Diskussionsrune: Patchworkfamilie

Archiv des urbia-Forums Familienleben.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von andie2409 07.04.10 - 14:56 Uhr

Hier würde mich einfach mal Interessieren wie ihr in Euren Patchworkfamilien zurechtkommt, welche Probleme entstanden sind, ob es evtl. irgendwelche Vorurteile gibt oder einfach Beziehungsstress in bestimmten Situationen die mit dem / der ExPartner/In zum "aus" geführt haben usw...

Beitrag von dropsi_2 07.04.10 - 15:30 Uhr

Hallo,

ich würd mich ja gerne beteiligen, aber ein bisschen konkreter darfst Du schon fragen;-)

Voruteile sollte es da heute jedenfalls nicht mehr geben, denn ich wüde fast sagen, dass es mehr zusammengewürfelte Familien gibt, wie "Normale".

Ich lebe selbst in einer solchen Familie und das nicht zu ersten Mal, also frag gerne.

LG

Beitrag von hermina 08.04.10 - 07:30 Uhr

Hallo.
Wir sind eine Patchworkfamilie. Habe aus erster Ehe drei Mädchen mitgebracht und mit meinem jetzigen Partner einen Sohn zusammen. Mein Partner wurde super aufgenommen, war vor knapp vier Jahren. Er wird als neuer Partner an meiner Seite akzeptiert, auch als Stiefpapa. Der Kontakt zum eigenen Vater ist auch noch fast regelmäßig. Stress gibt es natürlich auch, ist klar. Mein Partner hat keine eigenen Kinder gehabt und wurde natürlich ins kalte Wasser geschmissen. Die Mädchen, damals 9 und 10, waren ja schon erzogen und er kommt neutral in die Beziehung und hat da andere Vorstellungen. Aber auch ich mache Fehler und wir reden drüber und kommen eigenltich schnell wieder auf einen Nenner. Was nicht gut ist, vor den Kindern zu diskutieren, dass machen wir dann in einer ruhigen Minute. Wir sind uns aber in vielen Situationen einig, sodass wir gemeinsam entscheiden oder auch mal alleine entscheiden können. Zum Anfang war es ein bisschen problematisch, als die Mädchen zu ihrem Vater gingen. Als sie wieder kamen, waren sie erstmal distanziert und wir mussten erstmal raus kriegen, was los war. Muss dazu sagen, dass ich meinen Ex verlassen habe und dadurch stichelt er natürlich. Aber er kommt damit nicht mehr weit, haben auch die Mädchen schon bemerkt. Hat so blöde Fragen gestellt, wie: "Wer ist besser ich oder der neue?" oder "Wen habt ihr lieber?". Hallo, sowas fragt man Kindern nicht. #klatschIst doch klar, dass sie ihren Papa lieben, soll auch so bleiben. Da hat sich mein Partner mit denen hingesetzt und gesagt: "Er ist euer Papa und wird es immer bleiben. Ich bin der neue Partner an der Seite eurer Mutter und bin auch für euch da, aber euer Papa ist eben euer Papa." Das fand ich schon gut, die Mädchen auch.

Bei dem Kleinen wird es anders, da er ja von Anfang an dabei ist. Aber ist schön, so eine Erfahrung zu machen. Mal sehen, wie es weiter läuft.

Falls du Fragen hast oder Probleme oder so, dann frag einfach. Hilft manchmal, aus anderer Sicht was zu hören. Man verbohrt sich manchmal in was.

Lg

Beitrag von himmelsblume 08.04.10 - 14:43 Uhr

Würde mich gerne einklinken, aber für mich stellt sich vorab noch die folgende Frage:

Ab wann ist eine Familie für dich eine Patchworkfamilie?
Leben die jeweiligen Familien bereits zusammen?
Oder sind es zwei Parteien, die getrennt leben und ab und an als "Familie" zusammenkommen?

Freue mich sehr über deine Antwort - denn das Thema beschäftigt mich selbst gerade sehr.

Beitrag von andie2409 08.04.10 - 15:31 Uhr

also vielen dank vorweg für die Antworten.

Ich versuche mal Anhand meines persönlichen Beispiels Klarheit zu zu verschaffen, was ich mit Patchworkfamilie etc. meine...

Also ich habe seit einigen Monaten eine Freundin, die einen siebenjährigen Sohn hat. Ich selber lebe zur Zeit getrennt und stehe kurz vor der Scheidung. Auch ich habe eine Tochter, die gerademal 1,5 Jahre alt ist und den gewöhnlichen Aufenthalt bei ihrer Mutter hat, ich habe sie jedes Wochenende bei mir.

Meine Freundin und meine Tochter verstehen sich richtig gut, ich mich mit ihrem Sohn ebenso.

Problem in unserem Fall ist z.B. das der kleine schon zur Schule geht, einen festen Freundeskreis hat und meine Freundin und ich auf einer Distanz von 35 km auseinander wohnen.

Außerdem hat der Kleine viel Zeit bei seiner Oma verbracht da meine Freundin gearbeitet hat, u.a. auch eine Ausbildung abgeschlossen.

Nun kommt dazu das es für die Oma u. Opa des kleinen natürlich nicht so einfach ist sich damit anzufreunden das sie zumindest erstmal in meiner nähe zieht, denn aufgrund der aktuellen Joblage bei meiner Freundin kann ein Zusammenziehen noch nicht stattfinden, somit muss sie also erstmal ne eigene Wohnung nehmen. Anders funktioniert es leider nicht da ich eine Immobilie besitze und somit ziemlich unflexibel bin, wir aber möglichst schnell zusammenziehen wollen und es wohl besser ist möglichst früh den Kleinen hier mit her zu nehmen, damit er sich an die fremde Umgebung gewöhnen kann und neue Freunde findet.
U.A. aus diesem Grunde sind wir selbst immo relativ häufig bei mir, aber es ist natürlich ne ziemliche Strecke die sie dann tagtäglich fahren muss, zudem noch sehr kostspielig.

Der kleine selber möchte natürlich auch nicht so gerne umziehen, weiss aber bescheid und ist inzwischen soweit das er es seinem besten Freund (bei mir) erzählt hat.

Die Beziehung zwischen meiner Freundin ist geprägt von mangelndem selbstwertgefühl, denn beide sind in vorhergegangenen Beziehungen betrogen worden. Man ist also quasi irgendwo Beziehungsgestört und es dauert alles aufzubauen. Gerde bei mir ist es so, dass man von heiraten oder Kinder immo nicht wirklich zu sprechen braucht, dann gelange ich ins grübeln...

denn aus Erfahrung weiß ich was Scheidungsfolgenvereinbarungen sind, welche Emotionen ausgelöst werden im Fall des Scheiterns und auch, wie schnell manche Leute trotz vorheriger Verneinung alles aufgeben.

Wie ist das bei Euch? Alle Patchworkfamilien haben ja ähnliches durchlebt, teilweise vlt sogar noch deutlich schlimmer? Wie geht ihr miteinander um? Gibts / Gabs viele Streiterein?

Fakt ist für mich, zusammenhalt dann wirds klappen, da bin ich von überzeugt, aber diesen Partner/in zu finden ist nicht so leicht, bzw. ob man sie dann gefunden hat weiss man vorher nie... es gibt eben keine 100%ige Sicherheit

Beitrag von himmelsblume 08.04.10 - 19:20 Uhr

*phew*
Ganz schön viel. Ähnlich wie bei mir wohl... ;-)

Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, da gebe ich dir Recht - aber ich denke schon, dass man nicht gleich alle seine Prinzipien, etc. über Bord werfen sollte, nur weil man jemanden gefunden hat, der einem gerade sehr gut tut.

Beziehungen fangen immer (beziehungsweise im besten Fall) doch mal mit Verliebtheit an... und im Zuge der Verliebtheit können wir uns dann alles mögliche miteinander vorstellen: zusammenziehen, heiraten, nochmal Kinder kriegen.... all sowas eben.

Ich habe in den letzten Monaten so das Gefühl bekommen, dass es nebst all diesen "rosa Gedanken" viel wichtiger ist, dass man wirklich auf einer Wellenlänge ist.
Im Falle Patchwork heißt das (für mich!), dass zumindest grundlegende Ansichten von Erziehung geteilt werden sollten.
Ich könnte es nicht ertragen, wenn mein Partner der Meinung ist, Kinder bräuchten eine "starke Hand" oder dergleichen Unsinn, während ich mich bemühe, meinem Kind Grenzen aufzuzeigen, aber eben solche, die es auch verstehen kann... oderoderoder.

Wenn wirklich beide Erwachsene, die sich für die Partnerschaft entscheiden, hintereinander stehen und es gemeinsam versuchen wollen, steht der Idee Patchwork bestimmt nichts im Wege.

Und... Streitereien... ich bin gespannt, wieviele Leute sich zu Wort melden.
Ich habe oft gehört, dass die jeweiligen Stiefmütter oder -väter manchmal es etwas schwieriger haben, etc. Denke aber, dass sich alles irgendwie lösen läßt, wenn ein Paar wirklich zusammenhält und weiß, wo es miteinander hin will.
Bockige Kinder und bösartige Reibereien gibts ja auch in "normalen" Familien.


Beitrag von grundlosdiver 08.04.10 - 21:37 Uhr

Mein Mann hat eine Tochter in unsere Ehe mitgebracht, die allerdings bei ihrer Mutter wohnt. Wir zahlen ordnungsgemäß Unterhalt und nehmen Umgang wahr und soweit es eben geht, gehört sie zu unserer Familie dazu!
Unsere gemeinsame Tochter liebt ihre Halbschwester abgöttisch und die Große kümmert sich auch liebevoll. Das Kind und ich verstehen uns auch gut. Wir haben uns von Anfang an gegenseitig akzeptiert und leben ja nun "miteinander" fast 4 Jahre.

Manchmal ist es traurig, denn das Verhältnis zu ihrer Mutter ist sehr miserabel. Mal besser, mal schlechter, aber sie ruft nur an, wenn es um Geld geht. Schade, denn manchmal hätte mein Mann gern mehr Informationen (Arzttermine, Schule, Veranstaltungen...) Man ist leider so auf das Wohlwollen der Mutter angewiesen. Natürlich fragt mein Mann regelmäßig nach, aber es kommt kaum eine bis keine Antwort.
Bsp: Das Kind singt im Chor und wir waren bisher bei 2 (!!!) Auftritten - einmal eher zufällig, weil wir es in der Zeitung gelesen hatten und einmal, weil es am Wochenende unserer Hochzeit war und sie wegen der Hochzeit bei uns war (da haben wir sie extra hingefahren, noch gefilmt und auch der Mutter den Film zur Verfügung gestellt...)
Fotos o.ä. bekommen wir leider nie...

Nun ja, mittlerweile ist sie ja 10 und erzählt uns schon viel von allein... Fotos machen wir halt auch alleine;-)

Vorurteile? Bezüglich was? Dass mein Mann eine Tochter aus 1. Ehe hat? Also wer uns kennt, hat sowieso keine, weil diejenigen wissen, dass wir gut klar kommen.
Wenn wir unterwegs sind, wurde ich schon öfter als die leibliche Mutter meiner Stieftochter angesehen/ angesprochen. Mittlerweile reagieren wir da nicht mehr drauf, es ist nicht schlimm... wenn sie bei uns ist, ist sie "unsere" Tochter und ich sage auch "mein Schatz" o.ä., denn ich mache/ wir machen so wenig wie möglich Unterschied zw. den Kindern.

Beziehungsstress? Ja, den gibt es schon mal... Es sind verschiedene Dinge, aber ich denke, das hat man auch mal bei ausschließlich leiblichen Kindern ;-)
Aber was hat das mit dem "Aus" mit dem Expartner zu tun?!?#gruebel