Erbfrage: Pflichtteil an Bedingungen geknüpft?

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Beitrag von liki 01.04.10 - 14:03 Uhr

Hallo!

Ein Vater hat 4 Kinder und 9 Enkel. Da er eines der Enkel besonders liebhat, hat er es in seinem Testament zum Haupterben erkoren.

Die 4 Kinder sollen den Rest des Erbes untereinander aufteilen - mit der Auflage, wenn der haupterbende Enkel Schulden machen sollte, mit 110% ihres jeweiligen Erbteils dafür gradezustehen.

Geht das? Würde das nicht bedeuten, dass die Kinder letztlich wenns doof läuft nicht nur gar nichts erben, sondern darüber hinaus noch mit Privatvermögen haften, wenn der Enkel Geld braucht?

Heißt das mit anderen Worten, dass den Kindern nichts anderes übrig bleibt, als selbst den Pflichtteil abzulehnen, weil sie sonst nicht nur diesen verlieren, sondern auch noch eigenes Geld verlieren können?

Meinungen und besonders gerne auch Kenntnisse erbeten.

Vielen Dank!

#herzlich liki

Beitrag von muggles 01.04.10 - 14:17 Uhr

Ich glaub nicht, dass das geht.

Die Kinder haben Anrecht auf ihren Pflichtteil und duerfen sich aussuchen, ob sie fuer die Schulden des Enkels buergen wollen oder nicht.

Ist der Lieblingsenkel denn ein Kind dieser 4 Kinder?

Bist Du ein Kind oder ein Enkel?

Claudia

Beitrag von liki 01.04.10 - 14:20 Uhr

Hallo Claudia,

danke für Deine Meinung.

Der Lieblingsenkel ist ein Kinder der 4 Kinder (meiner Schwester). ich selber bin eines der Kinder.

LG, liki

Beitrag von liki 01.04.10 - 14:20 Uhr

ähmm.. Tippfehler: ein KIND der vier Kinder.

Beitrag von schnuffinchen 01.04.10 - 14:18 Uhr

Hat er das Testament selbst aufgesetzt?

Beitrag von liki 01.04.10 - 14:21 Uhr

nein. Das hat ein Anwalt gemacht, der mit der Mutter des begünstigten Enkels eng befreundet ist.

Beitrag von schnuffinchen 01.04.10 - 14:24 Uhr

Kann es sein, dass es sich dann dabei um einen Erbvertrag handelt?

Für ein Testament wären diese Regelungen anfechtbar, bei einem Erbvertrag sieht das schon wieder anders aus.

Beitrag von liki 01.04.10 - 14:26 Uhr

es soll eigentlich das Testament sein.

(was ein Erbvertrag ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass dieser Schrieb das vorangegangene Testament ersetzen soll.)

Beitrag von flausch 01.04.10 - 19:07 Uhr


Die Frage würde ich direkt beim Notar (telefonisch/persönlich) stellen!

Beitrag von liki 01.04.10 - 19:14 Uhr

Hallo Flausch,

das Testament wird nicht beim Notar hinterlegt, sondern bei jenem Anwalt, wenn ich das richtig verstanden habe.

Da ich keinen Notar kenne, folglich vermutlich auch nirgendwo eine kostenfreie Antwort darauf finde,
habe ich gehofft, hier jemanden zu finden, der sich damit auskennt.

(Googeln hab ich erfolglos versucht).

LG, liki

Beitrag von flausch 01.04.10 - 19:19 Uhr


Ich hatte auch mal ein Frage bezüglich "Erben" und ich habe noch kein Testament gemacht.

Ich habe bei uns in der Stadt beim Rathaus wo ein Notar sitzt angerufen und die Notarvertreterin hat mir telefonisch eine kostelose Auskunft gegeben die mir weitergeholfen hat!

Das Testament von meiner Oma liegt z.B. beim Notar!

Sonst ruf doch bei dem Anwalt an, wo das Testament liegt?

Beitrag von liki 01.04.10 - 19:51 Uhr

auf die Idee beim Notar der Gemeinde anzurufen, wäre ich gar nicht gekommen. Einen Versuch ist es wert - danke!

den Anwalt anrufen... weiß nicht, ob das Sinn macht? Weil... der hat das ja gemeinsam mit meiner Schwester überlegt/aufgesetzt. Ob der mir da eine ehrliche Auskunft gibt?

Vielleicht seh ich aber inzwischen auch Gespenster.

Das Problem ist, dass mein Vater gerade seine Frau verloren hat (meine Mutter ist vor ein paar Monaten gestorben) und überhaupt nicht in der Verfassung ist, das, was er da unterschrieben hat, zu verstehen. Gibt er auch zu - er will es nur weg haben und vertraut darauf, dass das so am gerechtesten ist.

LG, liki

Beitrag von flausch 01.04.10 - 20:36 Uhr


...mein Beileid - wenn man das noch schreiben kann!

Vielleicht habt Ihr auch eine Rechtschutzversicherung, bei der Ihr mal nachfragen könnt?!

Aber probier es doch wirklich mal bei dem Notar Eures Wohnortes!

Mehr Ideen habe ich leider nicht... :-(

Viel Glück!

Beitrag von liki 01.04.10 - 20:46 Uhr

Vielen Dank für deine lieben Worte.

mein Vater ist ein asbolut gerechtigkeitsliebender Mensch und ich habe das Gefühl, dass seine Schwäche im Moment ausgenutzt wurde (vo ein paar Jahren wäre sowas nie passiert) - er musste auch noch richtig viel Geld für den Anwalt bezahlen. Das tut mir weh.

Ich erwäge im Moment von vornherein von allem zurückzutreten. Ich will das Geld gar nicht. Aber es ist nicht richtig, dass jemand sein Vertrauen so sehr ausnutzt.
Wenigstens wird er es dann nicht mehr mitbekommen.

#schmoll

Liebe Grüße

liki

Beitrag von oldma 01.04.10 - 21:34 Uhr

.... das geht definitiv NICHT. der pflichtteil ist eben nicht an eine bedingung geknüpft, sondern ist gesetzlich zwingend festgelegt.
aus deiner schilderung entnehme ich, opa ist der "letzte" und kann über 100 % erbmasse verfügen. dann ist der pflichtteil 50 % hoch, den sich die 4 kinder teilen müssen. die enkel bekommen nix, ausser der lieblingsenkel, der bekommt 50%.
übrigens ist opa wohl auch schon etwas verdattelt. selbst wenn man wollte, es kann niemand mit 110 % eines vermögens gerade stehen. das vermögen ist einfach mal 100 % IMMER!!!#klatsch also selten so gelacht....#rofl l.g.c

Beitrag von liki 01.04.10 - 21:37 Uhr

danke für Deine Meinung - so dachte ich das auch und bin völlig erstaunt über die Formulierungen in dem Testament.

Und: es ging um 110% des Erbteils. Nicht des Vermögens. Daher hatte ich das so interpretiert, wenn man z.b. 20.000 Euro erbt, muss man - im Falle einer Verschuldung des Enkels- mit 22.000 Euro einspringen (also 2.000 Euro des Privatvermögens und 100% des Geerbeten)
lg, liki

Beitrag von oldma 01.04.10 - 21:44 Uhr

... #klatsch das ist garnantiert unwirksam. das würde ich als erbe sofort anfechten.

Beitrag von liki 01.04.10 - 21:46 Uhr

daher meine Frage: kann es sein, dass ich dann den Pflichtteil ausschlagen muss, da dieser an die BEDINGUNG geknüpft ist, dass ich - falls der Lieblingsenkel sich verschuldet - auch mit Privatvermögen über den Erbteil hinaus haften muss?

Oder ist das Ganze unwirksam und die Pflichtteile müssen ohne Bedingungen aufgeteilt werden?

Danke, lg liki

Beitrag von oldma 01.04.10 - 22:00 Uhr

...wie gesagt, das pflichtteil ist gesetzlich festgelegt und kann NICHT an bedingungen geknüpft werden. dazu wurde es ja gerade gesetzlich " verordnet". du brauchst also das pflichtteil nicht auszuschlagen. du musst auch ganz sicher nicht mit deinem vermögen für schulden des lieblingsenkels gerade stehen.!nur über den "nichtpflichtteil" kann der erblasser frei verfügen und das auch an bedingungen knüfpen. in deinem fall kann er also nur dem lieblingsenkel auflagen mitgeben.l.g.c.

Beitrag von liki 02.04.10 - 08:20 Uhr

Herzlichen Dank!

LG, liki

Beitrag von manavgat 02.04.10 - 11:13 Uhr

Diese Testament ist imho sittenwidrig.

Ich würde mich an einen Fachanwalt für Erbrecht wenden, wenn es soweit ist und der Erbfall eingetreten ist.

Gruß

Manavgat

Beitrag von liki 02.04.10 - 13:22 Uhr

Hallo,

mir kam das von Anfang an auch so vor. Was mich allerdings zweifeln lässt und ließ ist, dass es ja von einem Fachanwalt aufgesetzt wurde. Ob der darauf spekuliert, dass man es nicht anfechtet? Ich verstehe das einfach nicht.

Gruß, liki

Beitrag von manavgat 02.04.10 - 13:39 Uhr

Da Du das Schriftstück nicht gesehen hast, würde ich aufhören zu spekulieren.

Und ja, oft wird spekuliert, dass man nicht anfechtet.

Wer weiß, vielleicht stirbst Du vor dem Erblasser? Dann hast Du Dich völlig umsonst aufgeregt.

Wenn der Erbfall eintritt, dann kannst Du tätig werden, in Kenntnis des Testaments.

Alles andere vergiftet Dir nur das Herz.

Gruß

Manavgat

Beitrag von liki 02.04.10 - 14:03 Uhr

ich habe das Schrifttück gesehen. Mein Vater bat mich, es ihm noch Mal vorzulesen - weil er es von Hand abschreiben musste und Sorge hatte, einen Fehler gemacht zu haben.

Ich wünschte ich hätte es nicht gesehen.

und: ich arbeite im Moment daran, es 1 x zu begreifen, um es dann innerlich ad acta legen zu können.

da ich mich sehr um meinen Vater kümmere, ihm helfe und mit ihm zu Friedhof gehe, hoffe ich, dass ich das Thema für mich ganz schnell abhaken kann und mich wieder meinem Leben und auch ihm widmen kann ohne irgendwelche Ressentiments - dazu gehört auch, zu begreifen, dass es so ist, wie es ist und dass es für mich egal sein muss.

So lange ich es aber nicht begriffen habe, rumort es in meinem Kopf herum.

Gruß, liki