Meine Tochter macht mir nur noch Sorgen (etwas Lang)

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von sahra0609 29.03.10 - 11:26 Uhr

Hallo

also ich weiß garnicht wo ich anfangen soll. Ich habe 4 Kinder im alter von 8 Jahren, 6 Jahren , 3 Jahren und 4 Monaten . Meine große Tochter geht zur Schule in die 2. Klasse, sie hat da in der Schule eine Freundin wo wir irgendwie alle auch andere Eltern nicht so begeistert sind. Dieses Kind hat alles andere als erziehung genossen, nur was soll ich machen , ich kann ja nicht in der Schule neben meiner Tochter stehen und aufpassen das sie zu diesem Mädchen keinen Kontakt hat. Nun fing es vor ein paar Wochen an, das sie uns anlügt was Hausaufgaben betrifft, das sie keine auf hat. Wenn ich dann rausbekomme durch lehrerin bei der ich anrufe usw. das sie doch welche hat, und ich sie bitte doch die hausis zu machen spinnt sie, sie hat keine Lust , Schule ist scheiße und sie kozt das alles an , sie kann das nicht, sie weiß nicht wie das geht usw. Ich setzte mich dann mit ihr hin und mache sie zusammen mit ihr, und siehe da es geht, aber das Theater haben wir jeden tag, sie denkst nicht dran hausis zu machen sondern die erste frage wenn sie heim kommt, ist , entweder kann ich was ausmachen oder kann ich runter, und versucht damit von den Hausis abzulenken. Ich sage dann nun essen wir erstmal, dann machen wir schulsachen, und dann sehen wir ob du raus kannst oder was ausmachen kannst.
Das war problem nummer 1
Nummer 2, es war grad von einer klassenkammeradin die mutter hier, und hat sich über meine Tochter beschwert, sie wäre sehr agressiv, geht ständig auf andere kinder egal ob junge oder mädchen los. Will immer den chef raushängen lassen und ist ja sowiso so ganz toll und cool.
Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Am freutag war es anscheinend so schlimm das die tochter von ihr nur noch nach hause wollte und weg von meiner tochter. Es gibt anscheinend viele kinder die angst vor meiner tchter haben .
Ich weiß nun echt nicht. ich kenne sie so nicht. Klar das sie ne große klappe hat das weiß ich , aber das sie sowas von agressiv und auch gewalttätig ist ich verstehe das nicht.
Was meint ihr ? wie würdet ihr euch verhalten ?
ich habe sie letztens schon in einem ruhigen gespräch gefragt was los ist ob es ihr an was fehlt usw. aber es kommt nix. wenn sie was angestellt hat und ich sie drauf anspreche warum sie das gemacht hat, dann kommt das für sie typische achelzucken und die antwort "ich weiß es nicht ". wenn ich dann sage das muss doch aber nen grund haben warum du das machst, kommt wieder das achselzucken und ich weiß nicht.
Was soll ich noch machen ? Es wird ja immer schlimmer.
vielen dank und sorry das es so lang geworden ist .

liebe grüße

Beitrag von sweety03 29.03.10 - 11:48 Uhr

Hallo,

zum Problem Nr. 1:
Ich verstehe den Kontext zwischen der Freundin und der mangelnden Bereitschaft für die Hausaufgaben nicht #kratz. Meinst Du, die Freundin animiert sie zu dieser Haltung?
Meine Tochter (6, 1. Klasse) hat auch so eine "Freundin", die gar nicht geht. Sie stiftet unsere Tochter zu allerlei Blödsinn an, überredet sie, meinen Mann und mich anzulügen und sagte auch schon, unsere Tochter solle die Hausaufgaben im Schulbus machen.
Bei unserer Tochter liegt es daran, dass sie leider nicht so selbstbewusst ist und sich leicht mitreissen lässt. Wir haben ihr in vielen Gesprächen die Konsequenzen aufgezeigt, wenn sie uns anlügt und was der Blödsinn, denn sie machen, bei anderen Kindern bewirkt, nämlich dass sie letztendlich allein dasteht.
Wir versuchen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, loben sie sehr viel, und mittlerweile hat sie andere Mädchen aus der Klasse gefunden, mit denen sie sich gut versteht. Langsam kommt sie aus diesem Einflussbereich raus.
Das Thema Hausaufgaben würde ich komplett bei Deiner Tochter lassen. Sprich mit der Lehrerin über die Problematik und sag Deiner Tochter, dass sie sich am nächsten Tag mit der Lehrerin auseinander setzen muss, nicht Du. Schreib ins Mitteilungsheft mit, dass Deine Tochter nicht bereit war, die Hausaufgaben zu machen. Eine Wort von der Klassenlehrerin kann manchmal Wunder wirken.
Thema Nr. 2:
Ist diese Aggressivität neu? Das würde ich auf jeden Fall mal mit der Klassenlehrerin besprechen. Vielleicht hängt es mit dem neuen Geeschwisterchen zusammen?

Sweety

Beitrag von sahra0609 29.03.10 - 11:53 Uhr

also das mit der agressivität wurde uns heute zum ersten mal gesagt. wir sind richtig geschockt. mein mann ist auch zufällig zu hause weil er urlaub hat und hat das auch mitbekommen, denn wenn ich ihm das erzählt hätte ich glaube er hätte mir das nicht geglaubt. ja habe ich auch schon überlegt ob das mit dem neuen geschwisterchen zusammenhängt, da die kleine auch ein schreibaby ist sprich von 24 std. schreit sie täglich ca. 6-10 std. und brauch dadurch auch mehr aufmerksamkeit.
ja die freundschaft habe ich ein wenig blöd erklärt. dieses mädchen findet es toll und cool keine hausaufgaben zu machen und ganz toll zu sein. sie hat auch so ziemlich alle ausdrücke auf lager die es nur gibt und die ich niemals in den mund nehmen würde. durch das das die große sowas nach hause bringt fangen die kleinen nun auch schon mit den ausdrücken an.
ich warte grade noch auf den anruf der lehrerin habe gebeten das sie mich nach schulschluss anrufen möchte und das ist jetzt gleich .
liebe grüße

Beitrag von wort75 29.03.10 - 12:53 Uhr

das war ein langer text - der dich etwas verrät :-)

du hast als einstieg die sorge genommen, dass deine tochter von diesem fremden mädchen in schlechte gesellschaft gerissen wird. im anschluss schreibst du übers lügen und zum ende über die problematik mit den haushaufgaben.

für mich klingt das etwas so, als ob du sehr gerne hören würdest, dass dieses fremde mächen der ausgagspunkt der probleme ist: oder aber, dass du das selber glaubst.

liest man nur den unteren teil, könnte man denken, DEINE tochter wäre der schlechte umgang, das kind, vor dem andere eltern ihre töchter warnen... merkst du es?

zum ersten problem: du hast recht: freundschaften kannst du nicht verbieten. um zu fühlen,wie das andere kind tickt hilft nur eins: lade das kind mal ein, beobachte es unauffällig.

zum zweiten punkt mit dem lügen... da würde ich klar durchgreifen. aufgabenheft dass die lehrerin unterschreiben muss oder ähnliches, wenn es nochmals passeirt - aber warn dein kind vorher vor.

hausaufgaben... ich fürchte, das problem wird uns alle so zirka 16 jahre unseres lebens begleiten. du machst es aber schon richtig: erst essen, dann etwas spielen, dann aufgaben, dann wieder frei. oder an einem nachmittag gleich zum spielen oder in den sportverein, was halt die zeit zulässt. langsame kinder haben sonst oft das problem, dass sie erst um 16 uhr mit den hausis fertig werden und die anderen kinder dann schon wieder heim müssen...

und versuch den kreis nicht zu schliessen, bevor du nicht weisst, ob das fremde mädel der ausgangspunkt ist. ggf. motzt dein kind nicht über die hausaufgaben und die schule, WEIL das andere kind das auch macht... sondern ist intrinsisch motiviert.

Beitrag von jazzbassist 29.03.10 - 13:05 Uhr

Das was die Agressivität angeht; das würde ich zunächst einmal mit der Klassenlehrerin absprechen, wie viel Wahrheitsgehalt da dran ist. Lehrer haben hier eigentlich (zumindest noch in der Grundschule) einen sehr guten Überblick. Kinder können sich aber außerhalb des Elternhauses schon so verhalten, wenn sie Aufmerksamkeit oder Anerkennung erlangen wollen. Aber - es nützt ja nichts, irgendwie zu handeln, wenn man nicht einmal weiß, was überhaupt vorgefallen ist.

Bei den Hausaufgaben bin ich zwiegespalten, wenn Sie die Vermutung hegen, dass die "neue" Einstellung ihrer Tochter bedingt durch das andere Mädchen ist. Bei meinem Sohn ist mir das grundlegend egal - für seine Handlungen ist er selbst verantwortlich und muss dann für die Konsequenzen gerade stehen. Auch wenn ich natürlich weiß, wie leicht sich Kinder hier verleiten lassen. Aber auch das müssen Kinder entsprechend lernen, abzuhaben. Sie können es in dem Alter auch ganz gut. Erst im Teenageralter wird das wesentlich schwieriger, da der Jugendliche dann ohnehin in einer Identitätskriese steht. Eine 8-Jährige - selbst wenn Sie bereits in die Pubertät gekommen ist - noch nicht.

Ansonsten würde ich auf das Theater einer 8-Jährigen hier nicht weiter eingehen. Der Schulunterricht geht so lange und die Hausaufgaben sind so einfach (da es in dieser Klasse lediglich das reine Wiederholen des gelernten ist); dass kann ein Kind sehr gut alleine meisten; da muss eine Mama nicht ständig neben sitzen und alles erklären. Ihre Tochter soll die Hausaufgaben schließlich machen, nicht die Mama. Sonst schwindet der Lerneffekt. Denn, den Stoff erklärt bekommt sie in der Schule, zum lernen muss sie es nur wiederholen. Das gelernte bei den Hausaufgaben nur noch einmal zehntes Mal erklärt zu bekommen bringt langfristig gar nichts. Die Hausaufgaben sind dann gelöst, die Ernüchtung kommt bei der nächsten Klassenarbeit - wo die Mama dann eben nicht mehr daneben sitzt und noch mal alles geduldig erklären kann.

Man kann hier mit einem abmachen, dass die Hausaufgaben gemacht werden müssen; diese aber maximal nur 1 Stunde dauern dürfen. Wenn ein Kind vorher fertig ist, ist alles toll, dann kann es spielen gehen. Wenn es nach einer Stunde immer noch nicht fertig ist, kann es die Hausaufgaben erstmal beiseite legen und dann spielen gehen. Dann kann die Mama da mal drübergucken und feststellen, woran es lag. Es kann immer mal vorkommen, dass ein Kind eine Aufgabe nicht verstanden hat oder nicht mehr weiß, wie man diese löst. Die kann man dann, wenn das Kind abends zuende gespielt hat, gemeinsam kurz lösen und das Thema ist durch. Die Lösung funktioniert natürlich nur, wenn ein Kind in der Stunde alles, was es kann, macht, und den Rest zumindest versucht, zu lösen. Sie können das mit einem kleinen Belohnungssystem verknüpfen. Einen Smiley-Kalender, wo auch direkt notiert wird, wie lange ihre Tochter für die einzelnen Hausaufgaben brauchte (Minuten) und wie gut diese selbstständig gelöst wurden (Smiley). Und am Ende einer Woche gibts dann eine Überraschung - z.B. eine besondere Spielzeit mit der Mami oder im Sommer mal gemeinsam Eis essen etc. Je mehr diese Überraschung varriert, des so interessanter ist das ganze für ein Kind.

Das ein Kind dazu keine Lust hat - erst Recht nicht nach einem langen Schultag - dafür habe ich vollstes Verständnis. Wenn Sie jedoch schreiben, dass der Einfluss von außen (der seltsamen "Freundin") kommt, würde ich einfach antworten: "Selbstverständnis darfst du dich verabreden, sobald die Hausaufgeben erledigt sind". Soviel Frust sollte sie hier schon ertragen können. Je weniger sie hier auf das Theater ihrer Tochter eingehen, je schneller wird sich die Situation wieder beruhigen. Wenn ein Kind hier feststellt, dass es die Mama damit jedesmal aufs neue kriegen kann (sei es nur zum Helfen und Erklären), wird sie das gleiche Theater auch jedes mal aufs neue machen. In einer Analogie gesprochen: Gibt man einem steunenden Köter (oder dem Hund meines Sohnes) einmal etwas zum fressen, kommt er täglich wieder !

Das basiert aber ausschließlich auf die Annahme, dass der Auslöser diese "seltsame" Freundin ist.