Tochter 1,5 Jahre beißt Mama und Papa und...

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von cat2011 11.04.10 - 13:11 Uhr

... hört trotz strafe nicht auf.
Meine Tochter ist jetzt 19 Monate,. Sie beißt mich nun schon seit ein paar tagen immer mal wieder. Gestern in den arm, dass es blutete, heute mittag in die Lippe bis blut kam. Ha schon verschiedene strafen ausprobiert: Schimpfen, auf den Boden setzen, in ihr zimmer setzen, in ihr Bett legen, einen klapps auf den Windelpo.... Aber nichts bringt etwas. Ich frag mioch immer was ich falsch gemacht habe. Kennt das jemand und was soll und kann ich tun damit es aufhört?
Danke Cat2011 die langsam echt verzweifelt...

Beitrag von gini1 11.04.10 - 13:40 Uhr

Hi,

einfach ruhe bewahren.

Mein Sohn hat es auch gemacht. Er hat sogar andere Kinder gebissen. #schwitz

Ich hab ihm im strengen Tonfall gesagt das er das nicht darf. Er musste sich bei dem Kind entschuldigen (Pusten, streicheln was Kinder in dem Alter halt so machen).

War er auf meinem Arm und hat gebissen, hab ich auch gesagt das niemand beißt und ihn abgesetzt.

Es hat sich Gott sei dank von alleine gelegt. Nach einiger Zeit.

Liebe Grüße

Carola

Beitrag von jazzbassist 11.04.10 - 14:22 Uhr

Das menschliche Gehirn lernt leider nur durch Wiederholungen. Das können Sie ganz leicht im Selbstexperiment feststellen: Kaufen Sie sich ein Musikinstrument, dass Sie nicht spielen können und versuchen Sie darauf ihr Lieblingslied darauf zu spielen. Es klappt nicht; völlig unabhängig davon, ob ihr Musiklehrer schimpft, sie auf den Boden setzt, ins Zimmer setzt, ins Bett legt oder einen klapps auf den Po gibt. Die einzige Möglichkeit, es zu lernen, ist, es immer und immer wieder zu wiederholen - bis es irgendwann besser wird.

Auch Ihre Tochter wird so ihr ganzes Leben lang lernen. Sei es das Fahrradfahrer, das Schwimmen, Lesen, Rechnen und Schreiben oder das Autofahren. Sie muss es immer und immer wieder wiederholen, bis es irgendwann funktioniert. Auch Sozialverhalten ist etwas, womit ein Kind nicht auf die Welt kommt sondern erst mühselig erlernen muss. Die Evolution hat Jahrtausende gebraucht, diese Regeln zu manifestieren - so normal, logisch und einfach sie für uns Erwachsene auch erscheinen mögen. Für ein 19 Monate altes Kind ist das nichts anderes, als Sonaten von Haydn am Klavier zu spielen, Lesen, Rechnen, Schreiben, Schwimmen oder Radfahren zu lernen.

Es sind eigentlich unlösbare Aufgaben, die mit viel Liebe, viel Übung und viel Zeit und sehr viel Geduld aber jedes Kind wird erlernen können. Bei einem beißenden Kleinkind (was wirklich normal ist, dass es das tut), wäre eine Lösung hier, klar und bestimmt „nein, dass tut weh“ zu sagen und sie für 1-2 Minuten auf den Boden zu setzen und vor allem - Ruhe zu bewahren; nichts macht Kleinkinder unsicherer als unruhige Eltern. So entwickelt es sich für das Kind zu einer Grenze, die es assoziieren kann: „Wenn ich Mama beiße, setzt Mama mich auf den Boden.“ Da Kinder aber bei Mama bleiben wollen, fangen die dann schnell an, Mama nicht mehr zu beißen. Hier ist also wichtig, dass Sie immer und immer wieder gleich reagieren. Sonst kann ein Kind diesen ganz bedeutenden Schluss nicht machen, wenn Sie jedes mal anders reagieren. Und dann heißt es eigentlich nur, es wieder und wieder zu probieren, bis sie es gelernt hat.

Es gibt diesen ultimativen „Jetzt ist mein Kind für immer Artig“-Schalter nicht; sie finden diesen auch bei Hobbys, Schule und Ko. nicht. Es hilft also nicht, danach zu suchen, in dem Sie immer und immer wieder versuchen, die Erziehung zu ändern (mal auf den Boden, mal ins Zimmer, mal ins Bett). Das einzige, was sie dadurch erreichen, ist, dem Kind die Möglichkeit zu nehmen, etwas falsches zu erkennen. Denn es braucht dafür nur eines - die Sicherheit zu haben: „Wenn ich Mama beiße, setzt Mama mich auf den Boden und das ist doof“. Dieser Schluss kommt halt nicht beim ersten mal. Es bedarf oftmals mehrere Wiederholung, bis ein Kind diese Sicherheit erlangt hat - wir nennen diesen Prozess „lernen“. Sie können ihn nicht beschleunigen, nur durch unterschiedliches Handeln immens verlangsamen.

Beitrag von magnoliagarden 11.04.10 - 20:35 Uhr

Eine wunderbare Antwort :) Berufsbedingt erfreuten mich besonders die musikalischen Momente.
Gruß, Magnolia

Beitrag von babybaer4 11.04.10 - 21:46 Uhr

Hallo,

sehr schön geschrieben.Die Antwort hätte ich gerne auch gehabt als mein Kleiner noch ein Beißer war.

Danke

Lg Sabine

Beitrag von woelkchen1 11.04.10 - 22:20 Uhr

Lese ihre Antworten immer wieder gerne!

lg sandra

Beitrag von worker7 11.04.10 - 22:50 Uhr

vielen vielen dank. nun weiss ich endlich wieso nix funktioniert hat......... werds bei der nächsten beissattacke meiner süssen beherzigen
lg worker7

Beitrag von nicole9981 12.04.10 - 08:53 Uhr

Ob mich ein Thema aktuell auch betrifft oder nicht: ich lese Ihre Antworten immer wieder gerne.

An die TE:
Mein Sohn hat auch gebissen. Immer wieder, mal mehr und mal weniger. Ich habe immer im strengen Tonfall "nein" gesagt und dass das aua macht. Er war damals noch kein Jahr als das anfing und ich denke noch heute dass er nur "Küssen" wollte, das aber nicht auf die Reihe gebracht hat, aber das interessiert andere Mütter ja nicht deren Kind dann mit Zahnabdrücken im Gesicht nach Hause geht. Das ließ aber bald nach. Als er dann in die richtige Beißphase kam habe ich genau so gehandelt und er erinnerte sich wohl wieder daran. Diese Phase hat jedenfalls nur ein paar Tage angehalten.

LG Nicole