Dunkle Familiengeheimnisse - kennt ihr sie??

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von nele27 14.04.10 - 09:31 Uhr

Moin Ihr Lieben,

man sagt ja, in jeder Familie gibt es Leichen im Keller ... wisst ihr von Euren??

Ich weiß ein paar Sachen, die heikel sind und über die bis heute von einigen Leuten der Mantel des Schweigens gedeckt wurde. Über einiges wird bis heute nicht offen gesprochen. Einzig meine Tante ist dafür, über solche Dinge auch mal kritisch zu diskutieren, von der erfahre ich manchmal was.

Andere Sachen waren früher heikel, aus heutiger Sicht aber nicht mehr und sind daher nicht mehr mit Vorsicht zu genießen. Zum Beispiel, dass mein Opa und seine Zwilligsschwester uneheliche Kinder aus einer heimlichen Affäre sind - kräht heute kein Hahn mehr nach.

Und dann gibt es wiederum Dinge, die vor allem drauf gründen, dass Familienmitglied x sich mit y nicht versteht. Da tun sch meine Leute auch schwer mit Aussprachen.

Wie sieht das bei Euch aus, gibts dunkle Geheimnisse? Wie geht Eure Familie damit um? Bin mal neugierig!

LG, Nele

Beitrag von dornpunzel 14.04.10 - 09:46 Uhr

Morgen,

jep, ich könnte einen Roman über unsere dunklen Familiengeheimnisse schreiben.

Ich hätte anzubieten:

- eine Tante, die ihr Neugeborenes erstickt hat
- eine Tante, die ihre Kinder in einer Nacht- und Nebelaktion vom Jugendamt weggenommen bekam, weil die Kinder an Vergiftungen litten
- einen Onkel, der schon wegen Betrug und gefährlicher Körperverletzung im Gefängnis saß
- einen Cousin, der der Nazi-Szene angehört und ein Vorstrafenregister hat, das hier den Platz sprengen würde
zu guter letzt läuft zur Zeit - nach allem, was ich höre - gegen eine Cousine ein Verfahren wegen Drogenhandels.

Gesprochen wird mit mir darüber nicht. Ich bin eine Ausgestoßene und werde nicht mehr als Teil dieses Teils der Familie angesehen.

Ist meine Strafe dafür, dass ich weggezogen bin und mit diesem Teil der Familie nichts mehr zu tun haben möchte. Als Gipfel der Unverschämtheit veröffentliche ich meine Romane nur unter Pseudonym und verleugne wo ich herkomme.

Ich bin das schwarze Schaf. #huepf

Gruß,
Dornpunzel

Beitrag von chaoskati 14.04.10 - 09:49 Uhr

Würde eher sagen, du bist das weiße Schaf unter vielen schwarzen!

Gruß Kati

Beitrag von berry26 14.04.10 - 10:50 Uhr

"Ich bin das schwarze Schaf"

Auf den Status wäre ich bei DER Familie stolz!;-)

Beitrag von gunillina 14.04.10 - 18:45 Uhr

Du schreibst Bücher????
Schick mir mal ne PN, ich würde gern wissen, was du schreibst. Wenn du es hier nicht so offen darlegen möchtest, meine ich.

Manchmal ist es gut, ein schwarzes Schaf zu sein, oder?:-)

Beitrag von lotte79 14.04.10 - 09:49 Uhr

Hallo Nele,

ja auch bei uns gibt es wohl so einige dunkle Geheimnisse (näher drauf eingehen möchte ich jetzt nicht).

Gesprochen wird darüber so gut wie nie. Mehr so nebenbei habe ich sie als Jugendliche erfahren. Das meiste ist passiert als ich noch klein war, daher hatte ich da keine Erinnerung mehr dran.

Naja ich finds logisch das da nicht drüber gesprochen wird. Zumindest bei uns. Sind zwar keine wirklich schlimmen schlimmen Sachen aber da man da nicht stolz drauf sein kann wird halt geschwiegen.....

LG

Silke

Beitrag von coronacora 14.04.10 - 09:53 Uhr

Hallo,

vor nicht allzu langer Zeit habe ich von einem "Familiengeheimis" erfahren. Allerdings wurde mir das von einer Tante erzählt, die für ihre Boshaftigkeit sehr bekannt ist. Das Geheimnis betrifft meine Oma. Sie ist schon ziemlich alt und schwer krank. Ich möchte sie darauf nicht ansprechen, weil ich weiß, dass es sie sehr kränken wird, wenn es nicht stimmt und sie sich sehr schämen würde, wenn es stimmt.

Mir ist es egal. Für mich ist das ein Gerücht. Und auf Gerüchte gebe ich nichts. Vielleicht werde ich mal meine Mutter darauf ansprechen, wenn meine Oma nicht mehr da ist.

Liebe Grüße,

cora

Beitrag von darkblue81 14.04.10 - 10:21 Uhr

Hallo,

ein paar Sachen weiß ich, allerdings würde ich auch nicht alles wissen wollen, mit den meisten aus meiner Familie habe ich eh nicht viel Hut.

Das eine Thema was mich indirekt betrifft, das wird totgeschwiegen, was mich manchmal echt wahnsinnig macht, aber was soll man tun, wenn man mit der Person um die es da geht absolut nicht reden kann #kratz

Grüße

Beitrag von tauchmaus01 14.04.10 - 10:35 Uhr

Ja#cool

Beitrag von sonnenstern-115 14.04.10 - 10:36 Uhr

Hi Nele,

ja, es gibt Familiengeheimnisse. Ich bin als Jugendliche auf eines gestoßen und daran fast kaputt gegangen, dass meine Familie einfach nicht darüber reden wollte. Sie schweigen ALLES tot, aber in erster Linie nicht aus Scham, sondern weil sie das Erlebte selber nicht verarbeitet haben und darunter leiden.

Erst als ich selber fast am Schweigen zu zerbrechen drohte konfrontierte ich meine Eltern ganz offensiv mit der Wahrheit und der Vergangenheit. Das hat tiefe Wunden gerissen und wir hatten über Jahre hinweg ein gestörtes Verhältnis, aber jetzt ist es besser. Wir können offen reden - zumindest wir Geschwister mit unseren Eltern. Der Rest der Familie ist mir ziemlich egal diesbezüglich.

Liebe Grüße dir,

Sonnenstern

Beitrag von nele27 14.04.10 - 11:28 Uhr

Gut, dass Du es gefragt hast!
Ich habe es leider verpasst: Bei meiner Lieblingsoma, weil sie tot ist und bei meiner Mutter, weil ich den Kontakt gekündigt habe... nun muss ich meine Tante ausquetschen.

LG, Nele

Beitrag von sandra7.12.75 14.04.10 - 10:54 Uhr

Hallo

Ja,gibt es.Allerdings redet da heute keiner mehr davon.
Mein Großvater hat mit einer anderen Frau noch ein Kind.Das habe ich letztes Jahr von meinem Verwanten erfahren.
Mein Mann ist letzte Woche etwas eingefallen was er schon Jahre mit sich rumschleppt.Er hat als Kind mit ansehen müssen wie sein Vater versucht hat die Mutter umzubringen #schock.
Ich sollte mit einer Stricknadel abgetrieben werden.Habe ich auch erst letztes Jahr erfahren.
Die Großeltern von meinem Mann haben beide ein Kind aus erster Ehe.Aber die sind beim Partner geblieben.Da wurde nie drüber geredet.Meine Geschwister wußten von den Plänen meiner Mutter.

Wie ich damit umgehe.Therapie nachdem ich letztes Jahr umgekippt bin.
mein Mann wird sich auch einen Platz suchen dürfen.Am besten machen wir einen Club auf.

So werde mal Stauden pflanzen.

lg
lg

Beitrag von nele27 14.04.10 - 11:24 Uhr

#schock

Ui, da gibt es ja einiges... das mit der Stricknadel scheinen einst einige versucht zu haben. Habe auch so einen Fall in der Familie.

Schon krass, was in den meisten "normalen" Familien so los ist...

LG, Nele

Beitrag von kruemlschen 14.04.10 - 10:56 Uhr

Hallo,

ne bei uns in der Familie gibts keine "dunklen Geheimnisse".

Ich habe das Glück eine Familie zu haben, die sich nichts aus Heimlichtuerei macht, wo jeder seine Meinung sagen darf und alles laut ausgesprochen wird/werden darf.

Insofern empfinde ich Dinge, die für andere möglicherweise ein "dunkles Geheimnis" sind, als völlig normal.

So weiß ich z.B. über die uneheliche Geburt meiner Oma #schock oder den paraitären Zwilling meiner Tante, die jahrelange heimliche Affaire meiner Tante oder den geldbedingten Familienstreit zwischen meiner Oma und meiner Mama sowie ihrem Bruder, usw. usf.

Das einzige Thema über das bei uns zur Zeit keiner spricht, ist der sehr wahrscheinlich tödliche Verlauf der Krebserkrankung meines Papa's #schmoll
Eigentlich weiß jeder, dass er über kurz oder lang daran sterben wird aber im Moment ist das Thema bei uns total tabu :-(

LG Krüml

Beitrag von asimbonanga 14.04.10 - 11:15 Uhr

Hallo,
ich dachte ich würde alle kennen.
Mein Vater hat seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben---er wurde kurz vor seinem Tod damit fertig.Da war dann doch noch ein "Hammer" für mich enthalten.
Sein Bruder, mein absoluter Lieblings-Onkel--der Held meiner Kindheit-groß, gut aussehend ,mir sehr zugetan---------war in seiner Jugend ( bevor die Familie flüchten musste ) der örtliche HJ-Führer#schock#schock#schock---das soll auch für meinen Großvater eine schwierige Situation gewesen sein, obwohl diese Tatsache der Familie Vorteile verschafft hat.
Mein Onkel ist schon einige Jahre tot.............
es waren halt nicht immer nur die Anderen.
Mich beschäftigt diese Tatsache.........er hat mich ermutigt und gefördert.Er war sensibel und künstlerisch begabt--ach ,es passt einfach nicht in mein Bild von ihm.:-(

L.G.

Beitrag von nele27 14.04.10 - 11:27 Uhr

Ja, Nazi-Verwandtschaft ist nicht schön ... mir reicht es schon, dass meine Großeltern Mitläufer waren, praktisch neben einem KZ wohnten und angeblich überhaupt nichts mitbekamen.
Die fragten sich offenbar auch nie, warum die Züge immer nur in eine Richtung fuhren #schock

Ich glaube, die NS-Zeit hat einfach das Schlimmste im Menschen zutage gebracht. Wer weiß, wie wir, unsere Freunde und unsere Verwandten drauf wären, wenn wir die Gelegenheit dazu hätten...

LG, Nele

Beitrag von asimbonanga 14.04.10 - 11:43 Uhr

Ich dachte immer die ganzen Urkunden ( abgestempelt zum Ariernachweis ) hätte er für das Lehrerseminar vorlegen MÜSSEN--------
und freute mich Geburtsurkunden meiner Ur,Ur -Großeltern zu besitzen--------
es bleibt eine Enttäuschung...............

Beitrag von kruemlschen 14.04.10 - 11:32 Uhr

Wer weiß wie es Deinem Onkel samt Familie ergangen wäre, wenn er der HJ nicht angehört hätte...

Ich finde es immer schwierig darüber zu Urteilen wie sich die einzelnen Menschen damals hätten verhalten sollen...

LG Krüml

Beitrag von nele27 14.04.10 - 11:34 Uhr

Naja, aber es zum Chef bringen heißt schon etwas anderes als Mitglied zu sein...

Wenn es um Mitglieder geht, geb ich Dir Recht. Da war wohl bei vielen die Angst vor Nachteilen. Aber keiner, der es nicht wollte, musste bis nach oben aufsteigen...

LG, Nele

Beitrag von asimbonanga 14.04.10 - 11:39 Uhr

Eben-----------

Beitrag von reli73 14.04.10 - 15:36 Uhr

Hallo..

sowas in der Richtung habe ich auch erst vor
ca. 1 Jahr erfahren.
Meine Ur-Oma war die *weiß gerade nicht, wie man das richtig nennt* Frauen - Gruppenleiterin in der Region, in der sie wohnte - und wurde auch verhaftet und saß einige Zeit im Gefängnis. Inzwischen musste meine (allerliebste #liebdrueck) Oma sich um ihre kleinen Geschwister
kümmern.
An sowas hätte ich nie bei ihr gedacht. Aber ich hab ja zu der Zeit noch nicht gelebt - also urteile ich da mal nicht drüber.
Beschäftigen tut es einen schon sehr.

Gruß Reli

Beitrag von s3f 14.04.10 - 21:18 Uhr

Ab `39 war die HJ Pflicht für alle 10 bis 18 jährigen#aha
Hast du dich mal drüber informiert?

Beitrag von asimbonanga 14.04.10 - 21:34 Uhr

Nein habe ich noch nicht----------

seine jüngeren Brüder waren nicht in der HJ

Beitrag von king.with.deckchair 15.04.10 - 22:21 Uhr

Meine Oma (Jahrgang 1924) hat mir mal gesagt "Der Hitler hat uns junge Leute, die wir damals waren, doch nur verarscht und benutzt."

Hintergrund: Sie erzählte mir, wie toll sie als junges Mädchen und mitten in der Pubertät mit all' ihren Auswüchsen, wie wir sie doch heute auch kennen (Schwärmerei, Cliquenwirtschaft mit Gleichaltrigen, von den Alten abgrenzen wollen, hohe Ideale haben wollen, Idole haben wollen...) den BDM fand. Leider habe sie als Kind von Bauersleuten nicht so mittun können, wie sie gern wollte, aber sie beschrieb mir dieses Gefühl der Gemeinschaft so intensiv, dass mir da zum ersten Mal der Gedanke kam "Wer weiß, ob sie dich nicht auch hätten einfangen können mit der Masche...?!" #gruebel

Ich meine, wir kennen doch fast alle aus unserer Jugend mehr oder weniger fanantisches Hinterhergerenne hinter irgendeinem Idol, einer Idee, einer Weltverbesserungstheorie, einer Religion, was auch immer. Und wir wurden nicht professionell eingelullert* und demagogisch "wertvoll" sondern doch meist pädagogisch wertvoll erzogen. Bekamen beigebracht, kritisch und selbst denkend zu sein.

*Na gut, aber schau mal auf die BRAVO oder auf DSDS, wie leicht man da jungen Menschen dazu bringen kann, in Gemeinschaft und fanatisch Idioten und blödsinnigen Ideen hinterher zu rennen.

Ich denke daher, wir sollten über Menschen, die zur Nazizeit Kinder und Jugendliche waren und diesem Mist inkl. einer "Karriere" in der HJ nachrannten, nicht den Stab brechen. Bei Erwachsenen sieht das schon anders aus.

Ich denke - und damit zurück zu meiner Omi - viele dieser Jungen und Mädchen wurden wirklich verarscht, indoktriniert und schlicht benutzt. Meine Omi fühlte sich jedenfalls so - verraten und benutzt und angewiedert, dass das, was sie für eine schöne neue Gemeinschaft mit Volksliedern singen und so weiter hielt, eine solche Tötungsmaschinerie im Hintergrund hatte. Und ich glaube ihr, dass sie - junge Frau auf dem platten Land am Rande des Taunus - die Ausmaße wirklich nicht kannte.

Vielleicht war es bei deinem Onkel ja ähnlich...
LG
Ch.

Beitrag von petunia72 14.04.10 - 23:00 Uhr

Es waren nicht alle Jugendlichen in der HJ, auch ohne große Repressalien zu erfahren.
Außerdem geht es hier doch mehr um die Tatsache, dass er der örtliche HJ-Führer geworden ist.
Das wurde man nicht als reiner Mitläufer.

Und egal wie die Zeiten damals waren, es ist immer schwierig zu erkennen, dass liebe Menschen sich nicht ehrenhaft und edel verhalten haben, sondern Fehler gemacht haben, auch wenn es vielleicht menschlich ist.
Und HJ-Führer sein zu wollen, ist sicher mehr als ein kleiner Fehler.
Ich kann asimbonga sehr gut verstehen, auch dass sie ihren Onkel trotzdem in lieber Erinnerung behält.

Lg tina