Berufsplanung- Zuviele subjektive Meinungen, nichts informatives

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von psycholi87 01.04.10 - 15:20 Uhr

Oh man, bei mir dreht sich langsam der Kopf.
Ich bin Psychologiestudentin. Ein eigentlicher fester Plan war, danach noch eine Ausbildung als Psychotherapeutin zu machen. Das Kostet allerdings Geld, Zeit und Nerven und keiner kann einem genau sagen, ob einem das wirklich was bringt, ob sich der Aufwand lohnt.
Ich könnte jetzt auch nach dem Studium arbeiten gehen, allerdings darf ich dann eigentlich keine beratenden und vorallem therapeutischen Tätigkeiten übernehmen. Laut Stellenanzeigen sieht es auch gerade nicht so aus, als ob Psychologen ohne therapeutische Weiterbildung unbedingt gesucht sind.
Dann ist mein Partner 4 Jahre älter als ich. Früher fand ich es nicht ungewöhnlich um die 30 Jahre Kinder zu bekommen, doch jetzt denke ich an Fruchtbarkeit und an meinen Partner, der eigentlich nicht so spät Vater sein wollte. Die Ausbildung würde noch mal drei Jahre dauern, dann habe ich immer noch keine wirkliche Berufserfahrung und bin 27, wenn es gut läuft.
Jetzt könnte man noch mit Rentenvorsorge und den Kosten der Ausbildung von 13.000 Euro anfangen, von Leben leben und die Welt sehen und alles mögliche......aber nichts hilft mir weiter.

Ok, ohne gesülze.
Ich will weder das Gefühl haben, dass durch meine Berufsplanung meine Partnerschaft oder meine Familienplanung leidet.....noch, dass ich beruflich so zurückstecken muss, dass ich mal frustriert zuhause hocke und mich frage warum ich überhaupt studiert habe...

Welche Kriterien würdet ihr ganz oben auf eurer Abwägungsliste platzieren? Was ist wichtig, wenn man versuchen möchte sowohl beruflich als auch privat zufrieden zu sein?

Danke schon einmal für euer Meinungsbild.

Beitrag von wemauchimmer 01.04.10 - 16:03 Uhr

Also, meine Schwester hat auch Psychologie studiert und wollte danach unbedingt in Berlin wohnen. Dort ist es aber ultrabeschissen mit Arbeit. Sie hat also jahrelang rumgekrebst mit irgendwelchen superschlecht bezahlten Sozialpädagogenjobs, hat Kinder bekommen, und sich jetzt aufgerafft und eine Ausbildung zur Psychotherapeutin gemacht (fast fertig). Sehr teuer und zeitaufwändig und mit Familie schwer vereinbar (ging nur wegen sehr flexibler Arbeitszeiten des Schwagers). Erst jetzt hat sie die Aussicht auf einigermaßenes Einkommen und nicht immer am Existenzminimum herumkrebsen. Hat aber logischerweise 1, 2 entscheidende Jahrzehnte bei der Altersvorsorge bzw. Vermögensaufbau verpaßt.
Anscheinend wäre es alles kein so großes Problem, wäre sie flexibler bei der Wohnortwahl. Also in Süddeutschland oder auch in der Pommer'schen Provinz sieht es für Psychologen nicht sooo schelcht aus. Aber da wollte sie halt auf keinen Fall hin.

Also mein Rat wäre der folgende. Früher einmal hatten wir in D einen breiten Mittelstand und fast jeder konnte am Wohlstand partizipieren. Heute haben wir eine Kluft zwischen Arm (prekäre Arbeitsverhältnisse) und Reich (gute, sichere Jobs) und die Schere geht immer weiter auseinander. Du mußt vor allem alles daransetzen, auf der richtigen Seite der Schere zu landen und zu bleiben. Und das heißt in Deinem Fall: Prio 1 ist, eine Ausbildung mit realistischer Aussicht auf Anstellung. Die Familienplanung kann man damit vereinbaren, es ist natürlich viel härter, aber wenn man will, dann geht es. Leben leben und die Welt sehen, das ist schön, aber das darf nicht zwischen Dir und dem zukünftigen Job stehen. Denn mit einer festen anständig bezahlten Stelle kannst Du Dir noch viel von der Welt ansehen. Aber umgekehrt fährt der Zug eben irgendwann mal ab.
LG und alles gute...

Beitrag von bruchetta 01.04.10 - 17:06 Uhr

Ich würde die Ausbildung als Psychotherapeut gleich anschließen.
Den Therapeuten geht's doch gut, ewige Wartelisten, sie sind doch wirklich gut beschäftigt.
Wenn Du dann mit 27 fertig bist, arbeitest Du noch 2-3 Jahre und dann kannst Du ja die Familienplanung realisieren.
Wenn Du Dich selbstständig machst (davon gehe ich jetzt mal aus), dann kannst Du auch mit Kind relativ früh wieder einsteigen.
Aber andersrum das Pferd satteln (erst Kind, dann ggfs. Ausbildung) ist ganz sicher schwieriger, da stimme ich meiner Vorschreiberin voll zu!

Beitrag von wasteline 01.04.10 - 21:32 Uhr

Wenn Du mit 27 mit der Zusatzausbildung fertig bist, dann mache sie jetzt. Danach sammelst Du Berufserfahrung, lebst noch ein paar Jahre ein fröhliches Leben und dann ist immer noch Zeit für ein Kind. Mit 32/33 ist man noch keine alte Mutter und Dein Partner mit 36/37 noch keine alter Vater.

Ich war mit 25 mit meinem Studium fertig und habe mit 27 meinen ersten Sohn bekommen (insgesamt 3 Söhne innerhalb von 2 Jahren), mein Mann ist 3 Jahre älter als ich, hat auch studiert und war mit 27 fertig und mit 30 Papa. Meine Berufserfahrung habe ich während der Schwangerschaften gesammelt und das war, trotz au pair und Unterstützung durch die Familie, ein ganz schöner Stress. Ich wollte aber beides - Kinder und Job. Rückblickend kann ich sagen, dass sich die Mühe gelohnt hat. Wir haben eine eigene Firma, uns geht es gut. Allerdings würde ich heute erst zusehen, dass ich im Beruf gesettled bin und dann Kinder in die Welt setze. Das vereinfacht einiges.

Ich wünsche Dir viel Glück.

Beitrag von honolulumieze 02.04.10 - 11:31 Uhr

Also ich wurde schwanger als ich meine Fachwirtausbildung machte. Es war zwar etwas anstrengender mit dickem Bauch und neben der Arbeit (hatte dadurch eine 6-Tage-Woche), aber es war machbar. Die Abschlussprüfungen habe ich geschrieben als meine Tochter 3 Monate alt war und bei der mündlichen Prüfung war sie 5 Monate alt. Ich habe nun ein Jahr Elternzeit und werde danach wieder anfangen zu arbeiten. Du könntest also durchaus zum Ende deiner Therapeuten-Ausbildung schwanger werden und danach ein Kind bekommen. Und nach 1-2 Jahren dann einsteigen. Wenn du ab und an eine Betreuung hast, kannst du ja sogar die Elternzeit noch zur Weiterbildung nutzen.