Seltsames Verhalten nach Trennung

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von sativa 31.03.10 - 17:30 Uhr

Hallo miteinander,

ich bräuchte mal eure Hilfe bzw. euren Rat.

Erst mal zur Vorgeschichte: Bin schon seit September 2008 mehr oder weniger vom Vater meiner Tochter (4) getrennt. Bis vor ca. 3 Wochen haben wir alle noch zusammen gewohnt, allerdings hab ich diese Situation nicht mehr ausgehalten und bin mit ihr ausgezogen.

Wir haben zwar nie vor ihr gestritten, aber ich denk mal kleine Kinder sind ja nicht doof und sie wird auch gemerkt haben, dass mit Mama und Papa was nicht stimmt.

Sie sieht ihren Vater beinahe täglich und unternimmt auch viel mit ihm allein. Vor dem Auszug hat er sich fast gar nicht um sie gekümmert, außer mal bissle rumtoben. Das hat sich jetzt aber sehr geändert, worüber ich froh bin.

Nun zum eigentlichen Problem: Montag letzte Woche sind wir zusammen im Bad gestanden, als sie zu mir meinte: Mama, ich will nicht, dass der Doktor dir den Bauch aufschneidet. Ich fragte sie, warum er das tun sollte und sie erzählte mir, dass da ein Baby drin ist. Zur Erklärung, ich hatte bei ihr einen Kaiserschnitt.

Natürlich hab ich ihr gleich erklärt, dass da gar kein Baby drin ist, aber sie lässt sich einfach nicht von dem Gedanken abbringen. Täglich streichelt sie meinen Bauch, redet mit ihm und malt schon Bilder fürs Baby. Sie ist sich sogar sicher, dass es ein Brüderlein wird und erzählt es sämtlichen Verwandten und im Kindergarten herum. Sie hat es auch ihrem Vater erzählt, der jetzt natürlich denkt, ich hätte einen neuen #augen

Ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt ein Problem ist, aber es verunsichert mich schon etwas. Ich hab es schon mit Erklären und mit Ignorieren versucht, aber sie bleibt dabei.

Könnte das von der Trennung kommen, oder ist das einfach ein Wunsch von ihr? Würdet ihr da was dagegen machen (nur was?) oder erst mal abwarten?

Danke schon mal,

Sarah

Beitrag von mysterya 31.03.10 - 17:57 Uhr

Eine Trennung ist schon ein ziemlicher Stress fürs Kind, auch wenn sie bei euch recht "friedlich" abzulaufen scheint. Es in meinen Augen schon durchaus möglich, dass sie mit dem "Baby" diese Sache zu verarbeiten versucht. Dahinter könnten folgende Gedanken stehen:

Angst vor der "Zweisamkeit mit Mama". Versteh mich nicht falsch, sie liebt dich sicher über alles. Aber die Zahl 3 ist magisch fürs Familienleben. Die Kernfamilie besteht jetzt nur noch aus Dir und Ihr. Wenn Dir,was passiert, Du keine Zeit hast oder sonst was, erfährt sie sich selbst womöglich als "allein". Dann denkt sie vielleicht, hat sie niemanden weiter Daheim. Das imaginäre Brüderchen füllt vielleicht diesen 3. Platz und lindert ihre Angst vor der Einsamkeit. So unrealistisch diese auch sein mag.

Vielleicht ist das imaginäre Brüderchen auch so eine Art "unsichtbarer Freund", den sie geschaffen hat als emotionalen Beistand für diese schwierige Zeit. Kinder flüchten oft in Fantasieelemente, um sich dort zu erholen. Das ist auch nicht schlimm. Viele Kinder haben "unsichtbare Helfer".

Das Brüderchen symbolisiert vielleicht auch den Wunsch nach einer intaken geschlossenen Familie. Nicht nur wir Erwachsenen hängen der Vorstellung mitunter hinter her, dass ein weiteres Kind eine Beziehung kitten könnte. Vielleicht sieht sie ein Baby als eine Art "Bindungsmittel" zwischen Mama und Papa.

Was du tun sollst...das fällt mir schwerer. Ich würde Dir raten, dass sie ihren Papa so oft beide es wollen und es möglich ist, sehen sollte. Das wird ihr mehr Sicherheit geben. So nach dem Motto: Papa ist nicht weg, er wohnt nur woanders. Rede auch nicht schlecht über ihn in ihrer Gegenwart, ganz gleich wie gut er sich bisher um sie gekümmert hat. Sie wird sich darüber bald ihre eigene Meinung bilden, die ich respetieren würde.

Und dann rede viel mit ihr über die Trennung. Offen und kindgerecht!!! Erklär ihr aber nichts schwieriges oder emotinal zu tiefgründiges. Bleib eher dabei, was eine Trennung ist, warum man das macht und was für Vor und Nachteile das für sie hat und was ihr machen wollt, Du und Papa, damit es ihr trotzem gut geht. Sag ihr, dass Du sie lieb hast und, dass sie Dir immer sagen darf, wenn es ihr nicht gut geht und dass Du sie gern trösten willst. Das ist zwar selbstverständlich, aber es ist auch wichtig das zu sagen.

Erklär den anderen auch ihrem Papa, dass das Brüderchen nur imaginär ist, auch wenn sie es dir nicht 100% Glauben. Lass deine Tochter aber damit erstmal in Ruh. Sag ihr, zwar ab und an, dass Du nicht schwanger bist, aber zerstör ihr diesen Fluchtpunkt auch nicht radikal. Wenn es ihr hilft, daran zu glauben, lass es sie eine Weile ausprobieren. Sie wird selber die Grenzen ihrer vorstellung erkennen und sich bestimmt irgendwann von allein davon lösen. Vielleicht wäre auch ein Besuch im Plüschtierabteil sinnvoll.

Ihr könntet einen Teddy oder sowas kaufen, der sie allerdings sehr interessieren muss und du erklärst ihr dann, dass das jetzt ihr Freund für alles was ihr auf dem Herzen liegt ist, dem sie alles erzählen kann und der immer für sie da ist. Vielleicht möchte sie nicht all ihre Gedanken mit dir teilen und weicht dann auf das Plüschtier aus.

Alles Gute und Kopf hoch! Es wird auch wieder besser.

LG Mysty