Schwanger unter Imurek/Azathioprin bei Colitis Ulcerosa

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Forum: Schwangerschaft

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Beitrag von joe2009 12.04.10 - 10:55 Uhr

Hallo,

ich bin in der 24. Woche schwanger und nehme, da ich an Colitis Ulcerosa leide, regelmäßig Imurek (Azathioprin) ein. Ich weiß, dass das kein Problem ist während der Schwangerschaft. Mich interessiert aber, ob es jemanden gibt, der Erfahrungen damit hat. Insbesondere hört man ja häufiger, dass es unter Azathioprin zu einem geringeren Geburtsgewicht und zu einer frühzeitigen Entbindung kommen kann.

Mein erstes Kind wurde 3 Wochen zu früh geboren. Damals habe ich allerdings noch kein Imurek genommen, sondern nur Kortison. Es kann also auch an der Erkrankung selbst gelegen haben.

Wie war das bei Euch? Kam das Baby "planmäßig" oder zu früh?

Vielen Dank schon mal für Eure Antworten!

Liebe Grüße,
Anke

Beitrag von cindy.krohn 12.04.10 - 11:12 Uhr

Huhu,

ich kann Dir zwar nicht mit Erfahrungen helfen, aber ich kann Deine Sorgen verstehen.

Ich selbst leide an Morbus Crohn und befinde nun (wahrscheinlich ausgelöst durch die SS) in einen akuten Schub mit allen möglichen Komplikationen. Muss Budesonid und Mesalazin nehmen. Beide Medikamente sind für eine SS nicht wirklich geeignet, aber da aufgrund der Komplikationen (Stenosen, innere Fisteln etc.) akute Gefahr für mich besteht, komme ich da leider nicht drum herum. Ich bin nun auch als Risikoschwanger eingestuft und muss regelmäßiger bei der FÄ erscheinen und alles engmaschig kontrollieren lassen. Ist das bei Dir auch so?
Ich habe riesige Angst, dass die Medis dem Würmchen Schäden zufügen könnten. Oder das die SS zu früh beendet wird, etc.

Ich drück Dir ganz fest die Daumen, dass bei Dir alles gut verläuft und Dein Baby zeitgemäß zur Welt kommt!

GLG #liebdrueck

Beitrag von anika.kruemel 12.04.10 - 11:18 Uhr

Hallöchen,

um meiner Vorsprecherin mal kurz zu widersprechen:

Zitat: Beide Medikamente sind für eine SS nicht wirklich geeignet

Dem ist nicht so! Ich selbst hab auch CU seit meinem 12. Lebensjahr und nehme seit einigen Jahren Mesalazin und bin nun auch damit schwanger geworden. Laut meiner Ärzte (Internist, HA und Gyn) ist Mesalazin (in meinem Falle Salofalk 500) kein Problem!

Mit Imurek bzw. Aza oder Budesonid hab ich keine Erfahrungen in der Schwangerschaft!

In der 1. Schwangerschaft (2004/05) bekam ich im 5. Monat einen akuten Schub und habe mit Mutaflor behandelt. Nach der Geburt war der Schub vorbei und etwa 1 Jahr nach der Geburt habe ich auf Salofalk umgestellt.

Ich wünsche euch beiden alles Gute für die restliche Schwangerschaft, keine Komplikationen und viel Glück!

LG Anika

Beitrag von cindy.krohn 12.04.10 - 11:28 Uhr

Ich bin keine Ärztin und kann nur das wiedergeben, was der behandelnde Professor mir sagt. Und dessen Aussage war, dass ich das Budesonid z.B. nur unter sehr strenger Indikationsstellung nehmen darf und es in der Schwangerschaft am besten gar nicht verarbreicht werden soll. Steht auch so im Beipackzettel.

Ich habe MC erst vor 8 Monaten diagnostiziert bekommen und habe daher noch keine jahrelange Erfahrung. :-( Ich weiß nur, dass ich mir eine weitaus bessere Situation während einer SS vorstellen kann.

Beitrag von joe2009 12.04.10 - 12:23 Uhr

Hallo Cindy,

vielen Dank #danke für Deine schnelle Antwort!

Mit der ärztlichen Überwachung ist das immer so eine Sache. Ich habe wahrscheinlich noch nicht den richtigen Arzt gefunden. Ich habe immer das Gefühl, dass keiner so richtig Bescheid weiß und ich mich um alles selbst kümmern muß. Ich orientiere mich hauptsächlich an den Aussagen des Embryotox-Institutes (www.embryotox.de). Da kannst Du auch nachschauen, wie geeignet Deine Medikamente sind (falls Du das noch nicht kennst; Man kann sich dort auch telefonisch beraten lassen).

Noch ein Trost für Dich: Während meiner ersten Schwangerschaft habe ich auch Mesalazin (und Kortison) genommen und wurde ebenfalls als risikoschwanger eingestuft. Ich glaube, diese Einstufung hat nicht allzu viel zu sagen. Die Ärzte können bei Risikoschwangeren einfach mehr abrechnen. Also mach' Dir nicht so viele Gedanken (ich weiß, das ist leichter gesagt als getan)! Mein Sohn hat auch alles gut überstanden, war und ist kerngesund und ein pfiffiges Kerlchen.

Ich wünsche Dir und dem Baby alles, alles Gute #klee !
Anke

Beitrag von dina76 12.04.10 - 13:10 Uhr

Hallo,

ich lese hier schon eine ganze Weile mit ohne selbst aktiv zu sein #schein Wir haben bereits einen 14-jährigen Sohn und nach einer langen ungewollten Kinderpause bin ich nach der ersten ICSI sofort schwanger geworden. Das war im September 2009.

Zum Thema Imurek und Schwangerschaft kann ich einiges berichten. Falls ich hier etwas vergessen sollte, dann einfach fragen.

1998, zwei Jahre nach der Geburt (ich war 22) bin ich zum Arzt weil ich mich absolut schlapp fühlte. Nach einigem hin und her wurde mir dann Blut abgenommen und bei der Auswertung fragte mich der Arzt ernsthaft ob ich viel Alkohol trinken würde. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, da ich so gut wie nie Alkohol trinke. Nur bei Geburtstagen mal ein Glas Wein. Es stellte sich heraus, daß ich Leberwerte wie ein 50-jähriger Kampftrinker hatte. Bei einer danach durchgeführten Leber-Biopsie stellte sich unter dem Mikroskop heraus, daß ich an "Autoimmuner Hepatitis" leide. Das wird nicht durch einen Virus o.ä. verursacht und ist somit nicht ansteckend. Mein Körper sieht aus bis heute ungeklärten Gründen meine Leber als Fremdkörper an und versucht sie zu "vernichten". Deshalb musste ich einige Zeit hochdosiert Prednisolon nehmen um die Leberentzündung in den Griff zu bekommen. Das nehme ich aber heute nicht mehr, weil die Entzündung unter Kontrolle ist. Aber ich nehme bis zum heutigen Tag seit 1998 Imurek in verschiedenen Dosierungen. Zur Zeit sind es 100mg pro Tag (50mg früh/50mg abends). Als 1998 die Diagnose gestellt wurde, bin ich in eine Studie zur Erforschung der Gründe für Autoimmunerkrankungen aufgenommen wurden. Aber heraus kam weniger als heiße Luft.

Als es bei uns auf natürlichen Weg nicht klappen wollte, sind wir zum Frauenarzt und der überwies mich zur Kinderwunsch-Behandlung in eine große Unversitätsklinik. Eine ziemlich patzige Ärztin speiste mich mit den Worten ab, ich solle erstmal abnehmen, da ungewollte Kinderlosigkeit mit Übergewicht zu tun habe. Wir führten an, daß ich Imurek in Verbindung mit Prednisolon nehme (damals musste ich für kurze Zeit wieder Prednisolon nehmen nach einem erfolglosen Absetzversuch von Imurek. Die Entzündung flammte wieder kurz auf) und wir durch diese Erkrankung eine Hormonstörung vermuteten. Aber wie die Halbgötter in weiß so sind - Patienten dürfen nichts vermuten! Es ist noch zu erwähnen, daß die Kinderwunsch-Abteilung und der mich behandelnde Endokrinologe ca. 200m Luftlinie auf dem gleichen Universitätsgelände sind. Eine von uns vorgeschlagene Kommunikation zwischen diesen beiden Ärzten kam im übrigen nie zustande. Berechtigterweise muss ich zugeben, daß alle Ärzte die wir in fünf Jahren kennengelernt haben sofort vorsichtig wurden als sie meine Dauermedikation mit Imurek erfuhren. Da eine Kinderwunschbehandlung immer mit Hormongaben einherläuft, ist eine Leberschädigung bzw. Leberbelastung nicht ausgeschlossen. Dieser Übergewichtsvorwurf hat mich schwer getroffen, da ich damals zur Zeit durch das Prednisolon ziemlich aufgeschwemmt war und ich wusste, daß mein vorheriges "Fast"Idealgewicht mich hat auch nicht schwanger werden lassen. Nichtmal eine Untersuchung als Ausschluss von körperlichen Ursachen bei mir und bei meinem Mann waren drin. Einfach unmöglich!! "Nehmen Sie ab, dann sehen wir weiter",war das einzige. Dem Rest vom Tag sind wir betroffen durch die Stadt gelaufen und haben kinderwagenschiebende füllige Frauen beobachtet und uns ironisch gefragt wie die Frauen dieses "Ding der Unmöglichkeit" geschafft haben.

Dann haben wir uns von meiner Frauenärztin an eine Privatklinik überweisen lassen. Da ging zwar am Anfang einiges schief, aber das ist eine andere Geschichte. Der behandelnde Arzt war das krasse Gegenteil. Wir haben ihm zu verstehen gegeben, daß wir bereit sind ein gewisses Risiko bei der Hormonbehandlung zu tragen. Er hat sich schrittweise herangetastet mit der Dosierung und bei der Punktion konnten Eizellen gewonnen werden von denen dann neun befruchtet werden konnten. Während dieser Zeit wurden meine Werte engmaschig kontrollliert und oh Wunder, die Blutwerte waren so gut wie nie. Warum, weiß niemand. Zwei Embryos wurden eingesetzt und nach zwei Wochen wurde ein eingenisteter Kämpfer bestätigt. Bis zum heutigen Tag ist die Schwangerschaft absolut problemlos. Durch die Dauermedikation mit Imurek bin ich bei der Feindiagnostik in regelmäßigen Abständen. Der kleinen Maus geht es super. Mir auch. Ich bin seit Ende November im BV. Tolle Sache übrigens. Die Blut- und Leberwerte sind immer noch bestens. Der behandelnde Frauenarzt und auch der Endokrinologe waren sich unsicher wegen Imurek, aber sie haben auch gesagt, daß es Frauen gibt, die unter Imurek ein gesundes Kind auf die Welt gebracht haben. Wir sind auf jedenfall glücklich das Risiko eingegangen zu sein. ET ist der 14.6.10 und alles ist soweit fertig.

Nur mit dem Stillen bin ich mir noch etwas unsicher. Unter http://www.embryotox.de/azathioprin.html (Empfehlung des Arztes) habe ich einiges gelesen. Wer diese seriöse Seite noch nicht kennt, kann da ja mal nach Wirkstoffen/Medikamenten suchen.

Das wars erstmal :-D

Dina

Beitrag von joe2009 12.04.10 - 22:08 Uhr

Hallo Dina,

da hast Du ja auch einiges erlebt! Danke für Deinen ausführlichen Bericht!

Ich habe mich heute, nachdem ich mich nochmals von einer Mitarbeiterin des Embryotox-Institutes habe beraten lassen, entschieden, definitif nicht zu stillen. Denn es liegen keinerlei Studien über die Langzeitwirkungen von Imurek auf das Baby vor, und generell ist die Datenlage wohl eher spärlich. Und das ist mir zu riskant. Außerdem müssten die Werte des Babys dann ständig überwacht werden, d.h. immer wieder Blut abnehmen (und ich bin schon bei den Impfungen meines Sohnes damals fast gestorben!), und das ist es mir nicht wert. Die Muttermilch-Ersatzprodukte sind ja heutzutage auch bestens erforscht und eine echte Alternative.

Ich wünsche Dir und Deiner kleinen Maus alles Gute für die weitere Schwangerschaft und die Geburt!
Liebe Grüße,
Anke