mein Leben sehr gut alleine leben kann und unabhängig geworden bin. Seine negative Lebenseinstellung und auf jede Kleinigkeit immer so gereizt (egal ob eine Situation, die Kinder oder ich) zu reagieren, nervt mich einfach. Es sind keine handfesten Streits, sondern ich habe einfach gemerkt, dass andere Menschen (einschließlich mir) nicht immer alles so schwarz sehen und es fällt mir schwer, das bei meinem Mann zu ertragen. Das versteht er natürlich nicht ...
Was die Zeit bringt, ich weiß es nicht. Ich möchte mich jetzt nicht trennen wegen eines anderen, aber das heißt nicht, dass es eine Trennung früher oder später nicht vielleicht doch gibt.
Dir geht es wirklich ähnlich wie mir, ich drück Dich mal und wünsche Dir auch alles Gute. Wenn die Liebe geht, muss das nicht im Streit enden, manchmal muss man dann einfach einen neuen Weg suchen. Ich wünsch Dir, dass Du den richtigen für Dich findest.
LG