Schlecht in der Schule - was tun ?

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Forum: Jugendliche

Viele Eltern sehen der Pubertät ihrer Kinder mit Schrecken entgegen. Welche Probleme tauchen wirklich im Zusammenleben mit einem Teenager auf? Was, wenn AlkoholDrogen und Verhütung zum Thema werden? Tauscht hier eure Erfahrungen mit anderen Teenie-Eltern aus.

Beitrag von lavendel68 03.04.10 - 14:43 Uhr

Hallo zusammen !

Unser Großer ist 15 Jahre alt und wirklich wirklich schlecht in der Schule, er hat mittlerweile Lücken der letzten 2 Jahre. Nach einem Schreiben von der Schule, bei dem seine Versetzung gefährdet ist, hatte er große Vorsätze ("ich lerne jeden Tag 2 Stunden"), welche nach wenigen Tagen verpufft sind. Nun will er die Klasse wiederholen und gammelt vor dem PC oder draußen mit seinen Freunden herum. Freunde im übrigen, die ihn gerne vom Lernen ablenken, auch nichts tun oder schon eine Klasse wiederholt haben. Wir alle versuchen ihn zu motivieren, und im ersten Moment läßt er sich auch darauf ein. Er sieht ein, dass er mehr für die Schule tun muss. Da er sich schnell ablenken läßt und schlecht alleine lernen kann, lernt Papa und auch die Großeltern mit ihm, es wurde zudem eine Lernnachhilfe organisiert. Von selber macht er nichts oder nur wenig, verspricht eine Stunde zu lernen, ist angeblich nach 15 min. schon fertig, hat aber alles nur abgeschrieben oder nur zur Hälfte gemacht. Immer häufiger gibt es Streit, denn wir befürchten, dass er mit seiner Einstellung den Abschluss auch bei Wiederholung der Klasse nicht schaffen wird. Er ist ja nicht dumm, mit ein wenig mehr Lerndiszpilin würde er die Schule gut schaffen. Wir versuchen ihm, den Rahmen durch äußere Hilfe zu bieten, den er sich nicht selber erschaffen kann.
Aber er belügt uns was die Schule betrifft, verspricht Dinge, die er dann nicht einhält und fühlt sich wegen des Lernens "ungerecht behandelt". Wenn unsere Stimme verärgert ansteigt, weil er seine Aufgaben schon wieder nicht erledigt hat, ein Klassenbucheintrag von der Lehrerin kommt, er uns in Lernzeiten "zwingen" will durch kurzfristige Verabredungen mit Freunden ("in einer halben Stunde bin ich da"). oder sonstwas, wünscht er sich gefälligst einen anderen Umgangston und rennt beleidigt aus dem Haus. Auf seine eigenen Vorsätze und Verantwortung hingewiesen reagiert er nicht. So langsam fühlen wir uns von ihm verarscht, wissen nicht mehr, wie wir weiter vorgehen sollen. Den PC haben wir mittlerweile aus seinem Zimmer genommen, schränken seine Telefonierei ein. Aber ob das alleine hilft ?

Wie geht ihr mit Schulprolbemen eurer Kinder um ? Was könnte man noch tun, damit er wenigstens den Abschluß schafft ? Oder soll man ihn einfach ins offenen Messer laufen lassen ?

Danke für eure Erfahrungstipps.

Lavendel

Beitrag von mellemeli 03.04.10 - 15:27 Uhr

Hallo #blume, da warte ich mal mit dir auf eine Antwort. Ich hab das weibliche Gegenstück hier daheim, sie wird nächsten Monat 15.
Genau dasselbe, sie nimmt keine Motivationsversuche unsererseits und der Lehrer an, auch wir wissen nicht mehr weiter. Sie besucht die 9. Klasse Realschule, hat noch nie wiederholt und will es angeblich auch nicht. Aber sie unternimmt nix dagegen, hat in Physik, Chemie, Sozialwesen eine 5 und in Musik gar eine 6. Beste Note ist IT, da hat sie eine 2, einen Notendurchschnitt von 3,6.
Mein Mann möchte ihr gerne helfen in diesen naturwissensch. Fächern, sie macht alles nur halbherzig oder mit Ausreden mit, aber ohne Erfolg, weil sie ja net wirklich will.
Alles reden, bitten, verbieten...nützt nichts, was tun? Auf die Nase fallen lassen? Was ist, wenn sie das Jahr wiederholt und sich aber nichts bessert?? Kein Schulabschluss #schock??
#herzlich Melle

Beitrag von binchen123 03.04.10 - 15:36 Uhr

Hallo Melle,

was ich da lese klingt genau nach meiner Tochter, wird im Juni 15.

Nach dem Jahreszeugnis der 8. Klasse, was schon unter aller Kanone war, war sie fest entschlossen, endlich was zu tun. Die Phase hielt allerdings nicht lange an. Nach 2 oder 3 guten Noten hagelte es nur noch 4, 5 und 6. Nach dem Zwischenzeugnis wieder das gleiche. Es ist ja nicht so, dass sie keine Ziele hätte, sie möchte gerne Friseurin werden, aber einfach null Bock auf nichts. Im Juni fangen die Qualiprüfungen an, wenns nach mir ginge, bräuchte sie gar nicht antreten, bringt eh nix. Sie muss die 9. eh wiederholen, da hat sie aber auch keinen Bock drauf.

Ja was sollen wir machen. Warten bis die Pubertät vorbeigeht? Das kann ja wohl noch dauern.

Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist, auch wenn das nicht wirklich weiterhilft.

Falls du mal ne Lösung hast, lass es mich wissen.

Schöne Ostern
Sabine

Beitrag von mellemeli 03.04.10 - 19:56 Uhr

Mensch, das klingt ja auch nicht besser :-(!
Ein Ziel hat sie auch, sie möchte Erzieherin werden. Auch medizinisch-technische Angestellte hatte sie überlegt, scheidet aber wg. ihrer schlechten naturwissenschaftlichen Noten aus.
Ist doch alles doof #schmoll, da denkt man, die Kids haben was im Kopf (und dumm sind sie ja weißgott nicht) und dann nutzen sie es einfach nicht #aerger.
Die Pupertät geht ja noch eine Weile, so schnell ist da ein Ende nicht absehbar #zitter.
Ich wünsch dir auch ein schönes Osterfest #blume, #herzlich Melle

Beitrag von fraz 03.04.10 - 16:36 Uhr

Hallo

Da gibt es zwei Lösungen:

Wenn er will, aber nicht kann, so könnt ihr ihn folgendermassen unterstützen:
Jeden Tag feste Lernzeiten abmachen und die kontrollieren. Er schreibt vorgängig auf, was er aufarbeiten möchte. Dieser Plan wird dann eingehalten, ohne wenn und aber. Falls das nicht läuft, wird der Ausgang gestrichen.

Wenn er nicht will, dann kannst du nichts machen. Jugendliche in dem Alter müssen die Konsequenzen ihres Handelns oft am eigenen Leib erfahren.
Ich weiss, das ist schwierig. Aber je mehr IHR macht, desto weniger wird ER machen.

Alles Gute

Fraz

Beitrag von mellemeli 03.04.10 - 20:22 Uhr

Hi Fraz,

-je mehr ihr macht, desto weniger wird er machen-

....auch das haben wir schon durch. Daraufhin wurde sie noch schlechter. Ich denke, sie hat gemerkt, dass es uns nicht darum kümmern (es interessiert uns ja, nur haben wir es nicht gezeigt, um sie etwas wachzurütteln) und hat dann ganz das Interesse verloren.
Wir haben jede schlechte Note unterschrieben mit dem Komentar: "Schade, das tut mir echt leid für dich." Auch das hat nicht gefruchtet, bei der Tochter meiner Freundin hat es geklappt, das Mädchen war so beschämt wegen der mitleidigen Reaktion ihrer Mutter, dass sie sich wieder aufgerafft hat :-).

Beitrag von maddytaddy 03.04.10 - 23:27 Uhr

Hallo,

Ich bin selbst erst 17 und in der achten Klasse fings es bei mir auch an mit den richtig schlimmen Noten in Mathe und Physik. Ich hab die achte Klasse dann auch wiederholt mit gutem Erfolg doch in der Neunten gings dann wieder los. Ich hatte einfach keine Lust mehr, hatte keine richtigen Freunde in der Klasse und hab rein gar nichts mehr gemacht. Keine Vokabeln, keine Hausaufgaben, nix. Hatte dann zum Halbjahr z.B in Latein ne 6 wo ich im Jahr davor noch ne 2 hatte. Ich hatte die erste und bis zum Halbjahr einzige Arbeit unausgefüllt abgeben, weil ich ja keine Vokabeln und Grammatik mehr gelernt hatte.

Ich hab dann einige lange Gespräche mit meiner Klassenlehrerin gehabt, die mich echt super unterstützt hat. Zum Halbjahr bin ich also aus der Neunten Gymnasium in die Neunte Realschule gewechselt und bin da seit einem Jahr jetzt. In den Hauptfächern hab ich nur in einem Fach ne 3 in den restlichen Fächern auch 2 bis auf Chemie, da steh ich auch 3. Mein Lernverhalten ist verglichen mit der Zeit auf dem Gymnasium ganz anders was Test- und Unterrichtsvorbereitung angeht und ich geh mittlerweile auch freiwillig zwei mal die Woche zur Mathenachhilfe, was ich früher nicht tat.

Ich denke, er glaubt nicht wirklich daran dass ihm die ganze Lernerei was bringt bzw. weiß einfach nicht wo er anfangen soll. 2 Jahre Lücken sind nämlich verdammt viel. Ich hatte zumindest in Mathe auch so große Lücken und hab die mit Ferienkursen bei der Schülerhilfe gestopft und ich geh momentan immer noch 2 mal die Woche 1,5 Stunden hin und das reicht auch.. Jeden Tag 2 Stunden lernen ist einfach zu viel auf Dauer.. Das kann man vllt einige Tage vor nem Test machen, aber nicht täglich. Ich weiß noch ganz genau, dass ich in der Zeit wo die ganz schlechten Noten da waren, auch nicht alleine zuhause lernen konnte oder mit meinen Eltern. Ich konnte mir selbt nichts erklären und meine Eltern mir auch nicht, es war nur noch zum Heulen. Ich würd dir wirklich empfehlen ne professionelle Nachhilfe zu suchen, vorrausgesetzt dein Sohn stimmt zu. Kannst ihm ja von mir erzählen, ich habs auch von ganz unten wieder nach oben geschafft.

LG

Beitrag von lavendel68 04.04.10 - 13:08 Uhr

Vielen Dank für eure Antworten. Es ist erleichternd zu hören, dass es uns nicht alleine so geht und auch der letzte Beitrag einer direkt Betroffenen finde ich sehr hilfreich.

Vielleicht ist es wirklich schwierig, gerade in der Pupertät ausgerechnet mit den Eltern zu lernen, denn gegen diese rebellieren die Teenies ja gerne. Da geht es mit den Großeltern oder einer Nachhilfe doch besser. Über die Lernhilfen in den Ferien haben wir auch schon geredet, aber er bockt und ist nicht bereit, mehr als 5 Tage seiner Ferien zu opfern. Da braucht man garnicht erst anzufangen, wir wollen ja auch nicht viel Geld bezahlen und er geht am Ende nicht hin. Deshalb haben wir ihm nun eine regelmäßige Nachhilfe in der Woche organisiert. Wie er da durchhält und was er dort mitnimmt wird sich weisen.

Ich weiss nicht so recht, ob man sein Kind nicht zu seinem Glück zwingen sollte oder ob man es einfach ins Unglück rennen lassen sollte. Meine Eltern haben uns Kinder auch zu einigem gezwungen, für die ich sie damals wirklich gehasst habe. Aber heute bin ich total froh darüber, denn es erleichtert mir tatsächlich den Arbeitsalltag und hat mir schon ungeahnte berufliche Dinge eröffnet.

Ich danke euch für die Beiträge. Es bleibt halt das eigene Kind, dem man gerne den Weg etwas erleichtern würde. Aber vielleicht müssen manche Kinder tatsächlich ihre eigenen Erfahrungen machen.

Lavendel