Kinderpsychologen hier? Trauma bei meiner Kleinen?

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von stellamarie99 12.04.10 - 10:03 Uhr

Hallo,

Zur Geschichte...

Meine Tochter (3 Jahre) leidet seit sie 7 Monate alt ist unter extrem starker Neurodermitis.

Es wurde immer schlimmer, nichts hat geholfen. Wir haben alles versucht. das komplette 2 Lebensjahr war ihr kleiner Körper von den Füssen bis zum Kopf offen, hat geeitert, genässt, geblutet. Sie hat sich im puren Fleisch gekratzt und das stundenlang. Geschlafen hab ich mit ihr im 1/2 h Takt tagsüber, genauso nachts. Sie klebte nach einer hlben Stunde am Bettzeug fest, ständig musste ich die Kleidung wechseln und vorher einweichen, damit sie sich vom Körper lösste. Ihr sind die Haare ausgefallen, ihr Haaransatz war um 3 cm nach innen kahl, ihre Ohren haben am Kopf angeklebt, es war nur noch Quälerei für sie.

Sie verbrachte die gesamte Zeit auf meinem Schoß oder in meinen Armen im Bett und wollte gestillt werden. Spielen, malen, bateln war einfach nicht drin, die kratzerei und die Schmerzen liesen das einfach nicht zu.

Auf den Spielplatz gehen konnten wir nur, wenn niemand anderes dort spielte. Die Kinder haben sie gemieden, die Eltern haben ihre Kinder von ihr weg geniommen. Ihre Wangen waren im Durchmesser von 4 cm offenes Fleisch, da ich ihr Handschuhe aus feiner Biobaumwolle anzog und sie damit ständig rieb. Aber ihre Hände hatten extrem tiefe Risse, die nur mit einer dicken Fettschicht aus Lanolin nicht weiter einrissen.

Egal, was wir machten und versuchten, sie fand einen Weg, wie sie kratzen konnte.

Hab dann im Netz von einer Akutklinik für Hautkrankheiten gelesen, bin auch sofort aufgenommen wurden mit ihr für 6 Wochen.

Nun mussten wir am Anfahrtstag bei ihr Blut abnehmen lassen um einen großen Allergietest zu machen.

Sie hatte bis dahin leider kaum Kontakt gehabt zu fremden Menschen und reagierte deshalb schüchtern und scheu. Ich hatte sie auf dem Schoß und 4 fremde Schwestern und Ärztinnen standen um uns herum. Sie bekam Angst, ich konnte sie nicht mehr trösten. Als sie anfingen, sie anzufassen ( an ihrem Arm war kaum geschlossene Haut) bekam sie furchtbar Panik. 10 Min. haben wir alles probiert, nichts ging mehr. Ich war fertig, sie tat mir so leid. Ich wollte abbrechen, aber sie haben gesagt, ich soll rausgehen...#schock

Ich hab es dann gemacht, wollte ja das Beste für sie. Ihr sollte endlich geholfen werden.

17 Min. später haben sie mir mein völlig fertiges Kind in den Arm gedrückt.

Die ersten Tage danach war sie kaum ansprechbar, sie hat geschrien, wenn wir unser Zimmer verlassen haben. Sie hatte Angst, wenn zur Visite die Ärzte ins Zimmer kamen.

Das ist nun schon über ein Jahr her, wir waren letztes Jahr noch 2x in einer Klinik, jedesmal hab ich eine weitere Blutabnahme untersagt und Untersuchungen gingen kaum.

Seit diesem Erlebnis lässt sie sich von niemanden mehr anfassen, keiner darf sie ansprechen oder auf sie zugehen, sie bekommt sofort Panik in jeder Situation.
Sie kommt sofort zu mir, klammert sich fest, will auf meinen Schoß und sie will einfach nicht abgestillt werden.

Die Haut ist jetzt fast okay, alles zugeheilt, nur der Juckreiz ist noch etwas da und die Haut muss mehrmals täglich gecremt werden.


Wir gehen normal auf den Spielplatz und sie spielt auch super mit den anderen Kindern, da ist sie ganz aufgeschlossen, aber sobald eine fremde Erwachsene dazu kommt, ist es vorbei mit dem Spielen, dann geht nichts mehr. nettes Ansprechen der Person quittiert sie mit weinen und verstecken, ausser sie sitzt auf mir, dann versteckt sie sich nur. Wenn sie nur etwas Abstand zu mir hat und jemand kommt, seh ich die pure Panik in ihren Augen, sie rennt sofort zu mir und ihr ganzer Körper zittert.

So ist es beim Arzt, auf Behörden, bei großen Menschenansammlungen und auch, wenn wir Besuch bekommen. Egal, wie oft meine Freundinnen kommen, sie braucht mindestens 1 h um etwas aufzutauen und das jedesmal wieder.

Alleine mit uns (hab noch 3 große Kids und den Papa) ist sie völlig normal, lustig, lacht, ist frech, spielt gern mit ihnen, halt ein ganz normales Kind.

Sie sollte eigentlich bald in den Kindergarten, sie drückt sich immer die Nase platt am Zaun und will unbedingt mit den Kindern spielen.

Hab mit ihr ein Buch angeschaut über den Kindergarten, ihr ein wenig davon erzählt, bis sie die Erzieherin im Buch gesehen hat. Sie fragte, ob ich das bin, hab es ihr dann erklärt (ganz vorsichtig und positiv), nein, dort geht sie nur MIT Mama hin und sie fing sofort an zu weinen.

Noch haben wir keinen Platz, da es hier nicht so einfach ist zur Zeit, einen zu bekommen.

Aber sie muss es lernen, ganz langsam...

Wir sind alle nicht scheu, also, sie bekommt es nicht vorgelebt, da steckt, denke ich mal, doch ein Trauma dahinter.

Ich hab nun den Tipp bekommen, mit ihr mal einen Kinderpsychologen aufzusuchen und denke da immer wieder mal dran.

Denkt ihr, es ist ratsam? Nützt das was bei so Kleinen? Was wird da gemacht?

Achja, bei Stress fängt sie wieder an, sich die noch sehr empfindliche Haut auf- und auch abzukratzen. Die Kratzerei fängt sofort an, wenn sie Fremde sieht und ihr etwas Angst macht, worüber sie keine Kontrolle hat.

Vielleicht hat jemand ähnliches erlebt und möchte sich mit mir austauschen.

LG





Beitrag von silk.stockings 12.04.10 - 11:02 Uhr

Mein Sohn hatte mit 2,5 Jahren ein Traum erlebt, als sein Vater ihn entführte und mit ihm untertauchte.

Da er aus dieser Zeit noch keinen großen Wortschatz hatte, haben wir das non-verbal mit einer Tonfeldtherapie aufgearbeitet.

Wende dich an einen guten Kinderpsychologen und mach das schnell, bevor sich ihre Ängste verfestigen.

LG

Silk

Beitrag von stellamarie99 12.04.10 - 11:22 Uhr

#schock Albtraum pur!

Hatte die Therpie gut geholfen?

LG

Beitrag von silk.stockings 12.04.10 - 11:50 Uhr

Ja.

Beitrag von deoris 12.04.10 - 12:03 Uhr

Hallo
oje ,die arme Maus ,das tut mir echt leid .
Mein Sohn wurde auch durch das KH Aufenthalt traumatisiert,hat sich aber anders gezeigt ,als bei deiner Tochter.
Ich würde dir auch raten zum Kinderpsychologen zu gehen.Erst folgt meist das Einzelgespräch mit dir (oder halt mit dir und deinem Mann) bevor der Arzt dann sich das Kind ansieht.

Alles Gute für euch #klee

LG Ewa

Beitrag von italyelfchen 12.04.10 - 21:55 Uhr

Hallo,

also ich habe ja auch schon viel schlechtes von der Neurodermitis-Klinik in Gelsenkirchen gehört, weil sie sich wohl doch immer sehr auf die psychologische Schiene stürzen und das bei vielen Neurodermitikern schlicht nicht paßt, aber für einzelne betroffene Kinder paßt es evtl. doch wie die Faust aufs Auge, denke ich, und wir haben auch eine solchen Fall im Bekanntenkreis.

Die Theorie: Die Neurodermitis hat selbst schon psychologische Ursachen, Trennungsangst zum Beispiel wohl sehr häufig! Mit diesem Ansatz ist sie dann wohl auch manchmal heilbar.

Genau daran wird gearbeitet, allerdings weiß ich nicht, wie hart sie dabei vorgehen. Zum Beispiel werden Kind und Mutter immer wieder getrennt, und dem Kind soll durch positive Erlebnisse während dieser Trennungsphasen Sicherheit gegeben werden um ein Trennungstrauma zu überwinden. Leider weiß ich nicht, ob diese Trennungen durch sanfte Ablösung oder ganz rigoros vorgenommen werden und wie Du dazu stehst.
Vielleicht liest Du Dich mal in das Konzept ein!
Zum Stichwort Neurodermitis und Gelsenkirchen findet man im Netz sehr viel!

Was wurde denn bisher versucht bei der Behandlung? Half selbst Hydrokortison nicht?

Liebe Grüße
Elfchen

Beitrag von stellamarie99 13.04.10 - 07:21 Uhr

Hallo,

danke für deine Antwort.

ich hab auch schon von dieser Klinik gehört, erst nachdem ich aber in Neukirchen und in Leutenberg war.

Ich denke, du hast mich ein wenig falsch verstanden.

Also, die ND trat bei meiner Kleinen mit ca. 6/ 7 Monaten auf. Trennungsängste und andere psych. Ursachen kann ich ausschließen als Grund für die ND.

Seit ihrer Geburt hat sie bei mir mit im Bett geschlafen, ich hab mich sofort um sie gekümmert, wenn sie Bedürfnisse hatte. Hab sie tagsüber im Tragetuch gehabt, wenn sie wollte. Sie war ein tolles Baby, hat immer gestrahlt, schnell gelernt, kaum geweint, auch den Papa liebt sie.
Es ist auch nichts vorgefallen, was ihre kleine Psyche hätte anstrengen können.

Von daher kann ich das alles ausschließen. Vielmehr glaube ich, durch viele Gespräche mit den Muttis in den Kliniken, dass ND ausgelöst wird durch Allergien. Bei allen Kindern fing es nach den Impfungen an. Alle haben beobachtet, dass es danach anfing. Auch waren viele Babys im gleichen Alter und ALLE waren sie allergisch auf tierisches Eiweiß, vorallem Hühnereiweiß. Das wiederum ist Basis von Impfstoffen.

Wenn ich als Baby allergisch vorbelastet bin durch die Familie und ich komme mit 5/6 Monaten damit in kontakt, entwickelt der Körper diese Allergie und der 1. Schub kommt.

Die Ängste meiner Tochter sind genau ab dem Tag der Blutabnahme da, vorher war sie ein ganz normales Kind in Bezug auf ihre Entwicklung.

Ich werde mir das Konzept gleich mal durchlesen, aber ich als Mutter weiß am besten, in welchem Rahmen ich bei ihr die Trennung zulassen kann. Die meisten gehen nach Schema F vor und vergessen die Individualität der Personen, so war es leider auch in den 3 Kliniken, in denen wir waren.

Seit einem halben Jahr ca. ist die Haut meiner Tochter viel besser. Man sieht zur Zeit kaum noch hautauffälligkeiten. Durch viel ausprobieren haben wir das Optimimum geschafft und für uns den besten Weg gefunden, damit umzugehen.

Ob die Klinik das so beibehält ist fraglich.

Ich melde mich bei dir noch mal, wenn ich mir das Konzept durchgelesen habe.

LG

Beitrag von haruka80 13.04.10 - 22:48 Uhr

Hallo!

Ich bin zwar (noch) keine Kindertherapeutin, habe aber Psychologie als Nebenfach gehabt (Erziehungswissenschaften studiert) und mache ab Oktober ne Weiterbildung zur systemischen Kinder-Jugend und Familientherapeutin.
Schrecklich, was deine Kleine da durchmachen muß(te). Es ist wirklich ne gute Idee, wenn ihr einen Kinderpsychologen aufsucht, gerade bei Traumata in den ersten 3 Lebensjahren kann sich in der Pubertät unbehandelt eine schwere Störung entwickeln, das ist dann ne Störung die aus einem frühkindlichen Trauma entwickelt wurde, welche schwer zu bearbeiten ist,weil sich der BEtroffene einfach nicht mehr daran erinnert.
Daher: macht jetzt was, in ner Therapie wird viel gespielt, gemalt, gebastelt, einfach das Selbstbewusstsein aufgebaut und auch Expositionen wie mal unter Kindern sein ausprobiert.

Wenn du Fragen hast, kannst du mich auch gerne per PN anschreiben, lass dir ne Überweisung geben, such dir nen Therapeuten und lass es auf euch zukommen. Es ist wichtig, das deine kleine Maus jetzt Selbstbewusstsein entwickelt um im KiGa nicht untergebuttert zu werden, das können Eltern und Familie alleine irgendwann nicht mehr so auffangen, obwohl man alles gibt.

Alles LIebe!!!

Haruka

Beitrag von schnee-weisschen 16.04.10 - 22:53 Uhr

Hey,

wurde mal ein EEG geschrieben?

Meine Tochter hatte ein Nervenproblem und hat aufgrund dessen schon mit 4 Monaten extrem angefangen zu fremdeln. Beim bloßen Augenkontakt durch Fremde hat sie hysterisch angefangen zu schreien, wir waren praktisch ständig auf der Flucht mit ihr.
Selbst heute (sie ist 2) toleriert sie Fremde nur schwer, versteckt sich, reagiert nicht auf Ansprache etc.
Damals stand frühkindlicher Autismus im Raum, der konnte dann aber ausgeschlossen werden.


LG

sw