Unser Pflegekind

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von p.sylvie 29.03.10 - 02:24 Uhr

Als wir uns dazu entschlossen ein Pflegekind aufzunehmen, wollten wir etwas Gutes tun. Wir wollten einem Kind eine Chance geben, wir wollten helfen- einem Kind und seiner Familie.
Wir wussten wohl dass Pflegekinder oft Probleme mit ins Haus bringen, aber uns war das egal. Wir waren so besessen von der Idee dass wir unser Haus und unser Herz öffnen wollten für ein fremdes Kind.
...
Nun ist unser Pflegesohn seit 16 Monaten bei uns und ständig gibt es diese ewigen Konflikte. Die guten Zeiten werden schon längst von den schlechten Zeiten überschattet und die gesamte Familie leidet unter dem klima.
Mir geht als Pflegemutter so langsam der Atem aus, der Junge wehrt sich so sehr gegen uns.
Ich weiss sehr wohl dass der Knirps das nicht böse meint, aber es ist doch sehr ermüdend ein kind zu haben das nichts annimmt, das sich total verweigert, das nur noch rummotzt und den Alltag boykottiert; und dieses ständig die negative Aufmerksamkeit an sich ziehen, das halt ich fast nicht mehr aus.
Ich hab doch noch 2 eigene KInder, die brauchen mich doch auch.
Mir wird links und rechts gesagt man muss ein Pflegekind so lieben als wäre es ein leibliches kInd, aber ich KANN das einfach nicht. Er IST nicht mein leibliches Kind, dennoch liebe ich ihn, bloss... anders...
Ich find ihn süss, mag sein Lächeln, bloss das ist so selten...
Mir raubt es die Kraft, und ich weiss nicht weiter. Für unseren Pflegesohn gibt es in seiner Geschichte keine Chance auf Rückführung, er wird also immer bei uns bleiben, es sei denn wir geben auf... Aber wie könnten wir? So einen kleinen Jungen wieder abgeben?! Das wäre sein Ende! Aber was ist mit uns? Wo bleibt die Harmonie? Wo bleibt der Familienfrieden?
Ich sehe mich so sehr nach "Urlaub", ich sehne mich so sehr nach den alten Zeiten als er noch nicht da war. Aber er hat uns schon geprägt, die Kinder lieben sich sehr. Wäre er weg, würden ihn alle vermissen. Bloss- ICH komme mit unserem Pflegesohn einfach nicht zurecht. Wir finden keine Ruhe, wir finden keinen Weg zueinander.
Viele werden denken "ihr werdet doch dafür bezahlt..." aber 1. stand das nie für uns im Vordergrund und 2. ist diese Bezahlung nicht im geringsten ein Ausgleich für das Engagement was wir bringen...
Wir hatten uns immer eine Grenze gesetzt: wenn einer von unserer Familie drunter leidet, dann hören wir auf. Aber wir verschieben diese Grenze immer wieder. Wir raffen uns jeden Tag neu zusammen, dann geht es mal wieder besser und dann geht es wieder schlechter...
Ich kann die Distanz nicht abstellen, finde keinen Weg mit meinen Gefühen umzugehen. Lass ich ihn zu nah an mich ran, dann verletzt mich seine Beziehungsstörung zu sehr. Halte ich ihn auf Distanz, dann geb ich ihm nicht wirklich das was ein Kind von Mutterliebe brauchen würde. Aber ich bin halt nicht seine Mutter....
( er hat eine Mutter und einen Vater die sehr präsent sind, und ihn trotzdem nicht grossziehen können aufgrund von Behinderungen)

Und ich frag mich echt ob das je besser wird...
Für mich reicht es nicht dem Kind "ein Zu Hause " zu geben. Ich möchte fair bleiben- ihm gegenüber und unseren Kindern gegenüber..
Ich hab schon mit dem Sozialarbeiter darüber gesprochen, der sieht immer nur die Fortschritte die der Junge macht (die seh ich nicht...) und ansonsten spricht er von "Schadensbegrenzung", denn würden wir aufgeben, käme er zurück ins Kinderheim wo er aufgewachsen ist. Grössere Kinder werden sehr schlecht vermittelt.
Im Übrigen ist der Junge gerne bei uns, ich fühl mich so als würde ich mich gegen ihn "wehren".
Wieso?
Wie finde ich Ruhe? Wie überbrücke ich diese Distanz?
Wie finde ich wieder Energie?
Lg

Beitrag von mm1902 29.03.10 - 02:47 Uhr

Hallo!

Ich gehe davon aus, dass es sich um einen von deinen 5jährigen Jungs (laut VK) handelt... #gruebel
Dann war dein kleiner Sohn ja noch sehr jung, als euer Pflegekind in die Familie kam.

Vielleicht war das sogar zu früh für euch...?

Welche Probleme gibt es denn genau?

LG, M.

Beitrag von p.sylvie 29.03.10 - 08:07 Uhr

Hallo
Unser jüngster war damals 16 Monate alt als unser Pfegesohn zu uns kam. Wir hatten uns sehr bewusst für ein Kind entschieden das im Alter zwischen unseren Jungs lag. wir wollten auf keinen Fall ein Baby.
Für uns war DA der richtige Zeitpunkt weil wir das gefühl hatten die Familie ist noch am Punkt wo sie sich neu findet, wir dachten dass es in einer Zeit des Wechsels reinfacher wäre, ein Pflegekind in die familie zu integrieren.
Als unser Pfelgesohn zu uns kam, viel uns auf dass er sehr freundlich, lieb, manierlich und fröhlich war. doch das schlug rasch um. Gut, die Manieren sind geblieben. Aber sonst ist er nur motzig, bockig und verweigert sich halt total. Wenn er nicht will, dann will er halt nicht, so wie ein bockiges 3jähriges Kind.
Ich weiss dass Pflegekinder oft regressives Verhalten zeigen, um ihren Platz zu finden und das stört mich nicht so sehr.
Was mich stört ist das was in mir drin los ist. Dass ich ihm einfach nicht wirklich verzeihen kann. Dass ich es nicht schaffe am nächsten Tag von vorne zu beginnen. Ich hab das Gefühl dass ich ihm nicht genug geben kann. Gut, die Distanz die ist ergewöhnt, denn im Kinderheim war es ja nocht anders. Die Leute die dort gearbeitet haben hatten auch diese Distanz. Bloss ich hätte mir von mir selbst mehr erwartet... Ich bin total enttäuscht von mir selbst und ich hätte mir das ganze sehr viel leichter vorgestellt- nicht von der Problematik her, sondern von meinen Gefühlen her... Und ich kann damit nicht umgehen.
Lg

Beitrag von mm1902 29.03.10 - 14:08 Uhr

Hallo noch mal!

Ich habe den Eindruck, dass du dich viel zu sehr unter Druck setzt!

Du musst nicht in allem perfekt sein!
Welche Mutter ist das schon? :-)

Ihr wolltet diesem Kind eine Familie bieten und habt euch das evtl. leichter vorgestellt.

Ich verstehe, dass du zu deinem Pflegekind nicht so eine intensive Bindung hast, wie zu deinen leiblichen Kindern. Diese hast du ja auf die Welt gebracht und ich denke, das ist eine ganz andere Mutter-Kind Beziehung als sie zu einem ``fremden`` Kind sein kann.

Ich habe 4 Kinder - 3 Jungs und 1 Tochter.
Meinen Großen habe ich mit in die Ehe gebracht und mein Mann hatte vorher keinerlei Erfahrung oder Bezug zu Kindern (ist selbst als Einzelkind groß geworden und hatte auch sonst keine Kinder in der Familie).
Trotzdem liebte er meinen Sohn von Anfang an und adoptierte ihn auch später.
Zwischen ihm und seinen 3 leibl. Kindern machte er nie einen Unterschied!
Trotzdem gab es anfangs einige Unsicherheiten bei ihm und die Sorge, dass mein Sohn sich anders behandelt fühlen KÖNNTE, als seine Geschwister.

Mittlerweile sind unsere Kinder schon recht groß, aber natürlich lief und läuft auch bei uns nicht alles nach Plan.
Unser jüngster Sohn z.B. zieht auch gerne die (negative) Aufmerksamkeit auf sich.
Das hat viell. mit Eifersucht oder gefühlter mangelnder elterlicher Aufmerksamkeit zu tun. Aber dieses Verhalten zeigt er auch in der Schule!
Mit unserem 2.ältesten gibt es momentan auch etliche Probleme und ich gerate fast tagtäglich mit ihm aneinander. :-(
Da fällt es auch manches Mal schwer ``Mutterliebe`` zu zeigen...!

Was du aber mehrfach geschrieben hast ist, dass es anscheinend Probleme mit dem leibl. Vater gibt.
Gibt es da keine Möglichkeit, vernünftig miteinander zu reden? - zum Wohle des Kindes!
Was meint euer Sozialarbeiter dazu?
Gibt es bei euch eine Beratungsstelle/Erziehungsberatung?
Oder auch eine Familientherapie?

Wie sieht dein Mann das Ganze?
Fühlt er genauso wie du?
Unternimmt er auch alleine etwas mit den Jungs - auch mit jedem einzeln?
Dies wurde uns z.B. geraten, einen Vater-Sohn Tag einzuführen.

LG, M.


Beitrag von p.sylvie 29.03.10 - 20:24 Uhr

Hallo
Nö mein Mann arbeitet den ganzen Tag, ich bin den ganzen Tag mit den Jungs alleine. Und am Wochenende da freuen wir uns auf gemeinsame Stunden. Manchmal organisieren wir für unseren Ältesten einen Mutter/Vater-Tag, weil er eigentlich der EINZIGE ist der nie einen von uns für sich alleine hat. Unser Kleiner hat mich Vormittags für sich und unser Pflegesohn hat alle 14 Tage seine leiblichen Eltern wo er gut verwöhnt wird:-)
Ja, Probleme gibt es mit dem Leiblichen Vater.. Zur Zeit ist es gott sei dank ruhig, aber auch nur weil das Gericht ihm mit Entzug der Besuchskontakte gedroht hat wenn er den Jungen weiterhin bearbeitet. Die Besuchsübergabe findet schon an einem neutralen Prt statt, so dass wir dem Vater nicht begegnes müssen. Das erleichtert vieles. Bevor diese Reglung per gericht getroffen wurde, holte der Vater seinen Sohn bei uns zu hause ab und das war der Horror! Ständig gab es diskussionen und Streit vor unserer Tür...
In all den Jahren hat der vater sehr um sein Kind gekämpft, ohne Erfolg und das frustriert ihn sehr. Das führt dazu dass er in jedem einen Feind sieht und denkt alle würden gegen ihn arbeiten. Und solche Dinge bespricht er dann auch mit dem Jungen...
...
Ich bin in einer Supervisionsgruppe, und in Therapie...
Ich hoffe es hilft.
Lg

Beitrag von sabine7676 30.03.10 - 21:45 Uhr

hallo,

wir haben auch vor fast drei wochen ein pk aufgenommen. hast du dich denn schon im pflegeeltern forum informiert? vielleicht kann dir da jemand helfen?
was mich noch interessiert, hattet ihr kein vorbereitungsseminar, indem ihr all diese phasen durchgenommen habt? oder hilft dir das jetzt auch nicht weiter.
auserdem wundert mich, daß ihr ein kind zwischen euren bekommen habt. unsere ja sind der meinung, kinder nur so zu vermitteln, wie die reihenfolge auch natürlich wäre, also die eigenen kinder sollen immer älter sein....

wünsch dir viel kraft!

vlg

Beitrag von gunillina 29.03.10 - 06:23 Uhr

Frag clazwi (hier im Forum). Die ist Adoptiv- und (glaube ich) auch Pflegemutter. Sie kann dir sicher ein paar hilfreiche Tipps geben.
Ich finde ja, es hört sich so an, als würdest du nicht gut genug betreut vom Jugendamt (wird man da überhaupt betreut?).
Sprich mit einer Ansprechperson über deine Sorgen und Gefühle.
Denn, auch wenn DU momentan die größeren Probleme zu haben scheinst, euer Pflegesohn wird derjenige sein, der darunter leidet. Weil er das merkt, was in dir vorgeht.
Das kann sich ja auch gegenseitig bedingen.
Ausserdem schreibst du, es gibt für ihn keine Alternative zur Pflegefamilie/Heim. Wenn es bei euch also nicht "klappt", braucht er eine andere Familie. Das ist eine große Belastung für das Kind, aber wenn es nicht anders geht, wenn ihr keinen Kontakt zueinander findet, die einzige Möglichkeit.

Also, ich würde mir professionelle Hilfe holen, schnell.

Vielleicht seid ihr trotz allem zu "naiv" in die Sache hineingegangen?
Ich denke, die Probleme und das Innenleben eines Pflegekindes kann man nicht nur mit "Liebe und Geborgenheit" wandeln und bekehren. Da gehört so viel dazu...

Das ist auch der Grund, weshalb ich diesen Schritt noch scheue. Ich weiss nicht, ob ich die Verantwortung tragen könnte.

Alles Liebe euch!

Und hol dir unbedingt jemanden ins Boot, vielleicht hilft dir schon eine gute, regelmäßige Supervision, um weiter zu machen und etwas zu ändern!
#liebdrueck

Beitrag von p.sylvie 29.03.10 - 08:13 Uhr

Hallo
UNsere Ansprechperson (Psychologe- bei uns gibt es kein Jugendamt wie in Deutschland) kennt mein Gefühlschaos, er meint halt nur dass ich das gut mache, dass man am Jungen sehr viele fortschitte sieht und es ihm gut bei uns ginge. Dass wir eine "Traumfamilie" seien für so ein Kind und dass ich ihn ga rnicht lieben MUSS wie meine eigenen Kinder.
Aber so wird er immer NUR das Pflegekind bleiben.
Und das will ich halt nicht...
Die Problematik die er mit sich bringt, ich denke damit haben wir noch sehr viel Glück. Er hat "Nur" eine Bindungsstörung, ev. ein klein wenig "schwer von Begriff" aber SO schlimm ist das nicht... Es ist halt MEIN Innenleben das mich so durcheinander macht. Ich bin heilfroh dass wir uns nie für Adoption entschieden haben, denn wenn ich mir vorstelle ich könnte so ein Kind auch nicht richtig lieben....
Lg

Beitrag von danni64 29.03.10 - 10:01 Uhr

Hallo,

ich kann dir ein wenig von meinen Erfahrungen berichten,denn ich habe 17 Jahre meine Stieftochter gross gezogen.
Ich kenne es mit dem unterschiedlichen Lieben.Ich habe es auch nie geschafft meine Stieftochter so zu lieben,wie meine eigenen Kinder.Und ich denke,das geht auch nicht,selbst bei den eigenen Kindern hat man so ganz heimlich sein Lieblingskind.Man liebt auch jedes seiner eigenen Kinder auf unterschiedliche Weise,weil sie eben nicht alle gleich sind.

Bei Pflege-oder auch Stiefkindern fehlt dazu eine Menge.Ich lernte damals meinen Exmann kennen,der die Tochter mit in die Ehe brachte,hatte selber noch keine Kinder.Sie war damals 2,5 Jahre jung.Ich konnte bei anderen Müttern nicht mitreden,wenn es um Wehen,die ersten Zähnchen oder die ersten Schritte waren,wusste alles nur von Erzählungen.
Bei meinen Kindern kann ich das. Man baut ja nicht erst eine Beziehung zum Kind auf,wenn es geboren wird,man merkt,wie es in einem wächst und all diese Dinge,die man bei einem Pflege-oder Stiefkind nicht hat.

Die Beziehung zu meiner Stieftochter wurde besser,als ich aufhörte, für sie eine Mutter zu sein,wie für meinen Sohn. Ich nahm mir damit den Druck und konnte sie mit anderen Augen ansehen.Ich dachte immer,bei ihr muss ich alles besonders gut machen,weil ja alle wussten,sie ist nicht mein Kind.
Bei mir war noch der Punkt,dass Verwandte und Nachbarn auch genau schauten,ob ich auch alles richtig mache.Und wenn man unter Druck steht,macht man mehr Fehler.Tief im Innern sitzt immer,wenn ich versage,dann muss das Kind aus dem Zuhause raus.Meine Stieftochter hatte auch diese Bindungsängste und hat sie heute noch.Ist doch auch klar,dass diese Kinder Bindungsängste haben,denn sie kennen es nicht,dass Menschen für sie da sind und wirklich so lieben,wie sie sind.
Ein Psychologe erklärte mir das mal so. Je lieber man zu den Kindern ist,desto mehr Blödsinn machen sie oft,um ihre Grenzen zu testen.Sie testen,ob man sie auch liebt,wenn sie eben keine Musterkinder sind.
Es gibt Fälle,da stellen sich missbrauchte Mädchen nackt vor den Pflegevater,um zu schauen,ob er sich auch anfasst. Es klingt absurd,aber sie testen,wie weit sie gehen müssen,um nicht mehr geliebt und verlassen zu werden.
Kinder,die verlassen wurden,sehen die Fehler immer bei sich,sie denken,sie wurden von den Eltern im Stich gelassen,weil sie nicht lieb waren und nun schauen sie,wie "böse" sie sein müssen,um wieder verlassen zu werden.
Ich würde mir jetzt mal denken,der Kleine spürt deinen Druck,den du mit dir trägst.Und nun ist er so unsicher wie du auch.

Ehrlich gesagt,finde ich die Aussagen deines Psychologen sehr halbherzig.Er sollte euch mehr helfen und tiefer beeuch beiden schauen,wo das Problem liegt.

Ich möchte dir aber wirklich was ans Herz legen. Setze dich nicht so unter Druck.Liebe den Jungen so,wie du kannst,das wird ihm reichen,denn er möchte in die Familie gehören und sich da sicher fühlen.Und mal ehrlich,man kann sich doch auch bei guten Freunden sicher fühlen,braucht man dafür echt Eltern ?

Wie sagt ein Sprichwort ? Gute Freunde kann ich mir aussuchen, Eltern bekommt man aufs Auge gedrückt ;-) !!

Du biist nun mal ehrlich nicht seine Mutter und wirst die niemals ersetzen können.Ich musste das auch lernen,es ist ein harter und steiniger Weg. Und wenn du ihn als tolle Freundin in den Arm nimmst und ihm zeigst,ich hab dich lieb,was du auch hast,ich lese es zwischen deinen Zeilen, dann bekommt er Wärme,Vertrauen und Geborgenheit. Und das ist alles,was er braucht.

Er hat gelernt,dass eine Mama ihn im Stich lässt,vielleicht will er darum keine Mama mehr.

Glaub mir,auch wenn er damals noch klein war,hat er mehr mitbekommen,als es viele wahrhaben wollen :-( !!

Wenn du magst,kannst du mich auch über meine VK anschreiben und können uns austauschen.

Ich wünsche dir alles Liebe und du bist ihm schon eine gute Pflegemutter #herzlich !!

LG Danni !!

Beitrag von p.sylvie 29.03.10 - 12:51 Uhr

Hallo
Ich hab heute morgen mit diesem Psychologen (unserer ansprechperson) geredet und ihm noch mal inständig erklärt wie es in mir drin aussieht.
Er erklärte mir noch einmal die Problematik unseres Pflegesohnes und wies mich auch (wie schon so oft) darauf hin dass ich zu sehr selbstkritisch bin und zuviele ansrpüche an mich selbst stelle. Er sagt, es reicht wenn ich dem Kind Vertrauen und Sicherheit geben kann, Liebe kann man nicht erzwingen, Körperkontakt gehört zu meinem "Job"....
Ich versuche ständig mich selbst zurück ze nehmen, heute hab ich mit meinem Pflegesohn zusammen gekocht, das war toll:-)
Was mir das Leben noch sehr schwer macht, das ist eindeutig unser Umfeld, so wie du es auch beschreibst. Ständig sagt mir jemand wie ich "es" zu machen habe und dass ich hier und da falsch mache... Und ich seh mich ja nicht wirklich selbst, also muss ich auch fähig sein Kritik anderer anzunehmen und darüber nachzudenken... Aber am Ende weiss ich dann gar nicht mehr was ich denken soll...

Bei meinem Jüngsten hab ich sehr lange gebraucht um ihn so lieben zu können wie ich es jetzt tue, und JA ich liebe ihn anders als meinen Grossen...

Ich denke dass das Verhalten unsers Pflegesohnes sehr viel damit zu tun hat dass er sich in einem Loyalitätskonflitk befindet, sein vater liebt ihn abgöttisch (seine Mutter auch) und der Vater ist sehr eifersüchtig. Also MUSS der JUnge mich/uns "hassen" damit er seinem Vater gerecht bleibt...
Bloss... macht das Sinn?
Ich weiss nicht ob wir nun eine "ersatzfamilie" oder eine "ergänzungsfamilie" sind, momentan versuche ich es einfach so zu sehen dass ich ihn halt versorge weil seine Eltern das nicht können, und das eben am Tag und Nacht... Das hilft mir ein wenig Abstand zu meinen eigenen Vorstellungen und Ansprüchen zu bekommen.
Ich hoffe es wird bald besser, heute hat der Tag schon mal gut angefangen:-)
Danke
Lg
Sylvie

Beitrag von clazwi 29.03.10 - 07:11 Uhr

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Mir wird links und rechts gesagt man muss ein Pflegekind so lieben als wäre es ein leibliches kInd, aber ich KANN das einfach nicht. Er IST nicht mein leibliches Kind, dennoch liebe ich ihn, bloss... anders...
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Hallo Sylvie,

lass' Deine Gefühle zu!
Leider neigt unsere Gesellschaft dazu, Gefühle ganz genau vorzuschreiben - wen man wie zu liebe hat.
Dabei gibt es auch so etwas wie eine "gesunde Distanz" und gerade im Pflegekinderwesen kann diese "gesunde Distanz" sehr wichtig sein.

Als wir unsere Kleine damals aufgenommen haben, hat sie sich zwei Jahre total gegen uns gewehrt, war völlig bindungslos und ich war einfach fix und alle!

Sie wehrte sich gegen jede Berührung usw. usw.

Ich war auch kurz davor, aufzugeben.

Sucht am besten das Gespräch zu den Fachkräften Eurer Vermittlungsstelle.
Ich weiss sehr gut, was Pflegekinder mit sich bringen können und was von Pflegeeltern "erwartet" wird (meistens von Mitmenschen, die nicht die geringste Ahnung haben, was DAS bedeutet).

Akzeptiere Deine eigenen Grenzen und wenn Ihr aufgeben müsst, dann denk' immer dran, dass Ihr Euer Bestes gegeben habt.

Alles Liebe für Euch,
Claudia

Beitrag von p.sylvie 29.03.10 - 07:51 Uhr

Hallo
Jetzt hab ich endlcih dei shclaflose Nacht hinter mir...
Ich suche für mich selbst irgendwie das "WiE soll ich ihn lieben". Klar, ich mag ihn, aber LIEBE? Meine Kinder liebe ich abgöttisch, aber dieses fremde Kind halt nicht.
Wir haben einen Psychologen als Betreuungsperson, mit dem hab ich schon geredet, er meinte ich soll das ganze sehen als Arbeit, schliesslich werde ich dafrü bezahlt. Wenn mir jedoch eine "Arbeit" nicht liegt, dann hör ich damit auf, oder?
Es gibt viele Probleme mit dem leiblichen Vater des Kindes. Der steckt in einem grossen Loyalitätskonflikt, das ist mir sehr klar und er kann ja auch da nix für..
Bloss, manchmal denke ich, vielleicht war er schon zu lange im Kinderheim, er hat nie gelernt Bindungen einzugehen. Er ist total materialistisch, er liebt nur wenn er ein Geschenk bekommt, und denkt wenn wir ihm nix kaufen oder so, dann lieben wir ihn nicht.
Und das alles was wir ihm bieten, das kann er jetzt halt noch nicht schätzen..
Und wir kämpfen jetzt schon so lange...
Es lief gerade mal 2 Monate gut. Naja, dann kann man sagen er hat sich "fallen lassen" und ist in die testphase übergegangen, aber da kommen wir irgendwie nicht raus. Und das ist- denke ich meine Schuld, denn ich vermittle ihm ganz klar dass ich es so nicht schaffe und dass ich lieber aufgeben würde...
Wie kann ich denn diese Distanz zu dem Pflegekind halten, wenn ich meine Kinder so dolle liebe? Das merkt er doch auch. Meine Jungs kann ich knuddeln und drücken den gnazne Tag und ihn kann ich in den Arm nehmen wenn er zu mir kommt. Ansonsten kann ich ihm über den Kopf streichen... Umarmungen sind selten...
Und jedes Mal wenn er so bockig ist, bei jedem Konflikt, da kann ich ihm so schwer verzeihen...
Lg
Sylvie

Beitrag von clazwi 29.03.10 - 09:27 Uhr

Sylvie, zu meiner Adoptivtochter habe ich auch eine deutlich innigere Beziehung als zu meiner Pflegetochter.....und "das ist auch gut so".

Pflege bedeutet immer einen Spagat zwischen "Mamasein" und "Profisein".

Ich sehe es als Aufgabe und es kann auch bei uns gut sein, dass diese "Aufgabe" mal mit einer "Aufgabe" endet, wenn wir unser Limit erreicht haben.
Unsere Pflegetochter ist nicht nur schwerbehindert, sondern auch extrem verhaltensauffällig, da sie sich kaum unter Kontrolle hat (wir hatten schon wirklich Situationen, in denen sie ihre Gesundheit und die aller anderen gefährdet hat).

Dank hochkompetenter Unterstützung UND Medikation (!!! - das ist ja auch so ein Tabuthema - !!!) durch unseren Pflegekinderdienst, einer tollen Psychologin, die am JA arbeitet und wirklich fachkundiger Ärzte, können wir die Situation im Moment gut bewältigen.

Aber auf der "sicheren Seite" fühle ich mich nicht.

Sylvie, versuch' ein bisschen die Erwartungshaltung an Dich selbst herunterzuschrauben ;-) (ich kenne das übrigens auch sehr gut von mir und Dank Supervision werde ich auch immer wieder mal dran erinnert ;-) ).

Dadurch, dass ich schon so viele Jahre ins Adoptiv- und Pflegekinderwesen involviert bin, weiss ich, dass in bestimmten Kreisen auch sehr gerne "rosarot" gepinselt wird und auch erschöpften Pflegeeltern gerne mal suggeriert wird, dass sie die "letzte Hoffnung" für so ein Kind sind.
Das drückt dann so richtig auf das schlechte Gewissen, das Du vermutlich eh schon hast. Du musst aber keines haben!

Manchmal ist es aber auch für "so ein Kind" besser, wenn es in eine professionelle Einrichtung gegeben wird.

Ein Geschwisterkind meiner Pflegetochter hat in einer Einrichtung gelebt. Es ist jetzt volljährig und lebt sein Leben :-).

Wir haben dieses Geschwisterkind manchmal in der Einrichtung besucht:
das war ein riesengrosses, wunderschönes Familienhaus, in dem etwa 10 Kinder betreut wurden von ausgebildeten Pädagogen, die das wirklich beruflich gemacht haben.

Drumherum war ein herrlicher Garten, die ganze Einrichtung war etwas dörflich, die Betreuer kümmerten sich wunderbar um jedes einzelne Kind.

Spukbilder von Kindern, die als "Massenware" in einem 10-Bett-Zimmer dahinvegetieren, kann man getrost vergessen.

Du kannst Dich gerne auch über meine VK an mich wenden, wenn ich Dir irgendwie zumindest mit "Worten" weiterhelfen kann.

LG
Claudia


Beitrag von vergeslich 29.03.10 - 07:44 Uhr

Hallo,

Claudia hat dir ja schon die richtigen Worte geschrieben. :-)

Lass dich erst einmal #liebdrueck. Ich kenne deine Gefühle nur zu gut. Mir geht es manchmal auch nicht anders. Unsere Pflegetochter ist zwar schon seit 6 Jahren bei uns und wir würden sie nicht mehr abgeben wollen, aber auch wir stossen immer wieder an unsere Grenzen. Es ist manchmal so schwierig. Man gibt alles, man versucht alles und ...... man wird nur abgelehnt. Egal was man macht! Egal mit wieviel Liebe man daran geht. Die Ablehnung, die Zurückweisung ist so oft da.
Manchmal fragt man sich da wirklich ... WARUM mache ich das alles?
Im Moment haben wir auch so eine Phase. Sie ist bockig, hört nicht, macht genau das Gegenteil von dem was man sagt, ist aggresiv, llehnt uns (ganz besonder mich) abetc.
Es ist schwierig da nicht auf der "Strecke" zu bleiben. Ich bin froh, das wir heute in den Urlaub fahren.

Aus dem Alltag fliehen können! :-) Wir brauchen es glaube alle und ich im Moment besonders.

Nimm dir im Alltag Auszeiten. Das ist ganz wichtig, damit DU wieder Energie tanken kannst. Und suche dir Hilfe. Wir haben eine Kinderpsychologin und einen Kinderpsychiater, an die wir uns immer wenden können. Gerade ich werde da immer wieder gefragt, was ICH für mich tue. Das ist denen ganz wichtig.

Ich wünsche dir viel Kraft, egal wie ihr Euch entscheidet.

Liebe Grüße Diana

Beitrag von p.sylvie 29.03.10 - 07:56 Uhr

In Urlaub fahren ist mit unserem Pflegesohn ein absolute katastrophe. Oh manno, das war bis jetzt immer ganz schlimm. Er ist damit total überfordert. Er nässt dann nachts nur noch ein, macht auch am Tag in die Hose, schaltet total ab, hört nicht mehr hin und läuft nur noch umher wie in Trance...!? Wir haben jetzt die letzten beiden Urlaube abgesagt, doch an Pfingsten wollen wir wieder fahren...
Mich verletzt diese "du bist die böse Mutter" (kommt von seinem Vater) sehr. und in seinem Blick, in seiner haltung sehe ich diesen Vorwurf ständig.
Die Frage "WARUM mache ich das?" stelle ich mir zur Zeit fast wöchentlich. Am ende sagen wir uns dann immer: "Die kinder lieben sich", deshalb machen wir weiter...
Ob das der richtige Weg ist?
Denn die Kinder spüren ja auch diese Spannungen und unser Pflegesohn wird zum Sündenbock.
Lg

Beitrag von karna.dalilah 29.03.10 - 08:31 Uhr

Hallo,

zuerst mal meinen Respekt.
it den eigenen Zwergen ist es manchmal nicht einfach.
Mit einem "fremden" kleinen Zwerg im 24 Stundendienst mit eigener Geschichte stell ich mir schwierig vor zumal die Eltern ja präsent sind und das Kind sich offensichtlich nirgendwo emotional niederläßt.
Eine Geschichte die ich am Rande von einer Hebamme erfahren habe zur Ermunterung.
Die besagte Hebamme traf ich beim Shoppen mit ihren 2 Jungs und einem kleinen Mädchen. Es war zu groß um ihr eigenes zu sein.
Sie sagte, 3 Kinder wollte sie immer, aber man müsse ja nicht alle selber bekommen ;-)
Zwischenzeitlich traf ich sie immer wieder mal und sie sah nicht immer so glücklich aus wie damals.
Das Kind hatte einige Defizite und ihre Geschichte.
Nach einigen Jahren sahen wir uns wieder und sie erzähltevoller Stolz das die Kleine eine normale Schule besuche und gutes Mittelfeld sei. Damit hatten sie schon mehr erreicht als die Eltern der Kleinen. Beide waren Sonderschüler und die damalige Prognose für das Kind ging auch in die Richtung.

Vielleicht hilft es dir, wenn du dich von deinen Erwartungen und denen der anderenverabschieden kannst.
So könntest du dich besser auf die Situation einlassen und die Enttäuschungen nehmen ab.
Es muss nicht immer Friede Freude herrschen und du mußt nicht immer voller Energie, Geduld und Liebe sein.
Auch die andere Gefühle haben temporär ihre Berechtigung.
Auch müßt ihr euch unbedingt um Entspannungsmöglichkeiten kümmern. Babysitter ect um ein paar Stunden für sich zu haben und Abstand zu den Dingen zu bekommen.
Rede auch mal mit deinem Freundeskreis und Familienkreis vielleicht kommen da Hilfsangebote die Gold wert sind.
Man muss nicht alles aus eigener Kraft allein schaffen!

Ich wünsche euch alles Gute und viel Kraft
Karna

Beitrag von manavgat 29.03.10 - 09:10 Uhr

Ich verstehe das richtig, dass Euch niemand hilft?????

und ja, ein Pflegekind sollte man abgeben, ehe man selbst dabei drauf geht. Behördenmitarbeiter raten auch gerne mal was pädagogisch verbrämt, aber eigentlich geht es nur um die Kosten! Ein Heimplatz kostet ein Vielfaches.

Ich würde dringend eine gute Kinder- und Jugendpsychiaterin aufsuchen, um herauszufinden, welche Defizite der Junge hat. Das kann alles mögliche sein (Alkohol in der Schwangerschaft, Gewalterfahrung, Krankheiten). Die Frage ist auch, welche Therapie(n) braucht das Kind?

Du solltest kämpfen, dass Euch allen geholfen wird.

Gruß

Manavgat

Beitrag von wort75 29.03.10 - 11:26 Uhr

ich habe zwei leibliche kinder. ich liebe sie NICHT gleich. da geht gar nicht.
das eine ist der kuschler-typ. alles läuft über körperlichkeit. das ist einfach. man küsst sich, nimmt sich in den arm, drückt sich.... das ist liebe, wie ich sie mir auch vorstellte.

das andere kind ist KEIN kuschler. sie kann so viel körperkontakt nicht ab. wochenlang habe ich mich hinterfragt, ob ich sie zu wenig liebe, ob sie mich gf. nicht so sehr liebe - alles schwachsinn. sie liebt einfach anders, als es meinem typ (eher kuschler) entsprechen würde.

also lasse ich das zu. lasse den gedanken zu, dass man kinder nicht GLEICH lieben kann. es reicht, wenn man sie liebt. jedes auf seine art.

du förderst ja kinder auch nicht GLEICH weil sie andere bedürfnisse habne. so kann man das mit dem lieben auch sehen.

wenn der junge gerne bei euch ist - ist ja fast alles gut. dass er negative aufmerksamkeit fordert... nun ja, er ist fünf... selbst ein leibliches fünfjähriges kann einem dazu bringen, sich nach urlaub und kinderfreier zone zu fühlen...

dass du dich gegen ihn wehrst ist teilweise sowas wie sippen-gedanke. historisch gewachsen über jahrtausende. man hat die kinder eder eigenen sippe am liebsten, beschützt die. fördert deren überleben an erster stelle. guck auf dem spielplatz nach: die eigenen kinder findet man die tollsten, versteht, warum sie so und so reagieren - bei einem anderen fände man es schlicht schlecht erzogen... tja, und dieses uralte muster fällt auf einem zurück, wenn man patchwork- oder pflegekinder hat.
das ist zwar was schönes, aber sehr viel arbeit. wenn das "fremde" kind aufmerksamkeit fordert, nimmt es dies den leiblichen weg, wenn es irgendwo siegt, schlägt es das eigene kind, welches darunter leiden könnte.... dieser gedanke ist bei dir (noch) da.

vielleicht reicht es, dies mal so zu sehen, um es leichter zu machen. du hast von dir erwartet, dieses besonders beschützenswerte kind so zu lieben wie deines. du hörst das auch noch immer - aber es geht nicht. lass das zu. liebe und fördere es so, wie es dir geht. und ihr werdet zusammenwachsen. vielleicht nie so nah wie die geschwister - stiefgeschwister, aber so nah wie eben mögich.

Beitrag von lisasimpson 29.03.10 - 12:39 Uhr

Hallo!

ich würde dir gerne ein paar worte sagen.
Ich habe viele jahre in der Jugendhilfe (heimbereich) gearbeite. viele Kinder sind bei uns aufgewachsen und den allermeisten ging es bei uns sehr gut.
Zu eingien habe ich auch heute noch Kontakt. sie sind mitterlweiel erwachsen und die wengisten sind nochmal zu dne leiblichen eltern zurückgekehrt.

Als ich schwanger wurde, habe ich kurzzeitig überlegt, ob ich eine stelle "erziehung in lebensgemeinscahft" antreten solle und ein kind mitnehmen solle (mit dem ich schon viele jahre zuvor gearbeitet hatte und das ich einschätzen konnte).
ich habe mich dagegen entschieden, denn trotzstudium und weiterbildung zur Familientherapeutin fühle ich mich nicht in der lage, den Kindern 24 stunden lang das zu geben, was sie brauchen.

Die Vorstellung ,daß es Kinder in Pflegefalmilien besser haben als im Heim kontne und kann ich nicht nachvollziehen. dortsind sehr liebevoll Menschen, die jedoch die nötige Distanz haben, um wieder aufzutanken, die eine entsprechende ausbildung haben und die Fachlich unterstützt werden.
All dies fehlt Pfelgefamilien,
Und so sehr ich meinen hut vor menschen ziehe, die das packen (und ich denke auch, daß es Kinder gibt, denen das gut gut), so denke ich, daß ein großteil der Kinder sehr viel besser in der Jugendhilfe aufgehoben ist, wo diesen professionell geholfen wird.
ich weiß, daß dies häufig von Mitarbeitern im Jugendamt anders gesehen wird (auch aus kostnegründen).
ich kann dir nur aus der erfahrung der letzten 14 jahre sagen, daß es den allermeisten kindern wirklich sehr gut bei uns ging!

Alles Liebe
lisasimpson

Beitrag von p.sylvie 29.03.10 - 13:03 Uhr

Hallo
Ich selbst hab auch in einem Kinderheim gearbeitet. Das Problem ist ja das dass die Heimkinder niemals die Chance haben einen normalen familienalltag zu erleben. Unser Pflegesohn hatte als er zu uns kam mit 4 Jahren noch NIE eine erwachsene Person nackt gesehen, Frückstück im ehebett kannte er nicht, und er wusste nicht dass Väter arbeiten gehen um Geld zu verdienen. er kannte die Rolle einer Mutter nicht, hatte nie gelernt SEINE Meinung zu sagen und mitzuteilen WAS er mag und was nicht. Was er anstandslos konnte das war "funtkionnieren". Er konnte mega- sauber essen, Tisch decken, Tisch abräumen, sich alleine anziehen, sich nicht schmutzig machen, Puzzle machen stundenlang...
DAS konnte er!
Aber im Sand buddeln, im Wald toben, auf Bäume klettern, das alles kannte er nicht...
Er hatte gelernt seinen Teller leer zu essen, egal ob es ihm schmeckt oder nicht...
Und er war sehr selbständig.
Das alles ist eine Welt die irgendwie doch nicht real ist. Und wie sollen diese Kinder dann später selbst Eltern werden?
Ich bin davon überzeugt dass irgendwann dieser Kreis gebrochen werden muss.

Meine Erfahrungen als Erzieherin im Kinderheim waren auch immer positiv, bis ich selbst Kinder hatte und bis ich unseren Pflegesohn mit seinen Defiziten, die mit Sicherheit teilweise auch eben DURCH sein Leben im Kinderheim zu tun haben, kennen lernte.
Heute bin ich nicht mehr der Meinung dass KInder im Kinderheim alles das haben was sie brauchen.
Und ich hab auch heute noch Kontakt zu einigen der damaligen Kindern, eine davon ist Taufpatin bei meinem Kleinen. Sie ist übrigens eine der wenigen die ihr leben gut gemeistert haben, sie ist ebenfalls Erzieherin geworden. Alle anderen haben ihre Schule aufgegben und lungern herum, sind kriminell, und wissen nicht wirklich wozu es sich zu leben lohnt.
Und das ist die bittere realität.
Lg Sylvie

Beitrag von lisasimpson 29.03.10 - 14:33 Uhr

Hallo!

ich sage nicht, daß es eitel sonnenschein ist und daß Kinder ALLES haben, wenn sie im heim groß werden.
ABER: es ist eine Illusion als hätten sie alles, wenn sie in einer Pflegefamilie groß werden.

Ich muß dazu sagen, daß ich in einer therapeutischen einrichtung gearbeiet habe. die meisten Kinder hatten noch erwachsene bezugspersonen und viele hatte noch Kontakte zu den eltern.
Natürlich ist es ein anderes auswachsen im Heim- aber das ist es eben auch in einer pflagefamilie.

"Aber im Sand buddeln, im Wald toben, auf Bäume klettern, das alles kannte er nicht..."
das kannten und konnte alle Kinder, mit denen ich gearbeitet habe. keines davon "funktionierte"..
Das "normale" familienleben kannte sie jedoch meist nicht- das stimmt.
(eiens der kinder fragte morgens mal eine erzieherin, ob sie denn nun auf die arbeit ginge, wenn alle Kinder in der schule seien:)

Wie gesagt, ich ziehe meinen hut vor familien, die das schaffen, ich habe es selbst kurz überlegt- wußte aber, daß es mich (und meine Familie) überfordern würde ein Pflegekind aufzunehmen.

lisasimpson



Beitrag von clazwi 29.03.10 - 15:01 Uhr

Hallo Lisa,

ich lese Deine Beiträge immer sehr gerne, da ich sie als fundiert, wertschätzend und respektvoll dem Dialgopartner gegenüber empfinde.

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Wie gesagt, ich ziehe meinen hut vor familien, die das schaffen, ich habe es selbst kurz überlegt- wußte aber, daß es mich (und meine Familie) überfordern würde ein Pflegekind aufzunehmen.

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An der Stelle kam mir der Gedanke, dass es schon auch wichtig ist, das Thema differenziert zu betrachten.
Jeder Mensch (auch ich ;-) ) neigt dazu, seine eigenen Vorstellungen, was zu schaffen ist und was nicht, auf seine Mitmenschen zu übertragen.

Als wir unsere behinderte Pflegetochter willentlich und wissentlich aufgenommen haben, sagte mir eine Fachkraft der Frühförderung ins Gesicht: "Was tut denn SO ein Kind bei Ihnen, das gehört doch in eine Einrichtung!!!!"


Ich empfinde das noch heute, 7 Jahre später, als bodenlose Frechheit!
Man darf auch nicht vergessen, dass der Arbeitsplatz dieser Fachkräfte mit dieser Einstellung von Pflegeeltern abhängt, die es "nicht schaffen".

Ich kenne auch genügend Pflegefamilien, die in einer sehr ähnlichen Lage mit ihrem Pflegekind leben, wie wir.

Unser Kind kam völlig traumatisiert und bindungsgestört zu uns.
Wir hatten ein Kind, das zwei Jahre lang über Stunden mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen hat, das sich nachts blutig gekratzt hat, das sich nicht anfassen hat lassen usw.

Lass' es eine für den Moment (bis jetzt eben)"glückliche Zufallssternstunde" gewesen sein, dass wir uns entschieden habe, es weiter zu probieren - unsere Kleine liebt es inzwischen, wenn man sie bekuschelt (am Anfang hielt sie die Luft an und wurde blau, wenn man ihr nur einen Millimeter zu nahe kam), sie schlägt nicht mehr mit dem Kopf gegen die Wand, sie kratzt sich nicht mehr blutig.

Ich will unsere Situation nicht beschönigen:
es kann durchaus sein, dass wir mal nicht mehr können - aber jedes Jahr, das wir nach der Überlegung, ob wir weitermachen können oder nicht, dazugewonnen haben, war ein Gewinn.

Ich kenne aber auch einen Fall, in dem eine Familie auch ein völlig bindungsgestörtes, traumatisiertes Kind aufgenommen hat, das mit einem Beziehungsangebot völlig überfordert war.
Es sollte den Kinderwunsch der Pflegeeltern erfüllen, konnte aber keine Beziehung mehr eingehen - oder mit einem Wort ausgedrückt, das Du vermutlich auch kennst:
das Kind war völlig familienunfähig.

Inzwischen gilt das Kind als "nicht therapierbar", während die Pflegeeltern ein Fall für einen Therapeuten sind.


Da ich selbst, wie ich schon schrieb, nicht weiss, ob wir die Pflege unserer Kleinen wirklich schaffen bis sie volljährig ist, kann ich es sehr gut verstehen, wenn eine Pflegefamilie die Kraft und den Mut hat, das Pflegekind loszulassen.

Trotzdem wehre ich mich entschieden gegen eine Pauschalaussage, dass eine Heimunterbringung grundsätzlich besser sei und es nur "wenige" Ausnahmen gibt.

Viel hängt auch an der Vorbereitung und an der Schulung der Pflegeeltern seitens der Vermittlungsstelle ab.

LG
Claudia



Beitrag von lisasimpson 29.03.10 - 20:01 Uhr

Hallo Claudia,

Ja, ich kann dir in vielen zustimmen.
ich habe schon viele deiner beiträge gelesen und muß sagen, daß du wirklich eine Pflegemutter bist, vor der ich den allergrößten respekt habe.
ich weiß, daß ich das nicht schaffen würde, was du leistest.

Und ich weiß leider auch, daß es viele andere nicht schaffen, aber oft zu "blauäugig" in die Pflegscahft gehen
"Viel hängt auch an der Vorbereitung und an der Schulung der Pflegeeltern seitens der Vermittlungsstelle ab. "
das kann ich nur unterschreiben- doch leider sieht die realität häufig anders aus.

ich kenne die situation natürlich oft aus der andere seite- Kinder die in 2, 3 pflegefamilie nwaren, immer wieder "weggeschickt" wurden und danach erst recht bindungsstörungen aufwiesen.
Da dachte ich natürlich oft, daß es besser gewesen wäre, diese kinder hätten früher das stbile zusahue (heim) gehabt, als immer wieder erneut enttäuschungen hinnehmen zu müssen.

Aber klar- ich kenne natpürlich auch nur eine seite und will damit auf keinen fall ein Plädoyer gegen pflegekinderwesen hochhalten.
Ich kann nur Pflegeeltern verstehen, die nicht mehr klar kommen und möchte ihnen auch das schlechte Gewissen nehmen, den nic hweiß, daß eine Heimunterbringung nicht unbedingt etwas schreckliches sein muß (eine gute Einrichtung vorsausgesetzt)

Alles Liebe
lisasimpson

Beitrag von clazwi 29.03.10 - 21:33 Uhr

Danke für Deine Antwort.

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Ich kann nur Pflegeeltern verstehen, die nicht mehr klar kommen und möchte ihnen auch das schlechte Gewissen nehmen, den nic hweiß, daß eine Heimunterbringung nicht unbedingt etwas schreckliches sein muß (eine gute Einrichtung vorsausgesetzt)
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Und auch für die Ermutigung für Pflegeeltern, die am Ende ihrer Kräfte sind!#blume

LG
Claudia