Brauche Rat *lang*

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von belebice 10.04.10 - 13:47 Uhr

Hallo ihr lieben!
Ich hoffe, ihr könnt mir gerade mal schnell mit Rat und tat zur Seite stehen...

Folgendes: Gestern kam meine Tochter (9 Jahre) zu mir mit einer kleinen hübschen Dose und den Worten: " Die hat L. mir geschenkt (Mädchen, 5 Jahre/unmittelbare Nachbarschaft). Das habe ich bereits mit den Worten kommentiert, dass ich garnichts davon halte, dass die Kidz sich untereinander Dinge schenken ohne das mit den Eltern abzusprechen. Mit diesen Worten habe ich das GAnze zunächst ruhen lassen. Bis heute morgen....(warum auch immer#klatsch), da klingelte L. dann an unserer Türe und fragte meine Tochter zunächst, ob sie mit aufs Trampolin käme. Meine Tochter bejahte das. Ich bekam durch Zufall das Gespräch der beiden Mädchen mit

O-Ton
L.: Hast du gestern meine Dose genommen?
Celina: Nein, die habe ich nicht genommen!
L.: Ich glaube aber wohl!
Celina: Aber du hast sie mir doch geschenkt!
L.: Mmmmh...

Ich rief Celina dann kurz zu mir und fragte sie, was das zu bedeuten hätte. Sie sagte mir nochmals, sie habe die Dose nicht genommen, sie wäre ihr geschenkt worden. Dann ging sie, bevor ich weiter reagieren konnte, nach draußen. Ich konnte ihr nicht direkt hinterher, weil ich gerade dabei war mein Baby zu füttern.
So..., es vergingen knappe 5 Minuten, da stand meine Tochter mit Tränen in den Augen vor mir. Auf meine Frage was denn los sei, sagte sie nur, sie hat die Dose NICHT geklaut, aber die Nachbarn würden ihr nicht glauben und sie dürfe jetzt nicht mehr dort ins Haus, hätte der Dad gesagt (hat er gestern auch im Brast zu seiner Frau gesagt, und L. hat es wohl so weitergeleitet an meine Tochter)
Und schwupps, war sie wieder weg, und ich stand zunächst dort wie ein begossener Pudel (immer noch Baby fütternd). Ich brachte dann die Minimaus ins Bette, orderte meinem Mann auf diese zu achten und machte mich auf den Weg zur Nachbarin um zu fragen, was genau dort vorgefallen ist. Die erzählte mir dann folgende Variante...., Ihre Tochter L. kam gestern abend zu ihr mit den Worten:" Celina hat genau die gleiche Dose wie ich, und die hat sie selber gebastelt#kratz! Ihre Mama wollte dann wissen, welche Dose das denn ist und forderte L. auf, ihre doch einmal zu holen. L. kam dann mit leeren Händen zurück, sagt aber mittlerweile, dass sie nicht mehr weiß ob sie Celina die geborgt/geschenkt o.ä. hat.
So...., jetzt bin ich in der Zwickmühle...., ich finde es schon sehr komisch, dass meine Tochter dem Mädchen L. erzählt, sie hätte die Dose selber gebastelt (zumindest hat L. das wohl so aufgefasst). MIr erzählte sie aber, L. habe sie gebastelt.... So..., ich will meinem Kind absolut nix böses, aber mir kommt das Ganze echt spanisch vor, zwar spielen die beiden schon wieder auf dem Trampolin, und die Mutter von L. sagte mir auch, wir sollen dem nicht allzu viel Bedeutung beimessen, aber ich komme da jetzt echt nicht drüber weg. Möchte auch später (wenn die Ruhe eingekehrt ist), nochmals mit Celina sprechen. Jetzt weiß ich aber nicht wie ich das anstellen soll. Ich will ja, dass sie die Wahrheit sagt..., auch wenn sie die Dose geklaut hat. Man sollte meinen, ich als Erzieherin hätte ein Patentrezept...., aber ich muß gestehen, ich bin zum allerersten Mal völlig ratlos. Ich will ja auch nicht, dass sie denkt, ich würde ihr nicht vertrauen

Och Menno, habt ihr ne Ahnung, wie ich das anstellen könnte, lG Bianca

Beitrag von jazzbassist 10.04.10 - 14:51 Uhr

Ich bin auch der Meinung, dass sich Kinder untereinander nichts schenken/leihen sollten, ohne das das mit den Eltern abgesprochen ist; erst Recht bei diesem Altersunterschied. Denn bei 2 Kindern, 4 Eltern und x Geschwistern kann das Erfahrungsgemäß eigentlich nur schief gehen; wie nun bei Ihnen :-p Meine Lösung beim nächsten mal wäre zumindest, dass Kind dann wieder mit dem „vermeintlichen“ Geschenk und den Worten „Das darfst du leider nicht annehmen“ zurückzuschicken.

Ansonsten befürchte ich, dass sie die Wahrheit so 100%tig nicht mehr erfahren werden. Mein Bauchgefühl als objektiver Betrachter (ohne die Situation und die Beteiligten zu kennen und jemanden die Schuld zu geben) würde mir hier sagen, dass sich das ältere Kind hat etwas von dem jüngeren Kind schenken lassen und da etwas mit dem Altersvorsprung gearbeitet hat, um dieses Ziel zu erreichen. Ich denke, die kindliche Wahrnehmung des Tatbestandes (Schenken, Klauen etc.) gehen hier einfach eins in eins über und können von dieser Altersgruppe noch nicht so wirklich sicher auseinandergehalten werden.

Aber völlig unabhängig davon, was wirklich vorgefallen ist, hat ihrer Tochter ja anhand der unterschiedlichen Reaktion des beteiligten Kindes und den Erwachsenen ja bemerkt, dass es vielleicht keine gute Idee ist, sich etwas von einem 5-Jährigen Nachbarskind „schenken“ zu lassen. Über diesen Weg würde ich versuchen, abends an sie ran zu kommen. Ihr einfach erklären, dass eine 5-Jährige noch keine so gute Vorstellung von Geld, Wert und Besitzt hat und man deshalb materielle Geschenke nicht annehmen sollten. Da auch die Eltern dieses Kindes oftmals noch eine ganz andere Vorstellung davon haben, ob das Kind etwas verschenken darf oder nicht. Notfalls sollten sie die Erwachsenen hier um Erlaubnis fragen, ob das in Ordnung geht. Ein 5-Jähriges Kind kann ja wirklich freiwillig etwas verschenken und wenn es dann merkt, dass die Eltern deswegen ganz doll schimpfen, dann sicherheitshalber doch eine andere Meinung vertreten (die des nichts-schenkens). Ich denke, dass sind alles Sachen, die man einer 9-Jährigen hier sehr gut erklären kann.

Wie Kinder auch in unangenehmen respektive schwierigen Situationen bei der Wahrheit bleiben, hängt sicherlich von den bisherigen Erfahrungen und dem Kind selbst ab. Ich denke mal, bei einer normalen 9-Jährigen wäre ein Motiv der „nicht-Wahrheit“ einfach, seine Eltern nicht enttäuschen zu wollen. Ein Kind weiß also, dass es da irgendwas ganz doofes angestellt hat; hatte diese Konsequenzen vorher aber nicht bedacht. Ich finde das ganz typisch für diese Altersgruppe. Kinder lernen hier einfach aus der Erfahrung. Dieser Prozess des erwachsen werdens durch Fehler ist ihnen aber gar nicht so bewusst; welches Kind gibt die auch schon gerne zu?

Bei meinem Spatz hat oftmals geholfen, einfach mal eine Geschichte aus der Kindheit seiner Eltern zu hören (irgendwie haben wir ja die meisten Situationen auch selbst mal durchlebt), ohne ihm da irgendwelche Vorwürfe oder Anschuldigungen zu machen, einfach als eine kleine Moral. Und ihm danach einfach noch mal gesagt, dass ich gerne noch mal seine Sicht der Dinge hören würde und ihm dabei noch mal gesagt, dass, egal was er mir dabei erzählt, ich ihm glaube, wir danach dann noch mal ganz toll knuddeln und das Thema dann vergessen ist und wir schlafen gehen. Ihm also einfach unbewusst klar zu machen, dass ich stolzer auf ein Kind bin, dass einen Fehler macht und diesen einfach zugeben kann, als hier einfach die Wahrheit etwas zu biegen und so zu tun, als ob man alles richtig gemacht hätte. Und dem Kind hier einfach noch mal die Angst vor einer „Strafe“ oder „enttäuschten Eltern“ zu nehmen. Die letzten 11 Jahre hat das bei uns ganz vortrefflich funktioniert. Selbst wenn einem dann wirklich mal etwas „spanisch“ vorkommt, kann man sich eigentlich ziemlich sicher sein, dass es zumindest kein zweites Mal mehr vorkommen wird. Das ist das schöne an Fehlern - man lernt aus ihnen! Ich würde in Ihrer Situation also auf gar keinen Fall anfangen, da zu versuchen, irgendetwas "hineinzuinterpretieren".

Beitrag von belebice 10.04.10 - 20:55 Uhr

Hallöchen

Zunächst einmal vielen lieben Dank für diese ausführliche und tolle Antwort. Es hat sich so ergeben, dass ich meine Tochter heute, am späteren Nachmittag nochmals darauf angesprochen habe..., ich habe ihr gesagt, dass ich ihr gerne glauben möchte in dieser Situation, es mir aber arg schwer fällt, weil sie L. halt gesagt hat, sie habe diese Dose selber gebastelt. Und sowas sagt halt nur wer, der verheimlichen möchte, dass das eben die besagte Dose ist. Da fühlte sie sich von mir ertappt und gestand unter Tränen, dass sie die Dose genommen hat. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich es sehr schlimm finde, dass sie das getan hat, zumal sie so manipulativ auf die kleine L. eingeredet haben MUSS, dass diese die Variante von meiner Tochter ja schon glaubte. Ich habe sie außerdem gefragt, wie sie sich das jetzt weiter vorstellt. Da ich nicht einsehen würde, dass L. ihren Kopf hinhalten müsse, weil sie sich nicht mehr einig ist, was sie nun genau gesagt hat. Ich habe sie tatsächlich nach nem konstruktiven Lösungsvorschlag ihrerseits gefragt. Ebenso habe ich ihr gesagt, dass es mir auch schwerfallen würde, jemanden ( und wenn auch nur ein Kind) in meinem Hause spielen zu lassen,w enn ich wüßte, das Kind stiehlt. Soooo..., sie konnte mir natürlich keine Lösung vorschlagen, ich habe ihr gesagt, sie solle noch mal genauer über die Situation nachdenken und wir würden später nochmals darüber reden (wenn sie sich beruhigt hat). So...., dann habe ich versucht mir meine Enttäuschung nicht allzu doll anmerken zu lassen (ob mir das so gut gelungen ist weiß ich leider garnicht :( ). Heute am späteren Nachmittag frug sie mich dann, ob sie zu L. könne und ich habe ihr gesagt, das erst noch etwas zu klären sei. Im Hinterstübchen hatte ich letzten Endes, dass sie ein wenig Geld von ihrem Taschengeld nimmt (als kleine Sanktion sozusagen) und davon für die Mama ein kleines Blümchen für die Lüge und für L. ein kleines Spielzeug für den Diebstahl kauft. Damit wären wir dann zu der Familie gegangen und sie hätte alles wieder gut machen können. Jetzt ist es aber so, dass sie ohne mein Wissen rüberstürmte, alles gestand, sich entschuldigte und stolz wie Oskar zu mir gerannt kam. Sie wollte, dass auch ich stolz auf sie bin und ich habe ich gesagt, dass es eine Selbstverständlichkeit sei, sie für so einen Blödsinn zu entschuldigen und das ich sie dafür gewiss nicht lobhuldige. Ich glaube, das war verkehrt (nein..., ich bin mir sicher), aber irgendwie hat sie sich wieder nicht an Absprachen gehalten. Ach ich weiß auchnicht...., fühle mich echt n bißchen komisch in meiner Haut, erst recht, nachdem ich ihren Text gelesen habe, da er so richtig erscheint und ich wieder viel zu emotional und logischerweise auch subjektiv drin stecke. Jetzt muß ich wohl, glaube ich, über meinen Schatten springen, und meiner Tochter doch vermitteln, das ich stolz auf sie bin, dafür das sie das selbstständig gemanagt hat. Das ich es mutig finde, das sie den Diebstahl mir gegenüber zugegeben hat, habe ich ihr schon gesagt


LG BIanca

Beitrag von lisasimpson 11.04.10 - 00:30 Uhr

"Jetzt muß ich wohl, glaube ich, über meinen Schatten springen, und meiner Tochter doch vermitteln, das ich stolz auf sie bin, dafür das sie das selbstständig gemanagt hat"

das finde ich aber auch!

Mensch- sie hat nen fehler gemacht und versucht ihn wieder gerade zu biegen- das ist es doch, wa zählt, oder?!

Alles Liebe und viel ruhe, geduld, liebe und humor bei dem gespräch morgen
lisaismpson

Beitrag von belebice 11.04.10 - 11:46 Uhr

#hicks Dankeschön, manchmal echt blöde, dass man seine Emotionen nicht zu 100% in Griff hat:-(
Lg

Beitrag von lisasimpson 11.04.10 - 12:19 Uhr

na dann wäre das leben doch laaaangweilig!

lisasimpson

Beitrag von fruehchenomi 10.04.10 - 17:18 Uhr

Ich habe meinen Kindern damals STRIKTESTENS VERBOTEN, was zu verschenken oder Geschenke anzunehmen. Mein Sohn hat einmal MEINE Zinnsoldatensammlung meines Opas verschenkt - gegen eine Tüte Gummibärchen..... Meinen Tobsuchtsanfall hat man wohl häuserweit gehört. #wolke
Und der andere Junge gab sie erst wieder raus, als ihn sein Vater entsprechend am Genick packte #zitter Ab da waren gegenseitige Geschenke (außer natürlich zu Kindergeburtstagen) verboten - und wir sind alle gut damit gefahren. Die zahlreichen Kinder in der Nachbarschaft und die Eltern mit - wir hatten das alle so abgesprochen.
So kam es erst garnicht zu Erklärungsnöten.
Ich würde die Dose zurückgeben lassen und mit den Eltern einfach absprechen, um Mißverständnisse zu vermeiden, wie sie immer mal unter Kindern passieren können - es auch so zu handhaben.
LG Moni

Beitrag von ja-wer-schon 10.04.10 - 19:57 Uhr

Liebe Bianca,
ich kann mir vorstellen, daß sich der Sachverhalt so genau gar nicht mehr nachvollziehen lässt.
Ich hab meinen Jungs irgendwann gesagt, verschenken und Geschenke annehmen, dürfen sie nur nach vorheriger Absprache mit mir. Denn ich denke, sowas kommt bei den meisten mal vor.
Ich würde dem Kind erklären, daß es die Dose zurückgeben muss, und falls sie wieder mal ein Geschenk mitbringt, das unverzüglich mit der anderen Mutter abklären.
Mein Sohn hat mal ein teures Playmobil verschenkt, ich hab dann die Mutter angerufen, mit ihr gesprochen, wir haben die Sachen zurückbekommen und die Sache war erledigt.
LG
C.