Wieso hat das Kind denn immernoch ein Buggy?

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von jamjam1985_19 10.04.10 - 08:31 Uhr

Guten morgen ihr Lieben,

Julian ist 4 einhalb Jahre alt und hat eine starke Entwicklungsstörung(autistische Züge,Agression und Autoagression,spricht nicht,kann noch keinen Stuhl und kein Wasser halten,ist hypermotorisch und Hyperaktiv,hat starke Wahrnehmungsstörungen,kennt keinerlei Gefahren etc.).Er kann auch nicht so weite strecken laufen,er ist schnell müde.
Man sieht ihm diese 'Behinderung' nicht auf den ersten Blick an.
Wenn ich jetzt in die Stadt fahre nehme ich deshalb ab und an noch einen Buggy mit für ihn.Tragen kann ich ihn auch nicht,da ich erst einen Bandscheibenvorfall hatte.
Ich bin alleinerziehend und habe auch keinen bei dem ich ihn 'mal eben lassen' könnte.

Ich werde so oft angesprochen:'Wieso muss das Kind in dem Alter denn noch im Buggy sitzen?'Das Kind kann doch laufen!'
Und sowas halt.

Sicher ist der Buggy auch eine Erleichterung für mich,jedoch auch eine Sicherheit für Julian.


Kennst das jemand?
Wie ist es bei euch?

Liebe Grüße

Jamjam

Beitrag von arienne41 10.04.10 - 10:26 Uhr

Hallo

Da konter doch am besten gleich

Auf die Frage:'Das Kind kann doch laufen!'

Sag einfach das es schön wäre wenn er es könnte aber er kann es nicht.

Danach würde ich mich abwenden.

Natürlich ist der Buggy auch eine erleichterung für dich was legitiem ist und auch der Sinn von Buggys.




Beitrag von 3erclan 10.04.10 - 11:00 Uhr

Hallo

ich denke dass die Leute so reagieren weil man es ihm nicht ansieht was ja ein Glück ist.
Denke dass sie bei einem Rehabuggy anders reagieren würden.
Meiner ist auch 4 ist aber nur hyperaktiv und hat 2 Wahrnehmunggstörungen.
Hast du einen Kiga platz??
Ich bin auch alleinerziehen und es schlaucht einen ganz schön wenn man Tag und Nacht für sein Kind da zussein was mehr einen braucht.
Hast du KOntakt zu einer SHG??

lg

Beitrag von krokolady 10.04.10 - 12:19 Uhr

so dumme Sprüche höre ich auch öfters Mal.

Kimberly ird bald 5, ist recht groß für ihr Alter, und sitzt auch meist im Buggy......aber bereits in nem Reha-Buggy.
Trotzdem erkennen nur wenig Leute das es nen Reha-Buggy ist......die meisten sehen nur das große Kind.
Und wenn sie dann mal etwas läuft sehen die Leute das sie ja laufen kann........und da kommen dann halt die meisten Sprüche.

Das meine Tochter aber eine Gang- und Standataxie hat wird nur selten gesehen.
Ausserdem schafft sie keine großen Strecken am Stück, weil sie ziemlich hypoton ist, und nicht die Kraft hat lang zu laufen. Sie läuft auch recht langsam und stolpert oft.
Zudem darf sie sich nicht anstrengen........also setze ich sie eh lieber in den Buggy anstatt sie laufen zu lassen.

Wenn wir manchmal nur 200 Meter laufen müssen, z.B. zur Kia, dann trage ich sie auch oft..........oha.....die Blicke der Leute dann sind echt göttlich.

Mittlerweile halte ich mich nicht mehr lang mit Erklärungen auf. Wenn einer was sagt kommt von mir nur
"Mein Kind ist behindert und nicht so gut zu Fuss"

Habt ihr einen Reha-Buggy?
Wenn nicht.....beantrag einen - die sind doch etwas "behindertenfreundlicher"

Beitrag von fruehchenomi 10.04.10 - 17:09 Uhr

Lass die Leute quatschen ! Enkelmaus Leonie ist knapp 3 1/2 aber noch sehr klein ( Frühchen) und ermüdet manchmal recht schnell. Kann auch von ihren Hüftproblemen kommen, manchmal schmerzen ihr auch die Knie. Das sieht ja auch keiner. Sie läuft dann einfach keinen Meter mehr.
Meine Tochter hat selbst Wirbelsäulenprobleme und trägt den kleinen Brocken dann auch nicht mehr rum.
Also - im Zweifelsfall (bei Ausflügen) ist ein Buggy dabei und fertig.
Würde jemand sagen "iiih die kann doch laufen " würde ich sagen "na und ? was geht SIE das an ?"
Aus die Maus.
Lass Dich nicht ärgern. Wir müssen uns nicht "vor den Leuten" rechtfertigen, die sollen sich um ihren eigenen Kram kümmern.
LG Moni

Beitrag von tinaxx 11.04.10 - 20:23 Uhr

Hallo!

Das Problem hatte ich mit meiner Tochter auch. Sie hat eine Querschnittssymptomatik bedingt durch einen Tumor am Rückenmark und kann bis heute (sie ist 6 1/2 Jahre alt) nicht frei laufen, nur mit Hilfe von Stöcken. Mittlerweile fragt keiner mehr, die Reha-Karre weist drauf hin, dass sie gehbehindert ist.

Früher war ich auch dünnhäutiger, habe mir dann aber eine Standard-Antwort ("Sie ist stark gehbehindert, wäre fast querschnittsgelähmt gewesen.") angewöhnt. Danach hat fast keiner mehr weiter gefragt...

Überleg dir eine für euch passende, knappe Antwort und lass die Leute ansonsten reden ;-)

LG,
Tina.

Beitrag von biene21083 12.04.10 - 08:55 Uhr

Hallo,

mein Sohn war mit 4 auch noch im Buggy.
Er konnte auch noch keine weiten Strecken laufen. Er ist auch noch recht gross. Kommentare bekam ich nicht, aber die Blicke. Vor allem, weil der grosse Junge geschonben wurde und die kleine Schwester nebenher lief.

Mehr Kommentare bekam ich, wenn Luca seine Anfälle bekam. Zb wenn sich ein gewohnter Weg verändert hat. Oder eine Bahn fiel aus und wir sind mit einer anderen gefahren. Am Anfang habe ich immer erklärt, warum es so ist, aber hinterher war mir dann alles egal, und habe gar nichts mehr gesagt. Ausser wenn jemand mal nett gefragt hat, was denn los sei, habe ich was erzählt. Ich muss mich nicht ständig für die Behinderung meines Sohnes entschuldigen!

Mit 5 war der Buggy komplett weg. und er läuft jetzt schon richtig weite Strecken.

Hier bei Urbia ist es auch leider sehr verrufen, nach den 2. Geburtstag noch einen Buggy zu benutzen. Aber die haben alle keine Ahnung.

Lg Maja

Beitrag von anna031977 18.04.10 - 11:21 Uhr

wenn du es schaffst sag einfach, weil er gehandicapt ist und nicht laufen kann. Und dann die Leute weiter anschauen, damit Du siehst wie peinlich es ist.

Ich habe zwar gesunde Kinder, aber mit Zwillingen darf man sich auch manchmal doofe Sprüche anhören, gerade in stressigen Situationen.

Ich hab schon gesagt: quatschen Sie nicht, fassen Sie lieber mit an oder wenn Sie so viel Zeit haben, können Sie mir ja helfen

Man muss die Leute selbst peinlich berühren.

Aber es ist halt auch oft schwer schlagfertig zu reagieren außerdem nervt es auf die Dauer...

lg

Beitrag von luje 19.04.10 - 17:56 Uhr

Mein Sohn hat eine Cerebralparese und hat erst relativ spät laufen gelernt (kurz vor seinem 2. Geb)

Dazu ist er auch noch sehr groß und hat bis 3 im Buggy gesessen.

Es war für uns beide die einfachste und für mich auch die stressfreiere und zügigere Lösung.

Wenn jemand blöd geguckt hat - sein Problem.

Beitrag von archer 21.04.10 - 14:08 Uhr

Hallo Jamjam,
ich habe diese Sprüche auch so satt. Ich höre mir das seit über 2 Jahren an. Meine Tochter wird bald vier und ist schon immer sehr groß für ihr Alter. Sie begann aber erst im Alter von 26 Monaten zu laufen.
Am schlimmsten war es, als ich mit der Kleinen schwanger war. Wenn ich meine Große auf dem Arm trug mit dem dicken Babybauch, dann habe ich ständig gehört. "Du mußt jetzt aber laufen." "Du bist doch schon zu groß zum tragen." Jeder hatte einen dummen Spruch auf den Lippen, aber keiner hat mal geholfen.
Heute läuft die Kleine nebem dem Buggy der Großen und die Leute schauen immer noch komisch. Ich reagiere aber nicht darauf. Auf die Sprüche antworte ich nur noch, wenn ich einen schlechten Tag habe. Dann jedoch nicht sehr freundlich. :-P
Versuch es zu ignorieren. Es geht die anderen gar nichts an.
LG
Claudia