Die Geburt unserer Tochter ***Achtung! Sehr lang!***

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von melete 06.04.10 - 20:21 Uhr

Der eigentliche Geburtstermin war der 09.04.2009, doch ich habe gegen Ende der Schwangerschaft immer wieder gehofft, dass sich unsere Kleine ein oder zwei Wochen früher auf den Weg macht, da ich einfach keine Lust mehr hatte noch länger mit dem riesigen Bauch herumzulaufen. Außerdem hatte ich seit der 28. SSW ständig Wehen. Mal mehr, mal weniger heftig. Ich lag in der 28. Woche auch vier Tage im Krankenhaus, weil ich eine Nacht lang Blutungen und vorzeitige Wehentätigkeit hatte. Der Muttermund war Anfang April also schon sehr weich und fingerdurchlässig.

Unsere neue Wohnung wurde leider erst zum 01. April fertig und so half ich an diesem Tag hochschwanger beim Umzug. Ich schleppte natürlich keine Kisten, aber ich räumte, kramte und sortierte fleißig unsere vielen Sachen, damit wir es möglichst schnell gemütlich hatten.

Um ein Uhr nachts fielen wir dann totmüde ins Bett. Ich hatte trotz der enormen Müdigkeit Mühe einzuschlafen, da ich irgendwie so viele Gedanken im Kopf hatte. Auf jeden Fall war ich zu diesem Zeitpunkt sehr froh, dass wir den Umzug noch ohne Baby gemeistert hatten. Ich war so zufrieden, dass wir den ganzen Kram in der neuen Wohnung hatten und wurde dadurch sehr entspannt. Ich fiel endlich (vielleicht so gegen zwei Uhr) in einen tiefen festen Schlaf.

02. April: Um Punkt sechs wurde ich von einer sehr heftigen Wehe geweckt. Irgendwie war diese Wehe anders als die ganzen Wehen, die ich vorher hatte und ich vermutete, dass es jetzt wirklich losging. Ich weckte meinen Mann, der natürlich vom Kisten schleppen und umziehen total müde war. Da ich schon öfter Wehen hatte und ihn deswegen auch in den vergangenen Wochen das ein oder andere Mal nachts geweckt hatte, sagte er nur, ich solle seine Hand nehmen und ganz fest drücken, wenn es wirklich wehtat, sodass er weiter dösen konnte. Ich protestierte und sagte, ich würde jetzt erstmal auf’s Klo gehen. Dort entleerte ich mich gänzlich (Sorry!), so wie es die Natur für Geburten vorsieht. Mir wurde immer bewusster, dass sich unsere Maus jetzt wohl auf den Weg machen wollte. Herrje. Ich war ziemlich aufgeregt. Ich weckte meinen Mann also richtig als ich vom Klo kam. Der saß müde am Bettrand und fragte mich, was wir jetzt machen #gruebel. Haha.

Ich sagte ihm, dass ich in die Wanne gehen würde. Er holte sich in dem ganzen Chaos einen Sessel und stellte ihn ins Badezimmer neben die Wanne #cool. Ich lag in der Wanne und die Wehen wurden ganz schnell immer heftiger, sodass wir beschlossen unsere Beleghebamme Stefanie anzurufen. Es war erst ungefähr halb sieben und Stefanie war gerade aufgestanden und meinte, wir sollen nochmal bei ihr anrufen, wenn es eine Stunde so bliebe, dass ich regelmäßig Wehen bekomme. Nach circa 15 Minuten fing ich an meinen Mann zu überreden, er solle doch bitte jetzt schon bei ihr anrufen, da ich solche Schmerzen hatte. Er meinte, dass wir noch warten sollten (#schock WAS?) und rief Stefanie einfach nicht an. Stattdessen hielt er meine Hand und half mir die Schmerzen zu ertragen. Die Wehen kamen ziemlich schnell hintereinander und in den Pausen erzählte ich ihm, wie weh es tat. Ich lag übrigens nicht einfach nur in der Wanne, sondern mal stand ich im Vierfüßlerstand in der Wanne, mal kniete ich und mal stieg ich ganz aus, um mich auf den Fußboden im Vierfüßlerstand zu stellen. Immer in der Hoffnung, die nächste Position würde die Wehen irgendwie schmerzfreier und erträglicher machen. Ich stieg wieder in die Wanne und gleich wieder raus. Nach circa 45 Minuten (um 7.15h) rief mein lieber Mann dann endlich wieder unsere Hebi an und bat sie darum zu kommen, denn ich hätte wirkich ganz schöne Wehen und Schmerzen. Sie versicherte uns, in einer halben Stunde bei uns zu sein. In dieser Zeit ging es erst richtig los. Wir warteten auf die Hebamme und dabei stand ich die ganze Zeit im Vierfüßlergang auf dem Badezimmerfußboden und bewegte mich keinen Zentimeter mehr. Ich schrie bei jeder Wehe vor Schmerzen laut und mein Mann wurde immer verzweifelter, weil er ganz allein mit mir war und mir nicht wirklich helfen konnte. Er hielt die ganze Zeit über meine Hand und machte mir Mut und ich zerquetschte bei jeder Wehe halb seine Hand.

Irgendwann fing ich an unter jeder Wehe mit dem Kopf gegen den Badewannenrand zu schlagen #zitter, um mich vom Schmerz abzulenken. Das machte ihn wirklich nervös und er meinte, ich solle aufhören. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es ok sei und es mir besser ginge und ich die Wehen besser ertrug.

Um acht Uhr kam Stefanie durch die Badezimmertür und alles wurde besser, denn sie fing sofort an, auf mich einzureden und mich anzuleiten. Das half ungemein, weil ich plötzlich das Gefühl hatte, nicht mehr so verloren und unbeholfen zu sein. Sie sagte mir zuerst, ich solle nicht so schreien, sondern lieber die Kraft für die Wehen verwenden und tief atmen. Das half super. Von da an wurde es ruhiger in unserem Badezimmer. Ich bat sie um Schmerzmittel und sie sagte, dass sie nichts dabei habe. Ich fand mich sofort damit ab. Sie untersuchte mich und Halleluja der Muttermund war schon komplett geöffnet und das Baby ganz weit nach unten gerutscht. Sie teilte mir mit, es würde nur noch ein Stündchen dauern und wir würden es nicht mehr ins Krankenhaus schaffen. Das war das Beste, was ich unter der Geburt gehört hatte und es machte mir viel Mut. Ich dachte nämlich die ganze Zeit, es würde noch acht Stunden so weiter gehen.

Stefanie rief eine Kollegin an und bat sie zu kommen. Sonja, eine Hausgeburtenhebamme, wohnte zufällig nur zwei Straßen weiter und versprach sofort zu kommen. Ich stand immer noch auf dem Fußboden im Vierfüßlerstand. Da unser Bad nicht mehr beheizt wurde, fingen Stefanie und mein Mann an, mich zu überreden ins Schlafzimmer rüber zu gehen, damit ich mich dort in Bett legen konnte. Ich wollte aber nirgendwo hingehen und sagte ihnen das. Dann bekam ich nicht mehr viel mit. Die Fruchtblase platzte und die warme Flüssigkeit lief mir die Oberschenkel hinunter. Ich empfand das irgendwie als angenehm. In einem Moment, in dem ich wohl ziemlich widerstandslos schien, halfen mir die beiden auf und stützen mich bis zum Bett. Das war gut. Warm und weich und ich konnte liegen, was ja viel unanstrengender war. Ich begann dann zu pressen und presste und presste. Sonja, die Hausgeburtenhebamme, kam mit einer riesigen Tasche und machte mir ebenfalls Mut. Sie setzte mir Akupunkturnadeln in die Hände, was sehr angenehm war und den Schmerz linderte. Ich empfand es jedenfalls so.

Irgendwann sagten sie mir, dass sie das Köpfchen sehen konnten und das spornte mich total an. Ich presste wie eine Verrückte, mein Mann saß die ganze Zeit so halb hinter mir und hielt meine Hand. Ohne ihn hätte ich das nie so geschafft. Er redete alles nach, was die Habammen sagten, was ich total süß fand. Er lobte mich die ganze Zeit und feuerte mich bei jeder Wehe an. So ein toller Freund! Dann kam der Moment, in dem die kleine Maus etwas festzustecken schien und die beiden Hebammen überlegten sogar den Damm etwas zu schneiden, denn nichts ging mehr. Ich bekam von dem all dem nichts mit und machte mir auch keine Sorgen. Erst als Stefanie ernst wurde und meinte, dass sie die Kleine bei der nächsten Wehe haben will, bemerkte ich es auch. Also presste ich diesmal wirklich noch doller, mit meiner ganzen Kraft und Sonja schob die Kleine auch von außen mit an. Stefanie meinte dann: „Jetzt nur noch einmal für die Nase kräftig pressen!“ Ich schwöre, ich merkte tatsächlich wie sich da unten alles nochmal auf’s Äußerste spannte, als die kleine Nase an der Reihe war. Der Kopf war geboren und alles war überstanden. Ich presste nur noch ganz leicht bei der nächsten Wehe und unsere Kleine war ganz geboren. Mein Mann versteckte sich ein bisschen hinter mir und weinte vor Freude und Erleichterung. Es war genau 9 Uhr 28. Sie legten sie mir auf die Brust. Komisch, aber im ersten Moment war es wie das Gefühl, wenn man Geschenke auspackt und einen der Schenker dabei beobachtet. Als müsste man sich jetzt toltal freuen und stünde unter Beobachtung. Mein Mann schnitt die Nabelschnur durch und die Kleine wurde etwas sauber gemacht. Dann legten sie sie mir wieder auf die Brust. Ich hatte noch eine leichte Wehe und die Plazenta wurde geboren. Das empfand ich als sehr angenehm, da es sich weich und warm anfühlte. Nach einer Weile wurde sie richtig sauber gewaschen und angezogen. Ich ging unter die Dusche. Ich war nicht gerissen und nicht geschnitten und freute mich irrsinnig darüber. Duschen war so angenehm. Danach legte ich mich wieder ins Bett und kuschelte die kleine Maus an mich. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Dieses Gefühl es überstanden zu haben und das Gefühl, das ich beim Anblick des kleinen Wunders hatte. Sie war sooo winzig und hatte von der Geburt eine ganz platte Nase. Endlich konnte ich sie sehen.

Stefanie zeigte meinem Mann und mir die Plazenta und sagte, alles sei in bester Ordnung, nichts fehle. Die Geburt dauerte insgesamt nur 3,5 Stunden und fand bei uns zu Hause statt. Wer hätte so etwas erwartet? Ich legte mich dann mit meiner kleinen Tochter in die Küche auf’s Küchensofa. Ich aß einen Pfirsich. Sonja ging wieder, weil sie noch Termine hatte. Eine Nachbarin brachte Kaffee. Mein Mann und Stefanie tranken Kaffee und aßen belegte Brötchen. Die Kleine und ich lagen den ganzen Tag auf dem Küchensofa und wurden rundum versorgt. Ab und zu kamen gute Freunde oder Verwandte vorbei um einen kurzen Blick auf den neuen Erdenbürger zu werfen. Ich war so stolz und rundum zufrieden an diesem sonnigen Aprilmorgen.

Nicht so schön war es, wenn ich danach auf die Toilette pinkeln musste. Durch die enorme Spannung unter der Geburt hatte ich leichte Schürfungen an den Labien und es brannte wie Sau, wenn ich pinkeln wollte. Also pinkelte ich eine Woche lang (!!) unter der Dusche bei laufenden Wasser, was angenehmer war.

Da ich körperlich sonst alles gut überstanden hatte, fing ich bald an, nach und nach unsere neue Wohnung schön herzurichten.

Viele Grüße und alles Gute für eure Schwangerschaft und Geburt #klee

melete (übrigens schon wieder in der 30.SSW #schein)

Beitrag von tanja02041985 06.04.10 - 21:28 Uhr

Hallo melete

Ein super schöner Geburtsbericht, den du da geschrieben hast.

Der 02. April ist auch mein Geburtstag - ein schönes Datum ;-)


Viele Grüße
Tanja

Beitrag von abns2008 06.04.10 - 22:00 Uhr

Oh Mensch!

Wie schön geschrieben!

Mein Mann sagt übrigens auch in jeder Lebenssituation dass ich seine Hand halten soll...das beruhigt mich immer ganz arg #herzlich , obwohl- manchmal hab ich auch ordentlich die Zähne ´reingehauen; "Schätzle, ich entschuldige mich jetzt offiziell fürs beißen"!

Eine wunderschöne Kennenlernzeit wünscht euch

#herzlich Nicole

Beitrag von dschinie82 07.04.10 - 11:12 Uhr

Ach wie schöööön. Da werde ich glatt an die Geburt meines Sohnes vor 1,5 Jahren erinnert. Es ist so ein tolles Gefühl, den kleinen Menschen endlich im Arm halten zu dürfen.

Liebe Grüße und eine schöne, zweite Geburt! :-)

Dschinie

Beitrag von sandra.d 07.04.10 - 19:39 Uhr

Dein Bericht hat mir sehr gut gefallen, er ist so voller Emotionen, die man einfach nachfühlen muss. Na, und dann ist da auch noch das wunderschönste Geburtsdatum überhaupt, denn am 02.04.2009 wurde auch meine Tochter geboren #herzlich

Alles Liebe und Gute,

Sandra mit Carlotta, schon 1 Jahr alt

PS: Wie groß und schwer war eure Maus und wie ist ihr Name??

Beitrag von mama.ines 08.04.10 - 22:10 Uhr

schön geschrieben und das mit dem kopf wogegen hauen kenn ich auch:-p