Das wird für Deutschland sehr teuer

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Beitrag von vorblau 13.04.10 - 10:04 Uhr

Berlin (dpa) - Haushaltspolitiker der Union gehen davon aus, dass die mögliche Milliardenhilfe Deutschlands für Griechenland gezahlt werden muss. "Ich rechne fest damit, dass Griechenland Hilfe brauchen wird", sagte der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle (CDU), dem "Handelsblatt".



Mit dem Paket aus bilateralen Krediten der Euroländer und Krediten des Internationalen Währungsfonds können alle in der Unionsfraktion leben, sagte Barthle. "Der Schaden wäre weitaus größer, wenn Griechenland pleiteginge." Da Griechenland für die Hilfen voraussichtlich fünf Prozent Zinsen zahlen müsse, sei dies für den Bund ein gutes Geschäft, betonte Barthle.

Die Euro-Länder hatten beschlossen, Griechenland notfalls mit bis zu 30 Milliarden Euro Krediten unter die Arme zu greifen. Deutschland würde bei Notfall-Krediten nach Angaben des Bundesfinanzministeriums in diesem Jahr bis zu 8,4 Milliarden Euro beisteuern.
Die mögliche Geldspritze für das hochverschuldete Land stößt aber weiter auf Skepsis. "Das wird für Deutschland sehr teuer werden", sagte der haushaltspolitische Sprecher der SPD, Carsten Schneider, der "Financial Times Deutschland" (FTD/Dienstag). Er warnte vor einer massiven Belastung der deutschen Steuerzahler. Auch Deutschland werde künftig für seine Anleihen höhere Zinsen zahlen müssen. "Wir werden eine Staatsfinanzierungskrise erleben", sagte Schneider.

Der haushaltspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Otto Fricke, forderte eine umfassende Unterrichtung des Bundestags über Hilfen für Griechenland. "Ich gehe davon aus, dass der Haushaltsausschuss über die möglichen Griechenland-Hilfen rechtzeitig vorab unterrichtet wird", sagte Fricke der "FTD". Hintergrund der Forderung sind dem Bericht zufolge Befürchtungen der Haushälter, die Bundesregierung könnte in den kommenden Wochen am Parlament vorbei Fakten schaffen und die bundeseigene KfW-Bank anweisen, Griechenland zu helfen.


Wo soll das alles noch hinführen:-[:-[

Beitrag von .doctor-avalanche. 13.04.10 - 11:35 Uhr

Wie jetzt? Wo soll das hinführen?

Deutschland gibt, hier mit anderen Staaten, einem anderen Land Kredit. Das hat es schon sehr oft gemacht und wird es auch noch sehr oft tun.

Bei 5% Zinsen für den gewährten Kredit und einem eigenen Zins für selber aufgenommende Kredite von derzeit nach Ratingca. 3,5% kann Deutschland sogar ganz gut daran verdienen.

Wo also ist das Problem?

Beitrag von timan.faya 13.04.10 - 16:56 Uhr

Griechenland braucht das Geld um vorhandene Löcher zu stopfen. Wo sollen die die 5% hernehmen?

Es wird nicht lange dauern, dann benötigt Griechenland einen weiteren, höheren Kredit.

Das geht dann immer so weiter wie beispielsweise bei AIG.

Ende 2008 hat die FED denen 80 Milliarden zur Verfügung gestellt. Damals gingen Optimisten davon aus, dass AIG in Zukunft schon die Einnahmen haben wird um den Kredit plus Zinsen bedienen zu können.

Und was ist heute? Sie brauchen weitere 200 Milliarden...

Beitrag von zeitblom 13.04.10 - 17:15 Uhr

Nach Dir hätten wir den Weltuntergang bereits vor einiger Zeit erlebt....

Beitrag von grafzahl 13.04.10 - 21:32 Uhr

Würdest DU griechische Staatsanleihen mit einer Rendite von 5 % p.a. kaufen?

ICH nicht.

Ein Junkie auf Turkey würde dir 100% Rendite pro Tag versprechen, wenn du ihm Geld leihst.

Eine gute Geldanlage?

Ich hoffe, dass die Gelder an Griechenland mit knallharten Auflagen verbunden sind.

http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article6997686/In-Griechenland-steigen-Rentenausgaben-bis-2030-am-staerksten.html

Da braucht man sich über desolate Staatsfinanzen nicht zu wundern. Aber immer gut, wenn man auf die bösen Spekulanten verweisen kann, die angeblich mit CDS auf Griechenland die Credit-Spreads hochgejubelt haben...

Beitrag von .doctor-avalanche. 14.04.10 - 11:30 Uhr

"Würdest DU griechische Staatsanleihen mit einer Rendite von 5 % p.a. kaufen? "

Ja klar. Und ich sehe das wohl nicht alleine so. Seit der Bereitstellung der 45 Mill. Euro sind bereits 1,5 Mill. € durch neue Anleihen eingenommen worden. Ohne daß GR die 45 Mill. bisher anrühren musste.....

Ich glaube nicht, dass das alles Leute sind, die ihr Geld verschenken wollen.

Beitrag von zeitblom 14.04.10 - 11:54 Uhr

Mill.? Es geht um Mrd., was ja so viele erschreckt...aber bloss, weil sie offensichtlich die Zahlenrelationen nicht kennen.

Ich jedenfalls würde nur deshalb für 5% Rendite keine griechische Staatsanleihen kaufen, weil sie im Markt 6,75% zahlen. Zinssätze übrigens, die Dtl Mitte der neunziger auch zahlen musste, für deutlich mehr Geld als Griechenland braucht.

Dennoch: zu hoffen ist, dass Griechenland den Warnschuss verstanden hat und sich sowohl an eine effektive Steuereintreibung macht, als auch das soziale Füllhorn beschneidet.

Beitrag von .doctor-avalanche. 14.04.10 - 13:05 Uhr

Ich meinte Milliarden. Wenn das bei meinem Kürzel nicht ankam, so bitte ich das nachzusehen. Hätte ich Millionen gemeint, hätte ich Mio abgekürzt....

Langsam geht mir die Panikmache, es wäre kein Geld da - und für manche scheint sogar D schon bankrott zu sein - auf die Nerven.

Beitrag von zeitblom 14.04.10 - 14:04 Uhr

Das letzte kannst Du laut sagen....

Beitrag von grafzahl 14.04.10 - 22:40 Uhr

Zunächst mal zu den Konditionen:

http://de.reuters.com/article/marketsNews/idDEBEE63C0CM20100413

* 6-Monats-Papiere zu 4,55 % p.a. (Euribor 6M: 0,95 % p.a.)
* 12-Monats-Papiere zu 4,85 % p.a. (Euribor 12M: 1,23 % p.a.)

Ich kann dir genau sagen, wer diese Anleihe gekauft hat. "Investoren", die den Spread von 3,6 % p.a. einsacken wollen, die darauf spekulieren, dass die EU-Staaten Griechenland stützen werden. Meine und deine Steuergelder werden also dazu verwendet, den Spekulanten die Gewinne zu sichern.

Das findest du o.k.? Hätte ich nicht erwartet.

Beitrag von zeitblom 15.04.10 - 09:11 Uhr

Das sehe ich anders: Spekulatoren können im Markt knappe 7% für 10 Jahrestitel erhalten oder mit weit weniger Kapitaleinsatz CDS verkaufen.
Übrigens ist jeder Sparbuchhalter ein Spekulant, nur eben mit einem niedrigen Risikoprofil.

Beitrag von grafzahl 15.04.10 - 10:06 Uhr

> Spekulatoren können im Markt knappe 7% für 10 Jahrestitel erhalten

Die Rendite von Papieren mit einer Restlaufzeit von 6 oder 12 Monaten mit 10-Jahres-Titeln zu vergleichen, halte ich nicht für sehr sinnvoll.

> mit weit weniger Kapitaleinsatz CDS verkaufen

Mach´ mal. Und dann wird eine Anleihe "restrukturiert" und das Ereignis ist eingetreten und du darfst zahlen.

Beitrag von zeitblom 15.04.10 - 10:28 Uhr

Nun ja, die Kreditkurve für Griechenland war invers und ist sehr flach. Und da Spekulanten an Kursgewinne interessiert sind, ist das Gewinnpotenzial im langen Bereich viel grösser.

Ja, das ist eben das Risiko: das ist beim Kauf der Anleihe selbst nicht viel anders. Argentienanleger erinnern sich sicher daran...

Beitrag von ronjaerika 13.04.10 - 13:49 Uhr

Mal für eine politisch nicht ganz so interessierte:
Woher nimmt Deutschland eigentlich das ganze Geld, sei es für die Milliarden Spenden (z.B. Haiti) oder jetzt die Hilfe für Griechenland? Ich dachte, Deutschland hat auch immer Probleme, ihre Staatsverschuldung bei der EU zu rechtfertigen, weil es ständig zuviel ist?
Wie kann man ein Land, was selbst hoch verschuldet ist, zwingen, einem anderen Land Geld zu leihen, welches eigentlich nicht vorhanden ist?

Wäre über eine ernsthafte Aufklärung sehr dankbar.

Beitrag von vorblau 13.04.10 - 14:31 Uhr

was sagt ihr dazu hab ich im netz endeckt

http://www.youtube.com/watch?v=xSyHFGVKbNI

Beitrag von daddy69 13.04.10 - 15:55 Uhr

Verschwurbelte Verschwörungsphantasien.

Wann kommen denn die Quellenangaben der ganzen Zitate und Behauptungen?

Beitrag von seelenspiegel 13.04.10 - 15:28 Uhr

Versuch Dir das ganze mal in kleinerem Maßstab vorzustellen, indem Du die beiden Länder als Firma vorstellst.

Beide betreiben Handel miteinander, und profitieren durch diese Handelsbeziehung.

Firma G ist durch Eigenverschulden Zahlungsunfähig geworden. Wird ihnen durch andere Stellen nicht unter die Arme gegriffen, fällt dieser Handelspartner weg, und der Profit bei allen anderen wird weniger.

Firma D gibt also eine Finanzspritze von 8 Millionen Euronen, unter der Prämisse, dass Firma G diese Summe innerhalb einer bestimmten Zeitspanne ausgleicht, und zusätzlich noch Zinsen dafür bezahlt.

Zwar hat Firma D ebenfalls nicht so viel Geld zur Verfügung, ist aber viel solventer als Firma G, so dass Firma D Kredite viel günstiger bekommt.

So zahlt Firma D für den Eigenkredit 3% Zinsen....und berechnet Firma G 5% oder 6%.

Somit hat Firma G Zeit, wieder auf dem Markt Fuss zu fassen, und wieder an Eigenkapital zu kommen, Firma D verdient ausser an den regulären Handelsumsätzen die durch den Kredit weiterlaufen können, auch noch die Mehrzinsen.

Firma D wurde nicht gezwungen zu helfen...und handelte auch nicht aus Nächstenliebe.....sondern hat aus reinem Eigeninteresse gehandelt.

Und wenn sie nicht gestorben sind, handeln sie noch heute. *Märchenbuch zuklappt und die Kinder ins Bettchen schickt* ;-)

Beitrag von mansojo 13.04.10 - 15:40 Uhr

warum ist die Firma denn Zahlungsunfähig geworden
ist der Aspekt nicht wichtig
hat sie sich verkalkuliert
sind die Produkte nicht mehr aktuell

ich geb zu ich hab von finanzen null AHnung

ich weiß was ich monatlich verdiene und was ich ausgeben kann

aber ist es nicht ein fass ohne Boden wenn man permanent Geld reinpumpt(nicht das das bei uns anders wäre)

wir haben eine Rekordverschuldung
mir will einfach nicht in den Kopf das wir irre Kredite aufnehmen
ich bin ehrlich ich versteh es nicht

Beitrag von gretchens.armee 13.04.10 - 17:01 Uhr

Ich verstehe es auch nicht. Einen Kredit muß man doch abbezahlen können. Und wenn man es nicht kann? Bleibt dann derjenige, der sich verschuldet hat, um einem anderen Geld zu pumpen, auf seinen Schulden sitzen...?

Beitrag von mansojo 13.04.10 - 17:04 Uhr

genau
wenn ich mein Konto überzogen hab krieg ich doch auch kein Kredit



genauso wie der kleine Handwerksbetrieb

das bei einem Staat mehr dranhängt ist mir bewusst
versteh es trotzdem nicht#kratz

Beitrag von gretchens.armee 13.04.10 - 17:13 Uhr

Naja, anscheinend setzt bei Finanzpolitik ein Denkzentrum in meinem Hirn aus, ich finde es unlogisch. Ich verstehe das schon, daß versucht wird, über die höheren Zinsen ein Plus am Ende zu erzielen... Aber wenn der Schuldner aus irgendwelchen Gründen plötzlich nicht mehr in der Lage ist, die Rate+ Zinsen oder die Zinsen zu zahlen, was dann? Ein ziemlich heikles Geschäft, meiner Meinung nach. Aber vielleicht können die Finanzexperten hier mal ein wenig Licht ins Dunkel bringen...

Beitrag von seelenspiegel 13.04.10 - 18:01 Uhr

Griechenland ist NOCH nicht völlig zahlungsunfähig, sondern "nur" in Schwierigkeiten.

Dennoch ist Dein Einwand durchaus berechtigt, denn sollte gar nichts mehr gehen, geht nur noch eines: Uns allen der Allerwerteste ziemlich auf Grundeis.....angeführt von den leitenden Banken....und wie Zeitblom es recht treffend betituliert hat: Das ist Risiko !

Aber trotz allem ist gegenseitige Staatshilfe immer noch die Lösung, die am wahrscheinlichsten dazu führt, dass der Karren aus dem Dreck kommt.

Aber den Erfolg garantieren oder auch nur ein Zeitfenster nennen....das kann leider niemand.

Beitrag von gretchens.armee 13.04.10 - 18:29 Uhr

Starthilfe finde ich völlig in Ordnung!
Vermutlich macht mir "nur" der stetig wachsende Schuldenberg Sorgen. Da bin ich wohl Sparspießer.

Beitrag von seelenspiegel 13.04.10 - 18:42 Uhr

<<<Sparspießer.>>>

#rofl

Beitrag von zeitblom 13.04.10 - 17:13 Uhr

Wenn aber gute Freunde oder Verwandte für Dich bürgen, bekommst Du wieder Kredit.

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