Schimpfwörter abgewöhnen...

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von chaoskati 10.04.10 - 08:48 Uhr

Hallo...

Jetzt war ich kurzzeitig mal erleichtert, dass sich mein Sohn (3,5J.) das ekelhafte Spucken abgewöhnt hat, und schon kommt die nächste Unart... #schock

Er hat aus dem Kindergarten ein sehr nettes Schimpfwort mitgebracht, das so gar nicht geht (A...loch)!
Und ich bin bisher immer sehr gut damit gefahren, das einfach zu ignorieren und ihn mit anderen Sachen abzulenken. Leider ist aber der Nachbarsjunge in der gleichen KiGa-Gruppe und dessen Mutter macht da immer ein riesen Gewäsch drum, wenn ihr Herr Sohn diesen Ausdruck verwendet. Meiner hat es natürlich jetzt auch spitz gekriegt, dass die Erwachsenen dadurch in Rage versetzt werden können und meine bisherigen Maßnahmen lassen ihn nun kalt. :-[

Suche Tipps, wie ich das erfolgreich einstellen könnte, ohne nen riesen Wind drum zu machen, denn dadurch wird es ja sowieso nur interessanter!

Gruß Kati

Beitrag von barbarelle 10.04.10 - 10:10 Uhr

Hallo Kati,

als meine in der Phase war und ignorieren nicht mehr half, hab ich ihr klipp und klar gesagt, dass ich diese Wörter nicht mehr hören will.

Es hat geholfen. Aber heisst bei weitem nicht, dass es dann für immer so bleibt. Irgendwas neues kommt bestimmt ;-)

LG
Barbarelle

Beitrag von tuttifruttihh 10.04.10 - 10:56 Uhr

Bei Euch ist es noch relativ einfach damit umzugehen, weil keine Respektsperson dieses Wort benutzt, sondern lediglich andere Kinder. In der Familie meines Mannes fallen A***loch und noch wesentlich schlimmere Wörter täglich. Meine Nichte hat also mit 3 schon den Mittelfinger benutzt und mit 4 kannte sie das F-Wort. Mir grauts jetzt schon davor, damit in ein paar Jahren konfrontiert zu werden. Meine Maus kommt erst in 1-2 Wochen zur Welt, ein bisschen Zeit haben wir noch. Aber wie erklärt man einem Kind, dass die Oma bzw. Tante (also gewisserweise Vorbilder) Wörter sagt, die man nicht sagen darf? Ein Glück vertritt mein Mann meine Ansichten und wird wohl nochmal ein Wörtchen mit seiner Mutter reden...

Lg

Beitrag von abenteuer 12.04.10 - 02:34 Uhr

Ganz einfach: sollte soetwas vor deinem Kind gesagt werden, mach die Oma/Tante darauf aufmerksam, dass man solche Wörter nicht vor dem Kind sagt.
Sollten sie das ignorieren, vermeide den Kontakt und erkläre genau warum und das sie dein Kind nur sehen können, wenn sie solche Ausdrücke in ihrer Gegenwart vermeiden.
Stehe voll und ganz dahinter.

Mein Sohn (4) ist übrigens empört, wenn jemand das A - Wort (oder ein anderes Schimpfwort) benutzt und sagt der Person das auch deutlich :-p

lg abenteuer

Beitrag von jazzbassist 10.04.10 - 11:39 Uhr

Also zunächst einmal gehört zu „ignorieren“ natürlich schon, dem Kind klar und deutlich zu vermittelt, dass es diese Worte nicht sagen darf. Und auch - warum: Weil sie verletzend sind. Das funktioniert am besten, wenn die Situation nicht gerade auf 180 ist und er nicht schon 300x das Schimpfwort verwendet hat. Suchen Sie sich einfach eine ruhige Minute im Abendritual, wenn Sie ihn ins Bett bringen und noch mal ganz lange mit ihm gekuschelt und geschmust haben. Machen Sie ihm hier einfache keine Vorwürfe und versuchen es über den ganz friedlichen Weg, dann wird er sich nicht angegriffen fühlen. Wenn Kinder sich hier sicher und geborgen fühlen, sind sie für so etwas eigentlich ganz offen.

Kinder wissen eigentlich instinktiv, dass irgendetwas mit diesen Worten nicht stimmt. Darum testen sie diese in der Erwachsenenwelt aus. Sie stellen fest, dass sie damit die sofortige Aufmerksamkeit der Erwachsenenwelt bekommen; und da Kinder - was Aufmerksamkeit angeht - rein egoistische Wesen sind (sie können davon nie genug haben), beginnt dort ein interessanter Kreislauf. Die Umwelt (Kindergarten, Supermarkt, Nachbarn, Verwandte, Passanten, andere Eltern etc.) reagieren hier völlig unterschiedlich, wenn ein 3.5-Jähriger plötzlich „Arschloch“ schreit. Am lustigsten ist das in einem vollen Supermarkt; weil es plötzlich ganz still wird und sie am roten Gesicht eines Erwachsenen die Eltern identifizieren können; wenn ihr Kind älter ist und das wieder sein lässt - werden Sie das auch mit Humor sehen. Sie können diese Reaktion der Umwelt aber nicht vermeiden, daher bringt ignorieren alleine hier oftmals sehr wenig.

Zu ignorieren gehört eigentlich, den Kreislauf umzudrehen. Also zum einen natürlich zu versuchen, dem negativen Verhalten keine Beachtung zu schenken, dafür aber vor allem, dem positiven Verhalten besondere Beachtung zu schenken. Versucht er mit diesen Wörtern z.b. etwas zu erreichen (Süßigkeit bekommen, Trinken etc.) ist der Part von ignorieren hier also, ihn mit normaler Stimme in seiner Wortwahl zu korrigieren und ihm das, was er haben möchte, erst zu geben, wenn er sich hier freundlich artikuliert und ansonsten nicht weiter darauf einzugehen. Auch zum ignorieren gehört aber, wenn er dann ganz freundlich fragt: „Darf ich bitte ein Stück Schokolade haben“ sie dieser „Freundlichkeit“ natürlich Beachtung schenken: „Das finde ich aber lieb von dir, dass du so freundlich fragst. Wie ein großer Junge *knuddel*“

Erst diese Ergänzung macht das ignorieren sinnvoll. Pragmatisch ausgedrückt ist das ganz einfach. Wenn „Will Trinken, Arschloch“ und „Darf ich bitte ein Glas Milch haben“ bei Ihnen zur gleichen Reaktion führen, gibt es ja keinen Grund, mit der ersten Variante aufzuhören. Erst Recht nicht, weil andere „Erwachsene“ auf die erste Variante wahrscheinlich ganz anders anspringen würden; wie z.B. ihre Nachbarin. Erst, in dem sie das positive Verhalten bestärken, machen Sie das negative Verhalten uninteressant. Mit 3.5 fehlt ihrem Sohn nämlich entwicklungstechnisch noch eine ganz entschiedene Fähigkeit: Er ist neurologisch noch nicht in der Lage, aus Liebe zu Ihnen etwas zu Tun oder zu Unterlassen aufzuhören.

Diesem Grundgedanken liegt eigentlich auch ein Belohnungssystem zu Grunde. Auch hier können Sie ihm in der Küche am Kühlschrank - weit unten, so dass er ihn gut sehen kann - einfach einen Smiley-Kalender anbringen. „:-)“ für freundliches Verhalten und „:-(„ für weniger schönes Verhalten. Die Smileys haben zum einen den Vorteil, dass Kleinkinder diese „toll“ finden, zum anderen müssen die nicht mal zählen können, um zu wissen, ob die mehr „:-)“ oder „:-(„ haben. Er sollte die freundlichen Smileys auch selbst ankleben dürfen; das macht Kindern Spass und motiviert sie, selbst auf ihre Wortfahl zu achten. Als Belohnung würde ich ihm am Ende des Tages, wenn er mehr „:-)“ als „:-(„ hat, z.B. einfach noch eine zweite gute Nachtgeschichte vorlesen. Zeit mit den eigenen Eltern verbringen zu können ist für ein Kind die größte nur vorstellbare Belohnung. Außerdem haben auch 3.5-Jährige bereits erkannt, dass „große Jungs“ später ins Bett gehen, als kleine Jungs. Sie assoziieren mit der zweiten Geschichte - was ja gleichsam mit „länger aufbleiben“ ist - schon „größere“ Jungs zu sein. Das kann die ebenfalls motivieren, dass zum „große Jungs“ sein auch gehört, keine Schimpfwörter zu verwenden.

Kinder können solche Schimpfwörter natürlich immer mal rausrutschen; völlig unschuldig und unabsichtlich. Zumal Schimpfwörter immer noch interessant i.S.v. „sie klingen lustig“ sind. Kinder kennen diese Worte nicht und wollen Sie natürlich kennenlernen. Von daher kann man das z.B. mit einem Ritual verknüpfen. Sie könnten ihm morgens z.B. erlauben, ein Schimpfwort ganz laut ins Kopfrissen zu schreien. Ihrem Kind wird das Spass machen und sie haben immer den passenden Überblick darüber, welche Schimpfwörter im Kindergarten gerade aktuell sind. So können Sie mit den anderen Eltern mitreden :-p Sie können ihm danach auch spielerisch zur Strafe durchkitzeln; weil er ja ein Schimpfwörter verwenden darf. So assoziieren Kinder damit, dass es in genau dieser Situation einfach nur eine gespielte Rolle ist, und, dass sie dies in einer anderen Situation eben nicht tun dürfen. Das darf man einem Kind nach dem durchkitzeln natürlich noch mal ganz friedlich sagen ;-)

Ich habe von anderen Eltern öfters mal gehört, dass die ihre Sprösslinge, wenn denen mal im Alltag eher unabsichtlich so ein Schimpfwort rausgerutscht ist, einfach auf die Toilette geschickt haben, wo sie dieses „böse“ Wort runterspülen mussten. Das mag für uns Erwachsene vollkommen sinnlos und dämlich erscheinen; für ein Kind kann es aber ein sehr schönes Ritual sein, sich langsam daran zu gewöhnen, diese Wörter nicht mehr zu verwenden. Es gibt hier wirklich unzählige Möglichkeiten, einem Kind solche Schimpfwörter wieder abzugewöhnen; es bedarf oftmals nur 2-3 Tage Zeit. Aber durch ignorieren alleine klappt das nicht.

Beitrag von chaoskati 10.04.10 - 12:31 Uhr

Er verwendet die Worte fast ausschließlich in Situationen in denen er sich ärgert, wütend ist. Wenn er was machen soll, das er nicht will etc.
Das war ja damals beim Spucken schon genau das selbe!
Der Vorschlag mit dem "ins Kissen schreien" hat mir sehr gut gefallen! Und die Smiley-Geschichte haben wir sowieso schon am laufen...

Vielen Dank, dass man von Ihnen immer solche kompetente und nette Antworten bekommt!

Schönes Wochenende ***Kati***

Beitrag von qayw 10.04.10 - 23:15 Uhr

Hallo,

ich mache es so, daß ich nur sage, daß man das nicht sagt, wenn Merle (knapp 3) das Wort einfach so in den Raum wirft, ohne groß darauf einzugehen.

Wenn sie zu mir Blödmann sagt (A...loch kennt sie noch nicht.), kann sie ihren nächsten Aktivitäten alleine machen. Blödmänner lesen ihr nämlich nichts vor, spielen nicht mit ihr, helfen ihr nicht... Bisher hat das immer gut geklappt, und sie hat sich entschuldigt.
Wenn sie solche Worte benutzt, weil sie sauer auf uns ist und in dem Moment nicht auf obige Taktik reagiert, landet sie auch schonmal in ihrem Zimmer. Das liegt dann aber nur teilweise an dem Wort und hauptsächlich an ihrem sonstigen Benehmen.

Wenn sie zu anderen Leuten solche Sachen sagt, werde ich richtig sauer. Dann muß sie sich entschuldigen.

LG
Heike