Gut - oder gut mit Einschränkung? Zeugnis

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von accent 12.04.10 - 20:33 Uhr

Hallo,
eine Freundin hat heute ihr Arbeitszeugnis bekommen und ist etwas ratlos wegen einer Passage.
Ich schreib den ganzen Absatz mal so ab:

.....

In diesen Tätigkeiten haben wir Frau xyz als eine kompetente, sehr zuverlässige und zügig und konzentriert arbeitende Kollegin kennengelernt. Diese großen Qualitäten verlor sie auch über die Veränderungen ihres Arbeitsplatzes hinweg in keinem Moment. Im Kreise der Mitarbeiter erfreute sie sich hoher Anekennung und Wertschätzung: Sie zeigte sich immer als warmherzig, hilfsbereit und freundlich, und das galt nicht nur im engen beruflichen Sinne. Dazu gehört auch die große Sponanität, mit der sie auf neue Situationen, Menschen und Herausforderungen reagierte.

Die Firma ... und seine Mitarbeiter danken Frau XYZ sehr für ihre langjährige unermüdliche Mühe und bedauern nachdrücklich, dass die Zusammenarbeit keine Fortsetzung findet. Wir wünschen ihr für ihren weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute.

Ich finde das Zeugnis o.k., ohne jede Einschränkung. Oder gibt es einen Kritikpunkt wie meine Freundin vermutet. Ich bin keine Fachfrau und kenne mich von daher nicht aus.

Linda

Beitrag von bibuba1977 12.04.10 - 20:39 Uhr

Hi Linda,

im Grossen und Ganzen finde ich es auch nicht schlecht... Allerdings diese Formulierung "...und das galt nicht nur im engen beruflichen Sinne." klingt fuer mich ein wenig, als wuerde man darauf hinweisen wollen, dass sie sich im Beruf auch gerne privat engagiert hat.
Fuer mich klingt das extrem unguenstig! Wuerde ich rausnehmen lassen.

LG
Barbara

Beitrag von king.with.deckchair 12.04.10 - 21:19 Uhr

"und bedauern nachdrücklich, dass die Zusammenarbeit keine Fortsetzung findet"

Das klingt nach ironischer Übertreibung (= man ist im Grunde heilfroh, dass diese Nervensäge endlich weg ist) und das hier

"Sie zeigte sich immer als warmherzig, hilfsbereit und freundlich, und das galt nicht nur im engen beruflichen Sinne"

geht gar nicht. Firmenmatratze gewesen, dauernd mit 'nem anderen Kollegen was angefangen? Mal so brutal gefragt... Oder: Ständig nur Privatkram bequatscht? Privatkram weitergetratscht? Sich ungebührlich in Privatkram eingemischt?

"Dazu gehört auch die große Sponanität, mit der sie auf neue Situationen, Menschen und Herausforderungen reagierte."

= "War superspontan - überlegtes, ruhiges Arbeiten war aber eher Fehlanzeige."?

"sehr für ihre langjährige unermüdliche Mühe"

= "Mühe hat sie sich gegeben - dabei raus gekommen ist vornehmlich heiße Luft."? Nee, "Mühe" und "bemühen" gehen in einem Zeugnis gar nicht. Außerdem schon wieder die Übertreibung mit "unermüdlich".

"Im Kreise der Mitarbeiter erfreute sie sich hoher Anekennung und Wertschätzung"

= "Chefs und Kunden fanden sie eher daneben. (evtl. auch: Sie hetzte die Kollegen gegen die Chefs auf, Querulantin nach oben...)?

Vordergründig klingt das alles toll. Leider zu toll. Man benutzt ernsthaft gern die ironische Übertreibung um zu signalisieren "Hände weg!".

Ich würde einen Arbeitsrechtler mal drübersehen lassen.

Gruß
Ch.

Beitrag von cassiopeia68 12.04.10 - 22:13 Uhr

Ich denke auch, dass da so einiges drin steht, was nicht so toll ist.
Sie sollte es einem Profi vorlegen.

Beitrag von accent 12.04.10 - 22:50 Uhr

Hallo,
danke für Eure Antworten.

Meiner Freundin ging es hier explizit um die Formulierung "und nicht nur im engeren beruflichen Sinne". Das kann man wirklich mißverstehen. Es war aber so, dass sie ab und zu die Kinder von Kollegen hütete - mehr nicht.
So ganz negativ zerpflücken würde ich das Zeugnis nicht. Ich habe mit ihr einige Jahre zusammengearbeitet und weiß, dass sie damals wirklich als Mitarbeiterin sehr geschätzt wurde. Allerdings bin ich schon länger weg.

Das Institut wird an einen anderen Standort verlagert. Meine Freundin kann leider nicht mit, da sie hier noch ihre Eltern versorgen muss. Gefragt wurde sie aber schon.

Ich weiß jetzt gar nicht, was ich machen soll, denn so negativ will ich ihr das nicht rüberbringen. Aber sie soll einen Fachanwalt drüberschauen lassen, dann ist sie auf der sicheren Seite.

Danke nochmal.
Linda


Beitrag von ikarya 12.04.10 - 23:59 Uhr

Ich arbeite im Personalbereich und würde die Dame aufgrund oben genannter Vermutungen nicht einstellen. Wenn der Chef das wirklich nicht so meint, sollte sie dringend mit ihm sprechen und Alternativvorschläge machen. Sollte er das so meinen, sollte sie einen Anwalt aufsuchen.

Beitrag von kruemlschen 13.04.10 - 09:11 Uhr

Hallo,

was bringt es Deiner Freundin dass DU weißt dass sie gute Arbeit geleistet hat?

Potentielle AG's wissen das nicht, sie lesen nur das was im Zeugnis steht und werden es mit großer Wahrscheinlichkeit genau so interpretieren wie King.with.deckchair es Dir beschrieben hat.

Das Zeugnis ist weder gut noch gut mit Einschränkung, es ist eine absolute Katastrophe!

Entweder der AG hat absolut keine Ahnung wie man ein Zeugnis schreibt und sich versehentlich volles Karach in die Nesseln gesetzt, oder er fand Deine Freundin doch nicht so toll wie Du meinst.

Fakt ist, mit so einem Zeugnis braucht sie sich nirgendwo zu bewerben!

Ob sie das nun erst einmal alleine beim Chef/der Personalabteilung anspricht, oder gleich zum Anwalt geht bleibt natürlich ihr überlassen, aber akzeptieren würde ich das Zeugnis auf gar keinen Fall.

Gruß Krüml

Beitrag von manavgat 13.04.10 - 09:22 Uhr

Im Kreise der Mitarbeiter bedeutet: Vorgesetzte sehen sie lieber von hinten.

Ich würde davon ausgehen, dass sie versucht Mitarbeiter gegen die Leitung aufzuhetzen und/oder Affairen am Arbeitsplatz laufen hat.

Die große Spontanität halte ich für negativ: planlos, kopflos, aktionistisch. Es sei denn, es ist eine Eventagentur oder ein Musiklabel.

Gruß

Manavgat