Kind mit zur Beerdigung???

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von schneckchenonline 08.04.10 - 14:49 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

ich hab grad einen Anruf bekommen, das meine Oma in der Klinik liegt und wohl in den nächsten Tagen sterben wird.

Ich muss dazu sagen, sie hat unter anderem Alzheimer im Endstadium, liegt seit gut 4 Jahren im Heim, erkennt niemanden und reagiert auch nicht wirklich. Wie im Wachkoma.
Unser 6 jähriger war alle paar Monate mit zu Besuch bei ihr und weiß wie sie "lebt", kennt sie nicht anders. Bezug hat er nicht zu ihr, weiß nur, das es eben seine Uroma ist und wir haben mit ihm auch schon oft ganz offen über diesen Zustand gesprochen. Ich habe ihm auch erklärt, das es ihr meiner Meinung nach im Himmel viel besser gehen würde und sie besser erlöst werden sollte, auch wenn wir dann traurig sind. Er geht neutral damit um und mit seiner Vorstellung vom "Himmel" ist er der gleichen Meinung.

Meine Frage ist nun:
Wenn es soweit ist, soll er dann mit zur Beerdigung?

Einerseits denke ich, kann ein Kind ruhig wissen, das der Tod zum Leben dazu gehört, andererseits bin ich unsicher, ob es nicht doch mit 6 zu früh ist.

Was würdet Ihr tun???

Danke schon mal für Eure Antworten.

LG, Tanja

Beitrag von guglhupf22 08.04.10 - 15:00 Uhr

Hi!

Also ich würde das Kind mitnehmen. Der Tod gehört zum Leben dazu und Kinder sollten auch lernen, dass Menschen leider auch mal gehen können.
Natürlilch solltest du Ihn kindgerecht drauf vorbereiten.
Es ist nämlich noch blöder, wenn Mama dauernd weint, Oma auf einmal nicht mehr da ist und er keinerlei Bezug dazu hat, was passiert ist.
Daher gute vorbereitung, viel mit den Kindern darüber reden, auch vor den Kindern weinen, denn das gehört zum Leben auch dazu und dann kann er es für seine Welt gut einornden.

LG Karin

Beitrag von marysa1705 08.04.10 - 15:08 Uhr

Hallo Tanja,

ich würde ihn auch auf jeden Fall mitnehmen.

Ich konnte mich als Kind nicht von meiner Lieblingstante verabschieden und das macht mich heute noch sehr traurig, wenn ich daran denke.
Es ist wichtig, dass man bewusst Abschied nehmen kann und dass jemand nicht "einfach weg" ist.

LG Sabrina

Beitrag von brixi2003 08.04.10 - 15:16 Uhr

Hallo,

ich kann dir noch frisch erzählen wie es mit em Thema Tod war und auch heute noch ist...Wir haben den Uropa im September gehen lassen müssen,allerdings nach langer Zeit im Pflegebett,was meine Kinder 4+1 alles miterlebt haben,da ich den Opa gepflegt habe.

Als der Opa vormittags verstorben ist,habe ich es meiner Tochter nach dem Kindergarten erzählt...sie nahm es sehr gefasst auf....an diesem Nachmittag sind wir nur mit unserem Jüngsten zur Uroma gefahren,meine Tochter wollte gerne zu meinen Eltern und genau das haben wir in all den Tagen gemacht...SIE ENTSCHEIDEN LASSEN....

Wir haben uns auch das NIE MEHR OMA LINA buch geholt und es viel angeguckt....

Unsere Tochter war mit uns in der Leichenhalle,auch sie hatte Opa ein Bild gemalt,welches auf dem offenen Sarg lag und auch mit in die Erde gekommen ist.Unsere Süße hat kaum geweint,sie hat sogar unsere Tränen getrocknet...

Am Tag der Beerdigung waren unsere Beiden Kinder dabei,sie sassen genauso wie alle anderen der Familie mit in der ersten Reihe....Sie haben genau wir wir Blumen ins Grab geworfen.....Die Beiden hatten auch ihren eigenen Kranz,weil es meiner Tochter wichtig war....
Zum Kaffee wollte unsere Süße nicht mehr mit,da hat meine Mutter sie mit nach Hause genommen.....

Seitdem ist der Uropa ein Stern,und wann immer sie Sterne sieht sagt sie:Guck mal da ist der Opa...
Wir haben hier zu Hause eine Kerze für den Opa brennen,die ersten Tage und Wochen brannte sie jeden Tag,es war oft das Erste was sie morgens tat....mittlerweile brennt sie schon noch häufig,aber nicht mehr jeden Tag...oft auch erst gegen Abend....

Auf dem Friedhof haben die Beiden ihre eigene Laterne,in der sie ein Licht anzünden und ihre eigene Blumenvase...all das war meiner Tochter wichtig....ist es auch noch,aber nicht mehr so wie in der ersten Zeit.....

Wir haben viel geredet,auch der Kindergarten hat da gut mit geholfen....ja es gibt noch Tränen,aber Kinder verarbeiten das ganz anders wie wir Erwachsenen....sie können noch am gleichen Tag wieder fröhlich spielen...

Unserer Tochter hat es geholfen dass sie immer zum Friedhof konnte,wenn sie es wollte...es hat ihr geholfen dort ihre eigenen Sachen zu haben,um die sie sich kümmert...es hat ihr geholfen dass sie reden konnte wann sie es wollte...

Und sie hat verstanden dass der Opa nicht mehr wieder kommen kann......weil er lange Zeit krank war und das Herz schwach war und deshalb aufgehört hat zu schlagen...

Unser Neffe kennt den Uropa zwar im Bett,aber ihm fehlt der Schritt Beerdigung....er ist die ersten Wochen total verzweifelt rum gelaufne und hat Opa und das Bett gesucht und hat immer nach ihm gerufen.....

Da bin ich froh dass wir es anders gemacht haben,auch wenn die Familie Gift und Galle gespuckt hat.

Sorry ist lang geworden,aber es ist kein Thema was man in drei Sätzen beschreibt

LG Nadine mit Annkathrin(19.03.06)+Alexander(06.08.08)

Beitrag von schneckchenonline 08.04.10 - 15:55 Uhr

Hallo Nadine,

das klingt wirklich bewegend und nach einer sehr guten Trauerbewältigung.
Ich denke, so in etwa sollte es bei uns laufen, obwohl Robin eigentlich null Bezug zu ihr hatte. Aber dennoch ist ja etwas anders als sonst und man sollte es nicht einfach übergehen und so stehen lassen.
Vielen Dank für Deine Antwort.

LG, Tanja

Beitrag von schneckchenonline 08.04.10 - 15:56 Uhr

Ich denke Ihr habt Recht. Danke.

Beitrag von anyca 08.04.10 - 16:44 Uhr

Ich war vor einer Woche auf einer Beerdigung, da waren auch Grundschulkinder und Kleinkinder dabei. Frag Deinen Sohn doch einfach, ob er mit möchte!

Beitrag von erstes-huhn 08.04.10 - 17:58 Uhr

Ich war in einer ähnlichen Situation und habe meinen Sohn nicht mitgenommen. So würde ich immer wieder entscheiden.

In der Kirche gibt es ja viel zu sehen und zu fragen für ein Kind, das ist schon störend für die anderen Gäste.

Aber viel wichtiger: Ich war auf dieser Beerdigung so mit mir und meinem Kummer beschäftigt, dass ich es nicht hätte ertragen können die Fragen meines Sohnes zu beantworten. z.B. "Mama, warum weinst Du?"

Auf einer Beerdigung, die mich emotional nicht so einnimmt könnte ich es mir aber gut vorstellen.

Beitrag von schillerfri 08.04.10 - 20:47 Uhr

Hallo,

wir hatten letzten Monat einen Todesfall im engsten Familienkreis. Ich habe unseren 4,5 Jahre alten Sohn nicht mit zur Beerdigung genommen.

Ich war in der Zeit völlig fertig und wollte auf keinen Fall, dass er so viele Trauernde sieht, er hat schon so soooo viele Fragen gestellt und das Thema hat ihn so sehr beschäftigt, dass ich ihm das einfach ersparen wollte. Ehrlich gesagt, konnte und wollte ich mich auch während der Trauerfeier nicht um ihn kümmern, sondern selbst Abschied nehmen können.

Viel Kraft,
Ela!

Beitrag von jeannylie 08.04.10 - 21:06 Uhr

Hallo,
wir haben unseren Sohn mit 4,5 Jahren mit zur Beerdigung der Uroma genommen. Allerdings kannte er sie so gut wie gar nicht, hat das ganze also sehr sachlich aufgenommen. Er hat Fragen gestellt, wir haben es ihm erklärt und auch vorher Bücher geguckt zu dem Thema. Heute weiß er viel mehr mit dem Thema anzufangen als wenn er das nicht erlebt hätte.
Ich finde es nicht schlimm ein Kind mit zu nehmen, warum auch? Gerade mit 6 kann man schon gut aufnehmen dass der Tod zum leben dazu gehört!
Gerade wenn jetzt irgendwann mal eine Beerdigung eines nahen Familienangehörigen anstehen sollte, finde ich ist er viel besser vorbereitet weil er dass alles schon einmal erlebt hat.

LG

Jeannylie

Beitrag von curlysue2 08.04.10 - 23:14 Uhr

Hallo,

ich habe jetzt nicht die anderen Antworten gelesen. Es kann also sein, dass schon jemand das Gleiche geschrieben hat.

Unser Sohn ist 5 1/2 Jahre und war vor zwei Wochen das erste Mal mit auf einer Beerdigung. dAvor war er immer nur in der Kirche oder auf der anschl. Trauerfeier mit. Wir gehen auch offen mit diesem Thema um und durch einige Todesfälle in der Familie blieb uns auch nicht viel anderes übrig als auch mit ihm dieses Thema zu bearbeiten.
Auf der letzten Beerdigung wollte er selber mit. Es war die Schwiegermutter meines Onkels, er hat sie zweimal gesehen, wollte aber unbedingt mit, als er erfahren hat, dass ich dort hin ging. Auf der Beerdigung meiner Mutter im letzten Sommer wollte er nur in die Messe und anschl. zur Trauerfeier in der Gaststätte. Ich fand es ehrlich gesagt sogar gut so. Denn auf der Beerdigung meiner Mutter war ich zu nah dran, hätte mich an dem Tag nicht intensiv auf meinen Sohn einlassen können und war froh, dass mein Mann mir das abnahm. Allerdings läuft mein Mann vor diesem Thema am liebsten davon.
Bei der letzten Beerdigung war ich nicht so nah dran und konnte mich intensiv mit unserem Sohn befassen. Konnte ihn "stark" begleiten. Und ich muss sagen er hat es super gemacht. Sogar besser als mancher Erwachsene.
Ich habe mit ihm intensiv über die Beerdigung gesprochen, was da gemacht wird, wie der Ablauf ist, dass die Leute da auch viel weinen werden, der sarg nachher in die Erde kommt usw. Er hat auch viele Fragen gestellt und gleichzeitig haben wir nochmal das Buch "nie mehr Oma-Lina-Tag" und Bilder aus der Trauerhalle angeschaut.

Ich würde es wieder so machen und auch bei der nächsten Beerdigung werde ich ihm die Entscheidung überlassen wieweit er mitgehen möchte. Und ich habe durch seine Fragen und Erzählungen auch festgestellt, dass die Vorstellungen, die er hatte, was auf einer Beerdigung passiert grausamer waren als die Wirklichkeit.

So wie Du schreibst, geht Ihr auch sehr offensiv mit diesem Thema um. Ich würde Dir raten Deinen Sohn zu fragen was er denn will. Und jemanden mitnehmen, der - falls er mitmöchte - mit ihm rausgehen kann, wenn nötig.
Ich finde nichts Schlimmes dabei, Kinder mit auf eine Beerdigung zu nehmen , sofern sie auch gut vorbereitet sind und die Möglichkeit gegeben ist, dass sie eine Begleitperson dabei haben, die mit ihnen im Notfall die Beerdigung verlassen kann.


LG und viel Kraft für die vor Euch liegende Zeit.

curlysue

P.S.: wenn man Kinder mit auf Beerdigungen nimmt, sollte man aber damit rechnen, dass es sein kann, dass sie sich nicht (aus Erwachsenensicht) der Situation angemessen verhalten (können). Kinder trauern und verabeiten Trauer ganz anders als wir Großen. Was manchmal wie gleichgültig erscheint, ist oft einfach nur ein natürlicher Selbstschutz der Kleinen. Es kann auch sein, dass sie auf der Beerdigung zappeln, lachen oder sogar singen. Das heißt aber nicht, dass sie nicht trauern! Sie reagieren nur anders als Erwachsene. Und oft kommen sie nach z.B. einem halben Jahr (oder noch länger) erst zur intensiveren Verarbeitung, so dass sie auch plötzlich viele Fragen stellen usw.

Beitrag von baldurstar 10.04.10 - 20:21 Uhr

ganz klarer fall das kind soll mit kommen.

der tod gehört zum leben dazu. und es ist einfach natürlich.
in unserer gesellschaft wird leider viel zu lange und oft versucht kinder vom tod fern zu halten. und sie verstehen dann nicht warum jemand weg ist und ich bin überzeug je länger man das thema vom kind fern hält desto größer wird später die angst davor.

ich kam auch als kleinkind mit tod in berührung und war auf beerdigungen, es hat mir nicth geschadet.

freunde haben im grundschulalter oft noch auf rückkehr der verstorbenen haustiere gewartet und waren tod unglücklich über monate.
bei mir war es so das ich halt dann wusste da smein kaninchen gestorben ist und ich war auch traurig, habe aber nicht so lange gelitten weil ich wusste er kommt nicht wieder.

ich finde es wichtig auch diese themen an kinder herran zu lassen, denn sie gehören zu unserem leben dazu.

und mit 6 verstehen kinder eh schon fast alles, ich würde mein kind definitiv mitnehmen.