Schulaudit

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von schwarzbaer 31.03.10 - 09:31 Uhr

In unserer Grundschule gab es in den letzten 2 Monaten ein Schulaudit. Befragungen der Kollegien und der Eltern per Fragebogen, intensive unangekündigte Hospitationen etc.

Gestern wurde der Bericht vorab-veröffentlicht. Die Schulleitung ist nicht so gut weggekommen - bei der Schulleiterin wundert mich das auch nicht. Aber die Schule hat insgesamt die zweitbeste Note erhalten und, was mich besonders freut, die Lehrerin meiner Tochter (1. Klasse) wurde mehrfach besonders lobend erwähnt. Bei den Themen Vermittlung von Medienkompetenz, alternative Unterrichtsformen zum Frontalunterricht und bei Einzelförderung je nach Wissensstand. Das entspricht auch dem, was wir Eltern über sie denken, sie ist einfach eine klasse Lehrerin.

Würdet Ihr über die Elternsprecher der Lehrerin noch mal Euren Dank aussprechen und ein kleines Geschenk überreichen? Oder findet Ihr das unangemessen?

Beitrag von mimi1410 31.03.10 - 09:59 Uhr

Hi,

ich würd nichts weiter geben sondern bei Gelegenheit erwähnen, wie schön es ist, dass euer Kind genau diese Lehrerin hat, wie wohl sie sich fühlt und und und. Ein Geschenk find ich nicht passend, schließlich macht die Frau nur ihren Job - bekommst du ein Geschenk, nur weil du deine Arbeit gut machst?
Dass die Schulleitung nicht so gut wegkommt, ist übrigens nicht verwunderlich - der Spagat zwischen Eltern, Lehrern, Schülern und Ministerium ist gewaltig und die Vorgaben entsprechend auch.
LG Mimi (auch Lehrerin und zwei Jahre in der Schulleitung tätig)

Beitrag von schwarzbaer 31.03.10 - 11:54 Uhr

ja, ich werd' schon mal von unserem GF zum Essen eingeladen, wenn ich mal wieder ein Projekt aus dem Sumpf gezogen habe - und das ist auch nur meine Arbeit. Ich hab' auch schon mal Theaterkarten geschenkt bekommen - da hatte ich am Tag vorher ein Flurgespräch mit unserem GF, wie toll doch Klaus-Maria Brandauer als Schauspieler ist und das er derzeit am Berliner Ensemble im Zerbrochenen Krug mitspielt.

Insofern finde ich schon, daß man für besonders gute Arbeit auch belohnt werden darf. Ich werde mich noch mal mit den anderen Eltern kurzschließen, wie die das sehen.

Anyhow, dass wir die Lehrerin extrem schätzen, haben wir (und auch andere Eltern) bei den Elternabenden und Sprechtagen deutlich zum Ausdruck gebracht.

Und unsere Schulleitung: stramme Verfechterin des Frontalunterrichts. Ich führe meine Schule wie ich will. Selbst freundliche Vorschläge aus dem Elternbeirat oder dem Förderverein (z.B. der Vorschlag, Laptops aus Fördervereinsmitteln zu kaufen und jedem lehrer einen auf den Tisch zu stellen) werden abgebügelt mit Medienkompetenz sei sowieso überbewertet. Und na ja, sagen wir mal, Kommunikation ist nicht ihre Stärke. Ich bin ausgebildete Mediatorin und kann meine Ausdrucksweise wirklich sehr gut kontrollieren - aber als nur ganz ganz vorsichtig eine Nachfrage von mir kam, die in 100 Meilen Entfernung vielleicht mal als Kritik hätte gewertet werden können, ist die gute Frau abgegangen wie eine V2. Von uns "blöden Akademikereltern" lässt sie sich nicht sagen, wie sie ihre schule zu fühhren hat - sorry, wollte ich auch nicht, nicht mein Job... Geht allen anderen Eltern mit denen ich spreche übrigens genauso.

Na ja, in 2 Jahren geht sie in Rente, hoffentlich ist der/die Neue dann etwas zugänglicher.

Beitrag von manavgat 31.03.10 - 10:17 Uhr

zum Thema Schulaudits sage ich nur eins:

Im Reich der Blinden ist der Einäugige König.


Selbstevalutation hat noch nie wirklich was gebracht, aber alle sind beschäftigt und haben wenigstens das Gefühl, es könne sich irgendwas irgendwie verbessern.

Gruß

Manavgat

Beitrag von schwarzbaer 31.03.10 - 12:00 Uhr

:-) das war keine Selbstevaluation, die Hospitanz kam von ausserhalb, auch die Befragungen per Fragebogen.

Und der Bericht ist schon sehr stimmig - zumindest mit dem, was wir als Eltern an dieser Schule erleben. Da werden tatsächlich Finger in Wunden gelegt, die Schulleitung muss (habe ich über "Kontakte" erfahren) auch mörderisch getobt haben, als sie den Vorab-Bericht bekam.

Beitrag von gismomo 31.03.10 - 11:37 Uhr

Ich finde es unangemessen. Viel wichtiger finde ich, übers Schuljahr hindurch positive Rückmeldungen an die Lehrer zu geben, wenn man mit ihnen zufrieden ist, oder - wenn dies nicht der Fall ist - angemessene Gespräche zu führen, die niemanden herabsetzen.

Ich bin selber Lehrerin und wenn ich am Elternsprechtag von den Eltern gelobt werde, schwebe ich drei Tage auf rosa Wolken - am letzten Sprechtag war ich nach einem Gespräch so gerührt dass ich erst Mal ins Lehrerzimmer gehen musste um allein zu sein und das zu "verkraften". Normalerweise bekommt man viel häufiger Kritik als Lob zu hören - hängt vielleicht auch von der Schule ab, aber unsere Schulleitung lobt nie. Kritisiert wird aber sehr großzügig. Deshalb freue ich mich immer riesig, wenn ich positive Rückmeldungen von Eltern bekomme. Und das unabhängig von statistischen Untersuchungen.

Die Klassenlehrerin meines Sohnes (2.Klasse) ist eine tolle Lehrerin. Ich sage ihr, wenn wir uns zu Gesprächen sehen, wie froh ich bin, dass sich unser Sohn bei ihr so wohlfühlt, und ich bewundere an Elternabenden immer das toll gestaltete Klassenzimmer, die Themen, die sie für BK auswählt etc. Ich glaube, dabei kommt viel mehr rüber als wenn man extra "förmlich" Dank ausspricht.

lg
K.

Beitrag von ayshe 31.03.10 - 12:49 Uhr

hallo,

witzig, also von audits im schulbereich habe ich echt noch nie gehört.
also war es so etwas wie ein internes audit?
finde ich ja schön.

ich habe beruflich sehr viel mit audits zutun, aber alles im industriellen bereich, also inhaltlich völlig anders, das prinzip wird ja aber ähnlich sein.

ich finde es schön, wenn man mal die gelegenheit hat, wunde stellen schön aufzubohren, damit kann man im bericht druck ausüben und änderungen bewirken, wo sonst nur geredet, aber nie etwas getan wird.


zur eigentlichen frage:
ich würde es nicht tun.
sicher ist es toll, wenn diese lehrerin so klasse ist und ein plus bekommen hat und keine minors oder criticals, aber ich würde niemals einzelne bereiche hervorheben oder denunzieren.
was wichtig ist, steht alles im bericht.
und das sollte reichen.
alles andere wäre nicht mehr sachlich und neutral.
aber du warst jetzt auch nicht einer der auditoren oder?


aber so als mutter kannst du ihr vllt schon sagen, daß du dich freust ;-)

lg
ayshe

Beitrag von schwarzbaer 31.03.10 - 13:00 Uhr

ich bin zwar als Qualitätsleiterin eines Unternehmens auch Auditorin, aber beim Schulaudit war ich natürlich nicht dabei - ich bin auch im industriellen Bereich tätig.

Ich kenne nur den Bericht (der ist, im Gegensatz zu industriellen Audits öffentlich). Und bin eine interessierte Mutter - die der Lehrerin gerne deutlich machen möchte, daß ihre Arbeit auch von den Eltern der von ihr unterrichteten Kinder sehr gewertschätzt wird.

Beitrag von ayshe 31.03.10 - 15:07 Uhr

ach so ;-)
okay, dann ist es mir klarer.

naja, du kannst natürlich als außenstehende und mutter tun, was du willst.
ich glaube, ich würde es dann machen, eine kleine aufmerksamkeit und ein großes lob und freudebekundung ;-)

Beitrag von gismomo 31.03.10 - 14:05 Uhr

Da so viele in den Beiträgen geschrieben haben, dass sie audits von der Wirtschaft her kennen und selbst auch berufliche Erfahrungen damit gemacht haben, bremse ich ungern die Begeisterung darüber, aber: Leider sind die audits, die an den Schulen durchgeführt werden, nicht vergleichbar mit denen in der freien Wirtschaft.

Im Klartext: Konsequenzen, die audits in der freien Wirtschaft haben (beispielsweise Auswirkungen aufs Gehalt, was die Erreichung/Nichterreichung persönlicher Ziele angeht, etc.), gibt es in der Schulstruktur nicht. Wenn die Schulleitung also schlecht weggekommen ist, wird sie sich darüber ärgern, wird evlt. auch von den Vertretern des Schulamts ein unangenehmes Gespräch aufs Auge gedrückt bekommen...aber das wars dann auch.

Vieles, was geändert werden sollte, liegt nicht in der Verantwortung der Schulleitung. Jede Firma hat ihren Geschäftsbereich, und der dafür Verantwortliche kann in einem gewissen Rahmen entscheiden, wofür er sein Budget ausgibt. Wenn mein Mann für seinen Fachbereich und seine Mitarbeiter (IT-Branche) neue Hardware braucht, dann kann er bis zu einem gewissen Betrag selbständig ordern, ab einem gewissen Betrag in Rücksprache mit seinem Chef.
In der Schule funktioniert das nicht oder nur bis zu einem ganz minimalen Betrag.

Was die in einem Beitrag angesprochenen Unterrichtsmethoden angeht - das liegt in der Entscheidung der einzelnen Lehrkraft. Ob sie Frontalunterricht durchführt oder Gruppenarbeit, entscheidet die Lehrkraft selber. Das hat mit der Schulleitung wenig bis gar nichts zu tun.

Kann man die Schulleitung entlassen? Nein, kann man nicht. Kann man einzelne Lehrer entlassen? Nein, kann man nicht - es sei denn, sie lassen sich wirklich etwas Schwerwiegendes zuschulden kommen, dann erfolgt ein Disziplinarverfahren.

Ein Vergleich mit der freien Wirtschaft hinkt in allen Bereichen. Leider ist es einfach Augenwischerei, was da großartig unter dem Stichwort "Selbstevaluation" verkauft wird. Solange das nicht direkt an das System Schule angepasst wird, ändert sich nicht wirklich was. Manche Lehrer werden sich ärgern, andere werden sich freuen. Damit hat es sich dann aber schon.

Es ist, wie Manavgat oben schon geschrieben hat. Und jeder, der mit dem System Schule zu tun hat, weiß das auch.

Ich will wirklich niemandem die Illusionen nehmen, aber eine Evaluation im Bereich der Wirtschaft ist was völlig anderes. Man sollte als Elternteil in dieser Beziehung nicht blauäugig sein und denken, es ändert sich jetzt Wunder was...

Ich persönlich würde eine Optimierung des Systems Schule sehr begrüßen, ich bin mit vielen anderen Kollegen der Meinung, dass einiges im Bereich Personalführung total schief läuft. Aber das alles auf die Selbstevaluation abzuschieben ist nichts als Augenwischerei. Umso gefährlicher, als die Lehrer dadurch einen Haufen Mehrarbeit haben, aber nachher völlig frustriert sind, weil sich nichts Gravierendes ändert. Ich investiere mit Freuden massig Arbeitszeit und Energie, wenn das Ergebnis dann auch demenstprechend ist. Aber so, wie es momentan gehandhabt wird, ist es eine reine Mogelpackung und man fühlt sich als Lehrer manchmal richtiggehend für blöd verkauft.

Beitrag von ayshe 31.03.10 - 15:32 Uhr

hallo,

ja, in der hinsicht kann man es sicherlich nicht vergleichen.
außerdem hat eine staatliche schule sicher auch gar kein interesse daran, etwas aufzurühren, selbst wenn sie teils möglichkeiten hat.

geändert und verbessert wird nur etwas, wenn eben besonders finanzielle vorzüge enstehen. das ist bei schulen oder sonstigen institutionen ja nciht der fall, evtl. nur bei privaten, also kann man noch 100 jahre verkrustet vor sich hindümpeln.

in der wirtschaft verdient man eben mit verbesserungen auch kohle und das zählt.
außerdem gibt es ja diverse gesetzliche anforderungen, die erfüllt werden müssen.
aber es wird nicht gleich überall jemand entlassen, weil etwas nicht ganz 100%ig war. das habe ich jedenfalls in 14 jahren im job nie erlebt.


trotzdem könnte es im schulbereich ein anfang sein.

lg
ayshe