Entwicklungsverzögerung, Verhalten der Mutter

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von hanni123 30.03.10 - 10:31 Uhr

Ich weiss gar nicht, wie (und wo) ich es schreiben soll… Da es um das Verhalten von Eltern geht, schreibe ich einmal hier.

Ich habe eine (flüchtige) Bekannte, die einen 22 Monate alten Sohn hat. Gestern habe ich ihn mal wieder gesehen. Wenn ich sein Verhalten beobachte, würde ich schätzen, er hat eine Entwicklungsverzögerung von knapp einem Jahr. Er robbt, krabbelt, sitzt, und kann super Bälle werfen. Er kann nicht laufen. Er steht (mit Festhalten) auch immer auf Zehenspitzen und hat die Hände ganz verkrampft. Er kann nicht aus einem Becher trinken, er bekommt noch eine Babyflasche mit Sauger. Meine Tante hat ihm mal einen Becher angeboten, da lief das Wasser einfach wieder aus dem Mund heraus. Er schielt ein klitzekleines bisschen und greift ab und an mal daneben, wenn er etwas aufheben will. Wenn man mit ihm spricht, versteht er alles (reagiert entsprechend), aber er gibt nur absolut unkontrollierte Laute von sich (aaaaa, ooooo, uuuuu). Er wirkt im ganzen total verkrampft, hat den Mund immer geöffnet, starrt. Vom Wesen her ist er ein absolut quietschvergnügtes Kind, lacht viel, etc. Ein kleiner Sonnenschein!

Die Situation vor einer Woche war ziemlich seltsam, es war eine Familienfeier und alle taten so, als sei er ein ganz altersgerecht entwickeltes Kind. Der eine sagte "Wird Zeit, dass Du endlich laufen lernst", der nächste "Ich geb Dir den Ball nur, wenn Du 'Hermann' sagst." Es war NICHT dieser befangene Umgang, den manche Erwachsene im Umgang mit behinderten Menschen haben, sondern es war wirklich so, als sähe niemand, dass das Kind eine Entwicklungsverzögerung hat, so nach dem Motto, ach, das kommt schon noch, einfach mal abwarten.

Die Mutter war schon immer überfürsorglich, das weiss ich aus Gesprächen mit Verwandten und auch aus eigener Beobachtung. Der Junge war ein absolutes Wunschkind, es hat sehr lange gedauert, bis sie endlich schwanger war. Seit seiner Geburt ist sie panisch, dass dem Kind etwas zustösst. Ich spreche sie nur ca. zwei mal im Jahr, aber da wir letzten Sommer im Nachbarhaus wohnten habe ich mitbekommen, dass er so gut wie nie draussen war. Mein Sohn spielte im Garten, von dem Jungen (damals 1-1,5 Jahre alt) war nichts zu sehen, er war nie im Garten auf einer Krabbeldecke oder gar im Sandkasten. Wenn er mal raus durfte, wurde er im Kinderwagen angeschnallt herumgefahren oder sass im Kinderwagen, während die Mutter im Garten arbeitete. Kein Bobbycar, nix. Klingt übertrieben, ist aber so.
Letzte Woche auf der Familienfeier durfte er nichts anfassen oder in die Hand nehmen (ausser dem weichen Stoffball, ansonsten kam immer sofort ein "Nein, Luis!" oder "Achtung, Du tust Dir weh!"), er wurde mit Joghurt gefüttert, er durfte nicht mal ein Stück Brot oder die Flasche selbst halten. Er hatte ein Baby-Pappbilderbuch zum Spielen, wo auf jeder Seite nur ein grosser Gegenstand abgebildet ist. Ein Stück Wurst hat ihm die Mutter nicht mit der Gabel gegeben, sondern auf einem Löffel in den Mund geschoben. (Ich hätte ihm da einfach einen Teller mit kleinen Stückchen hingestellt, und er kann sie mit der Hand nehmen.)

Ich weiss, dass das nur eine Momentaufnahme ist, aber ich habe dabei ein ganz blödes Gefühl. Mir kommt es so vor, als würde die Mutter in ihrer grossen Sorge um das Kind das alles noch verstärken. Ich frage mich auch (ernsthaft, ich weiss das nicht, ob man manche Sachen erst spät feststellen kann), wie es sein kann dass Ärzte so eine Entwicklungsverzögerung nicht früher sehen. Seit einem halben Jahr macht der Junge nun Krankengymnastik, aber das hätte man doch schon bei der U6 Untersuchung mit 12 Monaten feststellen müssen, dass da was nicht in Ordnung ist, oder irre ich mich da?

Ich kenne einen anderen Jungen, der ein Frühchen war und eine stärkere Entwicklungsverzögerung hat, er kann mit 3 jetzt noch nicht laufen. Aber der hatte in dem Alter durchaus altersgemässes Spielzeug, durfte selbst essen und mit der Gabel aufspiessen, rumklettern, Bobbycar fahren, hatte ein Trampolin, ...

Meine Frage ist nun, ob es möglich ist, dass die Entwicklungsverzögerung auch durch das Verhalten der Mutter so gravierend geworden ist. Und ob ihr euch da raushalten würdet, oder sie einfach mal ansprechen, wie es ihr so geht, etc. Einfach mal hören, vielleicht möchte sie sich ja gerne aussprechen, von Mutter zu Mutter. Ich möchte ihr sicher nicht zu nahe treten, und es kann ja durchaus auch sein, dass ich total einen an der Klatsche habe, und dass sie mit ihm zuhause den ganzen Tag Förderspiele macht und auf der Feier nur nicht wollte, dass er sich bekleckert oder was kaputt macht. Ich weiss nicht so recht, wie ich da rangehen soll…

LG

Hanna

Beitrag von sophie012 30.03.10 - 10:39 Uhr


Hallo,

hmm so wie du es schreibst und beschreibst, stellt man sich vor sie bemuttert ihn soo sehr das er logischerweise nicht "weiter" sein kann. Tun kann man da leider wenig, ich denke wenn sie regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen geht, wird spätestens dort ein guter Kinderarzt mit ihr reden, sie beratschlagen oder helfen.

sophie012

Beitrag von mamamaja 30.03.10 - 10:46 Uhr

hy.....

also um ehrlich zu sein hört sich das für mich auch alles sehr komch an #zitter

"Er steht (mit Festhalten) auch immer auf Zehenspitzen und hat die Hände ganz verkrampft. "

solch ein kind (natürlich mit mutter ;-) ) war mal bei mir im jugendamt um einen kitaplatz zu beantragen.....da es mir komisch vorkam......habe ich es den sozialpädagogischen dienst gemeldet......

der kleine war auch 2 jahre alt und konnte NiCHTS sprechen, nicht richtig laufen.....

zum schluß kam raus, dass er die meiste zeit des tages im gitterbett "stand"....auf zehenspitzen um über die gitter zu gucken....die hände waren so verkrampft, weil er sich an den gittern festgehalten hat :-(
also viele stundenam tag....

dieser mutter wurde dann hilfe angeboten......

glaubst du denn, dass du mit ihr über die entwicklungsverzögerung reden kannst.....?

ich würde das mal im auge behalten, da es wirklich nicht "normal" ist......

auch wenn es ein absolutes wunschkind ist....kann es sein, dass die mutter überfordert ist oder in gewisser weise krankhafte angst davor hat, dass ihrem kind etwas passieren könnte und das kind deswegen "einsperrt" bzw,. nicht raus lässt und somit eine normale entwicklung des kindes nicht zulässt.

wenn sie nicht mit sich reden lässt würde ich das jugendamt einschalten.....zur sicherheit.....um ihr und dem kind evtl. zu helfen....

lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.....

viel glück

lg
maja

Beitrag von eriks_mama 08.04.10 - 11:50 Uhr

Meiner konnte wie schon erwähnt mit 2 auch kaum sprechen-sorry aber da hätte sich mal einer wagen sollen irgendeinen soz.Dienst anzunageln-sicher verurteile ich nicht wenn sich die mitmenschen um einen sorgen machen aber wenn dann sollte man eher versuchen zu helfen anstatt es iwo zu melden

der ki arzt sagte vor dem 3. geb ziehe man eh noch keine logo in betracht-bis dahin wollte er novh abwarten und siehe da jetzt mit 3 jahren spricht er nahezu perfekt-hat halt lange gedauert aber er war/ist kein unnormal entwickeltes Kind!!!!

LG

Beitrag von frauke131 30.03.10 - 11:04 Uhr

Hallo,

ich glaube schon, dass Entwicklungsverzögerungen entstehen oder verstärkt werden können durch überfürsorgliches Verhalten der Eltern. Ebenso kann man ja auch durch Fördern und Fordern Defizite auffangen.

Wie alle Kinder brauchen auch behinderte Kinder gezielte Förderung, um so selbständig wie möglich zu werden. Keinem Kind ist geholfe, ihm alles so leicht wi nur möglich zu machen. Die Freundin meiner Schwägerin hat ein behindertes Kind, und sie ist ziemlich streng mit ihr. Dinge die sie kann, werden eingefordert- ohne wenn und aber! Das Mädel ist aber auch bemüht, in unserer "Welt" zurechtzukommen, will selbst erzählen ( Sprachcomputer) und sich allein mit dem Rollstuhl fortbewegen. das Kind wird geliebt ohne Ende, gerade deshalb wird auch von ihr gefordert und verlangt.

Im übrigen wollen manche Eltern nicht sehen, dass ihre Kinder Defizite haben. Es kann sein, dass sie es schlichtweg nicht akzeptiert, dass er eine Entwicklngsverzögerung hat. Der Neffe meines Mannes hatte schon mit 2 große Sprachdefizite und seine Eltern haben dies auch nie so ernst genommen.

Wenn Du dich traus, sprich sie an. Vielleicht ist ja wirklich alles anders, als es scheint.

LG

frauke131

Beitrag von marion2 30.03.10 - 12:27 Uhr

Hallo,

die meisten Kinderärzte beobachten Fehlentwicklungen erst eine ganze Weile bevor sie einschreiten.

Es gibt enorm große Zeitfenster, in denen sich Kinder entwickeln.

Meine Kinder konnten mit 12 Monaten weder laufen noch sprechen. Dennoch waren sie altersgerecht entwickelt.

Beurteilen kann die Situation wirklich nur jemand, der das Kind genauer kennt.

Gruß Marion

Beitrag von thyme 31.03.10 - 11:31 Uhr

Schwierig, aus der Ferne zu beurteilen. Aber schon irgenwie schräg. Ich kenne eine (japanische) Mutter, die ein bisschen ähnlich drauf ist. Von zu Hause ist sie es sich offenbar gewohnt, dass Kinder bis zum geht nicht mehr betüttelt und behütet werden und dann ab Schulbeginn quasi sofort "gross" sein müssen #kratz. Jedenfalls war der Kleine bis etwa zwei auch noch ein völliges Baby, konnte nicht laufen, kaum sitzen, nicht selber essen etc.
Mit drei kam er dann in die Kita und hat schlagartig aufgeholt.
Ich finde die Idee gut, sie mal anzusprechen. Besuche sie doch mal und schau, wie sie zu Hause mit dem Kleinen umgeht.

LG thyme

Beitrag von hanni123 31.03.10 - 14:51 Uhr

Danke für eure Antworten. Ich denke, ich werde sie beim nächsten Mal einfach fragen, ob ihr Sohn nicht mit im Sandkasten spielen möchte... und dann mal weiter sehen.

LG

Hanna

Beitrag von eriks_mama 08.04.10 - 11:46 Uhr

Hoffe Du bist mir nicht böse wenn ich dir ehrlich sage wa sich denke!?!?!?
Mein Sohn hat erst mit 2,5 angefangen loszuquaseln-davor kaum!!!1Und ehrlich gesagt würde ich es mir verbitten,das eine Mutter auf dem Spieli mein Kind diagnostiziert......

Dafür habe ich meinen super Ki Arzt und die U Untersuchungen.....Ich fragte ihn ja auch was es sein kann dass er mit 2 kaum spricht und son Mädel mit 1,5 im Wartezimmer hätte ja auch schon perfekt gesprochen----da sagte er mir1. solle ich bitte aufhören immer vergleiche zu anderen zu ziehen-wenn er jedem Kind ne Therapie oder sonstwelche anderen Schritte verordnen würde-das nicht genau nach Tabelle is hätte er den ganzen Tag nix anderes zu tun!!!!
Insgesamt gefiel er ihm aber ganz gut-während bei uns auffm Hof zig Mütter mein Kind am liebsten in gott weiss was für sachen gesteckt hätten.....

schöne idee mit dem sandkasten aber um Gottes Willen doch nicht um die Frau zu"überwachen" und zu überlegen ob Su sie iwo melden kannst#augen
Heutzutage ruft doch schon das juamt eltern an wenn die nicht rechtzeitig zu den U´s gehen!!!!

Hoffe echt bist mir net böse

Beitrag von cajamarca 01.04.10 - 11:28 Uhr

Hallo Hanna
Ich war vor drei Jahren in einer ganz ähnlichen Situation, nur handelte es sich da um mein Patenkind, dessen Mutter eine langjährige Freundin ist. Und ich weiss, wie schwer es ist, so ein Problem anzusprechen. Der Kleine entwickelte sich sehr langsam, aber einzeln genommen konnte alles noch im Rahmen sein. Und knallhart zu sagen "dein heissgeliebtes perfektes Wunschkind auf das du so stolz bist kommt mir echt ein bisschen komisch vor, irgendwas stimmt da nicht" das ist eben nicht leicht. Und vielleicht auch nicht gut. Ich wusste aber auch, dass er bei einer ausgezeichneten Kinderärztin war, und dass diese schon Alarm schlagen würde, wenn etwas ganz objektiv nicht in Ordnung war. Was dann auch passiert ist. Der Kleine wird bald fünf und hat wahrscheinlich das Sotos Syndrom. Die Mutter war (ist) übrigens auch zu fürsorglich, was es schwerer machte einzuschätzen, was einfach Angst und Hemmung beim Kind war, und was es nun wirklich nicht konnte.
Ich würde das Thema nicht ansprechen. Wenn etwas ist, dann wird ein Kinderarzt es feststellen. Da ihm schon Krankengymnastik verschrieben wurde, wird der Kleine wohl schon aufgefallen sein. Und wenn der Kinderarzt die Eltern noch nicht auf das Problem angesprochen hat, dann wird er auch seine Gründe haben. Vielleicht braucht das Kind auch einfach mehr Zeit als ein anderes, und eine verunsicherte, gestresste Mutter die sowieso schon überängstlich ist ist nicht unbedingt ein Glück für so ein Kind.
LG Anke

Beitrag von p.sylvie 02.04.10 - 20:40 Uhr

Hallo
Ich denke für Eltern ist es immer schwer einzusehen dass ihr Kind ev. behindert ist. Es dauert eine Zeit bis man sich damit auseinandergesetzt hat.
Da das Kind ja schon Krankengymnastik bekommt, denke ich schon dass die Mutter weiss dass etwas nicht stimmt, und vielleicht *bemuttert" sie ihr Kind gerade deswegen so sehr weil sie die Entwicklungsverzögerung nciht genau einschätzen kann und weil sie nicht weiss was sie dem Kind zutrauen kann und was ihn verletzen könnte...
Da sie keine gute Bekannte ist zu der du viel KOntakt hast, würde ich an deiner Stelle nichts sagen.
Denn ich denke für sie ist es noch verletzender wenn sie auch noch jemand drauf anspricht.
Ausser- sie würde von sich aus darüber sprechen.
Lg Sylvie