Papa fährt Erziehung vor die Wand

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von marienkaefer74 02.04.10 - 13:50 Uhr

Hallo,

mein Mann macht aus unserer Tochter den reinsten Terrokrümel.

Als wir uns kennenlernten, hatte ich einen 6 Monate alten Sohn. Bei ihm hat er sich weitesgehend aus der Erziehung rausgehalten,vielleicht auch unbewusst.
Bis auf einige bockige Phasen ist er echt ein "pflegeleichtes Kind", jetzt 4 Jahre alt. Mittlerweile entdeckt er schon seinen eigenen Kopf, aber alles im "normalen" Bereich.

Unser gemeinsame Tochter ist jetzt 2. Und manchmal eine einzige große Zicke! Sorry, ist so. Natürlich liebe ich sie, nicht dass jetzt hier was falsch verstanden wird. Aber sie schafft mich mit ihren Ausfällen im allgemeinen und Anfällen im speziellen.
Wir kommen nach Hause: "Zieh mal bitte deine Jacke aus" (sie will nämlich jetzt alles selber machen) "Nein!" Dabei ein Blick so nach dem Motto >nä nä nä nä näää nä< Draußen läuft sie grundsätzlich weg, egal ob auf dem Parkplatz oder im Schuhgeschäft. Sie findets total lustig.

Zu haus gibts ein Mordsgekreische, wenn ihr was nicht passt. Auf den Boden schmeißen hat sie abgeändert in laaaangsam hinlegen (nachdem sie sie beim schmeißen mal weh getan hat) und liegen bleiben. Beim Essen fliegen die Löffel, Teller und Becher durch die Gegend wenn ihr was nicht passt.

Und was macht Papa - richtig - NIX "sie ist halt ein anderes Kind" Wenn er mal was macht, dann in einer Tonlage in der noch nicht mal ich ihn ernst nehme.

Ich könnte ausflippen! In meinen Augen macht die Inkonsequenz und Handlungsarmut meines Mannes erst unsere Tochter zur Megazicke.

Der Vater meines Mannes ist auch nicht besser. Die Kinder sind dort, meine Schwiegermutter sagt was zu meiner Tochter und mein Schwiegervater: "komm mal her, was hat die böse Oma gesagt" :-[ :-[ :-[

Das gibts doch gar nicht!!!!! Alles reden mit meinem Mann nutzt nix, im Gegenteil, seit längerem wirft er mir sogar vor, ich würde meinen Sohn unserer Tochter gegenüber bevorzugen #augen

Unsere Tochter kriegt die Unstimmigkeiten unweigerlich mit und dreht so richtig auf.

Gestern nachmittag habe ich geputzt und mein Mann mit den Kindern gespielt. Er war kurz in der Küche, aus dem Kinderzimmer tönte ein Riesengekreische und mein Mann - geht aufs Klo #kratz mit der Argumentation: die regeln dass unter sich.

Nach dem Abendessen: der Große guckt Sandmann und manchmal auch die Sendung davor, zur Zeit dieses Zebra. Das ist das einzige was er schaut, ansonsten ist der Fernseher aus.

Mein Mann möchte nun unbedingt, dass die Kleine auch Sandmann guckt. Mit 2 Jahren find ich das grenzwertig, zumal es sie auch noch nicht wirklich interessiert aber bitte schön. Die Sendung davor soll sie aber definitv nicht auch noch gucken.

Da meinte doch mein Mann, ich soll dann halt den Fernseher ausschalten, weil er keine Lust hatte mit der Kleinen in der Küche alleine den Quark zu essen.
Das find ich aber nicht ok dem Großen gegenüber, woraufhin mein Mann tierisch den Aufstand machte wie unmöglich er das findet. Da mein ich echt, ich hab ein drittes Kind. Er müsste doch von sich aus auf den Gedanken kommen, dass ein 2jähriges Kind nicht Sendungen schaut die für größere sind, aber man das Größere nicht dafür "strafen" kann, dass es ein kleines Geschwister hat?!

Wenn wir mit dem Auto los wollen, muss ich in 90 % unsere Tochter anschnallen weil mein Mann es nicht schafft. Sie macht Riesentheater und windet sich immer wieder aus dem Sitz. Bis ich dann komme.

Wenn wir rauswollen, muss ich die Kinder anziehen. Mein Mann schafft es die meiste Zeit NICHT, ihr Schuhe und Jacke anzuziehen weil sie sich auch da windet wie ein Aal und rumkreischt.
So geht das hier tagein tagaus.

Bin echt ratlos.

Natürlich ist sie nicht den ganzen Tag so. Sie lacht auch viel, kuschelt, spielt. So lange, bis ihr wieder was nicht passt.

Viele Grüße und schöne Feiertage #ei

Beitrag von anna_lucas 02.04.10 - 13:54 Uhr

Kinder wissen genau was sie bei wem dürfen.

Ich habe ähnliche Probleme mit meinem Mann gehabt. Mittlerweile regeln wir das aber so - Erziehung ist größtenteils meine Sache, er redet mir nicht rein und so klappt es. Ich rede ihm dafür auch nicht rein wenn es um unsere Autos geht :-p;-)

Beitrag von alltagsphilosoph 02.04.10 - 15:08 Uhr

Liebe marienkaefer74,

Ihr seid zwei verschiedene Personen - und das ist erstmal gut so.
Du wirst Deinen Mann nicht zu einer erziehungs-idiologischen Kopie Deiner selbst machen können. Solltest Du es versuchen, wirst Du damit früher oder später auf die Nase fallen - und das ist kein Spaß. Schon jetzt bezieht er ja etwas Gegenposition.

Ich weiß, dass das grade für Mütter oft schwer ist, aber Du solltest die erzieherische Meinung Deines Mannes ernst nehmen, auch und grade wenn sie nicht Deiner eigenen entspricht. Und dass Geschwister Dinge unter sich regeln können (auch wenn sie das meiner Meinung nach in diesem Alter oft noch nicht können) kann auch ein Erziehungsziel sein. Eins, welches in den folgenden Jahren viel Stress erspart (so sie es denn wirklich lernen).

Heißt also: Dein Mann kann tun, was er für richtig hält.
Folgende Einschränkungen würde ich machen:
Wenn ich eine Ansage mache und mein Partner widerspricht mir vor dem Kind - das (finde ich) ist nicht in Ordnung.
Wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das wünsche, meine Frau regelt es aber anders (was ich in 85% aller Fälle dann einfach akzeptiere), dann kann ich hinterher unter vier Augen immer noch mit ihr darüber sprechen. Wenn die Handlung nicht Leib und Leben gefährdet oder unzulässige Härten bedeutet, habe ich als Elternteil meinen Partner zu unterstützen. Das gilt für beide Partner.

Ich würde erstmal Dir empfehlen, von Deiner Position etwas in Richtung Deines Mannes zu rücken. "Mein Mann fährt die Erziehung an die Wand" ist doch schon eine Aussage, die auf reiner Opposition beruht. Wenn Du ihn etwas ernster nimmst - und gleichberechtigt mit ihm über Erziehungsziele und Inhalte austauschst, wird er Deine Meinung sicher auch leichter akzeptieren. Und wenn er merkt, dass ein Dialog darüber entsteht, wird er sich auch mehr Gedanken über die Folgen seiner Position machen.
Versteh´mich nicht falsch: Ich bin schon der Meinung, dass Dein Mann sich mehr Gedanken machen und vielleicht öfter mal auf Dich hören sollte - aber so wie Du Dich hier produzierst würde ich auch nicht auf Dich zu kommen wollen.

Zuletzt:
Um sich als zweijähriges Kind aufzuregen und daneben zu benehmen bedarf es keines ungeschickten Vaters. Das kann auch in Familien mit klar gesteckten Grenzen und beidseitigem pädagogischen Hintergrund geschehen. Das ist einfach das Alter - und der kleine Kopf des Kindes. Unsere Tochter war in dem Alter ein Engel, unser Sohn ein Rabauke. Jetzt ist es anders herum - und auch das ist alterstypisch. Mal hat man Glück, mal weniger - und wie man es macht, so macht man es verkehrt.

Alles Liebe,
Christian

PS: Vielleicht wolltest Du auch einfach nur Mitleid. In diesem Fall sei Dir versichert: Ich (und ein Haufen anderer) leide(n) mit Dir. Sowas kann einen ankotzen. #liebdrueck
Wenn Du einen Tip haben willst, wie Du was ändern kannst - siehe oben.

Beitrag von jazzbassist 02.04.10 - 17:18 Uhr

Ich hoffe, Sie akzeptieren auch die Meinung eines „Papas“ :-p

Grundsätzlich finde ich, dass ein Kind, dass alt genug ist, sich die Jacke alleine auszuziehen, auch alt genug ist, zu entscheiden, wann es das macht. Wenn Sie ihr ganz freundlich sagen: „Zieh dir bitte die Jacke aus“ und sie das nicht tut, ist das - bei einer 2-Jährigen - erst einmal altersgerechtes Verhalten zum testen einer Grenze. Man kann hier unterschiedlich reagieren. Entweder machen Sie daraus eine Grenze: Entweder zieht ihre Tochter die Jacke alleine aus, oder die Mama macht das wieder; auch wenn ein großes Mädchen das eigentlich schon alleine kann. Wäre dann die logische Konsequenz - auch wenn es in einem Machtkampf ausarten könnte/wird. Eine andere Alternative wäre, ihrer Tochter hier überhaupt keine Grenze mehr anzubieten. Dann läuft Sie halt im Haus mit Jacke rum - noch haben wir eine Jahreszeit, wo das unbedenklich ist. Möchte Sie trinken/essen/naschen, können Sie ihr einfach sagen: „Sobald du dir die Jacke ausgezogen hast, gebe ich dir etwas; sonst wird die Jacke nämlich schmutzig.“

Jetzt kann ihre Tochter ruhig „nein“ sagen - das ist zwar auch ein Machtkampf, nur, den kann ihre Tochter a) nicht gewinnen und sie müssen b) nicht hinter das „Zieh dir bitte die Jacke aus“ her rennen. Beide Möglichkeiten enden sicherlich in einem „Anfall“ ihrer Tochter - auch das ist für ihre Entwicklung in diesem Alter normal. Bei beiden Lösungsstrategien sollte sich das Problem eigentlich beim 2-3 Mal nicht mehr ergeben. Das Einzige, was sie nicht machen sollten (sonst dauert das auch 20-30 Mal), ist, auf den Machtkampf einzugehen. Bei „dann zieht die Mama eben die Jacke aus“ besteht die Gefahr, dass man sich als Elternteil dann inkonsequent verhält. Meistens wiederholt man dann die Anweisung doch noch ein 2. 3. oder 4. Mal. Oder das Kind rennt wieder quer durchs Haus und benimmt sich wie eine 2-Jährige (gut, sie ist auch eine :-p). Selbst, wenn ihre Tochter sich in letzter Sekunde entscheiden sollte, jetzt doch alleine die Jacke auszuziehen, würde ich das nicht mehr gelten lassen und es selbst tun. Denn: Wenn Sie so eine Anweisung erst x-fach wiederholen, spielen Sie als Elternteil eigentlich nur ein lustiges Spiel mit dem Kind. Kinder lieben ferngesteuerte Autos - aber - Eltern sind da noch viel interessanter: „Ich kann Mama ganz lange mit der Jacke hinhalten, sie wird immer wütender und wütender - Gott ist das ein Spass - und wenn ich merke, dass bei Mama der Geduldsfaden doch mal reißt, bin ich ganz lieb und darf mir die Jacke doch alleine ausziehen. Es hat für mich also keinen Nachteil, mich so zu verhalten - mal gucken, wie Mama das nächste mal reagiert.“

Beim Weglaufen würde ich sie einfach an die Hand nehmen, dann kann sie nicht mehr weglaufen. Zum einen ist das für das Kind ziemlich sicher, zum anderen hat es vom Erziehungsaspekt her eine ganz magische Wirkung. Kinder laufen eigentlich weg, um ihre Umwelt zu erkunden oder um Grenzen zu testen. Halten Sie sie fest, stößt sie auf eine Grenze und kann ihre Umwelt nicht mehr erkunden. Irgendwie ist das aber für ein 2-Jähriges Kind ziemlich doof, immer von Mama festgehalten zu werden. Ein Kind ist also stark motiviert, hier nicht mehr von Mama festgehalten zu werden. Diese Motivation ist so groß, dass es das eigene Bedürfnis (etwas interessantes sofort sehen zu müssen [hinrennen]) zurückstellen kann. Denn ein Kind begreift sehr schnell, dass unabhängig davon, ob es dort hinrennt oder nicht, es dort nicht alleine wird hinkommen können. Versucht das Kind es trotzdem, muss es wieder an Mamas Hand gehen. Widersteht es diesem Bedürfnis, darf es sich zumindest schonmal im - vom Mama erlaubten - Bewegungsradius bewegen. Auch das bedarf eigentlich nur mal ein paar Tage ziemlich konsequentes Handeln, bis ein Kind sicher zu diesem Schluss kommen mag; erst dann wird es nicht mehr wegrennen. Geben Sie ihr natürlich 30x am Tag die Möglichkeit, erfolgreich Wegzurennen, wird das Kind nie die Sicherheit erlangen, dass es - auch wenn Mama sie nicht festhält - hier doch eine unsichtbare Grenze gibt, die sie nicht überschreiten kann. Auch können Kinder hier oftmals Spass und Ernst nicht auseinander halten, wenn die Mama dann plötzlich fangen spielt.

Wenn ein Kind sich hier in einem Wutanfall „laaaangsam“ hinlegt, können Sie davon ausgehen, dass das Kind das ganz bewusst macht (also kein klassischer Trotzanfall), um als letztes Mittel seine Eltern „überzeugen“ zu können, dass sein Bedürfnis jetzt sofort befriedigt werden muss. Kinder verhalten sich so aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen kann ihnen hier ihre Erfahrung gezeigt haben, dass sie nur lange genug brüllen muss, um ihren Willen zu bekommen. Zum anderen kann ein Kind das tun, weil es weiß, dass es damit den kompletten Plan der Eltern durchkreuzen kann. Das ist, wenn Sie sich zu sehr darüber aufregen, irgendwie alles stehen und liegen lassen und nicht so richtig wissen, was sie jetzt tun müssen und jeden Moment „explodieren“ könnten. Das schöne ist, dass die Lösung immer gleich ist: Ignorieren Sie dieses Verhalten einfach, schenken Sie dem keine Aufmerksamkeit und machen mit ihrer gewohnten Tätigkeit weiter. Ihre Tochter beruhigt sich da ganz von alleine wieder und dann können Sie sie trösten. Das einzige, was Sie nicht machen sollten, ist, ein Kind in so einer Situation alleine zu lassen. Damit fördern Sie diesen Anfall eigentlich nur, weil das Kind dann Angst und Wut bekommt. Außerdem sollten Sie ganz #cool bleiben und dem Kind nicht zeigen, dass dieses Verhalten eine Wirkung zeigt. Das ist eigentlich der schwierige Part :-p Aber auch hier - halten Sie das ein paar mal konsequent durch, wird dieses Verhaltensmuster wieder abklingen, da dies einem Kind ungeheure Kraft kostet. Ein Kind muss hier nur die Erfahrung sammeln, dass es nichts bringt. Je inkonsequenter die Eltern hier sind, des so länger wird ein Kind brauchen, diese Erfahrung zu sammeln.

Wenn beim essen Gegenstände durch die Küche fliegen, ist die Lösung hier genau die gleiche wie bei einem Baby. Nehmen Sie ihr diese Gegenstände weg. Schmeißt sie den Becher um, muss sie den „Schaden“ wegwischen und der Becher bleibt weg; auch mal für die nächste Speise. Versucht sie selbiges mit dem Essen, kommt der Teller in den Kühlschrank und man verschiebt diese Mahlzeit mal etwas, bis ein Kind sich hier wieder beruhigt hat. Man kann einer 2-Jährigen hier auch alternativ eine Auszeit anbieten. Am besten auf einen Stuhl in der Küche, der weit genug vom „Tisch“ weg ist. Auch hier gilt eigentlich nur, im gleichen Raum zu bleiben und auf das Kind nicht weiter einzugehen. Die ersten Male kann so etwas in einem Machtkampf ausarten - das Kind versucht zu flüchten - aber wie bei jedem Konsequenten Handeln versteht ein Kind ziemlich schnell, dass die Eltern sie dann zurückholen und die ganze Schose eigentlich nur noch länger dauert. Ignoriert man das weitestgehend, sollte das eigentlich wieder schnell abklingen. Machen Sie daraus natürlich jedes Mal eine „Riesen Szene“, wird ein Kind damit natürlich noch gezielte 16 Jahre weitermachen - dann ist es halt ein lustiges Spiel.

Mit der Tonlage sollte man bei Kindern immer ganz vorsichtig sein. Denn, eigentlich ist sie ein ganz magisches Mittel in der Erziehung, da ein Kind daran sehr schnell erkennen kann, dass etwas nicht mehr in Ordnung ist. Je öfters sie diese Tonlage aber anwenden, des so normaler wird sie für ein Kind. Sehen Sie es einfach wie folgt: Stellen Sie sich vor, wie laut sie schreien würden, wenn ihre Tochter auf eine viel befahrene Straße zurennt. Und so laut sollten sie auch nur schreien, wenn ihre Tochter auf eine viel befahrene Straße zurennt, dann wird sie in dieser gefährlichen Situation darauf auch reagieren. Je ungefährlicher/harmloser die Situation ist, des so angepasster sollte die Tonlage sein. Zum einen gewöhnt sich ein Kind dann nicht an, selbst dieses Mittel der Tonlage anzuwenden, zum anderen hilft es in brenzlichen Situationen, weil ein Kind dieses „Donnerwetter“ mitbekommt und es nicht kennt. Kinder können bereits sehr früh auch „ruhige, aber ernst bestimmte“ Tonlagen wahrnehmen. Im Regelfall bringt diese alleine bei einem 2-Jährigen Kind aber sehr wenig - es bedarf schon eines weiteren Handelns, dass das Kind aufhält.

Ansonsten, was der Papa in so einer Situation macht, ist ja erstmal egal, solange Sie noch im Raum sind und sich gegenseitig nicht in die Quere kommen. In den Situationen, wo ihr Mann „alleine“ mit der Tochter ist, sollten Sie sich natürlich ruhig absprechen. Manchmal kann auch ein Ratgeber über Kindererziehung helfen, wenn ein Mann so ruhig/gelassen mit „Problemen“ umgehen kann, wie ihrer. Kinder verhalten sich schon gänzlich unterschiedlich; aber, eines haben alle Kinder gemein: Sie brauchen Grenzen.

Es gibt im Gehirn neurologisch betrachtet bestimmte Bereiche für bestimmte Aufgaben. Das Problem ist nur, dass diese Bereiche nicht unendlich lange „beschrieben“ werden können. Bilden sich in diesen Bereichen in der passenden Zeit nicht die dafür vorgesehenen Nervenzellen; muss dies später ein anderer Teil im Gehirn übernehmen. Das funktioniert zwar auch - jedoch wesentlich schlechter als mit dem dafür vorgesehenen Teil. Autorität (auch wenn es ein doofes Wort ist) beispielsweise bis zum 30. Lebensmonat. Die Muttersprache bsw. lässt sich bis zum 10. Lebensjahr in den beiden im Gehirn vorgesehenen Stellen für die Sprachentwicklung abspeichern. Lernt ein Kind in diesem Alter konsequent noch eine 2. oder 3. Sprache, wird es die genau so gut beherrschen können, wie die eigentliche Muttersprache. Lernt ein Kind eine neue Sprache nach diesem Alter, landet diese neue Sprache in einem andern Teil des Gehirns, der nicht für Sprache zuständig ist und sich deshalb wesentlich schwieriger damit tut und die Sprache daher wesentlich schlechter lernt; wie ein 7. Klässler Latein :-p Darum sind die meisten Bundesländer in Deutschland dazu übergegangen, die zweite Fremdsprache schon im Kindergarten und in der 1./2. Klasse einzuführen. Da der alte Weg - damit erst ab der 5. Klasse anzufangen - neurologisch betrachtet zu spät ist. Hört ein Kind die Sprache aber bereits früher, landet sie in den dafür passenden Bereichen im Gehirn.

Das Problem mit den Schwiegereltern habe ich meiner Frau wie folgt erklärt: Sehen Sie es einfach von der Seite - Ihr Mann ist so gut, dass Sie sich für ihn entschieden haben. Also können ihre Schwiegereltern soviel gar nicht falsch gemacht haben :-p Ich weiß, dass ist nur ein geringer Trost. Der Vorteil ist hier aber, dass Kinder das Milieu Elternhaus und Oma/Opa sehr gut auseinanderhalten können und genau wissen, wo welche Regeln gelten. Dass bewahrt Sie als Elternteil zwar nicht davor, auch mal ein: „Aber bei Oma gibt es den Pudding auch vor den Nudeln“ zu hören - es schadet aber der Entwicklung/Erziehung des Kindes nicht. Eigentlich schadet es auf Grund der o.g. Sätze nur den Eltern :-p Wenn Ihnen etwas komplett gegen den Strich fährt, müssen Sie halt in einer ruhigen Minute versuchen - immer und immer wieder - mit ihren Schwiegereltern darüber zu reden. Machen Sie denen einfach keine Vorwürfe und bleiben immer freundlich und vergessen sie nie - dass die beiden es geschafft haben, einen ganz tollen Jungen/Mann - nämlich Ihren - großzuziehen. Wenn Sie Ihren Schwiegereltern diese Tatsache (diesen Honig) unter die Nase reiben, werden die ganz Pflegeleicht sein ;-)

Wenn Sie mit Ihrem Partner Meinungsverschiedenheiten bei der Erziehung haben, hilft leider nur, die solange zurückzuschieben, bis das Kind abends im Bett liegt. Das hat 2 Vorteile - man kann dann einen Rotwein trinken und etwas entspannen und meistens hat sich die Situation (da die Konflikte halt am Mittag waren) wieder soweit beruhigt, dass man gescheit miteinander reden kann. Es ist manchmal schwierig, sich bis zum Abend zurückzuhalten, wenn „Mittags“ etwas schief geht. Aber für ihre Tochter ist es besser, wenn ihr Mann „Mittags“ „falsch“ erzieht, als wenn Sie ihn in so einer Situation dann vor ihrer Tochter korrigieren. Ausnahme natürlich - eine Situation eskaliert. Wie Sie bereits erkannt haben - Kinder kriegen das in dem Alter mit und können sich dann ziemlich seltsam verhalten. Wenn die Kleinen etwas älter sind, begreifen die ganz von alleine, dass die Eltern zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Ihre Tochter wird also wissen, wenn Sie fragen muss, wenn sie einen Hund haben möchte und wem sie fragen muss, um doch noch mal Taschengeld fürs Kino zu kriegen :-p

Streitereien unter Geschwisterkindern können vielseitig sein. Es gibt hier auf Urbia einen sehr schönen Artikel mit dem Beitrag „Wenn’s im Kinderzimmer kracht“ (www.urbia.de/topics/article/?id=9160&c=0). Er erklärt eigentlich ganz schön, warum es im Kinderzimmer krachen kann und wie man sich als Elternteil verhalten könnte, um das eigentliche Problem langfristig zu lösen. Um die Spannung nicht vorwegzunehmen - verrate ich hier nichts :-p

Zum Fernseher kann ich Ihnen eigentlich nur meine Meinung schildern: Ich bin auch der Meinung, dass eine 2-Jährige da nichts drin gucken sollte. Weder Sandmann noch irgendetwas anderes. Es gibt keinen rationalen Grund, warum eine 2-Jährige Fernsehen sollte. Ich würde damit frühestens Anfangen, wenn ein Kind so mit 3-3 1/2 in den Kindergarten kommt und man dann irgendwann feststellt, dass das Kind irgendetwas „sehen“ möchte, weil es das von gleichaltrigen gehört hat. Dann kann man mit Sandmann immer noch anfangen. Vom entwicklungstechnischen Ansatz her macht es keinen Sinn, ein Kind vorher Fernsehen gucken zu lassen. Man handelt sich als Elternteil eigentlich nur Probleme ein, weil ein Kind dann plötzlich selbst Fernseh gucken möchte - weil Sie das Bedürfnis geweckt haben. Pädagogisch betrachtet bringt es keinerlei Vorteile, in dem Alter Fernsehen zu gucken; eher Nachteile. Mein Lösungsansatz wäre hier also, dem Kind gar nichts zu zeigen.

Wenn man bei einem 4-Jährigen angefangen hat, hier auch die Sendung vor Sandmann zu erlauben, würde ich das - ohne Grund - nicht mehr streichen. Die denkbar schlechteste Lösung wäre also, beiden Kindern Sandmann zu erlauben und dem großen die anderen Sendung nicht mehr. Der Rest wird nur Wut und Eifersucht fördern - und - das muss man sich nicht unbedingt antun. Ich kann ihnen also nur zustimmen ;-) Hier hilft aber leider nur, wie zwei Erwachsene Menschen ruhig (bei einem Rotwein) miteinander über das Problem zu reden. Meine Frau und ich haben uns nach 3 Monaten sogar über eine gemeinsame Wohnzimmertapete geeinigt - wie sie sehen: In einer intakten Beziehung ist alles möglich - selbst das Unmögliche :-p

Das Autoproblem ist interessant - es zeigt nämlich - wie ihre Tochter beide Elternteile einschätzt, was Grenzen angeht. Es ist aber nichts ungewöhnliches, dass ein Kind den einen Elternteil besser um den Finger wickeln kann als den anderen Elternteil. Und - dass das Kind das dann auch tut :-p Es ist auch in Ordnung, dass der eine Elternteil etwas strenger ist als der andere Elternteil und weniger duldet/durchgehen lässt. Kinder können hier beide Elternteile ziemlich gut abstrahieren. Im Regelfall wird es dann auch nicht vorkommen, dass ein Kind hier versucht, die beiden Elternteile gegeneinander auszuspielen; von daher macht es auch von der Erziehung her nichts aus. Dennoch sollten natürlich beide Elternteile wissen, wie sie sich - dem Kind gegenüber - durchsetzen können. Auch wenn die Wege unterschiedlich sind, sollte das Ziel bei beiden Wegen heißen: Das ihre Tochter irgendwann angeschnallt ist. Für Sie heißt das dann - wenn Ihr Mann ihre Tochter anschnallt, lassen Sie ihn einfach und kommen dann nicht dazu. Selbst wenn es eine Stunde dauert. Zumindest solange nicht, wie sie das Gefühl haben, dass die Situation noch nicht eskaliert ist. Wenn Sie eskaliert, sollten sie natürlich sofort einschreiten. Aber irgendwann - in 2-3 oder auch 16 Jahren - wird auch ihr Mann gelernt haben, ihre Tochter anzuschnallen. Sie können ja Abends in Ruhe mit ihm noch mal darüber reden und ein paar „Ideen“ (keine Anweisungen) vermitteln. Verlieren Sie hier nur nicht die Hoffnung. Notfalls versuchen Sie es wirklich mal mit einem Erziehungsratgeber, der Ihrer Vorstellung von Erziehung am besten darlegt.

Auch beim Anziehen würde ich mich ähnlich verhalten. Wechseln Sie sich einfach täglich ab, wer ihre Tochter anzieht. Nehmen Sie sich notfalls Ohrstöpsel ;-) Wenn Ihre Tochter den Wunsch äußert, von „Mama“ angezogen zu werden, würde ich es erst einmal dabei belassen und dann sollte die Mama das Kind auch anziehen. Aber - solange das Kind das nicht möchte, möchte es eigentlich nur mit Papa spielen und auch dort Grenzen kennenlernen. Auch hier hört Sie erst auf, wenn sie sich ganz sicher ist, dass sie den Papa als Grenze (als eigenständige Person) wahrnehmen kann. Wie der „Papa“ sich hier verhalten könnte, ist oben erklärt. Aber er muss hier natürlich seinen eigenen Weg finden, mit dem er ruhigen Gewissens leben kann. Es nützt nichts, dass er sich verstellt und mit Ihrer Tochter in einer Art und Weise umgeht, die ihm persönlich zu wieder ist. Er braucht hier entsprechend Zeit, seinen eigenen - funktionierenden - Weg zu finden; und natürlich ihre Hilfe (abends, wenn alles wieder friedlich ist). Er kann es nur einsehen, wenn sich das Kind dann halt mal eine halbe Stunde lang beim Anziehen wie ein Aal wälzt. Irgendwann wird dann die Einsicht kommen, dass „auch ein Kind, dass halt anders ist“ sich irgendwann anziehen sollen sollte

Ansonsten - genießen Sie einfach die Momente mit Ihrer Tochter, wo sie Pflegeleichter ist. Mein Spatz fährt gerade draußen mit seinem Skateboard. Wenn die Kids älter werden und selbstständig das Haus verlassen können/dürfen, sind die erschreckend pflegeleicht (solange Sie nicht da sind) :-p Ich musste schon seit mehreren Stunden kein: „Jesse, stell die Musik leiser“ mehr brüllen. Was will man als Elternteil eigentlich mehr? Sie müssen nur lange genug durchhalten #ole

Viel Erfolg!

Beitrag von schnaki1 02.04.10 - 21:45 Uhr

#pro WOW!!!
Was machen Sie eigentlich beruflich?
Bin mittlerweile schon ein Fan Ihrer Antworten!;-)
Und warum immer SIE und nicht DU, wie es hier üblich ist?

Neugierige Grüße#cool,
Andrea

Beitrag von marienkaefer74 02.04.10 - 23:02 Uhr

#danke #danke #danke :-)

Beitrag von widowwadman 04.04.10 - 10:37 Uhr

Ich wuerd mir ehrlich gesagt nicht so nen Riesenkopf um das Fernsehen machen.

Beitrag von jazzbassist 05.04.10 - 14:42 Uhr

Bei einem 3-4-5-Jährigen hätte ich da keine großen Bedenken, zumal es interessante Langzeitstudien gibt, die einen positiven Zusammenhang zwischen dem Leistungsniveau der Schule und Fernsehkonsum im Vorschulalter festgestellt haben. In dem Alter würde ich also nur darauf achten, dass die Bewegung/Gesundheit und auch das „soziale Umfeld“ (sofern man das bei der Altersgruppe schon so ausdrücken darf) nicht darunter leiden.

Bei einem 2-Jährigen hätte ich hingegen Bedenken, dass sich das negativ auf die spätere Konzentrationsfähigkeit dieses Kindes auswirkt. Das kann man sowohl als Elternteil nicht gebrauchen (da es die Erziehung schwieriger macht) und dem Kind gegenüber ist das - seiner schulischen und beruflichen Laufbahn entsprechend - auch nicht vom Vorteil. Das soll natürlich keine Hiobsbotschaft sein, aber, wenn mir etwas keinen Vorteil bringt aber das Risiko besteht, dass es sich zum Nachteil auswirken könnte - warum es dann überhaupt riskieren?

Beitrag von fruehchenomi 05.04.10 - 14:26 Uhr

Mit der Tonlage geb ich absolut recht.

Mein Sohn sagte mal, als er längst erwachsen war: "Hm Mami, ich wußte genau, wenn du so leise wirst, wirds richtig gefährlich....." :-p

Allerdings wussten meine Kinder wie meine Nichten und Neffen auch, wenn ich STOP brülle, haben sie so rapide stehenzubleiben, dass sie nachwippen.
Hat schon drei schusseligen Kindern das Leben gerettet.

Müssen viele Mütter erst lernen, die dauernd leisen und sooo gemäßigten genauso wie die Dauerbrüller....
LG Moni

Beitrag von jazzbassist 05.04.10 - 14:41 Uhr

Also ich erkenne zumindest schon mal, wenn mein Spatz was aufgefressen hat. Er ist dann immer total apathisch. Woran er im allgemeinen erkennt, wann er in Schwierigkeiten steckt, weiß ich irgendwie gar nicht. Ich glaube aber, dass er das selbst schon ganz genau weiß und das von keiner unserer Reaktionen gesteuert ist. Sozusagen aus dem Fundus seiner reichhaltigen Erfahrungen #huepf

Beitrag von lajo 04.04.10 - 08:00 Uhr

Das deine Tochter so ist, ost auch normal, ist das Alter. Du solltest mit deinem Mann reden.