Die Geburt unseres (Herz-)Engels GABRIEL

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von 2nini1983 13.04.10 - 15:01 Uhr

Hallo an alle!!!

So, meine „Große“ spielt und mein Kleiner schläft. Endlich habe ich Zeit meinen Geburtsbericht zu schreiben.

Ich hatte am 1. März meinen errechneten Geburtstermin und war aber schon Anfang Januar mit Frühwehen im Krankenhaus für 10 Tage, wo ich über einen Tropf mit Wehenhemmer versorgt wurde. In dieser Zeit ging es mir nicht besonders gut, weil das Zeug echt schlimme Nebenwirkungen hat. Nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, bekam ich strenge Bettruhe verschrieben. In dieser Zeit hatte ich dann viel meine Schwiegereltern bei mir, die sich um meine „Große“ gekümmert haben, weil ich ja nicht schwer heben durfte.

Ab der vollendeten 36. Woche durfte ich aber wieder alles und freute mich wie verrückt darüber. Allerdings bin ich dann bei 36+1 mit einem Fehlalarm im Krankenhaus gewesen, der mir sehr peinlich war…

Die letzten Wochen bis zur Entbindung konnte ich kaum mehr abwarten. Ich hatte einen megariesigen Bauch und es fiel mir immer mehr schwer meine Süße durch die Gegend zu schleppen (sie ist 11 Monate alt gewesen, als der Kleine kam). Außerdem haben mich zuletzt meine Familie und Freunde mit ihrer blöden Fragerei, wann denn das Baby kommen würde, fast wahnsinnig gemacht. Zudem auch nicht klar war, ob denn mein Mann bei der Entbindung dabei sein könne, weil seine Kollegen nur sehr wenig Rücksicht genommen haben und ihn nicht, wie bei unserer Tochter, kurz vor der Entbindung nur Ortsnah eingesetzt haben.
Ich war also ein nervliches Wrack kurz vor der Entbindung und wollte einfach nicht an den Termin kommen sondern, so wie bei meiner Tochter Josefine, kurz vorher entbinden.

Na ja, wie das so mit Wünschen ist: die meisten werden nicht wahr. So auch in diesem Fall.
Eine Woche vorher war ich noch bei meiner Ärztin zur Routineuntersuchung und die meinte zu mir: „Na, Sie sind aber sehr dick. Da möchte ich vorsichtshalber doch nochmal einen Ultraschall machen und den Kleinen ausmessen.“ Dabei kam dann heraus, dass mein Kleiner bei ca. 50 cm und 3836 g lag. Sie meinte dann dass sie, wenn ich nächste Woche am Termin wiederkäme, nochmal ausmessen würde und wenn der Kleine dann über 4000 g liegen würde, sie mich ins Krankenhaus zur Einleitung schicken würde.

Mit diesem Hintergedanken kam ich dann am 1. März in die Praxis. Ich dachte nur: „Heute wirst du bestimmt erlöst!“ Na ja, nach einem Gespräch mit meiner Hebamme in der Praxis und einem CTG, kam ich dann zur Ärztin. Leider war natürlich nicht meine Ärztin da, sondern nur ihre Vertretung, die ich nicht leiden konnte. Ich erzählte ihr dann, was meine Ärztin diese Woche vorgehabt hätte und erwartete dass sie dasselbe tun würde. Aber sie meinte nur, dass das Vermessen sowieso Quatsch wäre, sie nur den Muttermund kontrollieren würde und wir uns dann ja in zwei Tagen wieder sehen würden. Ich hätte sie erwürgen können!!!

Voller Wut im Bauch ging ich dann zu meiner Hebamme zurück und ließ mich über diese blöde Kuh erstmal aus… Das tat gut!!! Ich fragte dann nach einem Wehencocktail, denn dafür hatte ich den Sekt und den Saft extra mitgebracht. Also gab es Cocktail! Zwar machte es die Hebamme nur ungern, aber ich hab sie dazu überreden können. Der Cocktail sollte nach ca. einer halben Stunde seine Wirkung zeigen, was er bei mir aber nicht tat. Auch das Nelkenöltampon, das ich gleichzeitig bekam, brachte nix. Nach ca. 1,5 Stunden schickte mich die Hebamme mit neuen Zutaten für einen Cocktail, nach Hause, den ich dann am nächsten Tag probieren sollte.

Um ca. 15:30 Uhr war ich wieder zu Hause. Völlig frustriert holte ich mir erst einmal die Reste vom sonntäglichen Mittagessen aus dem Kühlschrank und aß eine riesige Portion. Danach sagte ich zu meine Schwiegereltern (die währenddessen auf Josefine aufgepasst hatten) dass wir doch eine Runde in den Park gehen könnten. Also gingen wir gegen 16 Uhr in den sehr nahe gelegenen Park spazieren. Wir gingen aber nicht besonders weit weg, denn ich hatte Angst, dass sich die Wirkung des Rizinusöls doch noch plötzlich zeigen könnte. Nachdem wir dann die Enten gefüttert hatten, gingen wir noch ein paar Runden.

So gegen 16:30 Uhr wollte ich dann aber doch nach Hause, weil ich so ein seltsames Blubbern in Hintern spürte. Ich dachte gleich an das Rizinusöl. Also ging ich schnell nach Hause, während meine Schwiegereltern mit der „Großen“ noch im Park blieben. Zu Hause angekommen, erwies sich das Blubbern nur als Luft. Völlig genervt lief ich dann durch die Wohnung und schimpfte vor mich hin…

Gegen 16: 50 Uhr kam mein Mann nach Hause. Ich klagte im mein Leid und diskutierte wie wir denn jetzt in den nächsten Tagen verfahren würden. Nachdem ich meine Jeans gegen eine bequeme Schlabberhose getauscht hatte, hatte ich wieder einmal das Bedürfnis auf die Toilette zu gehen. Beim Aufstehen vom Bett merkte ich ein seltsames Ziehen im Bereich Muttermund, habe mir dabei aber nix gedacht, weil ich so etwas öfter mal hatte. Ich ging rüber ins Badezimmer und zog mir die Hose runter und da lief es auch einmal wie von selbst. Ein seltsamer sehr flüssiger Schleim der nicht aufhörte rauszutropfen und sich nicht von mir aufhalten ließ. Wir dachten dass das ja nur Fruchtwasser sein könne. Ich sah auf die Uhr: es war 17:30Uhr und während ich noch dachte: Wow! gingen bei mir auch gleich die Wehen los. Keine leichten sondern gleich die dicken „Bomberwehen“ in Zwei-Minuten-Abständen. Mein Mann ging dann ins Wohnzimmer an den PC um unsere Kamera „leer“ zu machen, während ich mich umzog. Dann kamen meine Schwiegereltern wie gerufen mit unserer „Großen“ nach Hause und gerieten in helle Aufregung als sie hörten dass es losgeht. Meine Schwiegermutter meinte dann noch zu meinem Mann wie er sich denn in dieser Situation am PC Bilder angucken könne, dabei machte er doch nur die Speicherkarte der Kamera leer. Obwohl ich megastarke Wehen hatte, sagte ich noch zu ihr, dass das schon ok sei und dass wir die Kamera bräuchten. Unglaublich, aber ich war die Ruhe selbst. Mein Schwiegervater machte seinen Wagen „wasserdicht“ und los ging es.

Die Autofahrt machte mich sehr viel Spaß, denn wegen der starken Wehen, dachte ich dass ich gleich den Haltegriff über der Tür rausreißen würde. Am Krankenhaus angekommen, musste ich mich dann auch noch in einen unbequemen Rollstuhl zwängen und mich von allen doof angucken lassen. Es war ja mehr als offensichtlich weshalb ich da war. Aber oben im Kreissaal angekommen, freute ich mich doch sehr dass dieselbe Hebamme (Sonja) Dienst hatte, die auch meine Tochter geholt hatte. Außerdem war noch eine Hebammenschülerin (Lisa) mit dabei. Das fand ich richtig gut, weil ich finde dass man denen die Chance auf möglichst viele Geburten geben sollte. Besser kann man gar nicht lernen. Außerdem wäre ich alleine nie auf die Idee gekommen, dass sie eine Schülerin sein könnte, weil sie ihre Sache wirklich sehr gut gemacht hat.

Na ja jedenfalls war es etwa 18:15 Uhr als wir im Kreissaal ankamen. Die Hebamme schloss mich ans CTG an und tastete den Muttermund. Die Fruchtblase war noch erhalten und der Mutermund bei 8 cm!!!! Ich konnte es kaum glauben! Der Schleim zu Hause war wahrscheinlich der Schleimpropf gewesen. Sonja meinte, dass wir auch gleich die Fruchtblase öffnen könnten, dann würde das noch schneller gehen. Ich sagte ihr aber dass ich bis vor knapp zwei Stunden noch durch den Park spaziert wäre und das mir das ein wenig zu schnell geht. Sie lachte und sagte wenn ich es mir anders überlegen würde solle ich Bescheid geben. Kaum lag ich auf dem Bett, kamen auch schon zwei Ärzte rein die mir einen Zugang legen wollten. Der erste Versuch misslang (ich hätte sie killen können) aber der zweite saß dann. Dann fragte mich Sonja ob ich nicht eigentlich den Hebammenkreissaal (Entbindung nur mit Hebammen ohne Ärzte) machen wollte. Ich bejahte, obwohl mir das zu diesem Zeitpunkt schon egal war, denn die Wehen kamen zeitweise schon ohne Pause.
Dann lag ich eine ganze Zeit lang nur auf der rechten Seite und veratmete eine Wehe nach der anderen während mein Mann und Lisa an meiner Seite waren. Irgendwann merkte ich, dass mir schlecht wurde. Da ich bei meiner Tochter unter der Geburt auch gespuckt habe, sagte ich schnell Lisa Bescheid, die auch sofort eine Nierenschale und einige Tücher zur Hand hatte. Da die Wehen mittlerweile nur noch ohne Pause kamen, hatte ich dann doch gar keine Zeit zum spucken und die Übelkeit ging auch kurz darauf wieder. Dafür meinte ich, dann dass ich Pipi müsse. Lisa fragte mich dann, ob ich zur Toilette gehen wolle oder ob ich eine Bettpfanne haben wolle. Ehrlich gesagt wollte ich weder das eine noch das andere. Zur Toilette hätte ich es in diesem Zustand niemals und in eine Bettpfanne machen kann ich einfach nicht (schon mal gar nicht wenn alle daneben stehen). Aber da ich ja eine Entscheidung treffen musste, musste ich wohl oder übel für die Bettpfanne stimmen. Ich hätte am liebsten einfach laufen lassen… #schein Als Lisa dann mit der Pfanne kam, war das Gefühl Pipi machen zu müssen schon wieder weg und ich hatte plötzlich einen enormen Pressdrang. Ich rief Lisa dass ich pressen wolle. Sie sagte, dass ich das wegatmen solle da das Kind noch nicht richtig läge und ich ihm schaden könne. Die hatte echt gut reden. Solche Wehen weg zu atmen ist fast unmöglich. Ich schaffte es aber irgendwie und Lisa tastete schnell den Muttermund. 10 cm und der Gebärmutterhals fast ganz verstrichen. Ich solle weiter Presswehen wegatmen. Ich konnte aber nicht mehr. Bei der nächsten Presswehe dachte ich mir, dass die das doch bestimmt nicht merken würde wenn ich ein klein wenig pressen würde :-D Das dachte ich wirklich! Völliger Quatsch, wie sich herausstellte, denn plötzlich guckte unten die Fruchtblase heraus. Muss echt lustig ausgesehen haben, denn alle gucken erst erschrocken dann amüsiert. Lisa rief Sonja herbei und sagte dass sie jetzt die Blase öffnen würde. Das gestaltete sich scheinbar schwieriger als gedacht denn es dauerte für mein Gefühl eine Ewigkeit bis sie endlich auf war. Plötzlich war das ganze Bett unter Wasser aber mich scherte das wenig denn die nächste Presswehe kam. Endlich durfte ich mitschieben. Ich musste nur dreimal leicht mitschieben und PLOPP war er da.

Unser GABRIEL!!!! 52 cm groß – 3840 g schwer und einen Kopfumfang von 36 cm
Am 1. März 2010 um 19:04 Uhr erblickte er das Licht der Welt!

Ich konnte alles fühlen. Wie der Kopf raus kam und auch der Rest! Ich war so unendlich stolz auf mich, dass ich es ohne Schmerzmittel geschafft habe und froh dass ich alles spüren konnte. Das hat mir bei der Geburt meiner Tochter mit PDA nämlich gefehlt. Deshalb wollte ich diesmal alles mit Schmerzen Die Hebammen sagten auch dass ich gar keine Zeit für eine PDA gehabt hätte denn wir waren ja nur 50 Minuten im Kreissaal. Auch wenn ich während der Wehen sehr oft diese drei Buchstaben – PDA – im Kopf hatte.

Was für eine Turbo-Geburt! Lustig war auch dass Gabriel bei der Geburt seine rechte Hand am Kopf hielt. Er stürzte also heraus wie Superman. ;-)
Es ging alles so schnell, dass ich etwas Zeit brauchte um zu realisieren was da gerade passiert ist. Ich hielt unseren ersten Sohn im Arm und konnte nur noch lachen vor Glück.

Bei der Nachuntersuchung stellte die Hebamme außer einer kleinen Abschürfung auch keine weiteren Geburtsverletzungen fest.

Während es mich bei unserer Tochter sofort nach der Geburt gepackt hat und ich erstmal losgeheult habe vor Freude, habe ich es bei Gabriel erst ein paar Tage nach der Entbindung gehabt. Wie aus heiterem Himmel musste ich plötzlich losheulen vor Glück.
Ich bin Gott unendlich dankbar für diese zwei wunderbaren Kinder und diese traumhaft schönen Geburten und wünsche jeder Schwangeren eine solch tolle Geburt wie die von Gabriel.

Beitrag von snoopy86 13.04.10 - 15:27 Uhr

#herzlichlichen Glückwunsch #klee #flasche

OH, was für eine schöne Geburt! Und sooo schnell!
Das will ich bei der 2. Entbindung auch.

Alles gute

Kristina mit Simon und Hannah im Bauch 26+2

Beitrag von dschinie82 13.04.10 - 15:31 Uhr

Wow, hab richtig Gänsehaut bekommen.
Toller Geburtsbericht und tolle Geburt!

Herzlichen Glückwunsch zu deinem Gabriel und viel Freude mit ihm!

LG
Dschinie

Beitrag von frische 13.04.10 - 16:29 Uhr

Nu sitze ich hier und heule auch ein bißchen .... ;-)
Herzlichen Glückwunsch!! Ich gehe auch in den Hebammenkreissaal!

Alles Liebe und Gute,
Christina

Beitrag von wir3inrom 13.04.10 - 19:41 Uhr

Ich sitz hier und heule wie ein Schloßhund!
Was für eine schöne Geburt und du hast so tolle Unterstützung gehabt!

Euch 4 alles Gute!

Beitrag von wiebkehanssen 14.04.10 - 14:00 Uhr

Gabriel, alles Gute auf dieser Welt

Beitrag von -sunshine-1985- 15.04.10 - 09:32 Uhr

Hast du schön und lustig geschrieben... ich habs mir bildlich vorgestellt... vor allem mit der Bettpfanne und musste #rofl#rofl#schein

Wünsche euch alles alles Gute #klee
Irene (ET-11 #zitter)

Beitrag von becca04 15.04.10 - 12:51 Uhr

Hallo,

ich gratuliere Dir zu der Geburt Deines Sohnes!

Aber ich muss nun doch einmal meine kritische Stimme erheben und vor der Einnahme von Rhizinus-Cocktails zur Geburtseinleitung (v.a. ohne Hebammenaufsicht!) warnen - ich hatte bei meiner ersten Geburt so ziemlich exakt die gleiche Erfahrung gemacht wie Du: Die Wehen kamen relativ schnell nach Einnahme des Cocktails in 1-2-Minuten-Abständen und waren wahnsinnig schmerzhaft (ich habe den Cocktail allerdings bei ET+9 genommen und wollte auf diese Weise dem Wehenbelastungstest bzw. einer Einleitung im KH bei ET+10 entgehen! Aus Deinem Post wurde nicht recht deutlich, wann und v.a. auch warum Du eingeleitet hattest).

Im Unterschied zu Deiner zweiten Geburt hat meine erste aber wesentlich länger gedauert. Vor allem die Austreibungsphase war sehr lang und - nicht nur durch die anfangs ineffizienten Cocktail-Wehen sondern auch weil ich auf Anweisung der Ärzte gegen mein Bedürfnis pressen musste - sehr erschöpfend.

Ich habe nach der Geburt zu Wehencocktails sehr viel gelesen und herausgefunden, dass dieser "Wehensturm" eine typische Konsequenz des Cocktails sein kann, der für das Baby bösen Stress bedeuten kann. Manche Babies vertragen - laut Aussage meiner FÄ - auch das Rhizinus-Öl nicht (schlechte Herztöne).

Bei meiner 2. Geburt, die ohne jede künstliche Eingriffe und v.a. noch viel schneller und wesentlich weniger ermüdend vonstatten ging, habe ich gelernt, dass Geschwindigkeit eben nicht alles ist bei einer Geburt!

LG,
B.

Beitrag von 2nini1983 15.04.10 - 18:42 Uhr

Ist wirklich lieb dass du davor warnst. Bei mir hat der Cocktail allerdings gar nicht gewirkt. Ich habe den um halb zwei getrunken und um halb sechs kamen erst die Wehen. Außerdem hätte den Wehen eine Darmentleerung voran gehen müssen was bei mir nicht so war.

Ist bei mir so schnell gegangen weil meine Tochter nur 11 Monate vorher zur Welt kam.

Wollte den weil ich Angst hatte dass der Kleine zu groß wird und ich ihn nicht spontan entbinden kann.