Unsere gelungene Einleitung

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von tschaenni 06.04.10 - 00:40 Uhr

Ich hab grad meinen Bericht nochmal heraus gekramt. Unser Sohnemann kam am 5. Februar 2008 zur Welt.

Geschrieben hab ich ihn 5 Tage nach der Geburt.

Am 4.2.08 bin ich im KH aufgenommen worden (Geburt sollte wegen Verdacht auf Unterversorgung 13 Tage vorm Termin eingeleitet werden). Da haben sie aber lediglich nochmal einen US gemacht und mich untersucht usw...
Ach ja - und diesen Schleimpfropf gelöst. Uaaaah, das war echt fies und schon richtig schmerzhaft, aber eine kurze Angelegenheit. Ekelhaft war‘s dann, als er im Laufe des Abends wirklich abging... wie bei so ner Schnecke... bäh.
Danach hatte ich auch regelmäßige Wehen, die aber nur mäßig schmerzhaft waren und immer weniger wurden... leider. Wär ja zu schön gewesen :-p
Abends hab ich noch einen Einlauf bekommen, auch der hat wieder ein paar Wehen ausgelöst. Nachdem ich dann aber mitten in der Nacht ca. 5 km auf dem Krankenhausflur Marathonwanderung im Schneckentempo (passend zur Schleimspur) hinter mich gebracht hab, ließen die auch wieder nach :-(

Hatte dann eine gewohnt halbruhige Nacht und am nächsten Morgen hieß es dann nach dem CTG, dass sie mit Gel einleiten wollten.
Um 9 Uhr lag ich im Kreißsaal und der Arzt hat mir im schön motivierenden scheiße-is-mir-langweilig-Ton erläutert, wie das von statten gehen wird.
*blaaaa... spritze das Gel an den Muttermund... blaaaa...kann 2-3 Tage dauern... 2x täglich wiederholen... bla... Wehen können kommen, gehen aber sicher wieder... bla...* Ach, vielen Dank für diese aufbauenden, mutmachenden Worte #aerger
Der Mann hatte kaum die Spritze aus mir rausgezogen (9.30h), da bekam ich eine Wehe, die mich so ziemlich genau in der Mitte in zwei Teile gerissen hat. So hat‘s sich zumindest angefühlt. Naja und es blieb nicht bei der einen. Eine Wehe nach der anderen, ohne Pause.
Mein Kreislauf hatte es gut, der konnte sich einfach so verabschieden, als er keinen Bock mehr hatte, ich musste die Schmerzen ca. 1,5 Stunden lang ununterbrochen durchstehen bis ich dann einen Wehenhemmer bekam.
Der Arzt kam dann mit einem ich-bin-völlig-verwirrt-Ausdruck herein, *Ääääh... öööh... huch... das ging jetzt aber schnell... äh... noch nie gesehen... hmmm... öäh?*
Naja, nach dem Wehenhemmer pendelte sich das Ganze dann halbwegs erträglich im 2-3-Minuten-Takt ein und ich sollte etwas herumlaufen. Da war‘s ca 12.55h Uhr.
Schatzi und ich also Richtung Zimmer und Mittagessen. Also Essen wollte ich nicht, Schatzi aber wohl. Naja, er kam immerhin zu 2 Löffeln Suppe, bevor ich ihm klarmachen wollte, dass ich wohl grad auslaufe. Er so *Wo willst du hinlaufen?* #augen
Ich hatte kurz vorher so einen ganz komischen, heftigen Ruck knapp überm Bauchnabel bemerkt. Total seltsam. Naja, ich dachte dann, ich geh mal zum Klo und guck mal... höhö... weit gefehlt. Als ich aufstehen wollte, kam plötzlich ein riesen Schwall an klarer Flüssigkeit aus mir heraus. Ja, guten Appetit auch an die Zimmergenossinen ;-)
Also zurück zum Kreißsaal. *Frau G., sie haben wir ja lang nich mehr hier gesehen. So ca 5 Minuten?*
Ab ins Bett, CTG.
Das war so der Punkt, wo die Wehen dermaßen stark wurden, dass ich mich bewusstlos wünschte. Es war ja nun kein Fruchtwasserpolster mehr da. Ich zitterte wie verrückt am ganzen Körper und hatte immer das Gefühl, ich müsste mich übergeben (das hatte ich aber morgens schon zu genüge getan).
Die Wehen kamen und gingen und jede einzelne wurde nur noch schlimmer. Um ca 15 Uhr meinte die Hebamme dann, dass der MuMu ca 3-4 cm auf wäre und ich wollte nicht mehr nur bewusstlos sein, ich wollte sterben. Oder wenigstens einen Kaiserschnitt.
Naja, um ca 16 Uhr hab ich dann nach einer PDA gefragt. Dabei war ich schon total high von irgendeinem Sonnenscheinmittelchen. Das half leider nur beim Entspannen zwischen den Wehen, nicht aber gegen die Schmerzen selbst. Und da ich mir mein Frühstück während der heftigen Anfangsphase nochmal durch den Kopf hatte gehen lassen, hatte ich einfach keine Kraft mehr. Und es war mir ein Riesenrätsel, wie das beim Pressen werden sollte! Und das, wo nach fast 7 Stunden heftigsten Wehen ohne Eröffnungsphase der Mumu nur so ein bissl geöffnet war.
Die Anästhesistin hätte ich dann fast skalpiert. Die kam rein und fragte mich, ob ich überhaupt schon Wehen hätte. Da wurde ich dann doch etwas ungemütlich.
Naja, PDA gelegt und ca 30-45 min auf die Wirkung gewartet. In der Zeit hab ich glaub ich jeden verbal ungespitzt in den Boden gerammt, der auch nur falsch Luft holte.
Als die PDA wirkte, war ich im Himmel. Ich merkte wirklich keine Wehen mehr, bin sogar eingedöst um ca 18.00h war der Mumu schon auf 8-9 cm und ich sollte schon mal leicht mit den Wehen pressen. Ich war seelig und hatte alle wieder lieb - vor allen Dingen die Anästhesistin :)
Die Wirkung der PDA ließ dann auch pünktlich leicht nach, so dass ich genau merkte, wenn eine Wehe kam, es aber nicht mehr wirklich schmerzhaft war.
Und dann kam MEIN SATZ DES TAGES von der Hebamme zur Ärztin, die grad vorbeilief: *Du kannst grad hier reinkommen, das Kind kommt gleich.* YEAH!!!
Und dann hieß es pressen. Huah, ich hätte vorher mal Dauerlauf und Oberkörpermuskelaufbautraining machen sollen! Es war unglaublich anstrengend. Aber einfach nur anstrengend, nicht schmerzhaft (PDA) und deswegen auch irgendwie toll. Auch wenn mir fast der Kopf geplatzt wär.
Nach ca 12-15 Presswehen kam dann das Köpfchen. Und dann mit der nächsten (sogar ohne pressen) der Rest. Ich war völlig fertig.

Naja und dann kam das, was man nicht in Worte fassen kann. Was einfach nur nachvollziehbar ist, wenn man es selbst mal erlebt hat. Das absolute Glücksgefühl. Der WAHNSINN.
Gesichter. Vier lachende Augen (Ärztin und Hebamme), zwei gerührte überglückliche Augen (Schatz) und zwei Augen, die ich noch nie gesehen hatte, die ich nach nur dem Bruchteil einer Sekunde zu den schönsten auf der ganzen Welt erklärte.
Geräusche. Zwei im Hintergrund murmelnde Stimmen (Ärztin und Hebamme), einen Mix aus Schniefen und Lachen und mich abknutschen (Schatz) und ein Blubbern und Quietschen. Unverständlich, undefinierbar und die schönsten Geräusche, die ich jemals gehört habe.
Gefühl. Mein gigantisch groß wirkender Zeigefinger, umklammert von den kleinsten und natürlich schönsten Fingern, die ich in meinem Leben je gesehen habe. Ganz verschrumpelt und zerknautscht noch. #verliebt
Ich wollte dann doch nicht sterben. Und auch keinen Kaiserschnitt.

18.39 Uhr, 2670g, 48cm und kerngesund :-D

Jaja. Das wars im Grunde.
Ich wurde auch geschnitten, aber nur ein kleines bissl und ich hab NIX davon mitbekommen, Ehrenwort. Naja, lag ja auch an der PDA. Auch die Nachgeburt fand ich nicht schlimm, war einfach ein komisches Gefühl.
Ätzend am Tag danach war der tierische Muskelkater in der Armen und im Rücken (musste mich in meinen Kniekehlen einhaken und nach vorne ziehen beim Pressen) und natürlich die Naht vom Schnitt. Aber eh alles egal wenn man dein Kleinen dann sieht. dann braucht man auch keinen Fernseher, kein Radio, kein Buch mehr.

Beitrag von mrslucie 06.04.10 - 08:04 Uhr

Hallo,

herzlichen Glückwunsch noch zum Sohnemann - und zu solch einem lustigen Schreibstil!:-D

LG Lucie

Beitrag von sandra.d 06.04.10 - 10:59 Uhr

Super geschrieben, ich hab son Spaß hier :o)

Danke für deinen Bericht, fühlte mich so manches mal stark an die Geburt meiner Tochter vor einem Jahr erinnert!!

LG und alles Liebe,

Sandra

Beitrag von diana1101 06.04.10 - 11:54 Uhr

Huhu,

sehr lütig geschrieben. Hab fast tränen gelacht. Wenn ich die Situation nicht auch kennen würde.

Geniesst die Kennlernzeit.

Auch ich hatte eine Einleitung, und fand sie einfach nur toll.
Muss dazu aber auch sagen, ohne Wehentropf keine Wehen.. selbst mit Coktail/Akupunktut/Globulis/Einlauf nicht.

LG Diana

Beitrag von tschaenni 06.04.10 - 14:41 Uhr

Danke :-D
Schön, dass er gefällt #huepf