Bin total verzweifelt

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von babybauchnr2 31.03.10 - 20:47 Uhr

Hallo an alle,

ich bin total fertig. Die Frau meines Bruders ist schwanger, sie haben über ein Jahr versucht schwanger zu werden, nach einer Fehlgeburt vor bereits 2 Jahren. Dann hat es endlich geklappt, sie ist jetzt in der 16. Woche und heute die Diagnose : Down - Syndrom #heul #heul #heul

Klar sind wir alle total fertig, aber das aller schlimmst an der Sache finde ich , dass sie das Kind weg machen lässt - die Entscheidung steht #heul Ich könnte nur noch heulen, sie haben sich so auf ihr Baby gefreut, aber sie kommen mit der Situation nicht klar (ich weiß nicht wie ich reagieren würde)...

Für mich persönlich kommt noch was hinzu: Ich fahre mit meinen Zwergen in 2 Wochen zur Mutter-Kind-Kur. Die Dame von dort hat mir schon vor ein paar Wochen mitgeteilt, dass eine Woche nach meiner Anreise ein Sonderkurgang mit Down-Syndrom-Kindern beginnt. Ich habe mich sehr darauf gefreut, aber ich weiß jetzt absolut nicht mehr wie ich mit der Situation umgehen soll... Absagen? Später fahren? Oder durch machen?

Was würdet ihr machen? Weiß auch gar nicht an wen ich mich wenden könnte... Fühl mich irgendwie völlig allein gelassen mit der ganzen Situation...

LG Nadine

Beitrag von mmv 31.03.10 - 21:02 Uhr

Hallo Nadine.

Es tut mir sehr leid für eure Familie.
Ich bin 3 fache Mutter und habe im Dezember eine kleine Tochter zur Welt gebracht,sie hat auch das Down-syndrom.Ich wusste es nicht,wir habens nach der Geburt erfahren.Ich liebe sie über alles egal was sie hat.Zum glück kam sie so kern Gesund zur Welt und bisher entwickelt sie sich normal.Klar,als die diagnose kam,ist meine welt zusammen ge´brochen,wir waren eine perfekte Familie und jetzt ein behindertes Kind???
Aber hey,das ist mein Kind und meine Mitmenschen reagieren alles super positiv,ausserdem mit der richtigen förderung kann man viel erreichen.Klar,ich kann mir denken,dass es schwer für sie ist im moment,ich habe immerhin 2 gesunde Kinder bekommen(wobei bei nr.2 auch lange gebraucht habe schwanger zuwerden und 2 fehlgeburten hatte).Ich habe aufgrund meines alters nie eine nackenfaltmessung machen lassen,es gab auch keine anzeichen dafür.Ich wüsste nicht,was ich getan hätte,wenn ich es in der SS erfahren hätte,ich glaube ich es hätte es nicht weg machen lassen....ich wurde ins eis kalte wasser geschmissen,aber ist schon ok so.Meine kleine Maus ,sie strahlt nur,fängt an zuerzählen...ich liebe sie,so wie sie ist....aber jeder hat das recht,über sein Leben zu entscheiden,bzw zu entscheiden,ob es stark genug ist,ein"behindertes Kind"(für mich sind die nicht behindert) groß zu ziehen.Ich sehe das als Zeichen oder aufgabe von Gott,denn Gott hält uns für stark genug,Paulina groß zuziehen......Trisomie ist noch ne schöne Behinderung,denn diese Kinder weren lernen,halt etwas langsamer....da gibt es schlimmere Krankheiten

Ich wünsche euch alles Gute.....
Ich wollte nur meine kleine Geschichte erzählen....denn das ist für mich auch gerade erst 4 monate her und es weiß noch nicht jeder,dass mein Kind eine extra ausstattung von chromosomen hat ;)

Beitrag von babybauchnr2 31.03.10 - 21:13 Uhr

Hallo,

vielen Dank für deine Antwort!

Ich denke das schlimmste an der Sache ist, dass viele einfach davon ausgehen, dass alles gut ist. Man beschäftigt sich nicht direkt damit was ist, wenn das Kind doch krank ist. Für viele ist es einfach selbstverständlich ein gesundes Kind zu bekommen und das finde ich sehr traurig. Wir wurden bei unserer Großen auch ins kalte Wasser geschmissen, sie war auch krank nach der Geburt, hat aber keine Behinderungen davon getragen und wir sind sooo glücklich dass wir sie haben!

Ich finde es nur auch total schade, dass meine Schwägerin so felsenfest von ihrer Entscheidung überzeugt ist... Sie wird zu keiner Beratung gehen und möchte von keinem eine andere Meinung hören, sie hat sich mit dem Thema mit sicherheit noch nie richtig auseinander gesetzt. Mein Bruder steht natürlich hinter ihr, aber ich bin mir sicher ihm würde es besser gehen, wenn er sich vorher mehr mit dem Thema auseinander hätte setzen können!

Danke für deine Geschichte - man merkt doch immer wieder, dass einfach niemals ALLES perfekt laufen kann...

LG Nadine

Beitrag von mmv 31.03.10 - 21:24 Uhr

Ich kann beides verstehen,

sie wünschen sich so sehr ein Kind.....es klappt nicht...und jetzt hats geklappt und es soll behindert werden...das ist wie ein schlag ins Gesicht....
Ja,ich bin auch davon ausgegangen,dass mein Baby im Bauch gesund ist.....es fing ab der 30.ssw an,dass die Maus viel zuklein war,sie war unter der norm,aber da ich auch ein kleiner Mensch bin (1,55m) sagte der Doc,es wäre ok.Aber dann waren die Herztöne beim CTG immer sehr schlecht ....dann haben die in der 37+6 eingeleitet.....aber auch im Kh nichts gesehen oder gemerkt.Naja,wie gesagt,alles hat ein Sinn im Leben...es ist die entscheidung deiner Schwägerin....aber wer weiß,wieso die 2 ausgerechnet ein trisomie Baby bekommen sollen.....aber wenn sie abtreibt.....wird sie mit der entscheidung glücklich werden`????
Dass kann man leider nicht sagen.....
Ich weiß auch nicht,was die Zukunft bringt und ich weiß auch ´nicht,in wie weit paulina behindert sein wird(bei trisomie gibt es verschiedene Formen)eins weiß ich:
Ich werde IMMER für mein Kind da sein,und sie wird genau so behandelt und so aufwachsen wie ihre großen geschwister......

Beitrag von spatzl75 01.04.10 - 07:23 Uhr

Hi Nadine,

was genau macht Dich fertig?
Die Tatsache das sie das Kind abtreiben? Oder das sie ein besonderes Kind in sich trägt, obwohl es ein Wunschkind ist?
Oder das Beide so darunter leiden?

Jeder entscheidet für sich selbst und man sollte die Menschen nicht dafür verurteilen.
Ich kann sie verstehen, vorallem weil es ein Wunschkind ist.

Zu Deiner persönlichen Situation: warum machst Du das von Deiner familiären Situation abhängig ob Du fährst oder nicht?
Oder habe ich das falsch verstanden?#kratz

Laß erstmal ein paar Tage vergehen, bevor Du Du Entscheidungen triffst! Objektiv kannst Du mir Sicherheit jetzt nicht sein!

lg

Beitrag von danny3012 01.04.10 - 08:37 Uhr

Liebe Nadine,

ich kann dich gut verstehen, mich würde das auch fertigmachen. Klar, jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen und man darf niemanden verurteilen, der sich gegen ein Kind entscheidet - einerseits. Auf der anderen Seite habe ich immer ein Problem damit, dass scheinbar viele denken, sozusagen ein Recht auf ein gesundes Kind zu haben. Da wünscht man sich ein Kind, freut sich, wenn es klappt - und ist das Kind dann nicht so wie "bestellt", macht man es einfach weg. Ich kann das nicht so richtig verstehen... Ich habe selbst ein Kind mit Down-Syndrom - und bin der festen Überzeugung, dass diese Behinderung auf gar keinen Fall ein Grund ist, eine Schwangerschaft abzubrechen. Und ganz ehrlich, ich könnte auch nicht damit umgehen, wenn sich in meiner Verwandtschaft oder in meinem Freundeskreis jemand bei dieser Diagnose für eine Abtreibung entscheiden würde... Aber die Entscheidung musst du leider wirklich deinem Bruder und seiner Frau überlassen, sie müssen den Weg finden, der für sie der richtige ist. Wie sehen es denn deine Eltern?

Sag mal, fährst du zufällig nach Neuburg am Inn zur Kur? Ich nehme nämlich in drei Wochen dort mit Noah an der Schwerpunktkur Down Syndrom teil - falls du dich also für die Kur entscheidest, könnten wir uns dort mal unterhalten, wenn du magst.

Liebe Grüße, fühl dich ganz fest gedrückt #liebdrueck
Daniela und Noah

Beitrag von murckel2005 28.04.10 - 10:34 Uhr

Hallo Daniela,

ich war vor 3 Wochen zur Kur in Neuburg am Inn...
Das war suuuper schön dort!

Hat jetzt nicht ganz was mit dem Thema zu tun, aber als ich eben Neuburg las mußte ich Dir kurz antworten!

Viel Spaß dort und ganz viel Erholung!

LG, Michaela

Beitrag von barbarelle 01.04.10 - 08:58 Uhr

Hallo Nadine,

deine Schwägerin steht unter Schock und da wird aus der Panik heraus eine Entscheidung getroffen. Nun ist sie fest davon überzeugt und leider sind viele Ärzte bei solchen Dingen auch sehr schnell mit einer Abtreibung dabei und erklären den Frauen nicht, dass Hilfen gibt.

Das ein Down-Kind so viel Freude machen kann wie jedes andere Kind auch - Sogar noch mehr ;-) - wissen die wenigsten.

Nun gut. Fakt wird aber sein: wenn sie noch so felsenfest überzeugt ist im Moment - Sie wird in ein Loch fallen. Die Trauer um dieses Kind wird sie übermannen. In dieser Phase sollte sie sich wirklich Hilfe holen.

Was du für dich tun kannst? Schliesslich wärst du die Tante dieses Kindes und auch dir steht eine Trauer zu.

Viel Kraft und wenn du es mental im moment nicht packst, dann verschiebe die Kur.

LG
Barbarelle

Beitrag von gaeltarra 01.04.10 - 16:17 Uhr

Hi,

du bist nicht an Stelle deines Bruders oder dessen Frau und somit verstehe ich nicht ganz, dass es DICH fertig macht, dass sie sich zu einer Abtreibung entschlossen haben. Es ist ja nicht DEIN Kind. Und auch die Entscheidung ist nicht DEINE Entscheidung. Du hast das nicht auf DEINE Kappe zu nehmen und DICH schuldig oder was auch immer zu fühlen. Auch denke ich, muss man die Entscheidung deiner Schwägerin und ihres Mannes akzeptieren!

Ich an deiner Stelle würde zur Kur fahren.

Persönlich verstehe ich die Entscheidung deiner Schwägerin und ihres Mannes. Mein Mann und ich haben 2 x eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen und VOR diesen Untersuchungen stand eindeutig fest, dass wir im Falle einer Trisomie das Kind nicht bekommen. Aber DIESE Entscheidung kann man nur und ausschließlich persönlich treffen.

Außenstehende können zwar ihr Für und Wider vorbringen, mehr aber auch nicht. Für die einen sind z. B. Down-Syndrom-Kinder ein Geschenk, für andere eben nicht. Meine Schwägerin hat in der Abteilung gearbeitet, in der Down-Syndrom-Kinder behandelt wurden und hat für sich entschieden, dass sie NIE ein Down-Syndrom-Kind bekommen würde. Ihr Mann, ebenfalls Arzt, war und ist der gleichen Meinung. Genauso eben wie auch mein Mann und ich es waren. Entsprechend musst auch du lernen, mit der Entscheidung deiner Schwägerin und ihres Schwagers zu leben und dazu gehört erst einmal, sie zu akzeptieren.

LG
Gael




Beitrag von arkti 04.04.10 - 01:23 Uhr

Niemand hat das Recht sich in so eine Entscheidung einzumischen.
Mein Mann hat auch immer gesagt das er kein behindertes Kind möchte, somit stand für uns auch von Anfang an fest das eine frühzeitig erkannte Behinderung eine Abtreibung bedeutet.
Ein behindertes Kind verändert das komplette Leben bis zum Lebensende, da kann man nicht sagen wenn die Kinder groß und außer Haus sind genießt man nochmal Zweisamkeit.
Im Gegenteil, man muss sich eigentlich schon überlegen was mit den Kindern wird wenn man selber nicht mehr kann.
Leider Gottes hört man viel zu oft, Abtreibung niemals....
man brauch nur mal in Heime für Behinderte gucken, da gibt es haufenweise Menschen die keinerlei Kontakte mehr zu ihrer Familie haben.
Das kann es auch nicht sein.
Familie kann kein Heim ersetzen.

Beitrag von myimmortal1977 08.04.10 - 00:04 Uhr

Was würdest Du mit einem gesund geborenen Kind machen, was eine schwere Krankheit bekommt dadurch einen bleibenden Schaden erleidet oder einen schweren Unfall hat?

DIE WENIGSTEN BEHINDERUNGEN SIND ANGEBOREN! Die meisten Behinderungen werden durch Krankheiten und durch Impfschäden erworben. Das steht auf Platz 1. Nur 8 Prozent aller schweren Behinderungen sind angeboren.

Man sollte sich auch mal mit Zahlen beschäftigen, bevor man auf in Heimen dahin wegetierende familienlose Behinderte zeigt. Die meisten dort sind nämlich nicht ohne Familie, die wenigsten übrigens und haben auch noch Kontakte zur Familie. Das Heimleben ermöglicht den Betroffenen nur eine bessere Versorung und die Chance auf ein einigermaßen selbst bestimmtes Leben.

Beitrag von myimmortal1977 08.04.10 - 00:16 Uhr


Statistisches Bundesamt: 6,6 Mill. schwer behinderte Menschen in Deutschland

Zum Jahresende 2003 lebten in Deutschland 6,6 Mill. schwer behinderte Menschen; das waren rund 70 000 oder 1,1% weniger als am Jahresende 2001. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung war in Deutschland jeder zwölfte Einwohner (8,0%) schwer behindert. Knapp über die Hälfte (52%) der Schwerbehinderten waren dabei Männer. Als schwer behindert gelten Personen, denen von den Versorgungsämtern ein Grad der Behinderung von 50 und mehr zuerkannt wurde.

Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf: So war gut die Hälfte (52 %) der schwer behinderten Menschen 65 Jahre und älter; ein knappes Viertel (22 %) gehörte der Altersgruppe zwischen 55 und 65 Jahren an. 2 % der Schwerbehinderten waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Überwiegend (84 %) wurde die Behinderung durch eine Krankheit verursacht, 5% der Behinderungen waren angeboren, 2 % auf einen Unfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen.

http://www.dbsh.de/redsys/soztop/userpages/schwerbehindert2003.html

Beitrag von .nefur. 09.04.10 - 22:24 Uhr

Das ist für mich eine Katastrophe. Es ist unerträglich, dass Menschen nicht in der Lage sind, eine Kind zu haben, was etwas anders ist als andere.

Jeder kann nur noch Einheitsbrei. Für mich haben die Frauen, die abtreiben und die Männer, die es wollen eine Art emotionale Behinderung. Eine ganz große Unfähigkeit! Und die muss man "ertragen".

Beitrag von fechtwoman 11.04.10 - 22:03 Uhr

#pro